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Wie Internet, Smartphone und Apps dabei helfen.
Seit Juli dieses Jahres soll das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz dafür sorgen, dass Computer und Smartphones, Onlinebanking und Reiseterminals so gestaltet sind, dass jeder problemlos damit umgehen kann. Websites und Smartphone-Programme (Apps) müssen laut Gesetz benutzerfreundlich sein – mit großen Schriften, kontrastreichen Farben, einfacher Navigation. Digitale Technik soll dienstbar sein. Viele helfen, dass es so ist – so auch der Deutsche Senioren-ComputerClub Hamburg, der am 28. November sein 25-jähriges Jubiläum feiert.
Ganz unten auf der Tastatur eines Computers – eine links, eine rechts neben der Leertaste – finden sich zwei Tasten: „Alt“ und „Alt Gr“. Mit etwas Fantasie lassen sich beide mit Blick auf das digitale Know-how von Älteren deuten. Denn „Alt“ und „Alt Gr“ haben nichts mit Alter und „Grau“ zu tun, sondern bedeuten alternate, auf Deutsch: wechseln („Gr“ steht für „Grafik“). Und wer heute auf Senioren schaut, muss seine Meinung ändern: Immer mehr sind fit am PC. Aber nicht immer passt es. Daher will der Gesetzgeber nun per Gesetz auf die Taste „Alt = wechseln“ drücken.
Die Absicht: Selbstbedienungsterminals, Scannerkassen, Geldautomaten, Fahrausweis- und Check-in-Automaten, Fernsehgeräte mit Internetzugang oder E-Book-Lesegeräte müssen so gestaltet sein, dass sie ohne Informatik-Diplom zugänglich sind. Aber es geht nicht nur um Geräte. Es geht auch um das, was auf den Bildschirm kommt: das Ticket vom HVV, die Überweisung, die Auskunft, ob der Zug fährt oder wie der Flug nach Gran Canaria buchbar ist.
DIGITAL DABEI
Der Gesetzgeber will verhindern, dass Ältere abgehängt und digital diskriminiert werden, weil sie in der Warteschleife am Telefon den Überblick verlieren oder kein Ticket im Bus kaufen können.
Hersteller sind verpflichtet, ihre Produkte barrierefrei zu machen. Dafür gibt es eine CE-Kennzeichnung, die zeigt:
Take it easy, altes Haus … Wir erinnern uns: Vor zwölf Jahren klagte Angela Merkel, das Netz sei „für uns alle Neuland“. Heute lautet der Refrain der Politik: Digitalisierung – und alles wird einfacher, schneller … Dabei hatte die Kanzlerin nicht ganz unrecht. Die Nutzungsmöglichkeiten online entwickeln sich so schnell, dass mancher nicht mitkommt. Häme ist fehl am Platz. Es gilt, den digitalen Graben zwischen denen, die Briefe noch mit der Hand schreiben, und denen, für die die Mail zum Alltag gehört, nicht zu vertiefen. Wer mit dem Handy noch telefoniert und keine Botschaften tippt, gehört nicht zum alten Eisen, sondern ist allenfalls old school. Doch die alte Schule hat immer weniger Schüler.

FAST 100 PROZENT
Laut Studie des Beratungsunternehmens PwC besitzen 94 Prozent aller 55- bis 75-Jährigen ein Smartphone; die Mehrheit ist auf Social-Media-Plattformen unterwegs. Dazu kommt, so eine andere PwC-Studie, dass viele Menschen klassischen Medien mehr vertrauen als Facebook und Co. Dennoch bleibt „Neuland“ zu beackern. Ein Verein, der sich dafür starkmacht, ist der Deutsche Senioren-ComputerClub Hamburg. Der gemeinnützige DSCC wurde 2000 gegründet. Also: Merkel hätte sich schon schlaumachen können. Heute sind etwa 160 Senioren dabei. Mehr als 70 Prozent sind Frauen. Altersdurchschnitt: Mitte 70. Der Älteste, ein ehemaliger Lehrer, zählt knapp 90 Lenze.
DIGI-SPASS
Seither hat es sich der DSCC zur Aufgabe gemacht, die Generation 50+ im Umgang mit Computer, Smartphone und Tablet fit zu machen. Vom Vorstand heißt es: „Wir müssen die Maschinen beherrschen, nicht sie uns. Wir bieten Lernmöglichkeiten, den Computer zu bedienen, sicher im Internet zu surfen, E-Mails zu versenden und mit Programmen umzugehen. Wir wollen Spaß und Freude an der Computerei vermitteln.“ Damit diese Freude nicht durch Bösewichte, Trolle oder Phishing-Mails, die Kennwörter „fischen“ wollen, vergällt wird, steht Sicherheit beim Surfen auf dem Plan. Dazu gehört, den Wust der Passwörter in den Griff zu bekommen. Ob Einkauf beim Discounter, Bestellung beim Online-Buchhändler oder die Auskunft bei Stadtwerken – ohne Passwörter geht nichts.
Zur Schulung hat der DSCC im Netzwerk rund 20 PCs, dazu Beamer, Laserdrucker, Drucker, Scanner, einen Dia-, Film- und Foto-Scanner sowie eine Einrichtung zur Musikdigitalisierung. Mit der Hardware ist der DSCC zufrieden – nicht aber mit dem, was Tech-Konzerne für ältere User anbieten: „Es gibt Seniorentelefone mit großen Tasten, aber die haben weniger Funktionen. Konzerne kümmern sich nicht um Ältere.“ Dabei steigt die On- und Offline-Nutzung unter Senioren. Die meisten wählen das Smartphone, etwa um Fahrkarten zu buchen oder Kinder virtuell zu besuchen. Mit deren Vorlieben für „junge“ Online-Angebote haben Ältere weniger am Hut. TikTok oder Instagram sind Neuland.

