Hier finden Sie stets eine bunte Auswahl an wertvollen und interessanten Ausflug-Tipps und Informationen Rund um das Thema "Städtereisen".
Viel Spaß wünscht Ihnen Ihr SeMa-Team.
Neue Wanderwege rund um Halberstadt am Rand des Harzes
Die Schäferhöhlen in den
Klusbergen boten früher Hirten unad ihren Herden Schutz. Foto: DJD/Tourist Information Halberstadt
Pilgerpfade und Klöster
Im April wurde zudem eine neue Etappe des beliebten Harzer Klosterwanderwegs eröffnet, der somit von Quedlinburg bis nach Halberstadt verlängert wurde. Im Halberstädter Burchardikloster, wo mit dem John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt das langsamste Musikstück der Welt aufgeführt wird, befindet sich jetzt der neue Start- und Zielpunkt der Pilgerroute, die in sieben Etappen bis nach Goslar führt. Für weitere Rundwege und kleine Ausflüge ab Halberstadt empfiehlt sich auch der dicht bewaldete Höhenzug Huy nordwestlich von Halberstadt. Er ist die Heimat eines der größten zusammenhängenden Buchenwälder Europas. Gut ausgeschilderte Wanderwege führen hier zur eindrucksvollen Klosteranlage Huysburg und zur Höhle des Räubers Daneil, um die sich Sagen und Mythen ranken. Am Wegesrand erzählen seltene Gesteinsformationen von der Entstehungsgeschichte des Höhenzugs.
Auf die hohen Klippen in den Thekenbergen führen zum Teil auch gesicherte Treppen und Leitern. Foto: DJD/Tourist Information Halberstadt/Stefan Herfurth
(djd). Sagenumwobene Felsklippen, urzeitliche Kultplätze und ein neuer Klosterwanderweg: Rund um Halberstadt am Rand des Harzes können Aktivurlauber mystische Naturlandschaften und eindrucksvolles Kulturerbe entdecken. Die ehemalige Bischofsstadt im Westen von Sachsen-Anhalt ist für ihre mittelalterlichen Kulturschätze bekannt, vor allem der prachtvolle Halberstädter Dom und sein weltberühmter Domschatz locken Besucher von nah und fern. Doch die spannende Wanderregion in den Halberstädter Bergen mit ihren sanften Hügeln und dichten Wäldern gilt überregional noch als Geheimtipp. Zu den Höhepunkten gehören der historische Landschaftspark Spiegelsberge sowie die faszinierenden Sandsteinfelsen in den Klusbergen und den Thekenbergen: Hier hat die Erosion über Jahrmillionen markante Türme und Klippen, Felsbögen und Höhlen geschaffen, um die sich viele Geschichten und Legenden ranken.
Auf dem höchsten Punkt des Höhenzugs Huy thront das mittelalterliche Kloster Huysburg.Foto: DJD/Tourist Information Halberstadt/Ulrich Schrader
Mystik-Touren und Rundwanderwege
Die imposanten Felsmassive tragen charakteristische Namen wie Gläserner Mönch, Fünffingerfelsen oder Teufelskanzel. Der Krähenhüttenfelsen war im Mittelalter eine Opferstelle, und in den Schäferhöhlen suchten einst Hirten mit ihren Herden Schutz. Um die Geschichten und Geheimnisse der Naturschätze kennenzulernen, gibt es geführte Mystik-Touren durch die Klus- und Thekenberge. Sie lassen sich aber auch auf beschilderten Rundwegen von vier bis sechs Kilometern auf eigene Faust erwandern. Neu ausgeschildert wird in dieser Saison eine große Rundtour, die auf gut 20 Kilometern Länge alle Halberstädter Berge miteinander verbindet. Unter www.halberstadt-tourismus.de ist sie bereits als Online-Track erhältlich, wo auch alle anderen Touren zu finden und in interaktiven Karten verzeichnet sind.
... und wo sie zu finden sind!
Autor und Organisationsberater Frank Wippermann hat Hamburgs ersten Bergführer geschrieben.
Mehr Bergsteigerfeeling geht nicht: Neben dem Gipfel von Hamburgs höchstem
Berg, dem Hasselbrack (116,2 m) in den
Harburger Bergen, gibt es eine Metallkassette mit Gipfelbuch, in dem man sich
nach erfolgreicher Ersteigung eintragen
kann – Autor Frank Wippermann.
Foto: privat
Der höchste Berg, der Hasselbrack, ist 116,2 Meter hoch und liegt in den Harburger Bergen. „Vom Start weg ansteigend führen drei Wege parallel zueinander nach Süden bis hinter das Ende des Heidefriedhofs. Sobald wir auf einem der Wege dort angelangt sind, gehen wir nach SW, lassen einen kleinen Teich links liegen und erreichen nach einem Schwenk Richtung Süden den Moisburger Stein auf etwas mehr als vierzig Metern NHN.“ (NHN steht für Normalhöhennull und bezeichnet den Nullpunkt des aktuellen Höhenbezugssystems in Deutschland.) So beginnt die Bescheibung des „Aufstiegs“. Wie man hinkommt, was es auf der Tour Sehenswertes zu entdecken gibt und was das Bergsteigerherz auf diesem Hügel – pardon Berg – höherschlagen lässt, steht in der Tourbeschreibung Nummer 80.
Mit einem Augenzwinkern beschreibt Autor Frank Wippermann die Hamburger Berge. Dass er sie alle „erklommen“ hat, war ihm ein besonderes Vergnügen. Und das Beste daran? „Ich bin in so vielen Hamburger Ecken rumgekommen, wo ich sonst nie hingekommen wäre ...“, so Wippermann. Nutzen wir sein Wissen und machen es ihm nach!?
Corinna Chateaubourg © SeMa
„Bergführer Hamburg“
80 Touren und 89 Gipfel,
Frank Wippermann,
224 Seiten, 200 Abbildungen,
ISBN 978-3-96060-537-9
16,80 Euro
Es begann – ganz klassisch – mit dem Sonntagsspaziergang. Frank Wippermann durfte (oder musste) in den 60er und 70er Jahren noch sonntags mit seiner Familie spazieren, oder in seinem Fall, wandern gehen. Das Interesse an der Bewegung in der freien Natur war geweckt. Als Student wurde das Gelände hügeliger, richtige Berge wurden immer interessanter. Erst kamen die 3000er, später auch ein paar 5000er hinzu. Jetzt hat der gebürtige Osnabrücker den ersten Hamburger Bergführer geschrieben. Erschienen ist er im Hamburger Junius Verlag.
