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Modern eingerichtetes Wohnzimmer mit seniorengerechter Ausstattung.

Älter wohnen – Mit 66 Jahren fängt besonderes Wohnen an

Aus dem SeMa Februar 2026 · Beitrag · 6 Minuten

Fotos: Pixabay

Als ein Hamburger Verlag die erste Ausgabe der Zeitschrift Schöner Wohnen verkaufte, kamen gerade 3726 Hamburger Jungs und Deerns auf die Welt. Heute sind sie 66, so alt wie die Zeitschrift. Und während diese früher Wert auf Design und Deko legte, finden sich heute auch Themen wie „Wohnen im Alter – seniorengerecht einrichten“ oder „Smart Home für Senioren“. Dabei geht es um Hightech fürs hohe Alter: Digitale Sprachassistenten steuern Thermostate oder die Lampe in der Stube, Sensoren am Handgelenk melden Stürze. Geräte erinnern an Tabletten, Video-Türklingeln schützen vor ungewolltem Besuch …

Älter wohnen geht viele an. Nach den 1960er-Jahren wurde es in den Kreißsälen an der Elbe voller. 2006 berichtete die Tagesschau über Ältere: „Viele von ihnen werden keine Kinder haben, die sie im ­Alter aufnehmen. Doch die wenigsten wollen ins ­Altenheim. Deshalb ist klug beraten, wer sich schon früh Gedanken darüber macht, wo er im Alter wohnen will – zum Beispiel in einer Senioren-WG.“

Offenbar haben viele Politiker die ARD-Nachrichtensendung nicht geschaut. Sonst wären sie in der aktuellen Diskussion um Pflege und Rente nicht so überrascht über die Lage der älteren Nation. Prognosen zufolge erreicht Hamburgs Einwohnerzahl bis 2030 erstmals die Zwei-Millionen-Marke. 2030 werden voraussichtlich rund 30 Prozent über 60 Jahre alt sein. Das sind etwa 430 000 Bewohner altersgerechter Wohnformen. Sie sollen sicher und gemütlich sein – hygge, dänisch für „behaglich“, ist kein Privileg der Jugend, sondern gilt auch für Ältere.

Schicker wohnen

In Hamburg gibt es rund 500 Einrichtungen für Senioren – von schicken Residenzen, Alten- und Pflegeheimen, Wohnanlagen für Servicewohnen bis zu Wohngemeinschaften für Ältere und Mehrgenerationenhäusern. Oft stehen Einrichtungen im Blick, die – wie in der „Tagesschau“ – „Altenheim“ genannt wurden. Der Begriff ist Geschichte: Heute heißt es Pflegeheim, Seniorenwohnanlage oder Seniorenresidenz, da „Altenheim“ oft als veraltet empfunden wurde und die unterschiedlichen Hilfen nicht trifft. Im Pflegeheim geht es um die stationäre und kurzzeitige Unterbringung. Früher hieß das: gebrechlich. Heute geht es um würdige Betreuung.

Seniorenresidenzen bieten inzwischen individuelle Wohn- und Pflegeangebote an, die zu dem jeweiligen Bewohner passen.
Seniorenresidenzen bieten inzwischen individuelle Wohn- und Pflegeangebote an, die zu dem jeweiligen Bewohner passen.

Ob der Namenswechsel „alter Wein in neuen Schläuchen“ ist, mag jeder selbst entscheiden. Die Politik hat viele Ideen zu Papier gebracht: Der Aktionsplan altersfreundliches Hamburg verzeichnet über 100 Maßnahmen für ein aktives, selbstbestimmtes Leben im Alter – Wohnen, Mobilität, Teilhabe und barrierefreie Infrastruktur, kurze Wege zum Arzt, zum Supermarkt, zur Apotheke, zur U-Bahn …

Der Senat meint es ernst – und englisch –, wenn er von einer „Age-friendly City“ spricht. Elsa Scholz, Pressesprecherin des Bezirksamts Hamburg-Mitte und zuständig u. a. für Pflegestützpunkte, übersetzt: Wohnungen für Ältere müssen bedarfsgerecht ausgestattet, Umfeld muss barrierefrei und sicher sein. Drum herum müsse es eine „hohe Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum“ geben, fußläufige Nahversorgungsangebote sowie bedarfsgerechte Freizeit-, Lern-, Kultur- und Bewegungsangebote im Viertel. Nötig seien „passgenaue Rahmenbedingungen“, um „auf die Bedürfnisse älterer, einschließlich hochaltriger Menschen sowie Menschen mit Pflegebedarf, einzugehen“.

Kiez is my Castle

Sozialverbände fordern hier, dass ein Platz im Heim bezahlbar sein muss – für alle. Der Eigenanteil müsse begrenzt, eine Pflegevollversicherung eingeführt werden, damit beim Umzug nicht die Altersarmut mit einzieht.

Der mobile Pflegedienst kommt nach Hause.
Der mobile Pflegedienst kommt nach Hause.

