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Furcht vor Spritzen ist in Corona- und Impfzeiten ein Problem
Die Nadel blitzt genauso wie der Angstschweiß rinnt. In Zeiten von Corona, anderen Ansteckungen und einer damit verbundenen Impfpflicht kommt der Bürger an Injektionen nicht vorbei, die kleinen Kanülen sind zum Garant eines sorgenfreien Lebens geworden. Sorgenfrei? Nicht so ganz. Viele gesundheitlich bewusste Bürger fürchten die scharfen Glücksbringer aus Metall wie die Pest. Ob nun Vorbehalt, Angst oder sogar Panik. Ärzte genauso wie Angestellte von Praxen und Kliniken können so einiges berichten, was auf oder neben dem Impfstuhl so abgeht. Dabei sind es nicht unbedingt ältere Patienten, die die meisten Probleme bereiten.
Mit skeptischem Blick betritt die Rentnerin im Alter Anfang 70 ihre Hamburger Hausarztpraxis. Sie weiß, wer und was auf sie wartet: blank, meist aus Metall und schon aufgezogen oder auf ihr Blut wartend. Es ist mal wieder so weit, die turnusmäßige Impfung steht an, ein bisschen Blut soll der nervösen Patientin auch gleich noch abgenommen werden. „Ja, ich weiß über die Angst vor den Spritzen so manche Geschichte zu erzählen“, sagt die medizinische Angestellte der Praxis. Es seien aber nicht unbedingt ältere, schwache oder angeschlagene Menschen, die sich anstellen, Panik kriegen oder sich gar hinlegen müssen, wenn sie mit der kleinen blitzenden Kanüle um die Ecke komme. Sie wisse zum Beispiel, dass bei Bundeswehr-Musterungen oder ähnlichen Anlässen vermeintlich starke Hünen zu Mimosen werden würden.
Warum denn das? Geradezu Glanz in den Augen hat die betagte Dame, die sich im Wasser während eines Aquakurses zu dem Thema äußert. „Ich habe weder künstliche Gelenke oder andere Fremdkörper zu bieten, und mit Spritzen muss man nicht nur als älterer Mensch eben leben,“ sagt die 88-jährige sportliche Seniorin. Die Blicke ihrer Mitstreiterinnen im lauwarmen Wasser belegen, dass die meisten das wohl anders sehen. Selbst ihr 52-jähriger Betreuer Falco – schlank, braungebrannt und gut gebaut – stimmt in das Loblied auf Spritzen nicht unbedingt ein: „Nun gut, ich habe lange Blut gespendet und nicht unbedingt Angst“, sagt der Mustermann. In Extremfällen bevorzuge er allerdings dann doch die Narkose, um Ruhe mit sich selbst zu haben.
Dabei gibt es so einige Mittel gegen die übertriebene Furcht vor der Nadel (Spritzenphobie oder medizinisch Trypanophobie/siehe Text nebenstehend). Klar ist nur: Coronaviren und andere Erreger, die durch Medien und die Bevölkerung wandern, machen es unerlässlich, sich dem Problem zu stellen. Ob alt, jung, stark oder schwach: Der kleine Teufel aus Metall kann größere Probleme verhindern, im Extremfall Leben retten.
Tipps vom Experten: Aufklärung, Alternativen und Ablenkung
Die übertriebene Angst vor Injektionen kann zu ernsten Problemen führen: Problematisch wird die sogenannte Trypanophobie, wenn jemand sich regelmäßig Insulin spritzen soll oder nach einer Operation eine Thrombosespritze erhalten muss. Diese Eingriffe sind unabdingbar und lebensnotwendig. Auch wenn eine Krebsbehandlung ansteht, gibt es Fälle, in denen ein Patient die Chemotherapie wegen seiner Angst vor Spritzen und dem Legen einer Braunüle als Zugang für intravenöse Medikamentengaben nicht beginnen will. Auch eine simple Blutabnahme – zum Beispiel zur Feststellung des Blutzucker- oder Schilddrüsenwertes – ist bei Spritzen-Phobikern schwer zu bewerkstelligen. So wird überängstlichen Patienten meist entgegengetreten:
- Verständnis für die Angst zeigen
- Aufklärung und Information
- Alternative Möglichkeiten prüfen
- Ablenkung bieten
- Beruhigende Worte und Unterstützung
- Langsames Vorgehen
- Entspannungstechniken
Zur Phobie vor Spritzen im Internet siehe www.quarks.de
Text: Klaus Karkmann/Sema
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