
Fotos: © Jakob Thiekoetter
Manchmal entstehen die besten Ideen aus persönlichen Wendepunkten heraus. So war es auch bei Leonie Dierksen. Die 31-jährige Hamburgerin, die zehn Jahre in der Werbebranche gearbeitet hat, merkte nach einem Schicksalsschlag, dass ihr etwas fehlte: „Ich wollte etwas tun, das wirklich Sinn stiftet.“ Also kündigte sie ihren Job, ging auf Reisen – und kam mit einer Vision zurück.
Heute ist sie Mitgründerin und Geschäftsführerin von mutly, einem neu gegründeten gemeinnützigen Sozialunternehmen, das in Eimsbüttel gestartet ist. Die Idee ist einfach, aber wirkungsvoll: Seniorinnen und Senioren werden an der Haustür abgeholt, in kleinen Gruppen zu Veranstaltungen begleitet – und danach sicher wieder nach Hause gebracht.
„Viele haben Lust, etwas zu unternehmen, trauen sich aber nicht mehr allein“, sagt Dierksen. Unsicherheiten bei Dunkelheit, lange Wege oder die Angst, niemanden zu kennen – all das kann dazu führen, dass Menschen lieber zu Hause bleiben. mutly setzt genau dort an. Ob Theaterabend, eine Führung im Feldstraßenbunker oder ein gemütlicher Spielenachmittag – die Angebote sind vielfältig. Besonders schön: Die Gruppen sind klein genug, damit schnell Gespräche entstehen und neue Bekanntschaften wachsen.

Das Modell funktioniert über Mitgliedschaften: Wer dabei ist, erhält regelmäßig einen Veranstaltungskalender – auf Wunsch per Post oder online per E-Mail. So können Interessierte in Ruhe auswählen. Viele Angebote sind kostenfrei, andere sehr günstig. Und wer möchte, darf eigene Vorschläge einbringen. So entstand etwa ein Ausflug ins Zollmuseum – angeregt von einer Teilnehmerin, die „schon so lange mal wieder hinwollte“. Interessierte können auch kostenlose Probeveranstaltungen besuchen.
Dass es bei mutly nicht nur ums Organisieren geht, zeigt eine Anekdote: „Da sind unsere Gäste einfach ohne uns ins Taxi gestiegen und alleine zur Veranstaltung gefahren“, erzählt Leonie lachend. „Wir haben verstanden: Wir müssen immer genau absprechen, wie die Abholung abläuft.“
Hinter mutly steht ein kleines Team: Neben Leonie sind Linus und Björn dabei. Zukünftig wollen sie das Angebot ausbauen – zunächst in weiteren Hamburger Stadtteilen, später vielleicht sogar bundesweit. „Einsamkeit im Alter ist eine große gesellschaftliche Herausforderung“, betont Dierksen. „Wir möchten einen Beitrag leisten, damit ältere Menschen Freude, Gemeinschaft und Abwechslung erleben können.“
Inspiration war ihr eigener Großvater. Mit 86 Jahren ist er noch immer voller Energie und Lebenslust. Sein Spitzname „Mutschler“ wurde zum Ausgangspunkt für den Namen mutly – ein Symbol für Mut und die Zuversicht, dass Lebensfreude keine Frage des Alters ist.
Leonie beschreibt sich als „echte Hamburger Deern“: hier geboren, hier verwurzelt. Und doch wagt sie Neues, wo andere zögern würden. Mit Herzblut, Mut und einem klaren Ziel zeigt sie, wie Zusammenhalt in einer Großstadt gelebt werden kann. Wer Lust hat, einmal selbst bei mutly dabei zu sein, erreicht das Team telefonisch oder über die Website. „Am einfachsten ist es anzurufen“ sagt Leonie. „Dann erklären wir alles in Ruhe und schicken auf Wunsch auch die Unterlagen per Post.“ Vielleicht trifft man sich also schon bald bei einer Lesung, einem Konzert oder einer Tasse Kaffee. Denn eines ist sicher: Gemeinsam macht das Leben mehr Freude.
Kontakt: mutly – Haus des Engagements, c/o betahaus, Eifflerstraße 43, 22769 Hamburg, Tel.: 0170/104 31 81, Webseite: www.mutly.org
Text: Jan Philipp Platenius
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