
Fotos: Olympia Alster © Neuland Concerts GmbH, Poon, Krause
Deutschland strebt mit einer „Nationalen Vision“ die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Sommerspiele an, wobei der DOSB im September 2026 über die Bewerbung von München, Berlin, Hamburg oder Rhein-Ruhr für 2036, 2040 oder 2044 entscheidet. Die Bewerbung fokussiert Nachhaltigkeit, Bürgerbeteiligung und Stärkung des Sports. Die Spiele sollen Impulse für Infrastruktur, Inklusion und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen.
Er will es wissen
Sportlich ist er, der Hamburger Senat, und lässt sich von Misserfolgen nicht entmutigen. Nachdem die Bürgerinnen und Bürger der Stadt 2015 mit einer Stimmbeteiligung von 50,2 Prozent nur knapp – nämlich mit 51,6 Prozent – eine mögliche Bewerbung Hamburgs um die Ausrichtung einer der nächsten Olympischen Sommerspiele abgelehnt hatten, will man es nun erneut wissen. Der damals für den Sport zuständige Senator Michael Neumann trat nach dem Votum enttäuscht zurück. Nun geht sein Nachfolger Innensenator Andy Grote an den Start. Bekannt bisher durch die „Corona-Party-Affäre“ und den „Pimmelgate-Vorfall“, könnte er seinen bisher einseitigen Bekanntheitsgrad deutlich verbessern, wenn ihm der Griff nach Olympia gelänge.
Das letzte Hemd und der nackte Athlet haben keine Taschen. Eigentlich. Seit 1896 waren Profis ausgeschlossen. Eigentlich. Sportler in Armeen oder Staatsbetrieben waren keine Profis. Offiziell. Eigentlich lebten sie vom Sport. 1990 endete die Scheinheiligkeit.
Der Amateurparagraf in der Olympischen Charta wurde aufgehoben. Seither ist es unmöglich, als Amateur nach olympischen Medaillen zu greifen. Gleiches gilt für Sportarten ohne Breitenwirkung wie Tauziehen, Sackhüpfen, Cricket und Feldhandball. Das IOC sorgt dafür, dass die Sportarten immer attraktiv – genauer gesagt – lukrativ sind. Nicht zum eigenen Schaden. Manager beim IOC können sich vor Reichtum nicht schützen. Das IOC und die US-amerikanische Firma „On Location“, Ableger des an der New Yorker Börse notierten Premium Sport- und Unterhaltungskonzerns TKO, haben einen Vertrag über die Spiele von Mailand 2026 und Los Angeles 2028 abgeschlossen. Für diesen Zeitraum erwartet TKO zwei Milliarden US-Dollar IOC-Umsätze.
Der Griff nach den Ringen
Der Kommerzialisierung des olympischen Gedankens treibt wundersame Blüten: So dürfen Regionen und Städte, die in Deutschland um die Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund konkurrieren, aus markenrechtlichen Gründen die Olympischen Ringe nicht bei ihrer Werbung benutzen. In Hamburg dürfte es ohnehin viel wirkungsvoller sein, wenn der Senat entsprechend farbige Hula-Hoop-Reifen – Kostenpunkt für den ganzen Senat unter 200 Euro – besorgte und mit diesen bei wöchentlichen Auftritten seine Sportbegeisterung demonstrierte. Ungleich teurer sind die Kosten für das Olympia-Referendum mit rund 7 Millionen Euro und die Kosten für das Hamburger Werbeteam nebst Werbematerial von ca. 10 Millionen Euro.
