
Fotos: Marcus Meyer, Lisa Heyn
Wann waren Sie das letzte Mal im Museum oder haben an einem Stadtrundgang teilgenommen, eine Burgruine erklommen oder sich hinter die Kulissen eines Theaters gewagt? Für viele mag all das lang her sein für andere war es erst gestern so weit. Und das ohne das heimische Sofa verlassen zu müssen. Das bundesweite Angebot „Bei Anruf Kultur“ ermöglicht kulturelle Teilhabe ganz unkompliziert per Telefon – ohne Internet, unabhängig vom Wohnort oder von der Mobilität.
Was ist „Bei Anruf Kultur“?
Die Telefonführungen sind immer live und keine Aufzeichnungen. Deutschlandweit nehmen über 125 Kultureinrichtungen am Angebot teil, Kulturvermittler*innen führen interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer per Telefon durch Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten oder kulturelle Einrichtungen. Kunstwerke, Ausstellungsräume oder historische Orte werden dabei vor dem inneren Auge lebendig und anschaulich. Dabei bleibt es nicht bei einem Vortrag: Fragen, Gedanken und Eindrücke der Teilnehmenden sind ausdrücklich willkommen. So entsteht ein lebendiger Austausch, auch ohne vor Ort zu sein.
Wer kann teilnehmen?
Das Angebot richtet sich an alle kulturinteressierten Menschen, besonders aber an Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Seheinschränkungen, Mobilitätsbeeinträchtigungen oder jene, die finanzielle Sorgen haben. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Wie funktioniert die Teilnahme?
Die Teilnahme ist denkbar einfach. Das monatlich neu erscheinende Programm (Versand per Post, Newsletter oder abruf bar über die telefonische Hotline unter 040/20 94 04 69) bietet fast jeden Tag eine telefonische Führung.
Interessierte suchen sich ihre Termine aus und melden sich direkt beim Team unter 040/20 94 04 36 oder über die Internetseite www.beianrufkultur.de an. Im Anschluss erhalten die Teilnehmenden eine Zugangsnummer. Zum angegebenen Termin wählen sie sich mit ihrem Festnetz- oder Mobiltelefon ein und nehmen gemeinsam mit anderen an der Führung teil. Die Gespräche finden in kleinen Gruppen statt, sodass eine persönliche Atmosphäre entsteht. Das Angebot ist kostenfrei; es fallen lediglich die üblichen Telefongebühren an.
Ein vielfältiges Programm
Die Themen von „Bei Anruf Kultur“ sind so vielfältig wie die Kulturlandschaft selbst. Von Zeitgeschichte über moderne Kunst bis hin zu Natur- und Regionalmuseen und vielem mehr. Als Beispiel haben wir zwei Termine im Februar ausgewählt, die Ihnen diese Bandbreite deutlich machen:
- 9. Februar | 17:00 Uhr, Kunsthalle Bremen: „Giacometti. Das Maß der Welt“
Die Ausstellung beleuchtet das Werk des berühmten Schweizer Bildhauers und Malers Alberto Giacometti und präsentiert die erste große Retrospektive in Deutschland seit mehr als zehn Jahren. Von frühen Aquarellen über Werke aus seiner surrealistischen Phase bis hin zu den ikonischen Skulpturen der Nachkriegszeit: Hier wird deutlich, wie er menschliche Figur immer wieder neu vermessen und interpretiert hat. - 19. Februar | 16:30 Uhr, Museum am Schölerberg, Osnabrück: „Was haben wir uns dabei gedacht? Die neue Dauerausstellung“
Ein Blick in ein ganz neu aufgebautes Naturkundemuseum: Diese Führung erklärt, wie Ausstellungen entstehen, welche Entscheidungen getroffen werden und wie Wissen für Besucherinnen und Besucher aufbereitet wird. In diesem Fall bestand die einmalige Chance, ein nahezu leeres Haus mit frischen Ideen und tierischen Ausstellungsstücken sowie Planetarium zum Leben zu erwecken.
Kultur, die verbindet
„Bei Anruf Kultur“ zeigt eindrucksvoll, dass kulturelle Teilhabe keine Frage von Mobilität oder Technik sein muss. Das Programm schafft Begegnung, Austausch und neue Perspektiven bequem von zu Hause aus und dennoch gemeinsam. Ein Angebot, das Ohren zum Sehen bringt und Kultur für alle hörbar macht.
Text: Annika Harder
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