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Buchcover des Atlas der 60er Jahre mit bunten Illustrationen und Titel.

Eine Reise durch die 60er Jahre

Aus dem SeMa Juli 2026 · Beitrag · 2 Minuten

Foto: Columbus Verlag

Ein ungewöhnlicher Atlas führt durch ein Jahrzehnt voller Umbrüche, Erfindungen und neuer Freiheiten.

Mondlandung, Minirock und Mauerbau

Natürlich fehlen die großen Ereignisse des Jahrzehnts nicht: das Attentat auf John F. Kennedy, die Ermordung von Martin Luther King Jr., die Kubakrise, der Vietnamkrieg oder der Bau der Berliner Mauer. Gleichzeitig zeigt das Buch den bemerkenswerten Zukunftsoptimismus jener Jahre.

Besonders spannend sind die zahlreichen Erfindungen der 1960er. Leser begegnen dem Geldautomaten, der Musikkassette, dem Filzstift, Kunstrasen oder der Luftpolsterfolie. Kurios: Der erste Mensch, der Geld an einem Bankautomaten abhob, war 1967 ein britischer Komiker.

Auch gesellschaftliche Entwicklungen werden verständlich erklärt. Anfang der 1960er lebten etwas mehr als drei Milliarden Menschen auf der Erde. Viele Kolonien wurden unabhängig, junge Menschen gingen weltweit für Freiheit und Frieden auf die Straße, und das Fernsehen entwickelte sich zu einem entscheidenden politischen Medium.

Beat, Protest und neue Freiheiten

Musik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Atlas zeigt, wie der Beat aus Großbritannien die Welt eroberte und welche Festivals das Jahrzehnt prägten. Neben den bekannten US-Veranstaltungen findet sogar das Internationale Essener Pop & Blues Festival von 1969 Erwähnung.

Beatmusik, Mondlandung, Hippies und Bürgerrechtsbewegung: Die 1960er Jahre prägen unsere Vorstellung von Aufbruch und Veränderung bis heute. Der „Atlas der 60er Jahre“ von Gordon Kerr nähert sich diesem Jahrzehnt auf ungewöhnliche Weise – mit Karten, Grafiken und visuellen Geschichten. Entstanden ist ein unterhaltsames Buch für alle, die gern stöbern und Zusammenhänge entdecken – für „Nostalgiker und Analytiker gleichermaßen“, wie der Autor schreibt.

Der 192 Seiten starke, hochwertig gestaltete Band hat mit einem klassischen Schulatlas wenig gemeinsam. Statt Ländergrenzen und Flüsse warten mehr als 200 Karten, Schaubilder und Infografiken zu Politik, Wissenschaft, Kultur, Musik und Sport auf die Leser.

Zu den gelungensten Kapiteln gehören die vielen überraschenden Details: eine „Hippie-Bibliothek“ mit Büchern von Hermann Hesse bis „Alice im Wunderland“, Übersichten zu den wichtigsten Filmen der Zeit oder Berichte über heute fast vergessene Konflikte.

Allerdings merkt man dem Werk seinen britischen Ursprung an. Der Fokus liegt deutlich auf dem angloamerikanischen Raum. Eine deutsche Perspektive hätte manche Themen vermutlich anders gewichtet.

Fazit: Der „Atlas der 60er Jahre“ (Columbus Verlag) ist ein grafisch äußerst ansprechendes Buch. Wer sich für Zeitgeschichte, Kultur und die großen Entwicklungen der Nachkriegszeit interessiert, findet hier zahlreiche spannende Geschichten und überraschende Fakten. Ideal für Leser, die gerne blättern, entdecken und sich an ein Jahrzehnt erinnern, in dem vieles möglich schien.

  • Das Buch ist im Frühjahr 2026 im Columbus Verlag erschienen. Es kostet 25 Euro und kann über die Webseite www.columbusverlag.de oder unter der ISBN 978-3-69078009-4 im Handel bestellt werden.

Text: Jan Philipp Platenius