
Fotos: Martin Münch
Wer in Langenhorn oder Fuhlsbüttel regelmäßig über den Wochenmarkt schlendert, kennt ihn: den „Käsespezi“. Hinter dem markanten Gelb-Schwarz seines Tresens steht Thomas Gerstenberg – bodenständig, hanseatisch direkt und mit einer spürbaren Leidenschaft für guten Käse.
Seit über 40 Jahren gibt es den Käsespezi als Unternehmen, fast ebenso lange ist Gerstenberg mit dem Wochenmarkt verbunden. Mit 14 Jahren begann alles als Schülerjob: Aufbauhilfe an einem Marktstand, das Taschengeld aufbessern. Der zweite Schlüsselmoment folgte 2003: Ihm fiel eine Anzeige ins Auge: Ein eingeführtes Käsegeschäft auf dem Wochenmarkt stand zum Verkauf. Ein Anruf am nächsten Tag, und 2004 war er selbst Inhaber. So spontan, wie es klingt, war es auch.
Dabei hätte sein Weg ganz anders verlaufen können. Gerstenberg studierte Jura, fuhr viele Jahre Taxi. Doch die Verbundenheit zum Stadtteil Langenhorn blieb. Hier ist er aufgewachsen, hier lebt und arbeitet er. „An Bodenständigkeit kaum zu überbieten“, sagt er augenzwinkernd über sich selbst. Rund 130 Sorten Käse bietet er an. Neben Klassikern wie Gouda und Bergkäse finden sich saisonale Spezialitäten wie Bärlauchkäse im Frühjahr oder Raclettekäse im Winter. Seine Schweizer Wurzeln – er ist in der Schweiz geboren und besitzt die Staatsbürgerschaft – spiegeln sich in seiner Vorliebe für Rohmilchkäse wider. Besonders ein kräftiger Schweizer Emmentaler darf im eigenen Kühlschrank nie fehlen.
Ein Markttag beginnt früh. Sehr früh. Gegen halb fünf steht er auf dem Platz, schließt Strom an, bereitet vor. Bis halb acht muss alles stehen – schließlich bleibt nur ein enges Zeitfenster für das Geschäft. Damit die Schlange nicht zu lang wird, sind viele Sorten bereits vorgeschnitten. Und läuft er Gefahr, selbst sein bester Kunde zu sein? „Man sagt mir nach, dass ich den ganzen Tag am Naschen bin, aber das ist natürlich alles nur Qualitätsprüfung“, sagt er schmunzelnd.
Mit einer festen Mitarbeiterin und zwei Teilzeitkräften stemmt er das Geschäft. Nachwuchs auf dem Markt? Schwierig. Der Wochenmarkthandel ist arbeitsintensiv, kein Nine-to-five-Job.. Doch für Gerstenberg ist es mehr als Arbeit: Es ist Begegnung. Der Markt ist Kommunikationsort, Nachbarschaftstreff, Heimat. Ein Stammkunde kaufte sich sogar einen Motorroller, um nach seinem Umzug weiterhin samstags aus Schenefeld nach Langenhorn zu kommen – so sehr fehlten ihm der Markt und „sein“ Käsestand. Auch wenn der Käsespezi auf Reisen gern andere Märkte besucht und sich inspirieren lässt – am liebsten steht er hinter seinem eigenen Tresen. Wenn alles ordentlich angerichtet ist, die Farben leuchten und die Kunden kommen, weiß er: Genau hier gehört er hin.
Dieses Gespräch können Sie sich in ganzer Länge auch auf sema-seniorenmagazin.de/podcast anhören.
Text: Jan Philipp Platenius
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