Bei einer lustigen Runde in München – eine Freundin ist die Leiterin des Alpinen Museums – kam Frank Wippermann auf die Idee, einen Bergführer für Hamburg zu schreiben. „Berg ist nicht absolut, sondern relativ. Es kommt auf die Perspektive an“, beschreibt der 58-Jährige seine Sicht der Dinge und kommt zu dem Fazit: „Verglichen mit Gipfeln anderswo, wirken die Hamburger Berge vielleicht recht klein, relativ zu ihrer Umgebung können sie aber auf jeden Fall als Berge durchgehen.“
Zur Besteigung der Hamburger Berge empfiehlt der Autor, passendes Schuhwerk, eine wetterfeste Jacke und Verpflegung. Frank Wippermann meint das ganz ernst und hat für hanseatische Gipfelstürmer aufgeschrieben, welches die 89 sehenswertesten Gipfel sind. 80 Touren hat er zusammengetragen und beschreibt sie im echten Bergführerdeutsch: „Aufstiege“, „Abstiege“ und Hintergründiges über die jeweiligen Beschaffenheiten der Wege – alles ist so, wie es der interessierte Hamburger Fußgänger aus anderen Bergführern kennt. Darüber hinaus gibt es die schönsten Aussichtspunkte und Wissenwertes über die Entstehung der Hamburger Berge.
Mailand ist die Stadt der Gegensätze – in Como geht es ruhiger zu ...
Dom
Mögen Kleider, Anzüge, Schuhe oder eben der extravagante Kugelschreiber den normalen Etat eines Durchschnittstouristen sprengen, die Schaufenster sind das, was die vor allen Dingen weiblichen City-Gänger anzieht. Nur, gehen die Damen dann in die Läden, glüht eben die Scheckkarte. „Toll, dieser Modegeschmack der Italiener und toll gekleidet auch die Menschen, die man hier sieht“, bemerkt eine 70-jährige Hamburger Touristin, die vom Shopping-Bummel gar nicht genug kriegen kann. Und die Menschen seien sehr freundlich. Das mag stimmen, aber die Freundlichkeit hängt eben oft mit der warmgelaufenen Scheckkarte zusammen.
Die ersetzt mehr als in Deutschland das Bargeld, ob Metro-Karte, das Cotoletta alla milanese (typisches Kalbsschnitzel) oder eben das kleine Schwarze aus der Auslage – in Mailand wird per Karte bezahlt. Wer dann einen Platz in der bunten Straßenbahn oder an einem der vielen Brunnen ergattert, kann kurz aufatmen. Mailand zieht einen in seinen Bann – und man war noch nicht einmal auf dem Dach des Domes oder in einem der vielen Museen. Darum: Vier oder fünf Tage sollten es schon sein, um diese pulsierende Stadt zu erkunden und vor allen Dingen zu verstehen.
Dann nämlich bleibt auch noch Zeit für ruhigere Gegenden, die einem dann wirklich Urlaubsgefühl vermitteln. Gerade einmal 40 Minuten dauert die Bahnfahrt an den Comer See, wo vor allen Dingen alte Villen, die Standseilbahn von Como nach Brunate und ein oft heftiger Wind die Szene bestimmen. Como selbst aber ist lohnenswert, nur die Schlangen an den Kassen der „weißen Flotte“, die von der Seeseite den Prachtgebäuden näherkommt und die Auslöser der Kameras klicken lässt, bringen wieder Stress à la Mailand.
In Como sieht man dann auch wieder den ein oder anderen entspannten Senior, viele italienische Bestager verbringen dort ihren Lebensabend. Klar: Es sind nur diejenigen, die auch im Leben vorher in die Nobelauslagen Mailands greifen konnten – Dolce Vita 70 plus am Comer See sozusagen. Die reichen Anwohner des Sees sind dann aber nicht in den engen Gassen der Stadt zu sehen, dort dominieren auf den vielen Märkten doch die Touristen – man hört beim Aperol in der Fußgängerzone oft Deutsch, Spanisch oder Englisch.
Die alten Gassen und Märkte der Stadt Como laden zum Bummeln ein – und es geht ruhiger zu als in Mailand.
Gegensätze ziehen sich an, ein altes Sprichwort – ob nun wahr oder nicht. Die norditalienische Metropole Mailand muss zumindest mit krassen Unterschieden leben, ein Bild der Harmonie ist diese Stadt nicht. Auf der einen Seite der imposante Dom, das Opernhaus Scala, viele Museen und noch mehr historisch bedeutsame Gebäude. Auf der anderen Seite Nobel-passagen, ein Mode-Designer-Geschäft neben dem anderen, Goldkettchen in den Auslagen, Hochhäuser mit modernen Glasfassaden und ein Publikum, das dazu passt. Die Stadt ist schwer zu fassen, aber gesehen haben muss man Milano schon. Erholen kann man sich dann am nahen Comer See.
Es muss ja nicht der 1500 Euro teure Kuli aus dem Schaufenster der noblen Viktor-Emanuel-Passage neben dem Dom sein, und auch das Fass-Bier für 10 Euro im In-Laden nebenan kann/sollte man sich sparen. Nur: Die Gäste Mailands – unter Ihnen etliche Touristen 65plus – wollen das unbedingt gesehen haben, denn das ist Milano pur. Mit blassem Gesicht setzt sich eine Spanierin fortgeschrittenen Alters in ein Café an der Piazza del Duomo – man sieht, dass sie eine Pause braucht. In der Italo-Metropole ist ein Business-Gewimmel ohne Pause, die vielen Touristen garnieren das nur. Dolce Vita der anstrengenden Art sozusagen.
In Mailand locken natürlich Pizza und Nudelgerichte. Aber auch die leckeren Salate lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen.
So schön Mailand und Como sind, so verschieden sind sie. Für nicht mehr topfitte Senioren sei aber der Tipp gegeben, auf jeden Fall eine organisierte Reise dorthin anzutreten – die ist dann lohnend, aber anstrengend. So oder so: Der polierte 1500-Euro-Kugelschreiber kann/darf ruhig im Schaufenster bleiben.
Infos zum Mailand-Städtetrip
Flugverbindungen/Dauer:
Mailand wird direkt vom Flughafen Hamburg- Fuhlsbüttel angeflogen, Flugzeit: rund 1 Stunde und 45 Minuten. Eine Übersicht gibt es zum Beispiel unter www.fluege.de
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Strecke Mailand/Como:
Die Zugfahrt von Mailand Centrale (Hauptbahnhof) nach Como dauert rund 40 Minuten, die Züge fahren stündlich. Kosten hin und zurück: zusammen rund 20 Euro.
Infos zu Mailand im Internet unter: www.mailand.com/mailand/touristen-informationen
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Klaus Karkmann © SeMa
Erleben Sie einen besonderen Tag mit dem REISERING HAMBURG!
