
Fotos: Stephanie Rosbiegal
Carmen Korns neuer Roman ist Erinnerung und Mahnung
Carmen Korn war Redakteurin für den „stern“, die „Brigitte“ und „Die Zeit“ und fing parallel mit dem Schreiben von Büchern an. Zunächst schrieb sie Krimis sowie Kinder- und Jugendliteratur. Mit ihrer „Jahrhundert-Trilogie“ und der „Drei-Städte-Saga“ wurde sie zur Bestsellerautorin. Mit ihrem neuen Roman „In den Scherben das Licht“ zeigt sie wieder einmal ihre große Fähigkeit, Empathie für ihre Figuren zu wecken und Geschichte greifbar zu machen.
Am Vorabend der Veröffentlichung, dem 10. November 2025 um 19:30 Uhr, feiert Carmen Korn die Premiere ihres Romans auf Kampnagel. Die Moderation an dem Abend übernimmt Anouk Schollähn.
Ein Gespräch mit der Autorin über Arbeitsprozesse, Verantwortung und Hamburg führte unsere Redakteurin Stephanie Rosbiegal.
SeMa: Auch Ihr aktueller Roman „In den Scherben das Licht“ zeugt wieder von historischer Detailtreue und einem großen Maß an Empathie für die Lebensumstände und Gefühle der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Wie sieht Ihr Schreibprozess aus, um diese historischen und fiktiven Komponenten zu vereinen?
Carmen Korn: Am Anfang stehen die Figuren, die wichtige Rollen spielen sollen. Ihre Biografien entwerfe ich als Erstes. Vor dem Schreiben steht dann das Lesen, um einzutauchen in die Zeit, von der ich erzählen will. Texte von Historikern, Berichte von Menschen, die diese Zeit erlebt und erlitten haben. Ich schaue mir Filme und Fotos an. Höre die Sendungen des Nordwestdeutschen Rundfunks: Die Vermisstensuchmeldungen des Deutschen Roten Kreuzes. Die Rede des Ersten Bürgermeisters Max Brauer kurz vor der Währungsreform im Juni 1948. Hochinteressante Dokumente. Da muss ich auf der Hut sein, mich nicht im wahrsten Sinne zu verzetteln, weil alles so interessant ist.
SeMa: Ihr Roman erscheint am 11. November. Ist die Nähe zum 9. November Zufall oder bewusste Entscheidung?
Carmen Korn: Keine bewusste Entscheidung. Das hatte mit den Produktionsabläufen zu tun. Doch ich habe nichts gegen die geschichtliche Nähe zu diesem Datum.
SeMa: Inwiefern braucht es gerade in der aktuellen politischen Situation Geschichten über Verantwortung und Haltung?
Carmen Korn: Weil die Zeiten uns mal wieder entgleiten durch all die Selbstdarsteller in Social Media und tatsächlich entscheidenden Positionen. Weil Haltung und Würde Tugenden sind, von denen ich meinen Figuren hoffentlich einiges mitgebe. „Die Bandbreite des menschlichen Verhaltens ist extrem groß“, lasse ich Rudolf Nast sagen, einen ehemaligen Philosophieprofessor. „Aber auch in der Diktatur und im Krieg hat der Mensch die Möglichkeit, sich dafür zu entscheiden, anständig zu bleiben.“ Ein hehrer Gedanke. Leicht gesagt und geschrieben. Auch in unseren Zeiten.
SeMa: Es steckt viel Hamburg in Ihren Büchern. Was schätzen Sie besonders an dieser Stadt?
Carmen Korn: Ich glaube, in ihr viel Haltung zu finden und Toleranz. Ich habe sie mir als 20-Jährige gar nicht bewusst ausgesucht, das hing damals eher von Zufällen ab. Doch ich bin enorm dankbar, nach Hamburg gekommen und geblieben zu sein. Hier sind meine Kinder geboren worden. Hier bin ich alle beruflichen Wege gegangen. Hier will ich nicht mehr weg.
SeMa: Danke für das Gespräch.

Text: Stephanie Rosbiegal
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