
Fotos: Bert Verhoeff/Anefo, Nationaal Archief, CC BY-SA 3.0 NL; Courtesy Gerald R. Ford Presidential Library; White House Photograph/Gerald R. Ford Library, Public Domain; Jimmy Carter Campaign Committee/Public Domain; Richard Rutter, CC BY 2.0
Helmut Schmidt regierte die Bundesrepublik, Erich Honecker die DDR, Jimmy Carter gewann die amerikanische Präsidentschaftswahl, und die Ausbürgerung Wolf Biermanns sorgte für Aufsehen weit über die innerdeutsche Grenze hinaus. Auch in der Musik, im TV und beim Sport war 1976 viel los. Wir blicken zurück auf einen bewegten November vor 50 Jahren.
Ein neuer Präsident für Amerika
Eine der wichtigsten Nachrichten des Monats kam gleich zu Beginn aus den USA: Am 2. November 1976 wählten die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Der Demokrat Jimmy Carter setzte sich knapp gegen den amtierenden Republikaner Gerald Ford durch. Carter, zuvor Gouverneur des Bundesstaates Georgia, war international noch vergleichsweise unbekannt.
Die USA hatten den Vietnamkrieg hinter sich, die Watergate-Affäre hatte das Vertrauen in die Politik erschüttert, und wirtschaftliche Probleme beschäftigten das Land. Im Januar 1977 zog Carter ins Weiße Haus ein. Vier Jahre später verlor er die Wahl gegen Ronald Reagan.

Helmut Schmidt bleibt Bundeskanzler
Auch die Bundesrepublik hatte gerade eine Wahl hinter sich. Bei der Bundestagswahl am 3. Oktober waren CDU und CSU unter Helmut Kohl stärkste Kraft geworden. Für einen Regierungswechsel reichte es jedoch nicht. SPD und FDP verfügten gemeinsam weiterhin über eine Mehrheit.
Damit konnte Helmut Schmidt Bundeskanzler bleiben. Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und internationale Sicherheit gehörten zu den großen Themen seiner zweiten Amtszeit.

Die Ausbürgerung Wolf Biermanns
Das wohl bedeutendste deutsch-deutsche Ereignis des Novembers begann mit einem Konzert. Der Liedermacher und Regimekritiker Wolf Biermann lebte in der DDR, durfte dort aber seit 1965 nicht mehr öffentlich auftreten. Im Herbst 1976 erhielt er die Genehmigung, für ein Konzert in die Bundesrepublik zu reisen.
Am 13. November trat Biermann in der Kölner Sporthalle auf. Nur drei Tage später teilte die DDR-Führung mit, ihm werde die Staatsbürgerschaft entzogen. Biermann durfte nicht mehr zurückkehren.
Doch die SED-Führung hatte die Reaktionen unterschätzt. Namhafte Künstler und Schriftsteller protestierten, darunter Christa Wolf, Stefan Heym, Manfred Krug und Jurek Becker. Die Biermann-Ausbürgerung wurde zu einer Zäsur. In den folgenden Jahren verließen zahlreiche Künstler und Intellektuelle die DDR.
Ein Telefon mit Tasten
Zwischen den großen politischen Meldungen gab es im November 1976 auch Nachrichten, deren Bedeutung erst später sichtbar wurde. Am 15. November stellte die Deutsche Bundespost neue Tastentelefone vor. Bis dahin gehörte die Wählscheibe zum vertrauten Bild eines Telefons.
Auch andernorts nahm die technische Zukunft Gestalt an: Im selben Jahr gründeten Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne in Kalifornien Apple Computer. Dass daraus einmal eines der größten Technologieunternehmen der Welt entstehen würde, konnte damals kaum jemand ahnen. Vor allem Mitgründer Wayne hätte sich dies nicht vorstellen können, und so gab er seine Anteile nach nur elf Tagen an seine beiden Mitgründer ab.

ABBA erobert die Welt
Musikalisch war 1976 ein bemerkenswertes Jahr: Zwei Jahre nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest waren ABBA endgültig internationale Superstars. Im Herbst erschien das Album „Arrival“ mit Liedern wie „Dancing Queen“, „Money, Money, Money“ und „Knowing Me, Knowing You“.
Auch Boney M. gelang 1976 der internationale Durchbruch. Mit „Daddy Cool“ und „Sunny“ wurde die Gruppe zu einem der erfolgreichsten Disco-Acts der kommenden Jahre.
In Deutschland blieb gleichzeitig der Schlager enorm populär. Udo Jürgens, Peter Alexander, Howard Carpendale oder Juliane Werding gehörten zu den bekannten Namen der Zeit.
Große Namen auf dem Bildschirm
Zu den großen Fernsehstars gehörten Peter Alexander, Hans Rosenthal, Rudi Carrell und Wim Thoelke. Rosenthals „Dalli Dalli“ lief bereits seit 1971, Carrell begeisterte mit „Am laufenden Band“ ein Millionenpublikum. Beim „Großen Preis“ von Wim Thoelke wurden auch Wum und Wendelin zu Publikumslieblingen.
1976 eroberten zudem Kermit der Frosch, Miss Piggy und ihre Kollegen die deutschen Bildschirme: Die „Muppet Show“ wurde erstmals in Deutschland ausgestrahlt.
Beckenbauer und die Bayern
Sportlich stand 1976 unter anderem im Zeichen des FC Bayern München. Die Mannschaft um Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller und Uli Hoeneß gewann zum dritten Mal hintereinander den Europapokal der Landesmeister. Im Finale besiegten die Münchner AS Saint-Étienne mit eins zu null.
Ende des Jahres folgte der nächste Triumph: Gegen den brasilianischen Klub Cruzeiro gewann Bayern den Weltpokal. Franz Beckenbauer wurde zudem zum zweiten Mal nach 1972 mit dem heutigen Ballon d’Or als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet.
Ein Jahr zwischen zwei Epochen
Aus heutiger Sicht wirkt 1976 wie ein Jahr zwischen alter und neuer Welt. Der Kalte Krieg und die deutsche Teilung bestimmten die Politik. Gleichzeitig kündigten neue Technologien und junge Computerfirmen bereits eine Zukunft an, die damals kaum vorstellbar war.

Viele Namen sind bis heute bekannt: Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Jimmy Carter, Franz Beckenbauer oder ABBA. Andere Ereignisse wie die Ausbürgerung Wolf Biermanns sind längst Teil der Geschichtsbücher.
Text: Jan Philipp Platenius
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