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Fit, verbunden, zuversichtlich: So bleiben wir stark im Alter

Fit, verbunden, zuversichtlich: So bleiben wir stark im Alter

Aus dem SeMa Juni 2026 · Beitrag · 4 Minuten

Fit, verbunden, zuversichtlich: So bleiben wir stark im Alter

Fotos: Freepik, Therapiezentrum Sieminski

Junge Leute im Berufsleben bekamen vor Kurzem Schelte: Ihre Work-Life-Balance stimme nicht. Viele möchten weniger arbeiten, um weniger Stress zu haben, die Gesundheit zu fördern und mehr Zeit für sich zu haben. Was Jungen angekreidet wird, sollte im Alter Programm sein. Menschen über 60 sollten eine ausgewogene After-Work-Life-Balance haben, um Kontakte, Fitness und Zufriedenheit unter einen Hut zu bekommen und den allgegenwärtigen Krisen die Stirn zu bieten.

Senioren können viel tun, um geistig und körperlich fit zu bleiben. Das Fremdwort heißt Resilienz und meint: nicht rasten, um körperlich, aber auch seelisch widerstandsfähig zu sein. Fitness im Alter ruht dabei auf mehreren Säulen: Wer nicht rosten will, kann sich körperlich ertüchtigen, seinen Kopf in Form halten, soziale Kontakte pflegen und darauf achten, was auf den Tisch kommt. Fertigpizza, Wurst, aber auch Doseneintöpfe, Limonaden oder Chips mögen bequem zur TV-Serie auf dem Sofa passen. Sie kassieren vom Ernährungsexperten aber das Urteil „hochverarbeitet“, nicht gesund. Wer in die oberen Jahrgangsstufen geklettert ist, sollte jedoch nicht den Ehrgeiz haben, jungen Sprintern den Rang abzulaufen. Spaziergänge, Schwimmen, Nordic Walking, Yoga, Gymnastik oder Tanzen machen nicht nur rüstig. Sie stärken auch die Beweglichkeit, machen das Herz robuster und hellen die Stimmung auf. Das weiß Peter Holthausen. Er ist im Verband für Turnen und Freizeit e. V. Referent für gesundheitssportliche Schwerpunkte und Heilpraktiker. In der Aus- und Fortbildungseinrichtung des Verbandes, der Gym-Akademie, bildet er Leiter aus, die Kurse zu „Fit im Alter“ anbieten. „Davon gibt es viele“, so Holthausen: „Dabei stehen der Spaß an Bewegung und die Zeit in der Gruppe im Vordergrund. Um den Teilnehmern ein gesundes und selbstständiges Leben zu gewährleisten, ist eine größtmögliche Alltagstauglichkeit der Übungen sinnvoll. Für Ältere ist es entscheidend, regelmäßig Kraft und Ausdauer zu trainieren. Auch gute koordinative Fähigkeiten, schnelle Reaktionen in herausfordernden Situationen sowie ein inneres wie äußeres Gleichgewicht sind Voraussetzungen, um den Alltag zu meistern. All diese Faktoren sind Inhalte der Fortbildungen. Sie sollen Vereine fit machen, Kurse für die breite Masse der älteren Teilnehmer zu gewährleisten.“

Dabei hat Holthausen Körper und Geist auf dem Lehrplan: „Sport ist ein Glücksbringer! Wer sich bewegt, regt eine Kaskade von Botenstoffen und Rezeptoren im Körper an, die Glücksgefühle vermitteln. Jede Bewegung hat auch positive Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit. Wer sich bewegt, bleibt auch im Kopf ein bisschen fitter. Gute Körpererfahrungen vermitteln innere Stabilität und Ausgeglichenheit.“

Sport und Bewegung am besten in Gemeinschaft.
Sport und Bewegung am besten in Gemeinschaft.

