
Von Trübsal ist keine Spur: Heidi Anicic ist erfahrene Bestatterin, Trauerbegleiterin und Life Coach aus Hamburg. Seit 1990 führt sie das Beerdigungsunternehmen Weber, das 1924 von ihrem Großvater gegründet wurde. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Branche steht sie Menschen in schwersten Stunden und schwierigen Veränderungsprozessen zur Seite. Trotz der „schweren“ Themen Sterben und Tod wollte sie nie einen anderen Job machen. „Als kleines Mädchen bin ich schon über den Bergstedter Friedhof gelaufen und habe allen erzählt, dass ich das hier bald ganz allein mache“, sagt sie.
Bevor sie 1990 das Familienunternehmen übernahm, hat sie dennoch etwas anderes gemacht: „Nach dem Abitur hat mein Vater zu mir gesagt: ‚Sieh zu, dass du noch ein bisschen rauskommst. Wenn du erst mal Bestatterin bist, dann war’s das mit der Freiheit. ,Ich hab‘ ihn beim Wort genommen und bin als Stewardess 7 ½ Jahre durch die Welt geflogen. Eine wunderbare Zeit!“
Hilfreich sein für andere, ihre Last ein Stück des Weges mittragen und Hoffnung geben, das sei ihr berufliches Credo. „Der Beruf ist häufig sehr belastend, manche Sterbefälle lassen einen zutiefst traurig zurück. Es gibt aber einen feinen Unterschied zwischen mitleiden und mitfühlen. Sich manchmal selbstschützend abgrenzen zu können, ist in unserem Beruf sehr wichtig. Wir müssen ja stark und hilfreich für die Angehörigen sein, da braucht es einen guten Umgang mit der eigenen Betroffenheit.“
„Jede Träne, die man sich verkneift, stellt sich hinten wieder an“ (Heidi Anicic)
Neben ihrer Tätigkeit als Bestattungsunternehmerin hat sich Anicic als Trauerbegleiterin ausbilden lassen. Auf die Frage, ob Menschen, die im Beerdigungsgeschäft arbeiten, die besseren Trauerbegleiter sind, entgegnet sie: „Nur wenige Bestatter nehmen die Tätigkeit der Trauerbegleitung zusätzlich auf sich. Ich habe auch lange gezögert, ob und wie ich das auch noch schaffen soll. Nur, im Nachhinein gibt mir diese Aufgabe auch enorm viel zurück, ich spüre große Dankbarkeit von den Menschen, die ich begleiten darf.“

Ihre Erfahrungen und ihr Erlerntes hat Anicic 2021 im Buch „Leben ohne Dich – nur wie?“ veröffentlicht. Ein Ratgeber zur Selbsthilfe bei Verlust und Trauer. „Als ich meine Abschlussarbeit der Coachingausbildung geschrieben habe, dachte ich, ‚Mensch, davon kann auch Vieles Trauernden helfen.‘ Es muss ja nicht immer ein Todesfall sein, der uns aus der Bahn wirft. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine schmerzhafte Trennung können uns ratlos zurücklassen. Eigene Verluste und meine jahrzehntelange Arbeit mit Hinterbliebenen haben mir einen Erfahrungsschatz geschenkt, auf den ich zwar eigentlich gern verzichtet hätte, aber so konnte ich den Schmerz umwandeln in etwas wirklich Hilfreiches. Ich habe meine ‚10 Wege zur Selbsthilfe‘ entwickelt und mir dann vier Wochen auf Lanzarote Zeit genommen, das Buch fertig zu schreiben.“
Geboren in Sasel, lebt Heidi Anicic jetzt in Hamburg-Rotherbaum. „Am liebsten würde ich mehr Zeit in meiner zweiten Heimat Montenegro verbringen, bin aber auch in Hamburg – der schönsten Stadt der Welt (lacht) – sehr glücklich.“
Text: Chateaubourg © SeMa
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