Am Mittwoch, 28. August 2024 präsentiert der Reisering Hamburg seinen druckfrischen Winterkatalog 2024/2025 im Gemeindehaus des Hamburger Michel, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Nach einem Sektempfang erwartet Sie zunächst ein Kurzvortrag vom REISERING Hamburg Team, zu den neuen Festtags- und Winterreisen. Danach haben sie ausreichend Zeit, den Michel auf eigene Faust zu entdecken. Ebenfalls gibt es die Möglichkeit einen Blick in die Krypta zu werfen oder den Turmaufstieg mit Fahrstuhlbenutzung zu wagen. Auf der Aussichtsplattform spürt man die Nähe des Himmels und erlebt die Weite der Stadt. Für alle Gäste ist ein spannender Vortrag im wunderschönen Hauptschiff über die Geschichte der Barockkirche von einem Michel-Guide vorgesehen. Anschließend kann man nach der kurzen Mittagsandacht noch ein Orgelkonzert genießen. Nach dem offiziellen Teil wird es köstlich. Es geht mit den roten Bussen direkt runter an die Elbe zu den Landungsbrücken. Im rustikal-gemütlichen Block-Bräu mit Blick auf die dicken Pötte sind Tische für ein üppiges Mittagsbüffet reserviert. Übrigens gibt es einen Fahrstuhl bis nach oben zur großen Terrasse, die natürlich bei schönem Wetter genutzt wird. Anschließend fährt der Bus zurück zum Hamburger ZOB und den anderen Zielen. Oder man lässt den Nachmittag am quirligen Hafen individuell ausklingen.
Abfahrten von ZOB HH, Bergedorf, Travemünde, Lübeck, Quickborn, Mölln und Ratzeburg € 56,– mit Turmbesteigung und Krypta € 60,–.
Weitere Infos und kostenloser Minikatalog unter Reisering Hamburg RRH GmbH, Adenauerallee 78 (ZOB), 20097 Hamburg, Anmeldung und Information Tel.: 040 280 39 11, www.reisering-hamburg.de
In Wien locken geliebte Klischees gerade ältere Touristen an
Die berühmte Sachertorte.
Es muss ja nicht gleich Hans Moser sein. Der beliebte Schauspieler (verstorben 1964) gilt wie kaum ein Zweiter als Wiener Urgestein. Sein Granteln wurde in der österreichischen Metropole ein Markenzeichen, eine lustige Art Unfreundlichkeit quasi zum Wesensmerkmal. Wer heute die Hauptstadt unseres Nachbarlandes besucht, spürt bei allem Fortschritt, bei allen modernen Errungenschaften zwischen Stephansdom und Hofburg, dass gerade die (mehr oder weniger alten) Klischees Wien ausmachen. Ältere Gäste an der Donau – und die gibt es nach wie vor zu Hauf – fordern geradezu das Sissi-Feeling, die Sachertorte oder das Fiaker-Gespann. Die Stadt wird niemals ihre Vergangenheit vergessen – und das macht sie so liebenswert.
Nun gut, die Ankunft ist nicht gerade historisch oder altertümlich. Ziemlich verwirrt steht eine Hamburger Seniorengruppe mitten im neuen Wiener Hauptbahnhof, die vielen Ausgänge in alle Richtungen gleichen der Anzahl der Fragezeichen auf der Stirn. Wien ist eine Großstadt, wenn nicht sogar eine Weltstadt, und auch außerhalb des Bahnhofes am Südtiroler Platz dominieren hohe, moderne Gebäude, Technik und eine top-moderne Straßenführung.
In Grinzing, etwas außerhalb Wiens, reiht sich eine gemütliche Weinstube an die andere.
Nedlich
Falls du allzu menschlich in ein sprachliches Fettnäpfchen trittst, dann achte zumindest darauf, ob ein beobachtender Österreicher das als nedlich bezeichnet. Fällt der Ausdruck? Dann wieg dich bloß nicht in Sicherheit, dass du so etwas wie niedlich bist, Tatsächlich ist nedlich das Alarmwort für eine heikle Situation.
Zwutschkerl
Früher oder später wird dir auch im freundlichen Österreich ein Zwutschkerl begegnen, und dann wirst du ihn als solchen benennen können: als ein Prachtexemplar eines echten Idioten. Meist werden die Jüngeren damit beschimpft, aber keine falsche Scheu, dieses Wort frei anzuwenden. Auch ein Senior kann ein Zwutschkerl sein.
Kurvn krotzen
Solltest du den Zwutschkerl nun doch nicht abschütteln können, dann wird es später Zeit, die Kurvn zu krotzen. Ob du jemanden kratzen sollst? Nein, das Kurvnkrotzen ist die hohe Kunst, heimlich einen Abgang zu machen. Sehr nützlich, auch außerhalb der Großstadt Wien.
Klaus Karkmann © SeMa
Der Wiener „Prater“.
Nun gut, die Augen haben viel gesehen, die Beine werden schwächer. Der Moment ist eigentlich optimal, um zu kulinarischen Genüssen zu wechseln. Und da ist man in Wien nun wirklich richtig. Wer auf seinem Historien-Trip weitermachen will, geht ins Hotel Sacher und isst die legendäre (und überteuerte) Torte. Aber schon auf dem Weg dorthin locken etliche gemütliche Kaffeehäuser, Beisl und Weingärten, in ihnen der kleine Braune (Kaffee), der Verlängerte (Kaffee)oder gar Hendl, Wiener Schnitzel in der Größe eines Klodeckels, vor Kalorien strotzender Kaiserschmarrn oder eine der vielen anderen Spezialitäten. Zum Abnehmen ist Wien nichts, für den schmalen Gelddbeutel allerdings auch nicht. Wien ist (schön) teuer, Historie, Klischees und Weltstadt haben ihren Preis.
Der Tourist 60plus sei daher auch ein bisschen gewarnt. Ein Großtadturlaub gerade in der Zwei-Millionen-Metropole Wien ist sehr anstrengend. Augen, Seele, Beine, Orientierung, Gehirn, Ausdauer, Verdauung: Alles steht auf dem Prüfstand – und die Geldbörse muss auch dick genug sein. Da nützt – in memoriam Hans Moser – auch ein kräftiges Granteln nichts.
Ein guter Überblick zum Tourismus in Wien, der alle Themen abdeckt, im Netz unter https://www.wien.gv.at/tourismus/
Am Ring in der Wiener City
stehen viele der Denkmäler und historisch bedeutsamen Gebäude.
Hans Moser hätte mit Sicherheit gegrantelt – die norddeutschen Senioren hätten ihn verstanden. Aber: Das ist nur ein Teil – eben der neuere – von Wien, die Generation 60 plus kommt schon einen Tag später auf ihre Kosten.
Sobald man sich mit der U-Bahn (Wien hat ein großes modernes Netz) Richtung innerem Ring aufgemacht hat, präsentieren sich die Sehenswürdigkeiten unübersehbar wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Ob Parlament, Rathaus mit Vorplatz, die Oper das Burgtheater oder eines der vielen Museen: Kollosale Bauten, aus denen die Historie geradezu trieft, sind sie alle. „Es ist traumhaft schön, geradezu überwältigend“, sagt Christel Beyer (74) aus Hamburg und kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Diese Gebäude seien in der Tat gerade für ältere Menschen etwas ganz Besonderes, man müsse sie einfach gesehen haben, gibt sie schon fast Reisetipps an Gleichaltrige. „Dabei ist alles auch so sauber und schön“, sagt Gerit Mediaty (75), die ebenfalls von der Elbe an die Donau gereist ist.
