
Fotos: Klaus Karkmann
In einigen europäischen Städten brauchen ältere Menschen kein Bahnticket
Diskussionen haben wir genug. In Deutschland wird nach wie vor über den Preis des neuen (bzw. fortlaufenden) Deutschlandtickets debattiert. Wie viel der Senior aus seinem schmalen Geldbeutel in der Stadt für Bus und Bahn löhnen muss, ist immer wieder umstritten. Ob nun 70 Euro, 50 Euro oder nur 29 Euro – zur Kasse gebeten wird er auf jeden Fall. Völlig freie Fahrt für die Generation 65plus scheint dabei keine Alternative zu sein.
Warum nicht? Beispiele aus anderen europäischen Großstädten gibt es. In Budapest (Ungarn) und Prag (Tschechien) ist man da weiter: Der Ausweis zum Nachweis des erreichten Alters (Budapest: 65 Jahre, Prag: 70 Jahre) reicht, damit die Tür der Tram oder des Busses ohne Bezahlung offen steht.
„Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht genau, wie das finanziert wird – eigentlich ist die Stadt Budapest ständig bankrott“, schildert uns Marcel, unser Stadtführer. Der 35-jährige Guide, der aus Leipzig stammt und in Budapest wohnt, liebt die Unkompliziertheit dieses Angebots. „Nach einem Ticket wird jeder, der auch nur etwas älter aussieht, gar nicht erst gefragt. Zur Not reicht der Ausweis zum Nachweis der Überschreitung der Altersgrenze.“
Etwas später gibt es den Oldie-Freifahrtschein in Prag. Mit vollendetem 70. Lebensjahr können bzw. müssen die älteren Mitbürger Prags sich ein Dauerticket mit Lichtbild beschaffen – dann sind Bus und Bahn kostenlos bis zum Lebensende. Gerade in Prag, wo die „Touristenlinie 22“ an der Moldau und an etlichen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt, ist das eine lohnende Sache. Dementsprechend regelmäßig voll ist die oft alte Tram.
Warum klappt etwas so Einfaches und für die ältere Generation Sinnvolles nicht bei uns? Na ja, Ansätze gab es immer. So schlug einst in Hamburg die CDU altersabhängige Freifahrten vor, fand aber in und außerhalb der Bürgerschaft keine Mehrheiten. Auch die Möglichkeit, den Führerschein gegen ein im Zeitrahmen begrenztes Freifahrtticket einzutauschen – wie es zum Beispiel in der österreichischen Hauptstadt Wien praktiziert wird – war im Gespräch, mehr aber auch nicht.
Die deutsche Bürokratie scheint behäbig, aber das allein ist es nicht. Insgesamt ist der Wille, eine solche Mobilitätsmöglichkeit für einkommensschwache Senioren zu schaffen und insbesondere zu finanzieren (wie es sogar in Ungarn möglich ist), nicht erkennbar.
Aber die Wege nach Budapest oder Prag sind weit – für die meisten zu weit.
Text: Klaus Karkmann
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