Zum Inhalt springen
Regelmäßig News vom SeMa erhalten? Dann folgen Sie uns bei WhatsApp
Schriftgröße
SeMa Oktober-HeftDas Oktober-Heft
online lesen
Reisetermine
Barbara Kaliner, Intendantin der Opernfactory Hamburg, blickt freundlich in die Kamera.

Die Oper nebenan und ihre Intendantin

Aus dem SeMa Februar 2026 · Beitrag · 2 Minuten

Bei Barbara Kaliner und der Opernfactory im Hamburger Osten geht es lebensfroh zu.

Fotos: Opernfactory Hamburg

Wer an Oper denkt, denkt meist an große Häuser in der Innenstadt. An schwere Türen, rote Teppiche und lange Abende. Dass Oper auch anders geht – näher, persönlicher, fast wie im eigenen Wohnzimmer –, zeigt die Opernfactory in Hamburg-Tonndorf.

Intendantin Barbara Kaliner ist eine Frau mit ungewöhnlichem Lebensweg. Ursprünglich arbeitete sie viele Jahre als Rechtsanwältin und Berufsbetreuerin. Die Musik aber begleitete sie ein Leben lang. Parallel zur juristischen Laufbahn absolvierte sie eine Ausbildung zur Opernsängerin – und fasste schließlich einen mutigen Entschluss: Warum nicht ein eigenes Musiktheater gründen?

2012 wurde aus dieser Idee Realität. In einer umgebauten Gewerbehalle, unweit ihrer damaligen Kanzlei, entstand die Opernfactory. Kein staatlich finanziertes Haus, kein großes Budget – sondern ein Projekt, getragen von Eigeninitiative, Organisationstalent und enormer Leidenschaft. „Wir haben alles selbst aufgebaut“, sagt Kaliner. Öffentliche Förderungen gibt es kaum. Finanziert wird der Betrieb fast ausschließlich über Eintrittsgelder und einen Förderverein.

Gerade das prägt den besonderen Charakter des Hauses. Die Ticketpreise bleiben bewusst moderat zwischen 18 und 25 Euro, damit auch Menschen mit kleiner Rente Kultur erleben können. „Kultur soll für alle da sein“, ist Kaliners Credo.

Künstlerisch setzt die Opernfactory eigene Akzente: Gesungen wird in Originalsprache, die Werke sind auf rund 100 Minuten gekürzt und werden durch deutsche Sprechtexte ergänzt. So bleibt die Handlung verständlich – auch für Opern-Einsteiger.

Oder für Operetten-Einsteiger, denn neben Opern wie „La ­Bohème“ und „Tosca“ stehen auch Operetten wie „Gräfin Mariza“ oder der „Der Graf von Luxemburg“ auf dem Programm. Besonders eindrucksvoll sind die dreidimensionalen Inszenierungen: Sänger treten durch den Saal, Bühnenbilder reichen bis ins Publikum. Man sitzt mitten im Geschehen.

Barbara Kaliner ist nicht nur Intendantin, sondern auch Regisseurin, Organisatorin, Bühnenbildnerin – und häufig selbst Hauptdarstellerin. „Ich stehe am liebsten auf der Bühne“, sagt sie, „aber ich baue auch gern Kulissen und Kostüme.“ Improvisation gehört dazu: Legendär ist die selbst gebaute Konfettimaschine aus Ventilator und Bratpfanne.

Die Opernfactory ist heute ein kultureller Geheimtipp im Hamburger Osten – mit Besuchern auch aus weiter entfernten Städten. Kaliners Wunsch für die Zukunft: Dass noch mehr Menschen entdecken, welches kulturelle Kleinod direkt vor ihrer Haustür liegt.

  • OPERNFACTORY HAMBURG
  • Gründung: 2012; Leitung: Barbara Kaliner
  • Adresse: Ahrensburger Str. 138, Hamburg-Tonndorf
  • Telefon: 040/67 99 92 30
  • Internet: https://www.opernfactory.com/

Text: Jan Philipp Platenius