Das Ganze steigert sich dann noch, wenn die Tram verlassen wird und es in den Burggarten und/oder die Hofburg geht – vom nahen Stephansdom ganz zu schweigen. Und wer dann wirklich noch näher an Kaiserin Sissis Gemächer will, der fährt halt raus Richtung Schloss Schönbrunn. Da sieht der staunende Tourist dann gleich, dass die populäre österreich-ungarische Kaiserin im „Garten“ genug Auslauf hatte. Auch eine Führung durch Schloss Schönbrunn ist einfach ein Muss. Der Prunk ist unbeschreiblich, auch die vielen Asiaten lassen ihre Kameras heiß laufen.
Der Stephansdom überragt in der Wiener Fußgängerzone alles.
Vom Scherzel bis zum Zwutschkerl
Typisch Wienerische Ausdrücke klingen oft niedlich, aber man versteht sie nicht. Hier ein paar „Übersetzungen“:
Abstrudeln
Zwar ist der Strudel wohl die berühmteste Mehlspeise der österreichischen Küche, nur hat der Kuchen mit den köstlichen Füllungen hier nichts verloren. Vielmehr ist abstrudeln das passende Verb, wenn du dich enorm abmühst oder abrackerst. Nicht nur der Bäcker knetet den Strudelteig so lange, bis er nicht mehr kann; auch strudelt man sich ab bei seiner Ankunft in der fremden Großstadt.
Flamo
Spätestens nach dem Beziehen des Hotelzimmers stellt sich auch bei dir Flamo ein, und es wird Zeit, auf die Suche nach Grammelschmalz und Saumaise zu gehen. Nein, nicht, weil du nach lustigen Wortkombinationen suchst oder plötzlich Jäger geworden bist, sondern weil Flamo schlichtweg „Hunger“ heißt.
Scherzl
Im Restaurant ist das Scherzl kein Schwank des Kellners, auf den man etwa mit Lachen antworten müsste. Nein, wenn jemand mit einem Scherzel kommt, dann wird dir gerade wienerisch das letzte oder erste Stück eines Brotlaibs angeboten.
Zwischen Erinnerung und Aufbruch
Nach dem Arbeitsleben haben viele Senioren genügend Zeit zum Reisen. Dabei stehen Städtereisen hoch im Kurs. Kurz, interessant, recht günstig und auch für die ältere Generation geeignet soll es sein. Das Senioren-Magazin testet in einer Serie, welche europäischen Städte diese Anforderungen erfüllen – oder auch nicht. In der aktuellen Folge geht es um Stettin/Polen.
Sie erleben eine Stadt, in der man den Willen zum Umbruch geradezu aufsaugen kann, das Ost-Grau zu großen Teilen längst dem bunten Stadtbild im Stile einer West-Großstadt gewichen ist, in einigen Dingen sogar schon noch moderner zu werden scheint.
Natürlich: Unsere Hamburger Senioren-Gruppe hält sich zunächst an die schönen alten Gebäude, die eben für die Historie stehen. Ob die Hakenterrasse, die Jakobikirche, das Königstor oder die Bürgerhäuser und Boulevards am Grünwald-Platz, die Geschichte Stettins ist in den Fugen dieser Gebäude verankert. An anderer Stelle – zum Bespiel an der hochmodernen Philharmonie oder in der neu aufgebauten (weil im Krieg völlig zerstörten) Altstadt stehen schon Beispiele, wo der Weg in Stettin hinführen soll – und zu großen Teilen schon hingeführt hat. „Ich war zuletzt im Jahr 2004 hier, es ist unglaublich, was sich hier getan hat“, sagt zum Beispiel der 63-jährige Peter Reichardt, der auch von der Elbe angereist ist. Seine hanseatische Reise-kollegin Marianne Pilz (79), ebenfalls schon mit Stettin-Erfahrung, stimmt ihm zu: „Hier geht es wirklich Schlag auf Schlag.“
So werden dann auch das Klingeln der alten Straßenbahnen (zum Großteil sind diese auch schon durch modernere ersetzt) und das Hämmern der Baumaschinen quasi zu einem Stettiner Lied, was der Tourist gern über sich ergehen lässt. Die rund 410 000 Einwohner zählende Stadt an der Grenze zu Deutschland ist eben schon mehr als ein Geheimtipp, zumal das Preisniveau für Touristen aus Hamburg, Berlin oder München weiter sehr attraktiv ist. Die Hotels und Restaurants haben durchaus schon Westniveau, die Preise noch nicht. Freilich muss man noch mit einer Zurückhaltung der polnischen Gastgeber fertig werden, die manchmal noch recht skeptisch wirken. Auch ist das Handeln der Polen auf den Straßen gerade an Bussen oder PkWs aus dem Westen besonders ausgeprägt, aber eben den niedrigen Löhnen geschuldet. Geht man auf die polnischen Gastgeber zu, taut das Eis schnell, zumal auch fremde Sprachen – meist die englische – in Polen oft gut beherrscht werden..
Ein Geheimtipp sind die Straßenbahnen Stettins, die in einem sehr guten Netz eingesetzt sind. Etwas mühsamer sind da schon die vielen Treppen (zum Beispiel am Oder-Ufer) oder große unebene Gehwegplatten (Achtung am Rollator), die nur Stück für Stück kleineren weichen. Aber: Stettin ist insgesamt überschaubar, und die City steht im Stadtbild, auf Angebot und Atmosphäre bezogen, einer mittelldeutschen Großstadt in nichts nach.
Aber auch – oder gerade – für unsere Hamburger Senioren-Gruppe zählen andere Attribute. „Ich werde mich lange daran erinnern, dass ich das hier noch einmal sehen konnte“, sagt zum Beispiel Jutta Graf (74) aus Hamburg-Rissen. So fahren sie und ihre Reisegenossen zwar nicht mit Abschieds-tränen in den Augen, aber mit einer gewissen Genugtuung zurück Richtung Hamburg. Es gibt auch keinen Grund zur Wehmut, eher einen zufriedenen Rückblick auf das Erlebnis Stettin.
Vom Wassertaxi an die Ostsee bis zur Straßenbahn
• Auf zur Ostsee: Seit diesem Jahr befördert die „Jadwiga“ – eine Art Wassertaxi – wieder Touristen und Einheimische über das Oderhaff zur Ostsee Richtung Swinemünde. Zunächst nur an Wochenenden, dann ab Mitte Mai täglich zweimal. Die Überfahrt vom Seehafen der Stettiner Weißen Flotte zum Anleger der Adler-Schiffe an der Wybrze e Władysława IV. dauert zwischen 70 und 80 Minuten, je nach Wetterlage und Wellengang auf dem Haff.
