
Fotos: © Pixabay
In Kaiserslautern ist die Fußballtradition an jeder Ecke verankert
Tradition verpflichtet. Wenn diese Floskel wirklich Wahrheit hat, hat die pfälzische Stadt Kaiserslautern eine überdimensionale Aufgabe zu bewältigen. Wer die 100 000-Einwohner-Stadt unter dem legendären Betzenberg betritt, spürt das. Mögen in etlichen Metropolen des fußballverrückten Deutschlands die Fans ihrer Mannschaft huldigen, in der Pfalz geht das sichtbar ein Stück weiter. Die Helden des runden Leders von damals bis heute sind ein Bestandteil der Stadt, ob die WM-Recken von Bern 1954, die Drittliga-Loser der jüngeren Vergangenheit oder das Zweitliga-Team von heute: Die Bürger der Pfalz und ihre Roten Teufel haben eine gemeinsame DNA. Und die spürt jeder Tourist, ob nun fußballbegeistert oder nicht.
Etwas nostalgisch oder sogar traurig ist der Blick des Portiers der Ronnie Hellström Lounge. „Ronnie, das war ein guter Freund und Mensch, einer von der alten Garde“, sagt der grauhaarige Pfälzer mit dem Hinweis auf die vielen Bilder aus vergangenen Fußballzeiten. Er kannte den schwedischen Torwarthelden des 1. FC Kaiserslautern aus den 80er Jahren persönlich, war mit ihm befreundet. Ähnliche Freundschaften hatten die WM-Helden von 1954 in der Pfälzer Stadt mit Sicherheit auch. „Es ging hier immer sehr menschlich und persönlich zu, und das ist auch heute noch so“, fügt Ronny Hellströms Freund an. Man sieht ihm an, dass er in dieser Hinsicht von den heutigen Profis nicht so viel hält.

Dass Fritz Walter, Ottmar Walter, Horst Eckel, Werner Kohlmeyer oder Werner Liebrich nicht nur gute Fußballer waren, beweist ein Blick in die Gegend um den Betzenberg. Der oben thronende Ortsteil mit dem legendären Stadion, berüchtigt wegen seiner heißen Atmosphäre und bekannt für wahre Fußballhöllenritte, strahlt die Historie an jeder Ecke aus. Die Roten Teufel haben nicht nur Fußball, sie haben in Kaiserslautern auch Stadtgeschichte geschrieben. Die vier Eingänge zu der modernen, 50 000 Zuschauer fassenden Arena tragen stolz ihre Namen. Die Arena selbst ist nach dem vermeintlich Größten benannt, eben das „Fritz-Walter-Stadion“.

Natürlich hat Kaiserslautern mehr zu bieten als Fußball und den Betzenberg. Ob Kaiserbrunnen, Humbergturm, der japanische Garten sowie die Innenstadt mit ihren schmucken Gebäuden, der Tourist (auch ohne Fußballinteresse oder -sachverstand) kommt auf seine Kosten, von der schmucken Umgebung und dem Pfälzerwald mit seinen Möglichkeiten ganz zu schweigen. Die Stadt ist auf jeden Fall eine Reise wert.
Nur: Immer wieder machen sich irgendwo die Roten Teufel und ihre bewegte Vergangenheit bemerkbar. Ob es nun die gesamte Mannschaft in mannshohen Statuen auf der Verkehrsinsel in der Nähe des Hauptbahnhofes ist oder der mit ihren Konterfeis versehene Bus, der durch die Altstadt fährt: Kaiserslautern ist so oder so von der Fußballhistorie geprägt wie kaum eine andere Stadt.
Wer die Stadt und die Pfalz bereist, muss kein Fan des runden Leders sein, er kriegt auch genügend Natur, Historie und City-Leben geboten. Aber er wird sich nicht dagegen wehren können, dass Fritz Walter, Ottmar Walter, vielleicht auch Ex-Torhüter Ronnie Hellström und die anderen Fußballhelden die nette Stadt dominieren. Es lebe der Betzenberg. Warum auch nicht, Tradition verpflichtet.
Die WM-Helden aus dem Berner Finale 1954
Der 1. FC Kaiserslautern (bekannt als die Roten Teufel) hat als Heimstätte das nach dem Vereinsidol benannte Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg. Als Gründungsmitglied der Bundesliga spielte der 1. FCK von 1963 bis 1996 durchgängig in der ersten Liga. Die größten Erfolge sind vier deutsche Meisterschaften (1951, 1953, 1991 und 1998) und zwei DFB-Pokalsiege (1990 und 1996). Darüber hinaus waren mehrere Kaiserslauterner Spieler 1954 deutsche Weltmeister (3:2 im Finale gegen Ungarn in Bern): Fritz Walter, Ottmar Walter, Werner Liebrich und Werner Kohlmeyer. Sie holten dabei unter Trainer Sepp Herberger den ersten WM-Titel Deutschlands – ein Meilenstein in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

- Informationen über Kaiserslautern sind bei der Tourist Information, Fruchthallstraße 14, 67655 Kaiserslautern erhältlich. Telefon: 0631/365 23 17, im Internet ausführlich: www.kaiserslautern.de/tourismus
Text: Karkmann © SeMa
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