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Brigitte Beckmann-Rügamer ist SeMa-Leserin und übernimmt die Vorsorge für eine erkrankte Bekannte.

Wenn Vertrauen zur Falle wird – wie kann man so sein?

Aus dem SeMa März 2026 · Beitrag · 1 Minuten

Brigitte Beckmann-Rügamer ist SeMa-Leserin und übernimmt die Vorsorge für eine erkrankte Bekannte.
Brigitte Beckmann-Rügamer ist SeMa-Leserin und übernimmt die Vorsorge für eine erkrankte Bekannte.

Foto: privat

Anfang November erreichte mich die Nachricht, dass eine Bekannte schwer erkrankt sei und Unterstützung brauche. Als ich ihr das erste Mal Lebensmittel brachte, traf mich ihr Zustand wie ein Schlag. Sie war todkrank – und in vielerlei Hinsicht schutzlos.

Mit zwei Freunden übernahm ich die Vorsorgevollmacht und kümmerte mich um Behörden, Unterlagen und die Begleitung in den Kliniken. Auch ihre Wohnung mussten wir ordnen. Dabei stießen wir auf Unterlagen, die uns stutzig machten: Rechnungen über einen Goldankauf – finanziert aus der vorzeitig ausgezahlten Riester-Rente.

Der Verkäufer war telefonisch nicht erreichbar. Auf Nachrichten reagierte er nicht, obwohl die Dringlichkeit bekannt war. Die Adresse auf seiner Visitenkarte existierte nicht. Erst kurz vor Weihnachten meldete er sich zurück. Das Treffen sollte in einem Café stattfinden – für mich ein erstes Warnsignal.

Seine Erklärung: Die Wertentwicklung des Goldes sei „nicht wie erwartet“ verlaufen – unter anderem wegen Corona und der Kriege. Zudem befinde sich das Gold in der Türkei und sei derzeit nicht verfügbar. Obwohl er wusste, dass ich keine finanziellen Entscheidungen treffen darf, bot er mir gegen Unterzeichnung eines vorbereiteten Schreibens 3000 € sofort sowie 150 € monatlich über drei Jahre an. In Summe wären dies etwa die rund 8500 €, für die meine Bekannte das Gold gekauft hat.

Fachleute bestätigen: Der Goldpreis hat sich seit dem Ankauf 2020 deutlich erhöht. Umso unverständlicher sind seine Aussagen. Wir haben inzwischen anwaltliche Schritte eingeleitet. Ob das investierte Geld jemals zurückkommt, ist fraglich.

Was mich bewegt: Der Verkäufer kannte die Betroffene seit Jahren. Er wusste, dass sie am Existenzminimum lebt. Vertrauen darf kein Geschäftsmodell sein – und schon gar nicht auf dem Rücken von Menschen in Not.

Text: Brigitte Beckmann-Rügamer