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Wenn Mann & Frau beim Kennenlernen unterschiedliche Sprachen sprechen

Aus dem SeMa September 2025 · Beitrag · 4 Minuten

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Fotos: Pixabay

Warum die Differenzen beim Kennenlernen über Kontaktanzeigen manchmal schwer zu überwinden sind

Regelmäßig sprechen wir mit Leserinnen und Lesern über das Thema Partnersuche. Es ist in jedem Alter ein Thema, aber es war leichter, als man sich noch in der Schule, bei der Arbeit oder in der Disco kennengelernt hat. Umso schwieriger wird es, wenn Mann und Frau verschiedene Sprachen sprechen oder sich unterschiedliche Dinge voneinander erhoffen. Immerhin: Später kann man das eine oder andere Ärgernis manchmal mit Humor nehmen.

Wir haben uns mit Elisabeth* – genannt Betty –, 60 +, über ihre Erfahrungen unterhalten. Sie sucht einen Mann fürs Leben. Dafür nutzt sie seit mehr als 20 Jahren Kontaktanzeigen, auch im SeMa hat sie schon inseriert. Kennengelernt hat Betty, die einst auch mal als Mannequin gearbeitet hat, dabei eine Menge Männer. „Fürs Leben“ war leider noch keiner dabei, wohl gab es aber einige Erlebnisse.

SeMa: Seit wann suchst du „dein Glück“ mithilfe von Kontaktanzeigen?

Betty: Ich gebe seit etwa 20 Jahren Kontaktanzeigen in Zeitungen auf. Etwa alle zwei Jahre eine. Da ich meine Telefonnummer angebe, habe ich inzwischen bestimmt mehr als 100-mal mit Interessenten gesprochen.

SeMa: Warum gibst du Kontaktanzeigen auf, um jemanden kennenzulernen?

Betty: Aus Erfahrung: Im Café oder in der Bar lerne ich niemanden mehr kennen. Viele Männer gehen nicht alleine aus. Ich tue das, allein oder mit Freundinnen. Das ist aber anscheinend abschreckend, oder es sind keine Kandidaten mehr unterwegs, die sich allein vor die Tür trauen.

Wie müsste der Typ sein, den du gern näher kennenlernen würdest?

Betty: Ich suche einen Mann, einen Gentleman, ein offenbar aussterbendes Exemplar. Ich hoffe aber immer noch, dass es ihn gibt. Er darf ab 65 Jahre alt sein, sollte in Hamburg – oder im Umkreis von 50 Kilometern – wohnen. Er sollte gepflegt sein und über gute Umgangsmanieren verfügen. Ich möchte einen Menschen treffen, keinen Aufreißer, keinen Macho! Er sollte liebevoll und harmonisch sowie bodenständig und zuverlässig sein.

Du sagst, es rufen dich auf Anzeigen hin immer mehrere Männer an. Die haben alle nicht deine „Kriterien“ erfüllt?

Betty: Ich möchte – und das scheint für viele ein großes Problem zu sein – mit niemandem zusammenziehen. Ich möchte mit dem Mann telefonieren und vor allem etwas mit ihm unternehmen können. Ich bin für ihn da, und er ist für mich da. Das wünsche ich mir.

Wenn Mann & Frau beim Kennenlernen unterschiedliche Sprachen sprechen

Wie läuft das dann so? Was erzählen die Männer und was musst du wissen?

Betty: Man kann nie alle über einen Kamm scheren, aber viele wollen offenbar vor allem Sex. Es gab mal einen „Edmund“*. Der war vor fünf Jahren 70. Auch jetzt, fünf Jahre später, ist er immer noch 70. Mir schrieb er nach dem ersten Telefonat per SMS: „Wenn du Sex meinst, sprechen wir die gleiche Sprache. Ich liebe die französische Liebe. Wenn du dabei auch noch Strapse trägst, könnte es eine nie enden sollende Lovestory werden. So, meine Liebe, jetzt liegt der Ball bei Dir.“ Wir haben uns nicht getroffen, aber eine Freundin von mir. Sie meinte, dass er nicht schlecht aussehe, aber direkt Sex gewollt habe.

Welche kuriose Geschichte ist dir noch untergekommen?

Betty: Einmal hatte ich einen Interessenten am Apparat. Der erklärte gleich, dass seine neue Frau sehr sparsam sein müsse, er habe mal als Lagerarbeiter gearbeitet und müsse sehr sparen. Die Frau solle auch sparsam sein. Ich fragte mich daraufhin, was er mit mir wohl unternehmen will … in dem Fall bleibe ich lieber allein. Ich suche niemanden aus finanziellen Gründen, ich kann mich selbst versorgen. Aber ich möchte auch noch etwas vom Leben haben und etwas erleben. Nur zu Hause zu hocken ist nichts für mich.

Was kam außerdem vor?

Betty: Es gab einen Mann, der hat sich als syrischer Arzt ausgegeben. Beim nächsten Mal hieß der Toni und hatte einen anderen Beruf. Ich hatte die Telefonnummer abgespeichert und konnte so nachvollziehen, dass es sich um dieselbe Nummer handelte…

Gab es auch schon „Treffer“?

Betty: Ja. Aber auch da waren kuriose Anekdoten dabei. Einmal habe ich zum Beispiel einen Mann kennengelernt, der Anfang 80 war. Er klang, als ob er 60 wäre, und er wohnte in einer Seniorenresidenz. Wir haben uns toll unterhalten und wollten uns treffen. Am darauffolgenden Wochenende war er aber schon verabredet und wollte an die Ostsee fahren. Ich habe dann nie wieder etwas von ihm gehört. Er hat sich nie wieder gemeldet. Hatte er Demenz? – Ich weiß es nicht und frage mich noch heute, was da wohl passiert ist.

Wenn Mann & Frau beim Kennenlernen unterschiedliche Sprachen sprechen

Wie geht es jetzt weiter?

Betty: Ich werde jetzt meinen Anzeigentext ändern. Vielleicht versuche ich es mal mit „Impotenter Mann fürs Leben gesucht“? Dann ist hoffentlich klar, dass ich keinen Mann fürs Bett suche.

Wir danken dir für dieses Gespräch und deine Offenheit. *Name von der Redaktion geändert

Welche Erfahrungen haben Sie bei der Partnersuche gemacht? Mögen Sie uns davon (gerne auch anonym) berichten? Dann schreiben Sie uns an: kontakt@senioren-magazin-hamburg.de.

Text: SeMa Redaktion