
Fotos: Wikimedia Commons – Dontworry; schwatzgelb.de, Kai Heuser, Freepik

Fußball wird in Deutschland nach wie vor mit Männermannschaften verbunden. Doch der Frauenfußball holt auf.
Heute füllen Fußballerinnen große Stadien, ihre Spiele laufen zur besten Sendezeit im Fernsehen, und junge Mädchen tragen die Trikots ihrer Lieblingsspielerinnen. Noch vor wenigen Jahrzehnten war Frauenfußball in Deutschland jedoch ein Randthema – und zeitweise sogar verboten.
Verboten wegen „Unweiblichkeit“
1955 untersagte der Deutsche Fußball-Bund seinen Vereinen offiziell, Frauenmannschaften zu gründen oder Spiele auszutragen. Die Begründungen wirken aus heutiger Sicht kurios: Fußball sei „unweiblich“ und gesundheitsschädlich. Erst 1970 wurde das Verbot aufgehoben. Doch auch danach waren die Bedingungen oft schwierig. Viele Spielerinnen trainierten auf schlechten Plätzen, Zuschauer gab es nur wenige, Geld praktisch keines.
Trotzdem gehörte Deutschland schnell zu den stärksten Nationen im Frauenfußball. Die deutsche

Nationalmannschaft gewann mehrfach Europa- und Weltmeisterschaften und brachte große Namen hervor – etwa Birgit Prinz oder später Alexandra Popp. Während der Männerfußball oft von Millionentransfers und Stars geprägt war, galt der Frauenfußball lange als bodenständig und familiär.
Früher spielten viele erfolgreiche Teams noch bei kleinen eigenständigen Vereinen wie dem 1. FC Frankfurt oder 1. FFC Turbine Potsdam.. Heute dominieren zunehmend die großen Herren-Profiklubs. Die Frauen des FC Bayern gewinnen Titel und profitieren von professionellen Strukturen. Andere Vereine verfolgen wiederum eigene Wege. Bei Borussia Dortmund etwa wächst der Frauenbereich bewusst Schritt für Schritt von der untersten Liga nach oben.
Auch neue Modelle entstehen. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt zuletzt der FC Viktoria 1889 Berlin Frauen. Dort engagierten sich Gründerinnen und zahlreiche Investoren, um den Frauenfußball gezielt nach vorne zu bringen. Das Projekt zeigt: Frauenfußball wird inzwischen auch wirtschaftlich interessant.
Warum aber ist der Sport gerade heute so populär geworden? Ein Grund sind große Turniere mit emotionalen Geschichten und begeisternder Atmosphäre. Viele Zuschauer empfinden die Spiele zudem als authentischer und näher an den Fans. Hinzu kommen bessere TV-Übertragungen, Social Media und die Tatsache, dass Mädchen heute selbstverständlich Fußball spielen dürfen und Vorbilder haben.
Vom einst verbotenen Sport zur gut gefüllten Arena: Der Frauenfußball hat in Deutschland eine erstaunliche Entwicklung erlebt.
Text: Jan Philipp Platenius
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