• Rein in die Straßenbahn: In Stettin bietet es sich praktisch an, mit den Straßenbahnen die Stadt zu erkunden. Eine Tageskarte (erhältlich in bestimmten Ticket-Shops und auch in den Bahnen selbst) kostet umgerechnet 3,50 Euro. Das Netz ist sehr gutausgebaut und führt auch an der Oder entlang.
• Euro oder Zloty? In Stettin selbst kann oft in Euro gezahlt werden (Kurs zurzeit 1 Euro = ca. 4 Zloty). Nur vereinzelt (zum Beispiel an Kiosken) wird auf Zloty bestanden.
• Busfahrt: Die Busfahrt von Hamburg nach Stettin dauert rund fünf bis sechs Stunden.
• Infos im Internet: Gute Infos zu einem Stettin-Besuch gibt es im Internet unter http://www.visitpomerania.eu/staedte/stettin/
K. Karkmann © SeMa
Im Bus sitzt eine Mischung aus Wehmut und Erwartungshaltung. Nicht wenige Mitglieder der 35-köpfigen Hamburger Seniorengruppe, die auf dem Weg nach Stettin ist, haben ihre Wurzeln in der polnischen Stadt an der Oder. Ob nun die reiselustige 75-jährige Dame aus Hamburg-Nien-dorf, die zum letzten Mal im zarten Alter von drei Jahren in ihrer Heimat war, oder ihre vielen Freundinnen, die zum Großteil auch familiär mit dieser Gegend historisch verbunden sind: Stettin sehen viele deutsche Touristen aus ihrer eigenen Sicht – und es lohnt sich, hinzuschauen.
Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo ist auf die ältere Generation zugeschnitten!
Es muss nicht gleich das „Traumschiff “ sein. Seit Jahren kreuzen die Schiffsgiganten „Color Magic“ und „Color Fantasy“ aus dem Norden Deutschlands über den Skagerrak in die norwegische Hauptstadt und zurück. Dieser Mini-Trip soll Seniorenträume genauso erfüllen wie er Kegelclub-Touren, Familienausflüge oder einfach den Autotransport über das Meer ermöglichen soll.. Das Senioren-Magazin (SeMa) hat getestet, ob in Zeiten von Krisen und knappen Kassen diese Kreuzfahrt light auch das Seemannsherz der Generation 65plus höher schlagen lässt – und dabei noch sehr amüsant ist. Gibt es wirklich den Seniorenspaß im Skagerrak?
Was heißt hier Spaß? So manchem Mitglied aus einer Hamburger Seniorengruppe, die an diesem Montagmorgen auf der Seebrücke vor Kiels Hauptbahnhof fast ehrfurchtsvoll auf die „Color Fantasy“ starrt, fällt die Kinnlade genauso runter wie das hanseatische Seemnnsherz in die Hose rutscht. Mit diesem Giganten (bis zu 730 Pkws und bis zu 2650 Personen sind an Bord möglich) soll es also nach Oslo und zurück gehen. Die Vorfreude holt das Herz wieder aus der Hose, auch das Thema Seekrankheit wird verdrängt. Nichts mehr Traumschiff auf dem TV-Bildschirm, selbst ist der Senior, jetzt wird noch einmal richtig gelebt. Die „Color Fantasy“ läuft mit der munteren Gruppe an Bord aus dem Kieler Hafen aus, Träume dürfen wahr werden.
Besser, das sind sie jetzt schon. Es ist schon ein buntes Volk an Bord, das beim Auslaufen vom Sonnendeck elf wie gewohnt die Menschen da unten grüßt. Norweger, Deutsche, Dänen, ein paar Asiaten, Fernfahrer, Stammtischrunden, erwartungsvolle Paare und eben auch viele Seehungrige aus der Generation 70plus. Viele der „Oldies“ wollten im Leben immer schon einmal eine Kreuzfahrt machen, der Lebensweg, vielleicht etwas die Angst, aber vor allen Dingen die schmale Geldbörse haben das meist verhindert. Jetzt aber bietet diese dreitägige Mini-Kreuzfahrt dann doch noch einmal einiges von dem, was die meisten Senioren sonst abends vom TV-Sessel aus gesehen haben.
Ob Boulevard, Casino, Shows, Tanz-Bar mit Livemusik oder sogar eine Sauna mit Blick aufs Meer, der Blick aufs offene Meer mit wehenden Haaren ohnehin – drei Tage fühlen sich an wie ein Gemisch aus Glamour und weiter Welt. Was heißt hier weit, die norwegische Hauptstadt Oslo (immerhin rund 650 Kilometer Seeweg von Kiel entfernt) wartet. Und in Oslo steht auch schon der Sightseeing-Bus bereit, in vier Stunden muss an Land alles gelaufen sein.
Und es läuft, unsere Senioren haben Glück. Eine Reisefüherin aus der Heimat Hamburg (schon etliche Jahre in Oslo) wartet am Bus, es geht zunächst durch die Altstadt zum Holmenkollen hoch. Ein Stopp an der Riesenschanze, ein Abstecher zum Vigeland-Skulpturen-Park, und schon wartet wieder die „Color Fantasy“ unübersehbar in Oslos Hafen. Durch die imponierende Schärenwelt im Oslofjord geht es zurück Richtung Kiel, Teil zwei des Amüse-ments mitten im Skagerrak wartet.
Infos zur Mini-Kreuzfahrt Kiel/Oslo
• „Color Fantasy“ und das Schwesterschiff „Color Magic“, das entgegenpendelt, fassen jeweils rund 730 Pkws und bis zu 2650 Passagiere.
• Die Überfahrt eine von Kiel nach Oslo dauert rund 19 bis 20 Stunden.
• Die Fahrt führt unter anderem durch den Skagerrak. Das (oder auch der) Skagerrak ist ein Teil der Nordsee zwischen der Nordküste Jütlands (Dänemark), der Südküste Norwegens und der nördlichen Westküste.
• Mit einer Bahnfahrt Kiel/Hamburg und zurück sowie Einzelkabine, zwei Morgenbüffets und einer vierstündigen Stadtrundfahrt durch Oslo kann der Spaß je nach Saison/Preisen bis zu 350 Euro kosten. Es geht aber auch etwas billiger. Zwei üppige skandinavische Abendbüfetts können dazugebucht werden, Kosten pro Büfett 45 Euro.
• An Bord werden Euro und norwegische Kronen genommen, Wechselgeld gibt es prinzipiell nur in Kronen. Es lohnt sich daher, an Bord mit EC oder Scheckkarte zu zahlen.
• An Bord gibt es einen Einkaufsladen und Geldautomaten. Aufgepasst: Es ist relativ teuer auf den Schiffen.
