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Gedächtnisstörungen sind eine sensible Angelegenheit. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt das lange vorherrschende Stigma, man könne sowieso nichts gegen demenzielle Veränderungen tun, und es sei eben normal, dass die Menschen im höheren Lebensalter vergesslich werden. Selbst in meinem Medizinstudium war das noch die weit verbreitete Meinung, die so auch mehr oder weniger von den Professorinnen und Professoren an uns weitervermittelt wurde.
Inzwischen ist man da zum Glück weiter. Auch wenn bis heute keine Heilung existiert, gibt es doch wirksame Therapien gegen Demenz und ihr Frühstadium, die sogenannte leichte kognitive Störung – sowohl medikamentös als auch nicht medikamentös: Neuste Antikörper können den Verlauf der Erkrankung in frühen Stadien nachweislich verlangsamen, digitale Applikationen für das Smartphone oder Tablet können Alltagstauglichkeit und Erinnerungsvermögen verbessern, und es stehen persönliche sowie telefonische Beratungsangebote für Betroffene und Angehörige zu allen Lebensbereichen rund ums Thema Demenz zur Verfügung.
Trotzdem bleibt das Thema in vielen Familien schambehaftet. Dabei ist die Tatsache, sich für eine neurodegenerative Erkrankung zu schämen, absurd! Seit Alois Alzheimer im Jahr 1906 erstmals die Eiweißablagerungen im Gehirn seiner Patientin Auguste Deter beschrieb, die heute als charakteristische Zeichen der Alzheimer-Krankheit gelten, ist klar: Es handelt sich bei neurodegenerativen Erkrankungen um Krankheiten mit einem eindeutigen organischen Ursprung, genau wie ein Diabetes mellitus (umgangssprachlich Zuckerkrankheit) oder die Arteriosklerose, auch Gefäßverkalkung genannt, die für die meisten Herzinfarkte und Schlaganfälle verantwortlich ist.
Inzwischen kennen wir neben der Alzheimer-Demenz noch diverse weitere Demenzformen, alle mit unterschiedlichen Entstehungsmechanismen. Der Begriff Demenz bezeichnet dabei eigentlich nur das gemeinsame Endstadium einer kognitiven Beeinträchtigung, die die Selbstständigkeit der Betroffenen fundamental einschränkt, unabhängig von der ursächlichen Erkrankung.
Es handelt sich bei Demenz also nicht mehr um ein vages Phänomen, dem Betroffene und Angehörige schutzlos ausgeliefert sind. Vielmehr sind demenzielle Erkrankungen gut diagnostizierbar und behandelbar. Genauso, wie es selbstverständlich ist, bei einer Herzinsuffizienz den Kardiologen aufzusuchen, so sollte es auch selbstverständlich sein, sich bei ersten Anzeichen einer kognitiven Einschränkung an den Neurologen oder den Hausarzt zu wenden und mit einer geeigneten Therapie zu beginnen. Die Hürden dafür sind geringer denn je: Betroffene können medizinisch geprüfte Versorgungsangebote wie memodio einer ärztlichen Verordnung ganz einfach zu Hause auf ihrem Smartphone oder Tablet nutzen und somit jeden Tag aktiv zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs beitragen. Besonders wichtig dabei sind Akzeptanz und Anerkennung – und die Bereitschaft, Hilfe nicht erst dann in Anspruch zu nehmen, wenn sie unvermeidlich wird.

Eine positive Entwicklung zu diesem Thema lässt sich übrigens momentan im Bereich der psychischen Gesundheit beobachten. Dort haben wir es als Gesellschaft bereits geschafft, Vorurteile größtenteils abzuwerfen und den Gang zum Psychologen als etwas Selbstverständliches anzusehen. Mein Wunsch wäre, dass wir diesen Punkt auch beim Thema Demenz erreichen.
Text: Dr. Doron Benjamin Stein
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