Wer nun intensivere Hilfe braucht und weniger auf Verein als auf „Rezept“ setzt, geht in ein Therapiezentrum wie das von Marcin Sieminski. Es ist spezialisiert auf Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie: „Bewegung war früher ein natürlicher Bestandteil des Alltags. Menschen gingen weite Strecken zu Fuß, arbeiteten körperlich und waren viel in Bewegung. Heute sieht unser Alltag meist anders aus: Viele verbringen einen Großteil des Tages im Sitzen – am Schreibtisch, im Auto, vor Bildschirmen. Dadurch ist der natürliche Bewegungsanteil zurückgegangen. Regelmäßige körperliche Aktivität stärkt Muskeln und Gelenke, bringt den Kreislauf in Schwung und hilft, Verspannungen zu lösen.“ Daher setzt auch Sieminski auf die Allianz von Psyche und Physis, da Bewegung nicht nur positiv auf den Körper wirkt, sondern auf Leib und Seele. „Beim Training schüttet der Körper Endorphine aus, die das Wohlbefinden steigern, Stress reduzieren und für neue Energie sorgen. Besonders in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit und vieler täglicher Herausforderungen ist es wichtig, aktiv etwas für die Gesundheit und mentale Stärke zu tun. Bewegung, regelmäßige Aktivität und soziale Begegnungen können helfen, optimistisch zu bleiben.“ Sieminski plädiert für einen „ganzheitlichen Ansatz“, der Therapie, Training und persönliche Betreuung verknüpft: „In stressreichen Zeiten ist eine Auszeit für Körper und Geist wertvoll.“

Marcin Sieminski.
Marcin Sieminski.

Und auch wer gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe ist, kann aus dem Ohrensessel aufspringen. „Reha macht rüstig“, sagt etwa Kaja Komm, zuständig für Amateursport beim Hamburger Sport-Verein HSV. Hier beim Reha-Sport leiten Trainer Gruppen zu typisch „älteren“ Themen: Orthopädie, Herz- und Lungensport. Neben klassischem Training will der HSV auch das Gemeinschaftsgefühl durch außersportliche Veranstaltungen stärken: „Reha-Sport stärkt das Selbstbewusstsein und schafft Hilfe zur Selbsthilfe. Durch bewegungstherapeutische Übungen wie Gymnastik, Bewegungsspiele, Ausdauer- und Krafttraining zur Verbesserung von Beweglichkeit, Kraft und Kondition werden die Körperfunktionen wiederhergestellt oder erhalten, und die Lebensqualität wird trotz gesundheitlicher Einschränkungen gesteigert. Zudem tragen die Verbundenheit und eine starke Gruppengemeinschaft zum Optimismus bei.“

Doch ein gesunder Körper allein macht noch keinen hellen Kopf. Auch das Gehirn liebt Jogging: Wer liest, Musikinstrumente spielt, Kreuzworträtsel löst oder mit Freunden Boule spielt, bringt die grauen Zellen auf Trab – und schützt sich vor Einsamkeit und Depression. Und wer mit genügend Schlaf und Entspannung den Stress abschüttelt, hat viel getan, um munter zu bleiben. Anja Rastetter, Kommunikationschefin im Körber Haus, versteht den „Treffpunkt für alle Generationen und Kulturen“ als offenen Ort, um Körper und Geist fit zu halten. Hier kommen Skatkarten, Schachfiguren oder andere Spiele auf den Tisch. Wer sich als Älterer mit vermeintlich jungen Themen besser vertraut machen will, loggt sich in Kursen zu Internet, Computer und Handy ein.

Denksport für geistige Fitness.
Denksport für geistige Fitness.

Rastetter geht weiter. Sie rät etwa dazu, sich ehrenamtlich zu engagieren, um in Gemeinschaft zu bleiben und den Austausch mit anderen zu pflegen. Das habe auch gesellschaftliche Folgen: „Zusammenhalt wird spürbar in der Ausübung eines Ehrenamts – Demokratie kann gestärkt, und die Menschen in der Gesellschaft können sich wieder nähergebracht werden. Wer auf sich selbst achtet – mit Blick auf Fitness, Ernährung, Gesundheit … tut nicht nur etwas für sich, sondern auch für das große Ganze.“

Text: Dr. Hergen Riedel