
Als ich mich das erste Mal vor sechs Jahren mit dem Thema Sargträger beschäftigte, dachte ich noch: Wie muss man gestrickt sein, wenn man auf so einen Job Lust hat? Dann traf ich einige von ihnen und lernte, mit welchem Stolz und Bewusstsein diese Menschen ihre Arbeitskraft für andere Menschen einsetzen. Um den Trauernden bei der Beisetzung ihres Verwandten oder Freundes mit größtmöglicher Würde beizustehen, machen sie ihren körperlich – aber manchmal auch seelisch schweren Job.
Gerd-Dieter Ottmann ist seit 13 Jahren Sargträger. „Ich bin von einem ehemaligen Kollegen auf einem Flohmarkt in Hamburg-Uhlenhorst angesprochen worden, ob ich nicht auch Interesse hätte, als Sargträger zu arbeiten. Er selbst war damals schon seit zwei Jahren bei einer Sargträgervermittlung tätig. Eine Woche später bin ich dort hin und hatte nach dem Gespräch einen Zweijahresvertrag in der Tasche“, erzählt der heute 77-Jährige nicht ohne Stolz.

Zum Tod habe er generell ein „offenes Verhältnis“, so nennt er das. Seine Mutter war schwerstkrank, als er zwölf Jahre alt war, seine zweite Tochter verlor er 1978 durch einen Autounfall. Am letzten Schultag der ersten Klasse. Im selben Jahr hatte er selbst einen schweren Autounfall am Eppendorfer Baum. Durch seine „Nähe zum Tod und dessen Verarbeitung“ konnte er sich den Job des Sargträgers gleich vorstellen. „Ich interessierte mich dafür“, so Ottmann.
„Im Grund meines Herzens bin ich Komiker“
Nach der Ausbildung in drei verschiedenen Zügen à sechs oder acht Mann, ist er bis heute dabei geblieben. Zwei- bis viermal die Woche macht er seinen Job. Meistens sind er und seine Kollegen auf den Friedhöfen in Ohlsdorf, Öjendorf oder Bramfeld engagiert. Die Einsätze dauern zwischen drei und fünf Stunden, manchmal auch sechs, wenn gleich mehrere Einsätze anstehen. „Eigentlich ist es ein Job für Rentner wie mich. Während der Corona-Pandemie sind aber auch einige jüngere Leute aus der Gastronomie dazugekommen, die froh waren, einen Job zu haben. Inzwischen fehlen wieder einige Träger, zumal das Sterben immer in einer Art Wellenbewegung über das ganze Jahr stattfindet. Gerade in der dunklen Jahreszeit sterben mehr Menschen“, berichtet er.
Besonders gefällt dem Langenhorner auch die Berufskleidung: Das Angebot der „Ausstattung“, so heißt das im Sargträgerjargon, reicht von klassisch (schwarzer Anzug mit und ohne Zylinder) über nostalgische Eleganz (Anscharkostüm) bis zur neueren modernen Eleganz (Hemd, Fliege, Hosenträger und Schirmmütze). „Darüber freuen sich die Trauernden. Das nimmt dem Ganzen etwas vom Schmerz“, sagt Ottmann.
Gelacht wird nie. Sollte man meinen, wenn man sich beruflich mit dem Thema Tod und Beerdigung beschäftigt. Aber kennen nicht alle diese Situation, bei der man auf GAR KEINEN FALL lachen darf und ein anderer eine komische Geste macht und man sich nicht mehr halten kann? Auf die Frage schüttelt er energisch den Kopf: „Es darf nicht gelacht werden. Wir können das nicht machen. Nein, das passiert nicht, wir fallen nicht aus der Rolle.“
Auch als Statist beim Film („Rote Rosen“) und als Trauerredner hat Gerd-Dieter Ottmann schon gearbeitet, aber für ihn ist der Job als Sargträger interessanter. Er lerne dort immer wieder neue Leute kennen. „Wir waren mal eine richtige Clique“, sagt er. „Freundschaften haben sich entwickelt.“
Text: C. Chateaubourg © SeMa
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