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Stress – wie er unseren Alltag beeinflusst und was wir dagegen tun können

Stress – wie er unseren Alltag beeinflusst und was wir dagegen tun können

Aus dem SeMa Dezember 2025 · Beitrag · 3 Minuten

Fotos: Rudolf Müller, Pixabay

„Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Urteile und Meinungen über die Dinge.“ Epiktet, griechischer Philosoph, 50 bis circa 138 n. Chr.

Unser Lebensstil wird leider nicht nur von uns selbst bestimmt, sondern auch von Faktoren, die als Stressoren Eu- und Disstress verursachen. Damit wird insbesondere der negative Disstress zum Bestandteil unseres Alltags. Stressoren sind zum Beispiel Verkehrsstau, verspätete Busse und Bahnen, Krankheit, Armut, Schulden, Wohnungsnot, Ärger mit Arbeitskollegen und Vorgesetzten, Arbeitslosigkeit, Partnerprobleme, der Spagat zwischen Beruf und Familie, die Pflege von Familienangehörigen, chronische Überforderung, die Hetze von Termin zu Termin, die Auflösung traditioneller Rollenverteilungen, die Erosion familiärer Bindungen, räumliche Enge sowie TV-, Internet- und Smartphone-Konsum.

Die daraus entstehenden körperlichen Stressreaktionen sind die Aktivierung des Gehirns, erhöhter Blutdruck und erhöhter Puls, reduzierter Speichelfluss, trockener Mund, Verdauungsstörungen, erhöhter Blutzucker- und Cholesterinspiegel, verringerte Immunkompetenz und Schmerztoleranz, Libidoverlust, Impotenz, Zyklusstörungen, Erweiterung der Bronchien, erhöhte Muskelspannung und Atemfrequenz und vieles mehr. Das wiederum führt zum Beispiel zu Frust, Ärger, Angst, hastigem und verkrampftem Arbeiten, fehlender Erholung, Gereiztheit, fehlenden Pausen, Essen nebenbei und geringer Kreativität.

Hinzu kommen persönliche Stressverstärker wie Einzelkämpfermentalität, unrealistische Erwartungen an andere Menschen, das Gefühl von Sinnlosigkeit und Einsamkeit, aber auch die selektive Wahrnehmung negativer Ereignisse oder Erfahrungen, Katastrophisieren, Personalisieren – also alles auf sich selbst beziehen – sowie das sogenannte „Muss-Denken“: Aus Wünschen werden absolute Forderungen. Aus dem Grundmuster der Stressreaktion – Angriff oder Flucht – werden Aggression und Angst. Auf der muskulären Ebene führt dies zu Zittern, Fußwippen, Faustballen, Fingertrommeln, Zähneknirschen, verzerrter oder starrer Mimik und Spannungskopfschmerz. In der Abwärtsspirale wird aus zunächst „Feuer und Flamme“ das Ausgebranntsein – und als Tiefpunkt der Burn-out.

Um das zu vermeiden, gilt es, die physische und psychische Erregung zu dämpfen bzw. abzubauen und langfristig die eigenen Belastbarkeitsgrenzen zu erkunden und nicht zu überschreiten. Möglich wird das durch gesunde und abwechslungsreiche Ernährung, erholsamen Schlaf, regelmäßige, in den Alltag integrierte Bewegungs- und Sportaktivitäten. Den Tagesablauf mit ausreichenden Erholungs- und Entspannungsphasen zu strukturieren bedeutet, eine Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu schaffen – ebenso wie die Pflege außerberuflicher und außerfamiliärer sozialer Kontakte, regelmäßiger Ausgleich durch Hobbys und Freizeitaktivitäten und das Lernen, die kleinen Dinge des Alltags zu genießen.

Mit Entspannungstechniken kann man Stress sehr erfolgreich abbauen. Ziel ist die Erreichung psychophysiologischer Entspannungsreaktionen. Sehr erfolgreich und leicht erlernbar ist die Progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson. Das Grundprinzip besteht darin, dass nacheinander einzelne Muskelgruppen – zum Beispiel Arme, Beine oder Schultern – für einige Sekunden bewusst angespannt und anschließend deutlich länger entspannt und gelockert werden. Die Konzentration richtet sich dabei auf die Wahrnehmung der Empfindungen. Aber auch einfache Atemübungen entspannen bereits. Und das Ausüben von Yoga, Tai Chi oder Qi Gong führt zu nachhaltiger innerer Balance.

Stress – wie er unseren Alltag beeinflusst und was wir dagegen tun können

Rudolf F. Müller

Seit 1973 begeistert ihn das Thema Gesundheit. Zunächst als Ingenieur tätig, praktizierte er parallel dazu das therapeutische Yoga nach Krishnamacharya. Von den Wirkungen auf seinen Körper begeistert, kam er zur ganzheitlichen Gesundheit. Er absolvierte zahlreiche gesundheitsrelevante Ausbildungen sowie das Studium Gesundheitsmanagement und Prävention. Seit 2000 arbeitet Müller freiberuflich als Präventologe in der individuellen Gesundheitsberatung, hält Vorträge und engagiert sich besonders für die Generation 60plus.

Text: Rudolf Müller