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Happy Hamburg – Glück wählt Hamburg

Happy Hamburg – Glück wählt Hamburg

Aus dem SeMa Februar 2025 · Beitrag · 6 Minuten

Happy Hamburg – Glück wählt Hamburg

Foto: Adobe Firefly

Das Glück ist mit den Hamburgern – laut SKL-Glücksatlas, mit dem die Süddeutsche Klassenlotterie mit der Uni Freiburg untersucht, wo die glücklichsten Deutschen leben. 2024 erfreut die Kartografie der Zuversicht die Hansestadt – auch weil zum ersten Mal Dauerkonkurrent Schleswig-Holstein auf Platz zwei abrutscht. Doch Hamburg ist keine Insel der Seeligen – möchte man meinen. Krisen und Ängste und Sorgen um Gesundheit oder Geld im Alter können das Gemüt auch der Älteren umwölken. Aber: Der Atlas meldet „Hamburg ist happy“ – und nicht nur der Atlas.

So sagt Katharina Fegebank, Grünen-Kandidatin für das Bürgermeisteramt, beim Neujahrsempfang, man dürfe „nicht alles schlechtreden, gerade in Hamburg, weil hier einiges gut zusammengeht“. Hamburg sei ein „place to be“, ein Ort, wo es sich zu leben lohnt. Das meint auch Dennis Thering, Spitzenkandidat der CDU Hamburg zur Bürgerschaftswahl: „Die Hamburger CDU setzt sich dafür ein, dass unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger ein glückliches und zufriedenes Leben in unserer Stadt führen können, und daher stehen deren Bedürfnisse und Wünsche auch im Mittelpunkt unseres Wahlprogramms.“ Und Peter Tschentscher, 1. Bürgermeister, spricht die Bürger an: „Wichtig ist, dass Sie sich in Hamburg wohlfühlen, dass Sie Ihre Fähigkeiten entwickeln, Ihr Glück finden und zum Wohle der Stadt beitragen können.“ Denn: „Frieden beginnt im Kleinen.“

Dabei geht das Kleine im Großen auf und führt dazu, dass das Glück Hamburg als Wahlheimat gewählt hat. Laut SKL Glücksatlas gehtʼs mit der Lebenszufriedenheit in ganz Deutschland aufwärts. Sie stieg 2024 im Vergleich zum Vorjahr und liegt nun bei durchschnittlich 7,06 Punkten – auf einer Skala von null („überhaupt nicht zufrieden“) bis zehn („vollkommen zufrieden“). Das Meinungsklima ist trübe, ficht aber Einzelne nicht an. Max Höfer hat den Glücksatlas erfunden und leitet die Befragungen: „Die Stimmung ist immer besser geworden, weil Corona und Inflation weniger wirken. Oft wird die mediale Meinungskonjunktur mit der Stimmung in der Bevölkerung gleichgesetzt. Die Lebenszufriedenheit verändert sich aber nur, wenn die Menschen konkret von etwas – wie Inflation – betroffen sind. Die schlechte Wirtschaftslage hat sich aber (noch) nicht in Arbeitslosigkeit oder in den Löhnen niedergeschlagen – somit schlägt das auch nicht auf die Stimmung durch.“

Glückliches Hamburg

Im SKL Glücksatlas 2024 sind Hamburger sogar zufriedener als die stets glücklichen Schleswig-Holsteiner und wohlhabenden Bayern. Für Höfer ist Platz eins eine kleine Überraschung: Eigentlich lebt es sich in Flächenländern besser als in Stadtstaaten. „Stadtleben ist lauter, schmutziger, stressiger und fordernder als Landleben. Hinzu kommt, dass man in Deutschland in Städten nicht unbedingt ein höheres Einkommen hat als auf dem Land, gleichzeitig aber höhere Mieten oder Immobilienpreise zahlen muss.“ Doch Hamburg liefert ein Gesamtpaket. Und das wird auch von den Älteren getragen:

„Auch die Senioren Hamburgs gehören zu den deutschlandweit glücklichsten Senioren – knapp vor Bayern. Menschen sind zwar in der Jugend zufriedener mit dem Leben als im Alter. Doch machen im Alter andere Dinge zufrieden. Partys zählen weniger, Familie und Auskommen stehen obenan. Und ganz wichtig ist Älteren, wenig verwunderlich: Gesundheit. Ein gutes Zeichen: Ältere sind in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten mit ihrer Gesundheit und ihrem allgemeinen Leben immer zufriedener geworden. Nur noch jeder fünfte über 65-Jährige macht sich ernste Sorgen um die Gesundheit, 2000 war es jeder dritte. Bemerkenswert ist auch, dass mit dem Bescheid zur Rente zwischen 60 und 69 Jahren das Lebensglück noch einmal einen Frische-Schub erhält. Nach Jugend und Familiengründung gibtʼs das dritte Zufriedenheitshoch im Leben. Wichtig ist der Grundsatz: Wer rastet, der rostet. „Rentner, die einen kleinen Job haben und so im Leben stehen, machen es richtig. Deren Zufriedenheit ist höher als die von Neurentnern, die nicht (mehr) beruflich aktiv sind.“