ONLINEBANKING
Auf einem anderen Gebiet müssen Ältere mittlerweile „zu Hause“ sein – es geht um Geld. Immer mehr Banken schließen ihre Filialen oder bauen ihre Bankautomaten ab. Das ist nicht nur bösen Buben geschuldet, die die Automaten in die Luft jagen. Der Rückbau ist auch der Tatsache geschuldet, dass immer weniger Bankkunden – auch Ältere – am Schalter stehen. Sie überweisen Geld per Smartphone oder prüfen das Konto. Dabei sei das Smartphone allein keine sichere Bank. Wer sich am Hauptbahnhof bei seiner „Kasse“ einloggt, nutzt ein mobiles Netz – und das ist anfällig für Schurkereien. Onlinebanking: ja, wenn es am PC und am Smartphone passiert. Eine Verifikation über Passwort und/oder Fingerabdruck oder Gesichtserkennung macht das Konto zwar nicht sicher wie Fort Knox, schützt aber vor Missbrauch. Hinweis vom DSCC: „Ein Smartphone ist nötig für die Zwei-Faktor-Identifikation. So ist zu vermeiden, dass eine Transaktion auf nur einem Gerät stattfindet. Kritische Vorgänge sollten nicht vom Smartphone allein durchgeführt werden.

DIGITAL-MENTOREN
Der DSCC ist einer in Hamburg, der dafür sorgt, dass sich Senioren nicht im digitalen Netz verheddern. Ein hamburgweites Projekt heißt „digital dabei – Digital-Mentor:innen für Hamburg“. Es bietet kostenlose Digital-Schulungen für Senioren. Dafür werden Ehrenamtliche gewonnen, geschult und an Kooperationspartner vermittelt. „digital dabei“ wird von der Sozialbehörde gefördert und im Albertinen-Haus in Schnelsen koordiniert. Für Projektleiterin Kirsten Sommer wird die „Digitalisierung nicht nur für Jüngere gemacht. Sie kann generationenübergreifend nützlich sein.“ Sie zählt auf, wo Computer, Tablet oder Smartphone den Alltag erleichtern: Einkauf von zu Hause, Apothekenbestellungen oder online einen Arzttermin buchen. Auch zur Unterhaltung dient die Technik: „Viele Senioren entdecken Streaming – also Filme und Serien auf Abruf – oder hören über Plattformen wie Spotify Musik aus ihrer Jugend.“
DIGITAL HÖREN UND SEHEN
Digitale Technik kann aber nicht nur Freude machen, sondern auch helfen, wenn Sehen und Hören schwerfallen oder „Weißt du noch?“ Achselzucken auslöst: Programme lesen Texte vor – etwa E-Mails oder Zeitungsausschnitte. Apps erinnern an Medikamente, Arzttermine oder den Spaziergang. Wer Schwierigkeiten beim Tippen hat, nutzt Spracherkennung – das Gerät schreibt, was man spricht. Sommer: „So hilft Technik, selbstständig zu bleiben, auch wenn manches nicht mehr so leichtfällt wie früher.“ Viele junge Menschen sind zwar social medial dabei, und das Handy klebt in der Hand. Doch viele sind einsam.
Und die Älteren? „Digitale Geräte können ein Mittel gegen Einsamkeit sein. Viele Senioren nutzen Videotelefonie mit Kindern oder Enkeln – sei es per Zoom, WhatsApp oder Skype. Das ist besonders wertvoll, wenn die Familie nicht in der Nähe wohnt. Auch Online-Treffpunkte wie Seniorenforen, digitale Stammtische oder virtuelle Kaffeerunden bieten Austausch, wenn der direkte Kontakt schwerfällt. Manche Seniorentreffs oder Kirchengemeinden bieten sogar Online-Angebote an, etwa die Übertragung von Gottesdiensten.“ Dazu ist im NDR von Benediktinerinnen im Bistum Osnabrück zu hören: „Jesus hätte heute einen TikTok-Account gehabt.“
Text: Dr. Hergen Riedel
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