
Vor sieben Jahren hat Dr. Elke Franzki, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, ihre Praxis aufgegeben. Zur Ruhe gesetzt hat sich die inzwischen 75-Jährige aber nicht, sie arbeitet seitdem als Sexualtherapeutin in Hamburg-Ottensen. Und sie hat gut zu tun. „Ich hatte lange mitangesehen, wie vor allem Frauen in den Wechseljahren ihre Sexualität abgegeben haben“, sagt Franzki. Vor allem einen Satz habe sie immer wieder gehört: „Ich würd ja gerne, aber es tut mir doch so weh. Mein Mann ist glücklicherweise verständnisvoll.“ Das hat die Expertin dazu angespornt, etwas für Frauen (und entsprechend auch für Paare) zu tun. Nach ihrer langjährigen Tätigkeit als Gynäkologin hat sie sich erst mal zur Sexualberaterin (Hamburger Modell) und in klinischer Sexologie (Sexocorporel) weitergebildet.
„Ich stoße etwas an, und dann kommt die Kommunikation wieder in Gang.“
Bei ihrer Arbeit geht es darum, erst mal die Kommunikation in einer Paarbeziehung wieder anzustoßen. Oft fehle es den Frauen an Aufmerksamkeit, an Kontext für ein erotisches Miteinander, wenn die Männer ihr Begehren schon deutlich im Genitalen spüren, bringt Franzki es auf den Punkt. „Ich will eigentlich nur kuscheln, schon merke ich, dass er einen Ständer kriegt.“ Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass viele Männer ihre Zuneigung über Sex ausdrücken, beschreibt die Sexualtherapeutin das „Problem“. Wer in einer Paarbeziehung länger oder lange keinen Sex hat, dem fehle etwas. „Beiden fehlt etwas. Den Frauen fehlt das Emotionale, das Kuschelige, das Gesehen-Werden. Und den Männern fehlt der Sex. Dadurch bleibt ein Groll im Raum.“
„Sich erst mal wieder annähern“
Die Expertin hat ein paar einfache Aufgaben, wie sich Mann und Frau – auch nach einer längeren Abstinenz – wieder annähern können. „Ich fange immer damit an, dass ich den Menschen (nach einem etwa einstündigen Gespräch) eine Hausaufgabe mitgebe. Eine der schlichtesten Übungen ist, dass sich die Partner mal wieder zwei Minuten lang umarmen“, sagt sie. Den Anfang dafür mache beispielsweise der eine Partner an den geraden Tagen, an den ungeraden der andere … „Und dann der sogenannte Sechs-Sekunden-Kuss – das ist deutlich länger als ein Schmatzer. Und es macht etwas mit uns, in unseren Lippen, mit unserem Körper.“
Das seien gute Übungen, sich wieder anzunähern und um dem Groll kein Futter zu geben. „Viele Frauen denken sonst gleich, jetzt läuft es sowieso wieder auf das eine hinaus und gehen in die Defensive“, so Franzki.
„Fangen Sie langsam an!“
Ansonsten ist die Vier-mal-drei-Minuten-Übung oft hilfreich. Dabei stellt zunächst der eine Part die Frage: Wie möchtest du mich in den nächsten drei Minuten berühren? „Dabei geht es um den Aspekt des Gebens. Was bist du bereit, mir zu geben?“, erläutert die Therapeutin. Und im Anschluss: Wie möchtest Du von mir berührt werden? „Dabei legt man sich hin, möglicherweise auch noch in Unterwäsche, aber ‚so nackig wie möglich‘. Die Genitalien werden erst mal außen vorgelassen.“
Eine Möglichkeit, sich wieder anzunähern, besteht auch darin, sich zu einem körperlichen Austausch zu verabreden. Und für die richtige Stimmung zu sorgen: Beide haben Zeit (und müssen nicht noch die Wäsche aufhängen, mit dem Hund gehen etc.), der Raum ist warm genug, die Handys werden ausgestellt – einfach sicherstellen, dass eine gute Atmosphäre herrscht.
Was ist der Erfolg der Therapie?
„Für mich ist es ein Erfolg, wenn wieder Berührung stattfindet, man sich wieder anguckt und es zu Hause eine Stimmung gibt, dass man sich sieht. Dass es zufällige Berührungen gibt, dass man sich Aufmerksamkeit schenkt – das ist für mich der erste Schritt. Und dann geht es meist von alleine weiter“, so Dr. Elke Franzki.
„Es gibt so einen schönen Satz von Esther Perel: „Foreplay starts at the end of the previous orgasm“ (zu Deutsch: Das Vorspiel beginnt nach dem letzten Orgasmus). Und das geht nicht mit Druck.“

Text: C. Chateaubourg © SeMa
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