
Fotos: Rudolf Müller, Pixabay
Alle reden vom Stress – ein sehr hoher Prozentsatz der Krankschreibungen geht heute auf sein Konto. Definiert wird Stress als ein bestimmtes Verhältnis zwischen gefühlten Anforderungen und den Reaktionsmöglichkeiten eines Menschen. Aus medizinischer Sicht ist Stress ein psychophysischer Zustand, bei dem Abweichungen von der Homöostase (Gleichgewicht der physiologischen Körperfunktionen) vorliegen: wie beispielsweise Blutdruck, Körpertemperatur, Zittern oder Schweißausbrüche.
Stress ist die Reaktion, die wir erleben, und nicht die Ursache, die ihn auslöst. Diese ist in Wahrheit der Stressor. Und ich produziere Stress als Reaktion – als Anspannung – in dem Prozess, mich auf eine (oft neue) Situation einzustellen. Damit ist Stress eine Aktivierungs- oder Alarmreaktion des gesamten Organismus auf alles, was als Anforderung, Bedrohung, eingetretener Schaden oder auch nur zu erwartender Schaden bewertet wird.
Stressempfinden ist immer subjektiv: Er gehört zum Leben und weist – richtig dosiert – sogar positive Aspekte auf. Stress spornt zu körperlichen und geistigen Höchstleistungen an und ist die Basis für Erfolgserlebnisse, Glücksgefühle, Schwung und Vitalität. Ob eine bestimmte Stresssituation als negativ oder positiv erlebt wird, ist nicht vorhersehbar und immer eine individuelle Erfahrung.
Was den einen beflügelt, macht den anderen krank. Der Mediziner Hans Selye (1907–1982) hat bereits in den 1930er Jahren dieses Phänomen untersucht. Er beschrieb Stress als unspezifische Reaktion des Körpers auf jede an ihn gestellte Anforderung und unterschied Eustress von Disstress.
Eustress ist positiver Stress, der Körper und Geist anregt. Er wird als Herausforderung verstanden, durch die Körper und Geist stimuliert und die Lust zu verschiedenen Tätigkeiten angeregt wird. Ein subjektiv unterschiedlich hohes Maß an Stress ist für unsere Leistungsfähigkeit und Gesundheit unerlässlich.
Disstress ist negativer Stress, der ein schädigendes Übermaß an Anforderungen an den Organismus stellt, keine Leistungssteigerung mehr möglich macht und den Organismus zum Beispiel wegen fehlender Erholungsphasen überfordert. Er kann krank machen.
Stress wird also durch Stressoren ausgelöst. Das sind innere oder äußere Reize, die das innere Gleichgewicht des Organismus stören und eine Anpassungsreaktion auslösen. Sie versetzen den Körper in einen Zustand erhöhter Alarmbereitschaft und führen zur Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol. Beide Hormone werden in den Nebennieren gebildet und in Gefahrensituationen ausgeschüttet, um den Körper in eine optimale Abwehrkonstitution zu bringen.
Zu hohe Cortisolwerte deuten auf Dauerstress hin (Chronifizierung) und können zu Bluthochdruck, Müdigkeit, Schlafproblemen, Muskelschwäche und erhöhter Infektanfälligkeit führen. Durch langfristig ausgeschüttetes Adrenalin können die Schmerztoleranz und Immunkompetenz, die zunächst gesteigert wurden, stark vermindert werden.
Was dabei innere und was äußere Stressoren sind – und wie man damit umgehen oder Abhilfe schaffen kann – zeige ich in der nächsten Ausgabe des SeMas.
„„Die Ruhe selbst zu bewahren ist die schwerste Aufgabe im Leben.“ Mahatma Gandhi

Seit 1973 begeistert ihn das Thema Gesundheit. Zunächst als Ingenieur tätig, praktizierte er parallel dazu das therapeutische Yoga nach Krishnamacharya. Von den Wirkungen auf seinen Körper begeistert, kam er zur ganzheitlichen Gesundheit. Er absolvierte zahlreiche gesundheitsrelevante Ausbildungen sowie das Studium Gesundheitsmanagement und Prävention. Seit 2000 arbeitet Müller freiberuflich als Präventologe in der individuellen Gesundheitsberatung, hält Vorträge und engagiert sich besonders für die Generation 60plus.
Text: Rudolf F. Müller, Präventologe
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