
Fotos: © Kursana
Bei einem Vortrag über Paris haben sich Brigitte Lange-Mayser und Joachim Werner vor anderthalb Jahren in der Kursana Residenz in Hamburg-Niendorf kennengelernt. Die beiden Weltenbummler hatten die Stadt im Laufe ihres Lebens gleich mehrfach besucht. „Wir sind an diesem Tag lebhaft miteinander ins Gespräch gekommen und haben viele Gemeinsamkeiten entdeckt“, sagt Joachim Werner. „Eine Frau, mit der ich mich so gut unterhalten kann, die wollte ich nicht wieder gehen lassen“, sagt der 76-Jährige schmunzelnd.
Beide Bewohner der Senioreneinrichtung sind in ihrem Leben unkonventionelle Wege gegangen und haben großen Wert auf Unabhängigkeit gelegt: Brigitte Lange-Mayser hat seit den 1960er Jahren als Programmiererin in einer Männerdomäne gearbeitet und allein viele Kontinente bereist. Ihre große Leidenschaft gehört der klassischen Musik, und sie besuchte zeitlebens viele Konzerte. Mit 72 Jahren heiratete sie einen Jugendfreund und erlebte bis zum Tod ihres Mannes zwölf glückliche Jahre. Als ihre Glaukom-Erkrankung ihre Sehfähigkeit immer weiter einschränkte, entschloss sie sich vor drei Jahren zum Umzug in die Residenz. „Ich dachte, dass mein Leben hier gemächlich auslaufen wird“, sagt die 89-Jährige lächelnd. „Mir war natürlich aufgefallen, wie Joachim im Haus umschwärmt wird. Aber eine neue Partnerschaft war das Letzte, was ich mir vorstellen konnte.“ Der ehemals selbstständige Schmuckdesigner, Maler und Rockmusiker hatte sich aufgrund seiner Parkinson- und Glaukom-Erkrankungen frühzeitig zu dem Einzug in eine Senioreneinrichtung entschlossen und ebenfalls geglaubt, mit seinem turbulenten Leben sei es nun endgültig vorbei. „Ich habe hier viele Veranstaltungen besucht und mich mit Mitbewohnern angefreundet“, erzählt der fünffache Vater. „Mit Brigitte kam die Lebensqualität zurück: Wir gehen oft essen und schätzen beide gute Unterhaltungen, gutes Essen, guten Wein und gute Musik. Es ist schon spannend, wenn wir uns gegenseitig unsere Lieblingsmusik vorspielen und dabei Pink Floyd auf Richard Wagner trifft.“

Auch wenn die gelegentlichen Konzertbesuche immer beschwerlicher werden und sich das Reisen auf einen gemeinsamen Kuraufenthalt in Polen beschränken musste, fühlen sich beide durch das Miteinander beflügelt. „Unser Leben dreht sich nicht um das, was nicht mehr möglich ist“, sagt Brigitte Lange-Mayser. „Es tut einfach gut, den gemeinsamen Alltag zu genießen.“
Text: Chateaubourg © SeMa
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