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Wenn Knochen schwächer werden

Wenn Knochen schwächer werden

Aus dem SeMa Oktober 2025 · Beitrag · 3 Minuten

Wenn Knochen schwächer werden

Foto: Helios ENDO-Klinik Hamburg GmbH

Knochenschwund, künstliche Gelenke und Mobilität im Alter – Themen für viele Senioren. Professor Frank Timo Beil leitet die Orthopädie am UKE und arbeitet an der renommierten ENDO-Klinik. Im Gespräch erklärt er, was man über Osteoporose wissen sollte und wann ein künstliches Gelenk sinnvoll ist.

Herr Professor Beil, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Gerne. Ich bin 50 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder und einen Hund. Medizin habe ich am UKE studiert, dort auch promoviert und meine Facharztausbildung in der Unfallchirurgie begonnen. Nach Stationen in Bad Bramstedt und Göttingen bin ich seit 2019 wieder in Hamburg. Heute leite ich die Orthopädie am UKE und arbeite gleichzeitig in der ENDO-Klinik.

Warum haben Sie Medizin und Orthopädie so fasziniert?

Schon im Studium fand ich die Verbindung von konservativer Therapie, Notaufnahme und Operation spannend. Dazu kommt: Mein Vater war ebenfalls Arzt, und im Zivildienst habe ich erlebt, wie erfüllend es ist, Menschen medizinisch zu helfen.

Jeder kennt den Begriff „Osteoporose“. Was steckt dahinter?

Übersetzt heißt es Knochenschwund. Der Knochen baut sich ständig ab und wieder auf. Bei Osteoporose ist dieses Gleichgewicht gestört, sodass der Knochen instabil wird. In Deutschland sind sechs bis acht Millionen Menschen betroffen – also wirklich viele.

Wer ist besonders gefährdet?

Frauen sind häufiger betroffen, aber auch Männer können erkranken. Alter und sinkende Hormonspiegel spielen eine große Rolle.

Kann man vorbeugen?

Ja. Bis zum 30. Lebensjahr sollte man durch Bewegung möglichst viel Knochenmasse auf bauen. Später gilt es, Abbau zu vermeiden: 1000 Milligramm Kalzium täglich über Milchprodukte oder Mineralwasser, 800 bis 1000 Einheiten Vitamin D in Tablettenform als Ergänzung, regelmäßige Bewegung und Koordinationstraining, um Stürze zu vermeiden. Das kann man gut trainieren.

Und wenn die Krankheit schon da ist?

Das Gemeine: Man merkt Osteoporose oft erst beim Bruch. Deshalb sind Knochendichtemessungen wichtig. Bei Diagnose helfen sehr wirksame Medikamente, die sogar wieder Knochen aufbauen können.

Ihr zweites Thema ist die Endoprothetik. Wann kommt ein künstliches Gelenk ins Spiel?

Eine Endoprothese – etwa an Hüfte oder Knie – ersetzt ein meist durch Arthrose verschlissenes Gelenk. Mit Osteoporose hängt das indirekt zusammen, weil wir bei geschwächtem Knochen oft zementierte Prothesen einsetzen, die sicherer halten.

Wie finde ich eine gute Klinik?

Vertrauen ist wichtig. Und: Kliniken mit hoher Fallzahl haben weniger Komplikationen. Bei Hüft- und Knieprothesen sollte eine Klinik mindestens 500 bis 1000 Eingriffe pro Jahr durchführen.

Wie lange hält ein künstliches Gelenk?

Heute mindestens 20 Jahre, eher länger. Nicht weil die Chirurgen besser geworden sind, sondern weil die Materialien viel haltbarer sind.

Und wie schnell ist man wieder auf den Beinen?

Die Operation selbst dauert etwa eine Stunde. Schon am OP-Tag stehen unsere Patienten mit Hilfe auf, am dritten bis fünften Tag sind sie wieder sicher mobil und können nach Hause oder in die Reha.

Zum Abschluss eine besondere Frage: Wenn Ihr Lieblingsgelenk sprechen könnte – was würde es sagen?

(Lacht.) Es würde raten: Warte nicht zu lange. Wenn Schmerzen und Einschränkungen die Lebensqualität massiv beeinträchtigen, dann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation gekommen.

Text: Jan Philipp Platenius