
Fotos: RWCA
Vor Kurzem war ich bei einem Vortrag der Neurowissenschaftlerin Maren Urner. Es ging um Hoffnung. Ich lerne gerne – das bewegt mich. Ich war neugierig auf das Thema, denn wir leben in einer Zeit, in der die Erde buchstäblich brennt, Kriege Leid und Zerstörung anrichten, ganze Ökosysteme verschwinden und wir einander immer fremder werden. Ich kam auch mit der Frage: Wie sollen wir das eigentlich alles aushalten?
Als Neurowissenschaftlerin schaut Maren Urner ins Gehirn – und was sie dort gefunden hat, hat mich überrascht: Angst und Hoffnung bewohnen im Gehirn zwar denselben Ort, können aber nie gleichzeitig existieren. Es kann also nur das eine oder das andere geben. Es klingt simpel – aber wo Hoffnung ist, kann Angst nicht sein.
Und Hoffen, das hat sie auch gesagt, ist kein passives Abwarten. Hoffen ist ein Tuwort. Es ist die aktive Vorstellung davon, wie eine lebenswerte Zukunft aussehen kann. Das hat mich direkt zur nächsten Frage geführt: Was gibt mir eigentlich Hoffnung?
Für mich sind es die unzähligen Menschen weltweit, die sich tagtäglich für eine bessere, gerechtere und gesündere Welt einsetzen. Durch meine Arbeit bei der NABU International Naturschutzstiftung begegne ich ihnen täglich. Ihre Arbeitsbedingungen sind alles andere als einfach, sie stoßen auf Widerstand und leben Kompromiss und Resilienz – manchmal hätten sie allen Grund, die Hoffnung aufzugeben. Doch sie bleiben in Bewegung. Einer von ihnen ist Olivier Nsengimana, ein Tierarzt aus Ruanda. Vor 15 Jahren begann er damit, gefangene Graue Kronenkraniche aus Hotelgärten zu befreien. Was als kleine Rettungsaktion begann, wuchs zu einer Organisation heran, die sich dem Schutz dieser bedrohten Vögel und ihrer Lebensräume verschrieben hat.
Oder der Ökologe Ivan Tymofeiev: Mit dem Institute of Ecological and Religious Studies bietet er seit Beginn des russischen Angriffskriegs Kindern in den Karpaten Exkursionen, Theater und Workshops an – Vögel beobachten, Insektenhotels bauen, durchatmen. Natur als Zufluchtsort, Umweltbildung als Widerstand. Für mich zeigt sich darin, wie Menschen selbst unter extremen Bedingungen Handlungsspielräume schaffen.
Meine Aufgabe ist es, solche Geschichten weiterzutragen. Denn ich glaube: Verbunden zu bleiben – mit der Natur, mit Menschen, die handeln, mit Geschichten, die zeigen, dass etwas möglich ist – das ist es, was uns hoffen lässt. Auch dann, wenn die Erde brennt, Kriege wüten und Ökosysteme verschwinden.
Und was bewegt Sie?

Text: Julia Nicksch, Kommunikation und Digitale Medien, NABU International Naturschutzstiftung
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