Sache der Politik

Ist die Stimmung schlechter als die Lage? Schlechtreden hilft nicht, schönreden auch nicht. Das zeigt eine Studie des Versicherers R+V. Fast die Hälfte der über 60-Jährigen hat „Angst“, aber nur jeder Dritte zwischen 14 und 19 Jahren. Und was macht Angst? Es sind laut Studie vor allem wirtschaftliche Themen: Preise, Mieten, höhere Steuern, weniger Leistungen des Staates. Nur bei den Jüngsten stehen Umweltsorgen ganz oben. Die über 60-Jährigen fürchten am meisten, schwer zu erkranken. Sie sorgen sich um teure Pflege im Heim, dass sie nicht mehr so mobil sein können oder Gesundheit zu teuer wird. Diese Ängste und Sorgen um Rente oder Gesundheitsversorgung sind Sache der Politiker. Persönliche Ängste kann man versuchen, selbst in den Griff zu bekommen.

Happy Hamburg – Glück wählt Hamburg

Ältere (ebenso Jüngere) finden dabei Hilfe bei Dominik Dallwitz-Wegner. Er hat von Hamburg aus ein „Netzwerk von Trainern“ ausgeworfen, dass Vorträge hält, um „Glück zu verbreiten und Menschen dabei zu unterstützen, ein erfülltes und glückliches Leben zu führen“. Das endet nicht mit dem Alter: „Es gibt Studien, die zeigen, dass das Alter besondere Herausforderungen bietet. Allerdings hat das Alter auch seine guten Seiten. Zu Corona-Zeiten hatte sich die Befindlichkeit der jungen Menschen drastisch verschlechtert. Nicht so bei den Älteren, deren Zufriedenheit blieb im Großen und Ganzen stabil hoch. Wie viele Krisen haben sie schon kommen und gehen gesehen? Und sie haben sie oft gemeistert. Das macht stark und widerstandsfähig.“

Glück schmieden

Dabei weiß er auch um das, was Glück bedrängt: Angst, Wut, Weltschmerz. „Wir bekommen das Gefühl, dass es mit der Welt bergab geht, die medizinische Versorgung schlechter, die finanzielle Situation unsicherer oder andere Bereiche schlechter werden. Das Leben scheint immer beschwerlicher zu werden.“ Dabei geht es uns, so der Glücks-Stifter, besser, als wir denken, da wir in den besten Zeiten lebten, seit es statistische Daten über Kriege, Lebenserwartung oder Lebensqualität gibt. Aber er sagt auch: „Die letzten Jahre fällt es mir zusehends schwerer, diese Erkenntnis selbst zu fühlen und zu vermitteln. Das liegt an den immer dichter aufeinanderfolgenden Krisen – von Corona, Ukraine oder Gefährdung vieler demokratischer Systeme. Das wird auch noch befeuert von destruktivem Journalismus, der gute Nachrichten eher ignoriert und Katastrophen als besonders berichtenswert sieht. Wenn dein Blick immerzu in die dunklen Ecken gelenkt wird, siehst du kein Licht mehr.“ Er hat Ratschläge, das Glück neu für sich zu erobern. Nach seiner Definition hat Glück drei Teile: Glücksmomente, Lebenszufriedenheit und Umgang mit unangenehmen Gefühlen. Diese drei Bereiche lassen sich üben:

  1. Glücksmomente schaffen: Ein Stück Schokolade oder Lakritz, ein Spaziergang an der Elbe, die Verbundenheit mit der Natur suchen, singen, über einen Scherz lachen, spielen.
  2. Schritt für Schritt Lebenszufriedenheit aufbauen: Auch die guten Seiten betrachten.
  3. Mindestens eine Freundschaft pflegen.
  4. Sport machen – im Rahmen der eigenen Möglichkeiten und Vorlieben.
  5. Dankbarkeit für die vielen Dinge empfinden und in einem Dankbarkeitstagebuch festhalten.
  6. Anderen helfen.
  7. Selbst etwas basteln, herstellen, erschaffen …
Happy Hamburg – Glück wählt Hamburg

Und gleichfalls der Umgang mit unangenehmen Gefühlen lasse sich trainieren: „Wir können zwar die Welt nicht alleine retten, aber im Alltag können wir sehr viel unternehmen, damit es uns und unserer Umgebung besser geht … „Und weil Dallwitz-Wegner in Hamburg lebt, sagt er: „Hamburg ist ein wundervoller Ort, um Glück zu üben. Das Wichtigste ist, überhaupt etwas für das Glück zu tun – egal, für welchen der Bereiche oder welche Übung. Glück ist ein Mosaikbild und besteht aus kleinen Mosaiksteinchen des Glücks. Je mehr Steine wir sammeln, desto größer wird das Glück.“ Da hilft zum Schluss auch der Rat von Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. Sie sagt im NDR: „Lassen wir uns nicht irremachen vom Irrsinn der Welt“.

Text: Riedel © SeMa