• Weitere Infos und Buchung der Touren im Internet unter: www.colorline.de
Text: Klaus Karkmann © SeMa
Das Ganze ist für einen Durchschnitts-Rentner mit kleinen Ersparnissen schon irgendwie finanzierbar (siehe Info-Kasten), aber es muss erst einmal organisiert werden. Mit der Bahn nach Kiel, dann auf das Schiff, Einchecken, Ausweiskontrolle, Kabine finden – und das alles in dieser Aufregung. So einfach ist das nicht. Wenn das Schiff dann allerdings unterwegs ist, lebt der Mini-Traum – inklusive eines ordentlichen Seegangs.
Na ja, eine richtige Kreuzfahrt läuft dann doch etwas anders. Nur: Die Büfetts, die nette Crew an Bord, die frische Meeresluft, die Shows und die Tanzbar waren dann doch echt. Und jetzt wieder ab in den Fernsehsessel – die Realität ist vorbei, aber es darf weitergeträumt werden.
„Zum Schnuppern allemal in Ordnung“
Die meisten Senioren waren zum ersten Mal an Bord eines Kreuzfahrtschiffes – beziehungsweise im Falle der „Color Fantasy“ einer Fähre mit Kreuzfahrtcharakter. Überwiegend war die Stimmung an Bord heiter, alle aber würden – abgesehen von der Finanzierung einer solchen Fahrt – keine längere Tour auf dem Schiff buchen.
Hier einige Stimmen:
• Hartwig Neumann (67): „Zum Schnuppern ist das wirklich in Ordnung. Mir reichen allerdings zwei Tage, da habe ich alles an Bord gesehen.“
• Mona Wolters (80): „Es war schön, mal dabei gewesen zu sein, besonders hat mir die Stadt-rundfahrt durch Oslo gefallen. Es waren wirklich vier Stunden geballte Information.“
• Erich Haptmann (56): „Ich habe die Fahrt besonders an Deck genossen. Mich reizen nicht so sehr Casino oder Boulevard, aber die weite See hat mich schon immer fasziniert. Hier hatte ich sie ohne Ende.“
• Rolf Merk (83): „Auf dem Rückweg hat mir der Seegang schon zu schaffen gemacht. Aber das gehört wohl dazu.“
• Hans-Joachim Linke (71): „Eigentlich der perfekte Ausflug für eine Skatrunde. Man ist auf hoher See, sieht eine Menge, hat frische Luft und jede Menge Zeit zum Skatspielen.“
Amsterdam: Gerade ältere Touristen haben viel Respekt vor den Zweirad-Massen
Mit Schildern wird versucht,
das Chaos zu regeln.
Das ändert aber nichts daran, dass sie alle einfach zum Amsterdamer Stadtbild gehören – ohne Räder könnte man sich das lustige Treiben an den Grachten und auf den Plätzen gar nicht vorstellen. Und das eigene Radeln macht sogar Spaß – wenn man die Regeln verstanden hat und sich in der Masse treiben lässt. Sobald man die Region um Amsterdam Centraal dann verlässt, wird es auch besser und geordneter. Eigene Radstreifen, eigene Radampeln und ein System, in dem die Autos sichtbar zurückstecken müssen, machen die Stadt zur Bike-Hochburg (siehe Text nächste Seite).
Auch die Touristen gewinnen mit der Zeit die Radfahrer lieb. „Ich habe nach einigen Tagen hier sogar Spaß, diesem Treiben zuzuschauen“, sagt Monika Hartwig (77), die von der Stadt mehr als angetan ist. Und dazu gehören nun einmal Radler, Biker und Rollerfahrer. Nur sollte man sie eben nicht unterschätzen.
Eine gute Übersicht zu Informationen für einen Aufenthalt in Amsterdam ONLINE.
Mehr Fahrräder als Einwohner
In Amsterdam ist das Fahrrad ohne Frage das Verkehrsmittel Nummer eins. Quer durch die Stadt – oft direkt neben den Grachten – zieht sich ein Radnetz von rund 600 Kilometern Länge. Aktuellen Schätzungen zufolge gibt es in Amsterdam zur Zeit rund 890.000 Räder (also mehr als Einwohner/830.000).
Auf den Radwegen müssen sich Radler, Rollerfahrer
und sogar kleine Autos die Spuren teilen.
Nein, Autos sind nicht das Problem. In der niederländischen Metropole Amsterdam ist es über Jahre hinweg gelungen, den Zweirad-Fahrern aller Art die Herrschaft auf den Straßen zu geben. So entstand mit der Zeit mehr und mehr ein Gewimmel von Bikern, Motorrollern und anderen skurrilen Zweirad-Gefährten zwischen Grachten und Altbauten. So schön Amsterdam ist, so viel Angst hat so mancher der (älteren) Fußgänger-Touristen vor dieser Entwicklung. Es müssen also nicht immer kraftstrotzende Droschken sein, die den Schweiß auf die Stirn treiben. Das SeMa hat sich auf Fußwegen, Fähren und in Parks der beliebten Stadt umgehört.
Ein gutes Rad ist teuer, aber guter Rat eben manchmal auch. Mit verängstigten Blicken steht eine kleine Gruppe Hamburger Senioren am Knotenpunkt vor dem Amsterdamer Hauptbahnhof Centraal. Dort setzen die gemischten Rad-, Scooter, Roller und eben auch Fußgängerfähren in den Norden rüber. Das Gemisch aus rollenden, hupenden und rasenden Zweirädern ist gewöhnungsbedürftig, wer zu viel Angst hat, hat verloren. Die Schranke senkt sich, die Masse setzt sich in Bewegung, und unsere Seniorengruppe wird praktisch auf die Fähre geschoben. „Sie kommen wirklich von allen Seiten, man muss höllisch aufpassen“, sagt zum Beispiel die Hamburgerin Roswitha Muth (79), auch mittendrin im rollenden Haufen.
Und das geht an den tollen Grachten, an den imponierenden Altbauten und zwischen den vielen Museen der niederländischen Metropole so weiter. Wer zum Grachtenring, zum Nieuwmarkt, zum Rijksmuseum oder zum Anne-Frank-Haus vorstoßen will, der muss mit dieser Zweirad-Welt leben – auch oder eben gerade als Fußgänger und/oder Tourist. Amsterdam ist berühmt für seine Fahrradkultur (siehe Text rechte Seite): Wer bremst der hat verloren, daher bremst auch kaum jemand. Der Fußgänger wird in dieses Biker-Leben nahtlos integriert – was bleibt ihm auch übrig? „Das ist schon schlimm. Aber das Schlimmste ist, dass einen die Schönheiten dieser Stadt ablenken, das macht es gefährlich“, sagt Ursula Fürstenau (74), ebenfalls für fünf Tage aus der Hansestadt nach Amsterdam gereist. Aber man gewöhne sich mit der Zeit daran.
