
Fotos: Magnific, Dennes Schrader , Jan Walter Möller
Während Millionen die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 vor dem Fernseher verfolgten, waren Jan Walter Möller und Dennes Schrader mittendrin. Der eine besucht seit der EM 1988 in Deutschland Spiele und Turniere der Nationalmannschaft, der andere hat bereits Fußballspiele in über 130 Ländern besucht und mehrere Bücher über Fußballreisen geschrieben. Für das SeMa erzählen beide von einer WM voller großer Stadien, überraschender Begegnungen und der Erkenntnis, dass Fußball auch in Nordamerika längst angekommen ist.
Als Deutschland Ende Juni bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA und Kanada auf Curaçao traf, saßen Jan Walter Möller und Dennes Schrader nicht wie Millionen andere vor dem Fernseher, sondern im Stadion. Für beide Hamburger ist das nichts Außergewöhnliches. Internationale Turniere gehören seit vielen Jahren zu ihrem Leben. Dennoch war die WM 2026 etwas Besonderes: Zum ersten Mal fand ein Turnier dieser Größenordnung in gleich drei nordamerikanischen Ländern statt.
Für Jan Walter Möller stand die Reise praktisch außer Frage. Der 54-Jährige fährt seit Jahrzehnten mit einer festen Gruppe von Fans zu Weltmeisterschaften.

Einige seiner Mitreisenden waren bereits 1986 bei der WM in Mexiko dabei. „Wenn eine WM ist, fährt man dahin“, sagt er schmunzelnd. Für ihn ist es längst eine liebgewonnene Tradition.
Ganz anders verlief die Planung bei Dennes Schrader: Der 44-Jährige entschied sich erst zwei bis drei Monate vor dem Turnierbeginn. Eigentlich hatte er die WM gar nicht auf dem Schirm, doch Freunde aus dem HSV-Umfeld planten dieselbe Reise. Also schloss er sich kurzerhand an. Die USA und Kanada seien ohnehin immer eine Reise wert.
Kartenjagd mit Happy End
Während Möller als langjähriges Mitglied des Fanclubs Nationalmannschaft seine Eintrittskarten problemlos erhielt, musste Schrader improvisieren. Die erste Verkaufsphase der FIFA ließ er aus, unter anderem, weil damals nur bestimmte Kreditkarten akzeptiert wurden. Später kosteten Karten für Deutschland-Spiele auf dem Zweitmarkt oft 700 Dollar oder mehr. Dass er schließlich doch zwei Partien live erleben konnte, verdankte er Bekannten. Kurzfristig, teilweise erst einen Tag vor dem Anpfiff, erhielt Schrader noch Karten zum Originalpreis.
Beide sahen Deutschland zunächst beim klaren 7:1 gegen Curaçao in Houston. Anschließend ging es weiter nach Toronto, wo Deutschland gegen die Elfenbeinküste gewann. Das dritte Spiel führte beide nach East Rutherford bei New York, wo die deutsche Mannschaft gegen Ecuador verlor und schließlich früh die Heimreise antreten musste.

Überraschend große Fußballbegeisterung
Vor der WM hatten viele in Deutschland gezweifelt, ob in Nordamerika überhaupt echte Fußballstimmung aufkommen würde. Beide Fans erlebten das Gegenteil. In Toronto zogen rund 5500 bis 6000 Menschen in Deutschland-Trikots gemeinsam zum Stadion. Viele von ihnen waren gar keine Deutschen – zahlreiche Kanadier hatten sich Deutschland-Trikots gekauft und feierten begeistert mit.
Auch in den USA war der Fußball präsent. Zwar gilt er dort nach wie vor nicht als Volkssport, doch in den Wochen vor Turnierbeginn entwickelte sich großes Interesse: Insbesondere in New York waren Straßen und Restaurants geschmückt, die Menschen begegneten den Gästen herzlich und zeigten große Neugier auf den „Soccer“. Viele Amerikaner trugen Trikots verschiedenster Nationen. „Man sprach jemanden mit Deutschland-Trikot an – und stellte fest, dass er gar kein Wort Deutsch verstand“, erzählt Schrader lachend. Für ihn wirkte vieles eher wie ein großes Volksfest als reine Sportbegeisterung.
Möller machte außerdem eine andere interessante Beobachtung. Während in Deutschland vor der Reise häufig über Donald Trump berichtet wurde, spielte Politik vor Ort kaum eine Rolle. „In den Nachrichten kam Trump natürlich vor, aber im Alltag oder in Gesprächen war das überhaupt kein großes Thema.“
Teuer? Ja – aber nicht immer
Rund um die WM kursierten viele Berichte über horrende Preise. Tatsächlich kostete eine Dose Bier im Stadion schon einmal 20 Dollar, Parkplätze wurden teilweise für umgerechnet 300 Euro angeboten. Dennoch fiel das persönliche Fazit beider Fans überraschend positiv aus. Wer früh Flüge und Unterkünfte gebucht hatte oder flexibel blieb, konnte vergleichsweise günstig reisen. Schrader zahlte rund 630 Euro für den Flug, etwa 300 Euro für sechs Hotelübernachtungen und weniger als 500 Dollar für zwei Eintrittskarten. Kurz vor der WM seien die Hotelpreise sogar deutlich gefallen. Auch Mietwagen und Benzin seien wesentlich günstiger gewesen als erwartet.
Natürlich hätten beide gern ein besseres Abschneiden der deutschen Mannschaft erlebt. Mit dem frühen Aus hatte kaum jemand gerechnet. Möller hatte mindestens das Viertelfinale erwartet, Schrader sah ebenfalls genügend Potenzial im Team.
Doch am Ende blieb von der Reise weit mehr als nur das sportliche Ergebnis. Für Möller sind es auch die Freundschaften, die ihn immer wieder zu Weltmeisterschaften ziehen. Seit seinem ersten Stadionbesuch 1982 hat er mit der Nationalmannschaft und dem HSV rund 65 Länder bereist. Fußball sei für ihn immer auch eine Möglichkeit gewesen, die Welt kennenzulernen. Schrader, der seit 1995 über 1700 Fußballspiele in mehr als 800 Stadien und 130 Ländern besucht hat, war besonders vom riesigen MetLife Stadium mit seinen 82 000 Plätzen beeindruckt. „Dort merkt man erst, wie klein man selbst in diesem großen Ganzen ist.“
Und natürlich gab es auch die typischen Reisemomente, die in Erinnerung bleiben. Möller lief in Badehose und Adiletten unter die Niagara-Fälle – „es war als würde ständig eine ganze Badewanne Wasser über einem ausgekippt“. Schrader staunte dagegen über amerikanische Frühstücksportionen: Vier Pancakes mit Chicken standen mit 2600 Kalorien auf der Speisekarte. „Mehr als ein Erwachsener am ganzen Tag essen sollte“, sagt er lachend. „Jeden Tag könnte ich das jedenfalls nicht.“



Text: Jan Philipp Platenius
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