
Fotos: Klaus Karkmann
Groningen: Menschenmassen beim großen Pflanzenmarkt – Karfreitag, 3. April, ist es wieder soweit
V erkehrte Welt. Wenn in Deutschland sich doch so mancher Mensch am Karfreitag mehr oder weniger langweilt, ist in der nordniederländischen Metropole Groningen die Hölle los. Wo sonst Studenten, Fahrräder, Käse und große Pommes die Szene beherrschen, haben die Menschen – unter ihnen fast die Hälfte deutsche Touristen – nur ein Ziel: den großen Oster-Pflanzenmarkt in der City. Das Sema begutachtete die Menschen, von denen so manche Staude in die Busse geschleppt wird. Und schon am Karfreitag Anfang April 2026 wird der Spaß in der größten Stadt nahe der Grenze zu Deutschland wieder die Massen begeistern.
Der Vater aus Wanne-Eickel oder Hamburg muss heute schleppen, der niederländische Pflanzenfreund hat meist seinen Bollerwagen. Nicht nur auf dem Groten Markt der Studentenstadt gibt es an diesem Karfreitag mal wieder eine Mischung der ganz besonderen Art: Kölscher Dialekt mit einer Prise Hamburgisch, die Luft etwas cannabissüßlich mit einer Prise vom Kibbeling am (Fisch-)Stand, Blumen und andere Pflanzen an jeder Ecke, in jeder Hand und eben auf den unzähligen Bollerwagen. „Das muss man wirklich erlebt haben“, meint eine 75-jährige Dame aus der Nähe von Hamburg, selbst schon recht gut bepackt. Trotzdem ist sie weiter skeptisch: „So schön die Stadt Groningen auch ist, an Karfreitag müsste ich mir diese Massen nicht noch einmal antun.“ Sie steht mit ihrer Meinung ziemlich allein da, zu verlockend sind teilweise noch unbekannte Pflanzen und das bunte Treiben – von den kulinarischen Versuchungen an jeder Ecke ganz zu schweigen.

Und schleppen muss der brave Ehemann, der keinen Bollerwagen zur Hand hat, auch nicht gleich. Irgendwo am Grote Markt gibt es immer ein „Bloemendepot“, wo man zwischen 9 und 18 Uhr die frisch gekauften Pflanzen und zur Not auch andere Utensilien gratis aufbewahren lassen kann. So kann das Shoppen und Genießen in Ruhe weitergehen, zumal die Niederländer keinen Karfreitag und damit keine geschlossenen Kneipen, Cafés oder Geschäfte kennen. All das sieht für den kirchlichen deutschen Bürger zu Hause ganz anders aus.

Darum sind die rund 50 000 Blumen- und Gaumenfreunde, die am letzten Karfreitag 2025 Groningen bevölkerten, auch nicht unbedingt verwunderlich. Wer heiße Füße oder weiche Knie bekommt, setzt sich eben in eines der Straßencafés, zu sehen, riechen und sich wundern gibt es genug. Es muss ja nicht gleich eine „Tüte“ Cannabis sein, auch wenn selbst sie gestattet wäre. Also: ran an die Blumen am Karfreitag 2026.
Vom Reisebus bis zu Radfahrern
- Groningen hat rund 245 000 Einwohner, seit 1614 gibt es eine Universität, außerdem befindet sich in Groningen die Fachhochschule Hanzehogeschool. Immerhin fast 50 000 Studenten sind in der Stadt eingeschrieben. Sie prägen das Stadtbild wie die unzähligen Radfahrer. Aufgepasst, für Fußgänger, die ihre Augen auf die Blumen richten, ist das nicht ungefährlich.
- Groningen bietet zu jeder Zeit großartige Märkte in der Innenstadt an. Der größte und berühmteste Pflanzenmarkt ist aber regelmäßig am Karfreitag. Der fällt beim nächsten Mal auf Freitag, 3. April, 2026.
- Der Oster-Blumenmarkt Groningen im Internet unter groningen-info.de/blumenmarkt-am-karfreitag/
Text: Klaus Karkmann
Weitere Beiträge
Freizeit
Wohin soll es 2027 gehen?
Stimmen Sie jetzt über die neuen SeMa-Reisen ab! Wohin möchten Sie im kommenden Jahr mit uns reisen? Nach Groningen oder St. Peter-Ording?…
Das bewegt mich
„Mahlzeiten sind mehr als Nahrungsaufnahme“
Prof. Dr. Margit Bölts (IU Internationale Hochschule) über gemeinsame Mahlzeiten als Schutz vor Einsamkeit im Alter. Mehr als jede dritte Person ab…
