
„Das Thema ist wichtig, weil es buchstäblich mit unserer ureigenen Wurzel zu tun hat und Sex eine Menge Heilungs- und Entwicklungspotenzial bietet. Auf einer basalen Ebene ist Sex gesund für das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem, von den schönen Hormonen, die dabei ausgeschüttet werden, ganz zu schweigen.“
So gesehen … Autorin Susann Rehlein hat ein Buch geschrieben. Über Sex. Der Titel: „Ab ins Bett! Sexuelle Späterziehung“. Darin beschreibt sie zunächst einmal ganz nüchtern, aber immer auch in einem lockeren Ton, wie es mal wieder klappen könnte mit dem Sex.
Das reicht von der Bestandsaufnahme zum Thema Selbstwahrnehmung und den eigenen Erwartungen über die Beseitigung von möglichen Hindernissen bis zu handfesten Tipps rund um Solosex, Leckservice oder Handjobs. Bevor wir hier zu viel verraten, lassen wir doch die Autorin selbst sprechen.
SeMa: Was war Ihre Motivation zu diesem Buch?
Susann Rehlein: „Je älter man wird, desto weniger geht es um liebloses Gerammel, und desto wichtiger wird die B-Note beim Sex, also Zärtlichkeit, Verbindung, Sinnlichkeit. Ich finde, das Leben ist zu kurz für schlechten Sex. Als Tantramasseurin bringe ich die Leute ins Fühlen und in die Sinnlichkeit – beides Superkräfte für guten Sex“, antwortet Rehlein auf die Frage, warum sie diesen Ratgeber geschrieben hat.
SeMa: Womit würden Sie anfangen, wenn Sie (in einer Partnerschaft) länger keinen Sex hatten?
S. R.: Ich empfehle, generell wieder mit Berührungen und Küsschen anzufangen und eine längere Zeit dabei zu bleiben. Nach ein paar Wochen/Monaten dann vielleicht eine Ganzkörpermassage, wieder eine Weile später die Genitalien in die Massage einbeziehen. Dazu braucht es keine Erektion und keine Lust auf Sex, die Genitalien werden gern verwöhnt und geknuddelt und kriegen so vielleicht wieder Lust. Aber versprechen kann ich nichts. Das ist ein schwieriges Thema.
Und die, die keinen Partner haben: Nehmen die das Buch zur Hand und los geht’s …? Wenn ja, mit was (welchem Kapitel)?
S. R.: Na, unbedingt mit dem Kapitel „Solosex“ oder Masturbation, wie man früher etwas sperrig sagte. Dazu gebe ich ausführliche Anleitungen. Masturbieren können Sie auch ohne Anleitung? Dann lassen Sie sich überraschen!“
SeMa: In der Buchbeschreibung Ihres Buches steht „Ratgeber“. Ist Ihr Buch eine auch eine Anleitung?
S. R.: Ja, zum Beispiel wenn es um Solosex und Genitalmassage geht. Aber ich gebe auch Anregungen, wie man seine Lebendigkeit und seine Lust auf Sex steigern kann.
SeMa: Als ich jung war, habe ich viel mit Freundinnen über Sex gesprochen. Jetzt wird eigentlich nur noch in Andeutungen darüber gesprochen. („Wir waren in Marokko und da hatte mein Mann dann tatsächlich mal wieder Lust … hihi …“) Warum ist das Sprechen über Sex immer noch schwierig?
S. R.: Die Erfahrung mache ich (54) auch, und das macht mich fertig. Sex ist nicht nur die schönste Nebensache der Welt, sondern auch mit Scham, Leistungsdruck und überkommenen patriarchalen Zuschreibungen verbunden. Männer müssen gar nichts leisten, und Frauen müssen gar nichts erdulden, sondern sie können sich zusammen ihren ganz eigenen Sex gleichberechtigt gestalten, basta!
SeMa: Und niemand mag zugeben, dass er keinen mehr hat. Weder Männlein noch Weiblein. Warum ist es „schlimm“, keinen Sex mehr zu haben?
S. R.: Wir brauchen die schönen Hormone, die beim Sex ausgeschüttet werden und lebensverlängernd sind. Also wenigstens einmal die Woche eine halbe Stunde masturbieren bitte! Sie haben keine Lust? Auf Sport hab ich auch keine Lust, mache das aber, weil es gut für mich ist. Also ab ins Bett mit Ihnen!

Text: Corinna Chateaubourg
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