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Leserpost: Gedichte von Sybille Miehe

Leserpost: Gedichte von Sybille Miehe

Aus dem SeMa Mai 2025 · Beitrag · 3 Minuten

Sobald wir etwas älter werden

… bemerken wir – erste Beschwerden.
Stell’n fest: Was man mit 60 bringt
schon bald d’rauf nicht mehr so gelingt!
Auch wenn man’s nicht recht glauben will,
zwei, drei Jahr’ mehr – zähl’n plötzlich viel!

Mit jedem Jahr fällt mehr und mehr
bald alles etwas schwerer.
Kaum 70 dann, spürt man’s im Rücken,
sobald man aufsteh’n will vom Bücken …
Weil man nicht gleich zum Arzt renn’ will,
erduldet man den Schmerz dann still …

Da sonst vielleicht das Umfeld denkt:
Ach – wenn die jetzt schon so anfängt!
Man ignoriert’s – und will’s vergessen,
was nur der Anfang ist gewesen.
Fast 80 – merkt auf einmal man,
dass man nicht mehr gut laufen kann.

… Worauf der Arzt einem dann jetzt
ein neues Kniegelenk einsetzt.
Das andere Knie – gleich viel benutzt –
ist überhaupt nicht abgenutzt!?
Wieso? Tat ich den Arzt – da fragen –
Das konnte der mir auch nicht sagen!

Was soll’s – hingegen andre eben
dürfen mit neuer Hüfte leben.
Dank Herzschrittmacher – Spendernieren –
kann mancher noch hier rumspazieren.
Auch viele nur dank Implantaten,
die wir vor zig Jahr’n noch nicht hatten.

Man sieht und hört – zwar nicht mehr gut.
Na und … das Alter fordert sein’ Tribut!!

Was jedoch für uns alle zählt:
ist – dass man den Humor behält!
Selbst wer auf Hilfe angewiesen,
sollte das Alter genießen!
Auch wenn es nicht frei von Beschwerden
… dafür darf man heut’ älter werden …

Ja, Leute, so fängt es meistens an …

Ich stehe vorm Kühlschrank – und öffne die Tür
und frage mich plötzlich – was wollt ich denn hier?
Hab keinen Schimmer – auch nicht einen blassen –
wo hab ich vom Einkauf das Brot nur gelassen?
Mit wem denn bloß wollt ich noch telefonieren?
Vielleicht zum Geburtstag – um zu gratulieren?
Und dann denk ich plötzlich – nu ham se me am Arsch …
Zu mir ist ,Alzheimer‘ schon auf dem Marsch …

Tags darauf dann geh ich spontan in den Keller.
Ich knipse das Licht an – doch nichts hier wird heller.
Ja, nicht mal ein Geistesblitz – in meinem Hirne …
Mensch, hab’ ich nur Stroh noch – sonst nichts in der Birne?
Ich bin doch nicht grundlos – hier runtergestiegen
hierher, wo doch bloß alte Sachen rum liegen …
Und dann denk ich plötzlich – nu ham se me am Arsch …
Wie’s scheint, bläst mir Alzheimer kräftig den Marsch …

Dann such ich die Brille – bin fast in Ekstase,
bis ich sie entdecke – und zwar auf der Nase.
Danach ist auf einmal mein Schlüssel verschwunden,
den ich jetzt im Nähkorb hab wiedergefunden.
Der Zahnarzt rief grad an – meint kurz angebunden:
Wir warten auf Sie hier – seit 1½ Stunden!!!

Nun bin ich mir ganz sicher – ’s geht abwärts, marsch, marsch!!
Sollt’ ich mal dement sein – sag ich vielleicht barsch:
Verzeiht, liebe Freunde – nun leckt’s me – am Mors!!!

Wie schon gesagt … Mit Brille wär das nicht passiert …

Mal ehrlich, ging’s Ihn’ auch schon so??
Ganz plötzlich müssen Sie aufs Klo …
Auch wenn man schnellstens dorthin startet …
Meist nicht – so lang die Blase wartet…
Sie kann das Wasser nicht mehr halten.
Und … schon zählt man zu den Alten.

Auf einmal dann wird einem klar,
was man seit Jahren übersah.
Im Fernsehn wurd’ Eumol empfohlen,
bei Blasenschwäche sich zu holen.
Schon … nach vier Tagen würd’ man wissen,
dass man nicht mehr so oft muss müssen.

Na – endlich die Gelegenheit,
die von den Sorgen mich befreit.
So ließ – vorausschauend – ich eben
mir gleich zehn Päckchen davon geben …
Der Apotheker gab noch zu versteh’n:
Zu viel könnt in die Hose geh’n.

Natürlich hab’ ich nur gelacht
und ganz im Still’n bei mir gedacht:
Viel Ahnung scheinst du nicht zu haben.
Doch … Resultate bald ergaben …
was ohne Brille ich gelesen …
das war zum Abführen gewesen …

Dieser Text wurde uns von Frau Sybille Miehe zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Text: Sybille Miehe