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Christian Requard, Gründer der Alsterschlepper, Porträtaufnahme

Alsterschlepper mit Anekdoten

Aus dem SeMa Juni 2026 · Beitrag · 2 Minuten

Foto: privat

Rollatoren, Gehhilfen und sogar ein Klavier, die kürzlich noch in Hamburg auf dem Sperrmüll landen sollten, sind heute auf den Philippinen täglich im Einsatz. Möglich macht das Christian Requard, der Gründer der Alsterschlepper. Bei Haushaltsauflösungen erlebt er täglich, wie viel Brauchbares zurückbleibt.

Requard war ursprünglich examinierter Krankenpfleger und im Rettungsdienst tätig. Als er sich aus gesundheitlichen Gründen beruflich neu orientieren musste, begann alles mit Büchern. Er kaufte sie aus Haushaltsauflösungen an, sammelte selbst Hamburg-Literatur – und merkte schnell, dass hinter jeder Wohnung eine eigene Geschichte steckt. Aus Bücherkisten wurden ganze Haushalte, aus ersten Aufträgen wurde ein Unternehmen. Als der Notar einen Firmennamen brauchte, waren über Nacht die „Alsterschlepper“ geboren.

Zunächst als Ein-Mann-Betrieb zerlegte Requard ­Schränke, schleppte Waschmaschinen durch enge Treppenhäuser und schrieb abends Rechnungen. Inzwischen arbeitet ein festes Team an seiner Seite. Doch eines ist ihm wichtig geblieben: Ein Chef sollte wissen, wie es sich anfühlt, eine Waschmaschine ohne Aufzug aus dem dritten Stock zu bringen.

Viele Aufträge entstehen nach Todesfällen. Besonders in Pflegeheimen ist Eile geboten: Zimmer müssen innerhalb weniger Tage neu belegt werden, während Angehörige noch trauern. Dann braucht es neben Organisation vor allem Fingerspitzengefühl. „Wir sind nicht nur Entrümpler, sondern Problemlöser“, sagt Requard.

Manche Aufträge vergisst er nie. So etwa den in einem Hamburger Altbau ohne Zentralheizung. Drei Kohleöfen bestimmten dort den Alltag: Gekocht wurde auf dem Ofen in der Küche, geheizt im Wohnzimmer, und im Bad sorgte ein historischer Ofen für warmes Wasser. Bis zuletzt schleppte der über 90-jährige Bewohner selbst Briketts aus dem Keller. „Das war auch ein bisschen eine Zeitreise.“

Viele Begegnungen prägen. Und sie stärken Requards Überzeugung, möglichst viel weiterzugeben, statt wegzuwerfen. Kleidung wird gespendet, brauchbare Gegenstände werden vermittelt. Oder eben mittlerweile auch auf die Philippinen verschifft. Der bürokratische Aufwand ist groß, die Zollformalitäten sind komplex. Doch wenn am anderen Ende der Welt ein Mensch dadurch ein besseres Leben hat, weiß der Hanseat, dass sich die Mühe lohnt.

Vielleicht schreibt er eines Tages selbst mal ein Buch über all die Lebensgeschichten, die ihm begegnet sind. „Zu erzählen gäbe es auf jeden Fall mehr als genug“, sagt der Alsterschlepper schmunzelnd.

Text: Jan Philipp Platenius