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Frühling! Die Natur erwacht, die Tage werden länger, die Vögel zwitschern, die ersten Rasenmäher knattern, und aus dem Baumarkt drängen Hornveilchen und Co. auf die Balkone. In Hamburg wurden die Zeichen der Zeit offiziell erkannt. Das „Bündnis gegen Einsamkeit in Hamburg (BgEH)“ ging an den Start und kündigte eine „Landesstrategie gegen Einsamkeit“ an.
Let’s date happy
Bevor es so weit ist und das BgEH „Best Practice-Beispiele“ und „interdisziplinäre Forschung zu Einsamkeit“ vorlegt, hat sich das SeMa aufgemacht zu entdecken, wie es um Zweisamkeit bestellt ist, um den Lenz (Frühling) frisch und munter zu begrüßen. Zahlen kommen vom Hamburger Online-Partnerportal Parship. Für Sprecherin Jeannine Michèle Kock ist die Suche nach Freunden per Internet nicht mehr nur Sache der Jüngeren: „Online-Dating erfreut sich auch bei Menschen höherer Altersgruppen zunehmender Beliebtheit.“ Ältere sind fitter im Internet als früher.
Doch Ältere sehen Einsamkeit anders, so eine Parship-Studie aus 2024: 72 Prozent der 70- bis 79-Jährigen glauben nicht, dass eine Beziehung bedeutet, weniger einsam zu sein. Nur 17 Prozent hoffen darauf. Und: 13 Prozent der 60 bis 69 und 17 Prozent der 70- bis 79-Jährigen fühlen sich einsam, aber fast jeder Fünfte der 16- bis 39-Jährigen. Zwar wirft Parship sein Beziehungsnetz in erster Linie über Jüngere. Doch auch Ältere sind im Boot. Aber: „Im Alter verschieben sich die Vorstellungen von der Liebe: Ältere Menschen legen größeren Wert darauf, interessante Menschen kennenzulernen, mit denen sie eine gute Zeit verbringen – unabhängig davon, ob es sich um die „große Liebe“ handelt“: 37 Prozent der zwischen 60- und 69-Jährigen möchten Menschen treffen, unabhängig davon, was daraus entsteht. In keiner anderen Altersgruppe liegt der Wert so hoch. Bei 29-Jährigen sind es 10 Prozent. Nur 16 Prozent der Älteren suchen die große Liebe. Bei 18–29-Jährigen ist es jeder Dritte.

Alt und Jung
Um andere ins Boot zu holen, ist der Frühling ideal. Denn: Frühling wird es auch im Herbst des Lebens. Wilhelm Busch: „Der Frühling hat erlösende Kraft.“ Und Mitra Kassai hat das Programm. Sie ist die Seele der Initiative Oll Inklusiv. Ihr Projekt für die Generation 60 plus ist nicht für Omas und Opas, die wie früher in beigefarbenen Mänteln ins rosa Plüsch-Café schlichen. Hut auf, Sahnestück. Die ehemalige Event-Managerin lässt die „Senioren und Señoritas schon mal im Mojo Club tanzen oder fährt zum Hardrock nach Wacken. Motto: Die Welt gehört uns allen, den Jungen und den Alten. „Die Nachfrage nach speziellen Angeboten für Senioren zur Bekämpfung von Einsamkeit ist hoch. Wir bieten Aktivitäten wie Rikscha-Fahrten, kreative Workshops im Teehaus, Stadtrundgänge und Tanztees an. Die Resonanz ist sehr positiv, und wir sehen eine bunte Mischung an Senioren und Señoritas, die sich nach Gemeinschaft und Abwechslung sehnen.“
Bildung
Tolstoi sagt: „Der Frühling ist die Zeit der Pläne, der Vorsätze.“ Wer diese umsetzen will, geht zur Volkshochschule: Dorothea Olbertz, VHS-Pressesprecherin: „Speziell für Ältere haben wir ein Angebot. Aktuell sind es mehr als 100 Kurse. Besonderes nachgefragt werden Bewegungsangebote und Digitalkurse zu KI. Die Motivation ist immer ,Dranbleiben‘. Kopf und Geist fit zu halten und andere Menschen zu treffen sind wichtige Gründe. In der Hauptsache geht es bei uns ums Lernen. In der Gruppe macht das mehr Spaß.“

