
Fotos: Leonine
Manche Menschen achten darauf, ob das Steak auf den Punkt gebraten ist. Walter, im Film „Ein fast perfekter Antrag“ gespielt von Heiner Lauterbach, geht weiter: Er führt akribisch Buch über jede Restaurantbewertung. Seit seiner Pensionierung ist der Ingenieur mit der Präzision eines Uhrwerks unterwegs – durch Lokale, nicht durchs Leben. Bis ihm bei einem seiner gastronomischen Feldzüge plötzlich die Vergangenheit gegenübersteht: Alice. Iris Berben, souverän wie eh und je, spielt Walters Jugendliebe, die er vor 40 Jahren mit einem grandios gescheiterten Heiratsantrag verloren hat.

Alice ist heute Kunstprofessorin, unkonventionell, spontan, so frei wie Walter akkurat ist. Und genau deshalb beginnt hier das, was Regisseur Marc Rothemund („Mein Blind Date mit dem Leben“, „Dieses bescheuerte Herz“) so gut kann: eine romantische Komödie, die mehr über Lebensentwürfe als über Altersweisheiten erzählt. Walter will sich diesmal nicht entmutigen lassen. Um Alice zu beeindrucken, meldet er sich – zu ihrem Entsetzen – als Gasthörer in ihrem Kunstkurs an. Dort lernt er, dass man nicht alles berechnen kann: vor allem Gefühle nicht. Zwischen Staffeleien, Skizzen und Studierenden, die seine Enkel sein könnten, stellt er fest, dass Kontrolle keine Kategorie der Liebe ist. Und Alice, die sich eigentlich nichts sehnlicher wünscht als Ruhe, muss erkennen, dass alte Funken mitunter auf die erstaunlichste Weise wieder zu flackern beginnen.

„Ein fast perfekter Antrag“ ist eine romantische Komödie über das, was bleibt – und das, was man sich vielleicht noch einmal trauen sollte. Drehbuchautor Richard Kropf („4 Blocks“, „Kleo“) liefert wie gewohnt Tempo und Situationswitz, Rothemund schenkt seinen Figuren Platz zum Atmen. Und Berben und Lauterbach spielen ihre zweite Chance mit einer Leichtigkeit, die zeigt: Reife ist keine Frage des Alters, sondern des Mutes.


Seit 26. Februar im Kino – ein Film, der beweist, dass Liebe weder Ablaufdatum noch Gebrauchsanweisung kennt.

Text: Corinna Chateaubourg
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