Wenn ich einmal reich wär‘ …
Die Universität und die HAW sind in Geldnot. Viele Schulen und Sporthallen sind sanierungsbedürftig. Die Rettung des „Kurzen Olafs“ muss sein. Das „Haus der Erde“ ist ein Loch ohne Boden. Das Thema Köhlbrandbrücke steht an. Hamburgs Straßen sind teilweise in erbärmlichem Zustand. Kulturelle und soziale Projekte sind unterfinanziert. Die Kosten der „Kühne-Oper“ wirft Fragen auf – die Sanierung und Nutzung der alten Oper ebenfalls. Der Bund, dem es gelang, aus Schulden „Sondervermögen“ zu machen, zeigte sich spendabel. Er stellt rund sechs Millionen Euro für die nationale Bewerbungsphase sowie zusätzliche Mittel für die internationale Phase bis 2027 bereit. Die möglichen Olympia-Kosten für Hamburg im Falle eines Zuschlags dürften um 10 Milliarden Euro liegen. Finanziert aus Steuermitteln, Ticketverkäufen und Mitteln des IOC, das nach eigenen Angaben Paris mit 1,7 Milliarden US-Dollar bezuschusst hat. Zwischen 2021 und 2024 erzielte das IOC Erträge von 7,7 Milliarden US-Dollar. Es geht um viel, viel Geld und noch mehr Ungewissheit.
Sie küsste einen Prinzen …
Ein Märchen war es, als Silvia Sommerlath bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München als Hostess die Bekanntschaft ihres späteren Mannes Carl XVI. Gustaf von Schweden machte. Märchenhaft auch der Weg von Mary Elizabeth Donaldson vom Pub „Slip Inn“ bei Olympia 2000 in Sydney in die Arme des heutigen dänischen Königs Frederik X. Die Münchner haben vorgelegt und wollen zu 66 Prozent Olympia in ihre Stadt holen. Auch ohne Prinzen. Märchen sind schön, aber sie beginnen mit „Es war einmal“.
Abstimmen. Küssen war gestern
Klo kann Hamburg nicht. Mit der unterirdischen Bedürfnisanstalt am Gerhart-Hauptmann-Platz wurden 2 Millionen Euro buchstäblich in den Sand gesetzt und zugeschüttet. Kann Hamburg dafür Olympia? Darüber entscheidet ein Bürgerschaftsreferendum. Ab dem 22. April beginnt die Zustellung der Abstimmungsbenachrichtigung einschließlich der Briefabstimmungsunterlagen. Ab dem 05. Mai öffnen die Abstimmungsdienststellen bis zum 31. Mai. Dann folgt Gewissheit.
„Während Athleten dem IOC gratis TV-Bilder liefern, müssen Kinder und Enkel der heutigen Senioren die Kosten des Olympiaspektakels nebst Klimafolgen bezahlen. Olympische Mietsteigerungen werden das Wohnen in Hamburg stark verteuern. Dank horrender Eintrittspreise sowie zu erwartenden G20 ähnlichen Zuständen wird ein Liveerlebnis nur für wenige möglich sein.“
Eckart Maudrich,
Nolympia Hamburg
„Ich bin für Olympische/Paralympische Spiele in Hamburg, weil ich das friedliche Fest aller Nationen unseren Kindern und Enkelkindern wünsche. Sie sind noch zu jung zum Wählen. Aber ich kann für sie mit JA stimmen. Lassen Sie uns wieder ein gemeinsames Ziel verfolgen, der Welt zeigen, dass wir gute Gastgeber sein können und wie schön es in Deutschland ist.“
Christian Poon, Vorstand | CFO Hamburger Sportbund e. V.
Text: Franz-Josef Krause
Weitere Beiträge
Freizeit
Wohin soll es 2027 gehen?
Stimmen Sie jetzt über die neuen SeMa-Reisen ab! Wohin möchten Sie im kommenden Jahr mit uns reisen? Nach Groningen oder St. Peter-Ording?…
Das bewegt mich
„Mahlzeiten sind mehr als Nahrungsaufnahme“
Prof. Dr. Margit Bölts (IU Internationale Hochschule) über gemeinsame Mahlzeiten als Schutz vor Einsamkeit im Alter. Mehr als jede dritte Person ab…