Kirche und Leben
Um Gemeinsamkeit geht es auch, wenn man die weltliche Welt eintauscht und eintaucht in die der Kirche. Auch sie hat sich ins Gebetbuch geschrieben, Senioren den Weg zu weisen, „Zeit miteinander zu verbringen.“ Melanie Köhne, in der Nordkirche Pressereferentin der Nordkirche in der Bischofskanzlei Hamburg: „Die ältere Generation ist eine unserer größten Zielgruppen. Es ist zu unterscheiden zwischen hochbetagten Menschen, die gern an Kaffeetafeln oder Spielenachmittagen teilnehmen, und körperlich wenig eingeschränkten, sehr aktiven Menschen, die sich innerhalb der Kirche einbringen können.“ Wer Zeit und Lust zu ehrenamtlicher Arbeit in Kirche und Gemeinde hat, kann dabei sein: Kirchenchöre, Gesprächskreise zur Biografie und zu Glauben, Pilgerangebote, Reisen nur für Frauen nach Rom oder Wien. Wer es weltlicher mag, wählt Frauensegelreisen, gemeinsames Kochen oder ehrenamtliches Engagement in Fahrradwerkstätten oder wirkt als kirchenpädagogischer „Guide“ in Kirchen.
Information und Kaffee
Gemeinsamkeit mag eine Domäne der Kirche sein. Aber auch Sozialverbände setzen darauf. Dabei schmettern sie das Vorurteil vom Kaffeekränzchen ab. Klaus Wicher, Hamburg Chef des SoVD, registriert eine steigende Nachfrage, da 2030 ein Drittel der Hamburger 60 Jahre und älter sein wird und die Babyboomer nicht nur mehr, sondern auch aufgeschlossener seien als frühere Generationen. Der SoVD hat dazu Seniorentreffs eingerichtet. „Bingo spielen und Kaffeetrinken wird ihnen nicht reichen. Gleichzeitig wird die Altersarmut steigen, und der Bedarf, gute Angebote für diejenigen mit wenig Geld bereitzuhalten. Verteilt über Hamburg bieten unsere Treffs und Ortsverbände Veranstaltungen an. Smartphone leicht gemacht, Imkern auf dem Balkon, Besuch des bürgernahen Beamten oder Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Unsere Angebote nutzen zum einen die, die körperlich nicht mehr ganz so fit sind, aber nicht allein zu Hause sitzen wollen. Und es kommen viele, die unsere guten Informationen zu Fragen des Alltags schätzen. Auch bei uns haben die Damen leichte Überhand, denn die sind im Alter oft aktiver und kommunikativer als die Herren der Schöpfung.“

Ehrenamt und aktiv
Was in Hamburg möglich ist, weiß Martina Pahlke von der AGFW Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg e.V. Sie leitet die Fachstelle für sozialraumorientierte, diversitätssensible (Senior:innen-)Treffs. Das klingt kompliziert, doch Pahlke denkt praktisch: „Oft finden die älteren Menschen es nicht so attraktiv, wenn Angebote speziell für Ältere gemacht werden. Auch sie hat mit einem Vorurteil zu kämpfen: „Da sind ja nur alte Leute“. „Bei der Fachstelle finden die Menschen Angebote, Beratung, Unterstützung, die schon in den Treffs aktiv sind, egal, ob haupt- oder ehrenamtlich, oder sich für ein Engagement in einem Treff interessieren.“ Sie ist dazu mit den von der Stadt geförderten Treffs im Kontakt, bietet Fortbildungen, organisiert Austauschtreffen, damit sich die Aktiven kennenlernen und kooperieren. Dazu kommen individuelle Beratung, Coaching, Teamentwicklung.
Die Fachstelle ist eine Art Dach-Organisation für, die „dazulernen, sich austauschen möchten und neugierig auf andere Menschen und Angebote sind. Dabei sind die meisten weiblich, aber es gibt auch etwa 10 bis 20 Prozent Männer. Und wie sieht Pahlke aus der Vogelperspektive der Dach-Organisation die Gründe, warum Ältere zu Treffs gehen? „Sie kommen, weil sie Begegnung und Gemeinschaft suchen, aber auch weil sie ein Thema interessiert. Smartphone- und Tablet-Sprechstunden stehen hoch im Kurs, aber auch Sprachkurse und kreative Angebote.“ Und zum Schluss „die Liebe“?: „Tatsächlich finden sich in den Treffs auch neue Paare. Durch den Frauenüberschuss haben bindungswillige Männer sehr gute Chancen, die Frauen demzufolge etwas weniger.“
Soweit zum Thema Frühlingsgefühle und Wohlbefinden aus Sicht der Wohlfahrtsverbände. Aber hier weiß man, dass es nicht immer nur um die eine Bildung geht. Die Sonne fördert auch die Bildung von Serotonin, ein Glückshormon.
Text: Riedel © SeMa
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