An den Knotenpunkten treffen Fußgänger auf die Zweiräder. Hier ist höchste Vorsicht geboten.
Hier ein paar weitere Fakten:
• Rund 60 Prozent der Einwohner fahren täglich Rad
• Rund 40 Prozent der gesamten Bewegung im Jahr findet in Amsterdam per Rad statt
• In der Stadt gibt es rund 230 000 Abstellmöglichkeiten in Radständern
• Im Raum am Bahnhof Amsterdam Centraal sind es über 10 000 Abstellplätze (meist überwacht)
• Es gibt rund 150 Fahrradshops
• Es gibt rund 30 Rad-Verleihgeschäfte
• Es gibt rund 25 eigens für Räder zur Verfügung gestellte Parkhäuser
Klaus Karkmann © SeMa
Das Stadtbild Amsterdams
ist mit Fahrrädern verknüpft.
Das gilt vor allen Dingen für die Amsterdamer selbst. Trotz der Geschwindigkeit, mit der sogar Motorroller und kleine Autos die Radwege benutzen dürfen, trägt hier niemand einen Helm. Kleine Kinder radeln mit ihren Eltern an den Grachten, junge Mädels mit Hollandrädern lassen ihre blonden Haare im Wind spielen, und alle möglichen Konstruktionen von Lastenrädern schießen durch die Gegend. Aber passieren tut kaum etwas, die Mischung aus Blickkontakt und Lockerheit scheint dafür eine Art Versicherung zu sein. Unsere Hamburger Seniorengruppe jedenfalls tastet sich langsam immer sicherer voran.
Das niederländische Zweiradglück aber wächst nicht in den Himmel, es gibt auch kritische Stimmen. Die vielen Fahrräder seien gar nicht das Problem, sagt eine nette einheimische Rezeptionistin, mit jeder Menge Bike-Erfahrung ausgestattet. Sogar ältere Touristen könnten gut damit umgehen. Aber unter den Bikern seien die unglaublich schnell fahrenden Mopeds und Roller auf den Radwegen das Problem, sie seien geradezu rücksichtslos. Auch wenn dies ein rein niederländisch-internes Problem zu sein scheint, berge der Grundsatz „Wer bremst, hat verloren“ schon seine Gefahren. „Es ist einfach zu viel erlaubt, es geht zu weit“, sagt die auskunftsfreudige Dame an der Rezeption warnend. Viele Biker seien von den motorisierten Zweirädern einfach nur genervt.
Fachwerk, Bienen, Leidenschaft
In der Fürstengruft liegen zwei unglücklich liebende Frauen – und vom Turm kann man die „NORDSEE“ sehen. Foto: Krause
Noch ein Graf
Ein ähnliches Schicksal wie Sophie Dorothea widerfuhr ihrer Urenkelin, der dänischen Königin Caroline Mathilde (1751–1775). Sie verbrachte ihre letzten drei Lebensjahre im Celler Schloss und ließ damit wieder königlichen Glanz in die einstige Residenzstadt einziehen. Bereits mit 15 Jahren wurde die Schwester des englischen Königs Georg III. mit dem psychisch auffälligen König Christian VII. von Dänemark verheiratet. Dessen Vertrauter und späterer Leibarzt, zuvor Armen- arzt in Altona, Johann Friedrich Struensee, brachte es nicht nur in den Grafenstand und zum faktischen Regierungschefs Dänemarks – er gewann auch das Herz der jungen Königin. Mit einer königlichen Generalvollmacht ausgestattet, versuchte er seit September 1770, Regierung und Gesellschaft im Sinne der Aufklärung umzuwandeln. So wurde der dänische Gesamtstaat zum fortschrittlichsten Staat seiner Zeit. Aber Struensee machte sich durch seine rigorose Spar- und Personalpolitik schnell Feinde am Hof. Bereits 1772 wurde er gestürzt und hingerichtet. Ein Teil seiner Reformen, wie die Pressefreiheit, blieb jedoch bestehen. Sein Liebesverhältnis zur Königin Caroline Mathilde war zur damaligen Zeit ein Skandal. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist Struensee der Vater der Prinzessin Louise Auguste von Dänemark und damit Vorfahr von Auguste Viktoria, der letzten deutschen Kaiserin. Die soll den wahrscheinlichen Bruch in ihrem Stammbaum einmal mit dem Satz „Lieber ein gesunder Arzt als ein geisteskranker König in der Familie“ kommentiert haben. Von Caroline Mathilde ist der Satz überliefert „Wenn eine Frau einen Mann wirklich liebt – so sollte sie ihm überall hin folgen und sei es in die Hölle!“ Nach der Hinrichtung ihres Geliebten in Kopenhagen führte ihr Weg aller- dings nicht zur öffentlichen Hinrichtung oder in die Hölle. Auf Intervention ihres Bruders, des Königs von England, wurde sie auch nicht in Dänemark eingekerkert. Getrennt von ihren Kindern, durfte sie nach Celle ausreisen und wurde dort von den Bürgern begeistert begrüßt. Ihr früher Tod – vermutlich an Scharlach – löste tiefe Trauer aus. In der Gruft der Stadtkirche sind die beiden tragischen Frauengestalten im Tode vereint. Etliche Bücher und Filme beziehen sich auf Leben und Tod der Liebenden.
Heute bleibt die Küche kalt ... die rohe Roulade in Celle meint das wörtlich.
Foto: Krause
Es war im Jahr 1955, von McDonalds, Burger King und Co. war im Nachkriegsdeutschland noch nichts zu hören, da legte Friedrich Jahn in München mit seinem ersten Schnellrestaurant den Grundstein für die Restaurantkette „Wienerwald“, die nach seinen Angaben in Spitzenzeiten täglich 700 000 Grillhähnchen verkaufte. Nach mehreren Pleiten und Skandalen soll im Juli in Torfhaus im Harz erneut und deutschlandweit einmalig ein Restaurant dieses Namens eröffnen. Selbst wer kein Händl-Freund war, kannte den seinerzeit in aller Munde kursierenden Werbeslogan der Kette: „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald.“ Bei der kulinarischen Spezialität Celles – der rohen Roulade – bleibt die Küche nicht nur im übertragenen Sinn kalt. Ob das allein ein Grund ist, sich in die alte Herzogsstadt an der Aller aufzumachen, können Freunde rustikaler Genüsse in gleich mehreren Restaurants dort herausfinden. Celle liegt dank des 49-Euro-Tickets oder des Niedersachsen-Tickets praktisch vor Hamburgs Haustür.
Caroline Mathilde und Struensee spielen Schach, während König Christian VII. den Papagei mit seinem Degen neckt (Sammlung Hirschsprung).
