Zum Inhalt springen
Regelmäßig News vom SeMa erhalten? Dann folgen Sie uns bei WhatsApp
Schriftgröße
SeMa November-HeftDas November-Heft
online lesen
Reisetermine
Gemeinsam leichter durch den Alltag

Gemeinsam leichter durch den Alltag

Aus dem SeMa November 2026 · Beitrag · 4 Minuten

Gemeinsam leichter durch den Alltag

Fotos: © BAGSO, Sachs; Magnific

Demenz – was nun?

Demenz verändert vieles. Sie nimmt Menschen aber nicht das Recht auf Selbstbestimmung, Begegnung und Lebensfreude. Demenznetzwerke sorgen dafür, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird: mitten im Hamburger Alltag.

Nach einer Demenz-Diagnose kommen viele Fragen auf: Wo gibt es eine gute Beratung? Wer entlastet pflegende Angehörige? Welche vertrauten Aktivitäten sind weiterhin möglich? In Hamburg helfen Demenznetzwerke dabei, passende Antworten und Angebote in der Nähe zu finden.

Hilfe finden, ohne lange zu suchen

In einem Demenznetzwerk arbeiten viele Stellen zusammen. Dazu gehören Beratungsstellen, Pflegedienste, Arztpraxen, Begegnungsstätten, Kirchengemeinden und Kulturorte. Auch Menschen mit Demenz, Angehörige und Nachbarn können mitwirken. „Ein gutes Demenznetzwerk stimmt Angebote ab, organisiert Veranstaltungen und sorgt dafür, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen schneller die Hilfe finden, die zu ihrem Alltag passt“, sagt Jonathan Serbser-Koal, Leiter der Fachstelle „Leben mit Demenz in Hamburg“ bei der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Niemand muss alle Hilfen selbst zusammensuchen. Netzwerke bündeln Informationen, vermitteln Kontakte und zeigen Hilfen im Stadtteil. Sie führen wie ein Lotse durch das Hilfesystem und ermöglichen Begegnung, Bewegung, Kultur und gemeinsames Erleben. Das beugt Einsamkeit vor und stärkt die Teilhabe.

Nicht über Menschen mit Demenz, sondern mit ihnen sprechen

Gemeinsam leichter durch den Alltag

Die BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen) fordert, Menschen mit Demenz konsequent zu beteiligen. Sie sollen nicht auf Erkrankung oder Pflegebedürftigkeit reduziert werden, sondern Wünsche äußern, Entscheidungen treffen und das Zusammenleben mitgestalten können.

Das gilt besonders für Demenznetzwerke. Angebote sollten nicht nur für, sondern mit Betroffenen geplant werden. Zu fragen ist: Was benötigen Sie? Was bereitet Ihnen Freude? Was erschwert die Teilnahme? Dafür braucht es verständliche Informationen und Zeit für Gespräche. Auch pflegende Angehörige gehören an den Tisch: Sie kennen den Alltag, Versorgungslücken und wissen, was sie entlastet. Die BAGSO fordert, lokal vernetzte Angebote zu erhalten, auszubauen und dauerhaft zu finanzieren.

Gemeinsam aktiv in Eppendorf

Wie das praktisch gelingt, zeigt „Leben mit Demenz in Eppendorf“ des Quartiersnetzwerks martini·erleben. Das durch das Bundesprogramm „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ geförderte Projekt verbindet Partner aus Beratung, Pflege, Kultur und Begegnung. Angeboten werden Singen, Tanzen, Konzerte und Ausstellungsbesuche. „Viele Menschen wissen zunächst nicht, welche Hilfe zu ihnen passt. Wir möchten ihnen den ersten Schritt erleichtern und Angebote vermitteln, die sie im Alltag wirklich unterstützen“, sagt Susanne Holert-Retzlaff vom Quartiersnetzwerk in Eppendorf.

Am 5. November 2026 geht es in der Reihe „Kraftanker“ des Demenzdocks der Hamburgischen Brücke um Delir und Demenz. Am 9. November findet eine Ausstellungsbesichtigung statt, am 16. November wird gesungen. Beim offenen Demenz-Netzwerktreffen am 1. Dezember können Interessierte das Projekt kennenlernen und sich einbringen. „Wir freuen uns über alle, die Demenz in Eppendorf zu einem sichtbaren Thema machen und das Miteinander im Stadtteil stärken möchten“, erläutert Susanne Holert-Retzlaff. Für 2026 ist zudem eine Neuauflage des „Wegweisers Demenz Eppendorf“ geplant. Nähere Infos finden Sie auf der Internetseite des Quartiersnetzwerks.

Gemeinsam leichter durch den Alltag

Digitale Hilfe bei Demenz verständlich gestalten

„Digitale Hilfen können zu Hause Sicherheit geben, länger ein selbstbestimmtes Leben im vertrauten Umfeld unterstützen und Angehörige entlasten. Dafür braucht es allerdings Beratung, Veranstaltungen und leicht zugängliche Möglichkeiten, die Technik begleitet auszuprobieren“, sagt Susanne Holert-Retzlaff. Technik ist jedoch nur von Nutzen, wenn sie einfach, verständlich und alltagstauglich ist. Die BAGSO fordert deshalb digitale Angebote so zu gestalten, dass Menschen mit Demenz sie möglichst selbstständig nutzen können und sie an der Entwicklung beteiligt werden. Zudem muss Beratung weiterhin auch persönlich und telefonisch erreichbar sein. Niemand darf ausgeschlossen werden, weil ein Smartphone fehlt oder eine Anwendung zu kompliziert ist.

DEMENZ: Hier bekommen Sie Hilfe

Angebote in Ihrem Bezirk

Fachstelle „Leben mit Demenz in Hamburg“ bei der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. Kontakte und regionale Angebote von Demenznetzwerken

Ansprechpartner: Jonathan Serbser-Koal, Telefon: 040/288 03 64-7901, www.hag-gesundheit.de

Leben mit Demenz in Eppendorf

Beratung, Kultur- und Begegnungsangebote von martini·erleben, Telefon: 040/780 50 40 40, www.martinierleben.de

Alzheimer Gesellschaft Hamburg e.V.

Beratung für Menschen mit Demenz und Angehörige, Gesprächsgruppen und Informationen zu Pflege und Entlastung, Telefon: 040/88 14 17 70, www.alzheimer-hamburg.de

Ankerpunkt Junge Demenz

Beratung, Gesprächsgruppen und Angebote für Kinder und junge Erwachsene erkrankter Eltern, www.alzheimer-hamburg.de/angebote/ankerpunkt-junge-demenz

Zur Autorin

Gemeinsam leichter durch den Alltag

Nadine Gold, Gerontologin, Erwachsenenbildnerin und systemische Beraterin (DGSF), leitet seit 2023 die BAGSO-Netzwerkstelle „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“. Diese wird seit 2018 vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert. Mehr Informationen und Materialien: www.bagso.de; www.netzwerkstelle-demenz.de

Text: Nadine Gold