Zum Inhalt springen
Regelmäßig News vom SeMa erhalten? Dann folgen Sie uns bei WhatsApp
Schriftgröße
SeMa Oktober-HeftDas Oktober-Heft
online lesen
Reisetermine
„Jetzt wird’s bunt“: Mit solchen Werbeschildern wurde auf der Berliner Funkausstellung 1967 für das neue Farbfernsehen …

Als das Fernsehen bunt wurde

Aus dem SeMa August 2026 · Beitrag · 3 Minuten

„Jetzt wird’s bunt“: Mit solchen Werbeschildern wurde auf der Berliner Funkausstellung 1967 für das neue Farbfernsehen …
„Jetzt wird’s bunt“: Mit solchen Werbeschildern wurde auf der Berliner Funkausstellung 1967 für das neue Farbfernsehen geworben – eine technische Sensation, die zunächst nur wenige Haushalte erleben konnten.

Fotos: Eckhard Etzold, Telefunken PALcolor 708T (1967), Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 2.0 DE.; Hans Littmann/Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5)

Am 25. August 1967 begann in Deutschland offiziell das Zeitalter des Farbfernsehens. Für viele Menschen war das ein kleiner technischer Schritt – und zugleich ein großer Blick in eine neue Welt. Denn plötzlich wurden Nachrichten, Shows und Sportereignisse nicht mehr nur in Schwarz-Weiß, sondern in leuchtenden Farben sichtbar.

Ein Knopfdruck für die Fernsehgeschichte

Die Szene gehört zu den bekanntesten Momenten der deutschen Fernsehgeschichte: Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin drückte der damalige Vizekanzler Willy Brandt am 25. August 1967 einen roten Knopf. Auf den Bildschirmen wechselte das Fernsehbild von Schwarz-Weiß zu Farbe – das Farbfernsehen war offiziell gestartet.

Ganz so spektakulär, wie es aussah, war die Sache allerdings nicht. Aus Angst vor einer technischen Panne hatten die Ingenieure das Farbsignal bereits wenige Sekunden vor Brandts Knopfdruck aktiviert. Der rote Knopf war also eher Symbol als Schalter. Trotzdem blieb der Moment in Erinnerung und markierte den Beginn einer neuen Fernsehära.

Doch wer damals glaubte, von nun an würde ganz Deutschland in Farbe fernsehen, lag zunächst daneben. Nur wenige Tausend Haushalte besaßen überhaupt ein entsprechendes Gerät. Farbfernseher waren teuer und galten als Luxus. Je nach Modell kosteten sie zwischen 2000 und 4000 D-Mark. 2000 D-Mark des Jahres 1967 entsprechen heute etwa 2700 Euro. Für viele Familien eine große Investition.

Farbe zog langsam ins Wohnzimmer ein

In den ersten Jahren änderte sich für die meisten Zuschauer daher wenig. Viele Sendungen wurden weiterhin in Schwarz Weiß produziert, und auch die Fernsehanstalten stellten ihr Programm nur schrittweise um. Wer keinen Farbfernseher besaß, konnte die neuen Sendungen ohnehin nur in Graustufen sehen.

Trotzdem war die Faszination groß. Vor Schaufenstern von Radio und Fernsehgeschäften blieben Passanten stehen, um einen Blick auf die farbigen Bilder zu werfen. Wer Verwandte oder Nachbarn mit einem Farbgerät hatte, war bei besonderen Sendungen oft ein gern gesehener Gast.

Zum entscheidenden Durchbruch verhalfen dem Farbfernsehen schließlich große Sportereignisse. Besonders die Olympischen Spiele 1972 in München und die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 machten vielen Menschen deutlich, welchen Unterschied die neue Technik ausmachte. Plötzlich leuchteten grüne Fußballrasen, bunte Trikots und die Fahnen der Nationen in den Wohnzimmern.

Mehr als nur Technik

Rückblickend war das Farbfernsehen weit mehr als eine technische Neuerung. Es veränderte die Art, wie Menschen die Welt wahrnahmen. Reiseberichte wirkten lebendiger, Unterhaltungsshows glamouröser und Sportereignisse unmittelbarer. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals ein echter Blick in die Zukunft.

Für viele SeMa Leserinnen und Leser ist die Erinnerung an diese Zeit noch lebendig. Vielleicht stand der erste Farbfernseher im Wohnzimmer der Eltern. Vielleicht versammelte sich die Familie vor dem Gerät, um eine Samstagabendshow zu schauen oder ein wichtiges Fußballspiel zu verfolgen.

Der 25. August 1967 liegt inzwischen fast sechs Jahrzehnte zurück. Doch der Moment, als das deutsche Fernsehen bunt wurde, gehört bis heute zu den Meilensteinen der Mediengeschichte – und zu jenen Erinnerungen, die viele Menschen sofort wieder vor Augen haben.

Text: Jan Philipp Platenius