Doch die Zahl der Hamburger, die in einem Heim leben, ist recht gering. „Älter wohnen“ findet meist woanders statt. Für Karen Eckert, Referentin Pflege und Senior*innen beim PARITÄTISCHEN Hamburg, sind Barrierefreiheit, eine gute Versorgung, sozio-kulturelle Teilhabe und vor allem die Selbstbestimmung zentrale Punkte für würdevolles Altern und Wohnen. „Die Menschen sollten selbst entscheiden können, welche Wohnform am besten zu ihnen passt. Vor dem Hintergrund zunehmender Altersarmut sehen wir, dass Pflegebedürftige vor den Kosten zurückschrecken. Würdevolles Wohnen darf kein Luxusgut sein. Wir setzen uns dafür ein, dass neben dem Pflegeheim auch alternative, muntere und bezahlbare Wohnformen erhalten und weiterentwickelt werden.“

In Seniorenwohnanlagen ziehen Menschen ein, die noch mobil und munter sind, aber unter ihresgleichen leben und Hilfen genießen wollen, wenn sie erforderlich werden. Hinter dem Programm „Betreutes Wohnen“ stecken die Gedanken an Normalität, Selbstständigkeit und Gemeinschaft. „Altenheim“ klingt nach Wegsperren, „Seniorenwohnen“ nach Selbstbestimmung, „Seniorenresidenz“ verspricht Komfort. Wer in der Hafencity seinen goldenen Herbst verleben will, kann das neuerdings tun. Alles eine Frage des Geldes.

Diese Passgenauigkeit ist oft das, was Ältere in ihrem gewohnten Viertel schätzen. My Kiez is my Castle – hier bin ich (alter) Mensch, hier kann ich sein. Das Konzept der „demografiefesten Quartiere“ sieht vor, dass Ältere möglichst lange in der Wohnung, zumindest in der vertrauten Nachbarschaft wohnen bleiben. Dazu gehört auch die Wahrheit, dass „Älter Wohnen“ ein Lebensabschnitt sein kann, der bis in die Zeit von Pflege und Abschied reicht. Daher gehören auch „medizinische wie pflegerische Versorgungsangebote dazu, die neben der 24-stündigen Erreichbarkeit eines Pflegedienstleisters nicht zuletzt auch palliative und hospizliche Angebote gewährleisten“.

Das Alter bringt zwar Erfahrung und Reife – aber eben auch die Einsicht, dass manches nicht mehr so einfach von der Hand geht und das Zipperlein plagt. Und zuweilen schlägt Einsamkeit aufs Gemüt: Fast ein Drittel der Hamburger 65+ lebt allein. Da hilft gemeinschaftliches Wohnen – zum Beispiel in Wohnungen des Eisenbahnbauvereins Harburg eG. Die Wohnungsbaugenossenschaft meldete die erste Senioren-WG in Hamburg-Harburg, so 2021 der EBV-Vorstandschef Joachim Bode. Zwei Männer und fünf Frauen im Rentenalter raufen sich zusammen in der WG „Die Anbandeler“.

Zusammen wohnen

In WGs wie dieser leben Ältere zusammen, teilen Kosten, unterstützen sich, um Isolation zu vermeiden. Noch lockerer und selbstständiger geht es in Seniorenhausgemeinschaften zu: Ältere wohnen in eigenen Wohnungen innerhalb eines Hauses mit Gemeinschaftsräumen. Woanders leben Jung und Alt miteinander – so im „Bärenhof“ in Langenhorn.

Früher bedeutete WG preiswertes Wohnen. Aktuell vermarktet Immoscout WG-Zimmer in Billstedt für 600 Euro, in Harvestehude für 965. Das wirft auch für Ältere die Frage auf: Wer kann sich Wohnen leisten – nicht nur im Heim? Für wen passt ein Umzug, wenn die Treppe im Altbau zum Mini-Kilimandscharo wird?

Die Hamburger Sparkasse meldet: Zwei von drei Hamburgern halten ihre aktuelle (Lieblings-)Wohnung nur eingeschränkt für altersgerecht, weil sie in einem höheren Stockwerk liegt, kein barrierefreies Bad hat oder zu groß geworden ist. Scholz verweist auf das Beratungszentrum für technische Hilfen und Wohnraumanpassung. Es unterstützt Ältere kostenfrei, Stube, Bad und Küche so zu gestalten, dass mit 66 Jahren hier das Leben neu anfängt.

Mit mehreren unter einem Dach wohnen entwickelt sich gerade zu einem beliebten Modell.
Mit mehreren unter einem Dach wohnen entwickelt sich gerade zu einem beliebten Modell.
Ein barrierefreies Bad gehört dazu.
Ein barrierefreies Bad gehört dazu.

Babyboomer, also die Generation um 66, bezahlen oft eine geringe Miete, wohnen aber auf großer Fläche und vielfach im Eigentum. Doch viele, vor allem Alleinstehende, rechnen nach, die Dreizimmerwohnung mit Bestandsmiete aufzugeben. Denn: Ein neues Ein- oder Zweiraum-Appartement kostet eventuell nicht nur mehr, sondern liegt dort, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. Das aber passt munteren, mobilen, an Theater, Kiez und Shopping gewöhnten 66-Jährigen nicht in den Kram.

WGs oder alternative Wohnformen könnten die Silver Generation bewegen, zum „Mover“ zu werden – also zum Umzug motivieren. Denn: Das Familienhaus in Niendorf lockt zwar mit kurzem Weg zum Gehege, doch 100 Quadratmeter müssen geputzt und geheizt werden. Einen alten Baum verpflanzt man nicht so leicht.

Infrastruktur und kurze, gewohnte Wege – einen alten Baum versetzt man nicht.
Infrastruktur und kurze, gewohnte Wege – einen alten Baum versetzt man nicht.

Text: Dr. Hergen Riedel