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Speichel (Spucke) – ein ganz besonderer Saft

Speichel (Spucke) – ein ganz besonderer Saft

Aus dem SeMa Oktober 2025 · Beitrag · 2 Minuten

Speichel (Spucke) – ein ganz besonderer Saft

Fotos: Rudolf Müller, Pixabay

Jeder kennt diese Sprüche: „Mir bleibt die Spucke weg“ oder: „Uns läuft das Wasser im Mund zusammen“ oder: „Wir lecken unsere Wunden.“ Aber welche Rolle spielt der Speichel in unserem Körper wirklich? Er ist eines unserer wichtigsten natürlichen Schutzsysteme: als Sicherheitsdienst in der Mundhöhle, als Lebenselixier für Zähne und Zahnfleisch sowie eine Art heilender Saft gegen Krankheitskeime. Ein besonderer Türsteher am Eingang zu unserem Körper und damit die erste Schutzbarriere im Mund. Speichel schützt uns vor Zahnfleischentzündungen, Halsschmerzen und sogar vor Schnupfen. Wir schlucken zahlreiche Erreger einfach hinunter, wo sie von der Magensäure eliminiert werden. Der Mensch verschluckt am Tag etwa drei Gramm Mikroorganismen.

Speichel wird als Gemisch aus Wasser, Stärke, Enzymen, Mineralien, Immunglobulinen, Zucker-Eiweiß-Verbindungen ständig von zahlreichen Mundspeicheldrüsen produziert. Bei einem Erwachsenen sind das circa ein Liter in 24 Stunden. Er sorgt für die Befeuchtung der Nahrung zur Vorverdauung und erleichtert das Schlucken. Unsere Spucke besteht zu etwa 99,5 Prozent aus Wasser und enthält circa 0,5 Prozent gelöste Bestandteile. Das sind etwa Kalzium- und Phosphat-Ionen, Kalium, Natrium, Chlorid, Spuren von Fluorid und Rhodanid, die für die Erhaltung des Zahnschmelzes wichtig sind. Darüber hinaus Proteine, darunter Verdauungsenzyme und ein stark schmerzstillendes Opiorphin, das den Abbau körpereigener Opiate hemmt, welche an der Schmerzwahrnehmung beteiligt sind.

Speichel durchfeuchtet den Mund und den Speisebrei und ermöglicht damit die Gleitfähigkeit und das Schlucken. Unter Stress- und Schockbedingungen wird verstärkt Adrenalin ausgeschüttet, wodurch der Speichelfluss plötzlich gehemmt wird. Uns bleibt die Spucke weg, wir spüren eine trockene Mundhöhle. Eine länger anhaltende Mundtrockenheit aber beeinträchtigt die Mundgesundheit und wird auch durch die Nebenwirkungen von Medikamenten, Diabetes, Asthma und in der Menopause verursacht. Wenn zu wenig Speichel produziert wird, hat das gravierende Folgen: Säuren des Speisebreis werden nicht mehr verdünnt und abgebaut. Die Remineralisation zahnhärtender Mineralien für den Zahnschmelz bleibt aus, und es kann Karies entstehen.

Speichel spielt eine sehr wichtige Rolle in der Prävention. Er kann Viren, Bakterien und Pilze abwehren und damit Erkrankungen verhindern. In der Diagnostik können zum Beispiel mithilfe der Mikro-RNA Hinweise auf den Schweregrad einer Gehirnerschütterung gefunden werden. Die meisten Menschen empfinden Speichel – außer beim Baby – als eklig, sobald er den Mund verlässt. Das Anspucken einer Person ist deshalb eine große Demütigung. Mit dem Speichel können auch ansteckende Krankheiten übertragen werden, beispielsweise Influenza und Tollwut. Das erzeugt manchmal sogar Angst vor dem Sekret.

„„Mit dem Ärger ist es wie mit dem Speichel: entweder wir schlucken ihn hinunter, oder wir fangen an zu spucken.“ Volkmar Frank, Dichter und Aphoristiker *1962

Rudolf F. Müller
Rudolf F. Müller

Seit 1973 begeistert ihn das Thema Gesundheit. Zunächst als Ingenieur tätig, praktizierte er parallel dazu das therapeutische Yoga nach Krishnamacharya. Von den Wirkungen auf seinen Körper begeistert, kam er zur ganzheitlichen Gesundheit. Er absolvierte zahlreiche gesundheitsrelevante Ausbildungen sowie das Studium Gesundheitsmanagement und Prävention. Seit 2000 arbeitet Müller freiberuflich als Präventologe in der individuellen Gesundheitsberatung, hält Vorträge und engagiert sich besonders für die Generation 60 plus.

Text: Rudolf Müller