Quelle: Wikipedia
Schwung durch die getauschte Braut
Fast drei Jahrhunderte war Celle ständige Residenz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg und Regierungssitz des bedeutendsten welfischen Fürstentums. Aber erst die Frau des letzten dort residierenden Herzogs, die Hugenottin Eléonore d’Olbreuse, brachte kulturellen Glanz in die Stadt. Dabei war ihr der Weg nach Celle nicht an der Wiege gesungen worden. Geboren wurde sie 1639 in Val-du-Mignon in Frankreich. Ihre Familie war angesehen aber arm. Als Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig sie in Kassel kennenlernte, war es um ihn geschehen. Dumm nur, dass er bereits mit Sophie von der Pfalz verlobt war. Um für Eléonore frei zu sein, reichte er seine Verlobte gegen Erbverzicht an seinen jüngeren Bruder Ernst August weiter und lebte fortan mit der schönen Französin zusammen. Erst nachdem Eléonore durch einen kaiserlichen Gnadenakt zur Gräfin von Harburg und Wilhelmsburg erhoben worden war, konnte das Paar nach rund 20 Jahren Zusammenlebens und der Geburt des einzigen Kindes Sophie Dorothea heiraten. Sie führten eine nahezu bürgerliche, sehr glückliche Ehe. Eléonore brachte französischen Esprit nach Norddeutschland und befruchtete das Hof- und Stadtleben in Celle. Das Schlosstheater und die reformierte Gemeinde gehen auf sie zurück. So glücklich die Eltern lebten, so unglücklich verbrachte ihre Tochter die größte Zeit ihres Lebens. Sie wurde gegen ihren Willen aus politischen Gründen mit ihrem Cousin, dem ältesten Sohn des Herzogs und späteren Kurfürsten Ernst August von Braunschweig-Lüneburg und dessen Frau Prinzessin Sophie von der Pfalz, der früheren Verlobten ihres Vaters, verheiratet.
Im Mittelpunkt der Stadt –
das historische Schloss.
Foto: Krause
Ein Graf verschwindet spurlos
Sophie hatte den „Tausch“ nie verkraftet und betrachtete ihre Schwiegertochter als einen nicht ebenbürtigen „Bastard“ oder als „Mausdreck im Pfeffer“. Trotzdem schien die nur aus politischer Raison geschlossene Ehe anfangs glücklich zu verlaufen. Doch nach der Geburt zweier Kinder bevorzugte Kurprinz Georg Ludwig seine Mätresse Gräfin Melusine von der Schulenburg. Für Sophie Dorothea begannen triste Tage am Hof zu Hannover. Das änderte sich, als Philipp Christoph Graf von Königsmarck Anfang 1688 nach Hannover kam. Königsmarck war nicht irgendein Offizier. Seit seinen Kindertagen, die er als Page am Hof von Celle verbrachte, war er mit der ein Jahr jüngeren Sophie Dorothea befreundet. Er diente als Oberst der Leibgarde des Kurfürsten und gehörte damit zum engsten Kreis der Hofhaltung. Vermutlich seit März 1692 begannen der Graf und Sophie Dorothea eine sexuelle Beziehung. Im Sommer 1694 planten die beiden Liebenden die Flucht aus Hannover, die entweder nach Wolfenbüttel oder nach Kursachsen führen sollte. Denn Königsmarck hatte dort nicht nur eine Offiziersstelle, sondern war auch der Bruder von Maria Aurora, Gräfin von Königsmarck, der Mätresse Augusts des Starken und späteren Pröpstin des Stiftes Quedlinburg. Die Fluchtpläne wurden verraten. Am 2. Juli 1694 verschwand Königsmarck im hannoverschen Lei- neschloss und wurde vermutlich am gleichen Tag ermordet. Offiziell ist er immer noch verschollen. Das Verschwinden des Grafen wurde zur Staatsaffäre, die nicht nur im europäischen Hochadel, sondern auch bei Diplomaten und in der breiten Bevölkerung weite Kreise zog. Die Prinzessin wurde schuldhaft geschieden und auf Schloss Ahlden – jenseits aller Kultur – bis zu ihrem Lebensende 32 Jahre lang inhaftiert. Selbst die Bestattung an der Seite ihrer Eltern wollte der geschiedene Ehemann ihr verwehren. Die Lebensgeschichte Sophie Dorotheas wurde von Arno Schmidt in seinem Roman „Das steinerne Herz“ verarbeitet.
Celles Innenstadt.
Foto: Krause
Als wäre die Zeit stehengeblieben
Celles Altstadt zählt zu den dichtesten Fachwerkensembles der Welt. Dass dem so ist, liegt mit daran, dass nach Caroline Mathildes Tod kein gekröntes Haupt mehr in Celle residierte. Weil es an Geld mangelte, fiel die Stadt fast in einen Dornröschenschlaf. Die überwiegend zwischen den Jahren 1500 bis 1800 gebauten, heute unter Denkmalschutz stehenden rund 500 teils prächtig geschmückten Zeugen dieser Zeit blieben erhalten. Rund 26 Fachwerkhäuser pro Hektar zählt man heute in der Celler Altstadt. Es lohnt sich, die Texte und Symbole in den Balken zu studieren. Die Lebensge- schichte der unglücklichen Königin wird in einer Dauerausstellung im Schloss vorgestellt. Dort befindet sich auch das von ihrer Urgroßmutter initiierte Schlosstheater. Hier spielten am Anfang ihrer Karriere viele später bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler. Sogar einen handfesten Theaterskandal hat das Schlosstheater zu bieten: Als es 2008 um die Neugestaltung des in rotem Samt gehaltenen neobarocken Theatersaals ging, flogen zwischen der damaligen Intendantin und dem Trägerverein die Fetzen. Die Intendantin verlor ihren Job, und das Theater im Schloss bekam einen Saal – nüchternen wie ein modernes Kino. Dabei ist die Stadt ansonsten durchaus traditionsbewusst. Wer mit der Bahn nach Celle reist und mit dem öffentlichen Nahverkehr in die nahe Innenstadt fahren möchte, kann das mit der Celler Straßenbahn tun. Nur nicht wundern – denn seit dem 2. Juni 1956 gibt es keine Straßenbahnen mehr in Celle. Nur der Name des Busbetriebs „Celler Straßenbahn“ erinnert heute noch an die Zeit, als deren Gründer, der Keks- und Zwieback-Produzent Harry Trüller als einziger Fahrgast „während der Fahrt mit der Straßenbahn auf dem Tritt stehen durfte und nicht vom Schaffner von dort verwiesen wurde“.
Wochenmarkt in Celle. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Nur nicht Celler Dickstiel. Foto: Krause
Was es gibt und was es nicht gibt
Beim Institut für Bienenkunde kann man nicht nur „Celler Carnica-Königinnen“ kaufen, sondern alles rund um die Bienen erfahren. In Celle gibt es das wohl älteste denkmalgeschützte Klo Deutschlands. Aber selbst für Geld und gute Worte darf man es nicht benutzen. Die Hengste des Niedersächsischen Landgestüts Celle sorgen zuverlässig für Nachwuchs. Den „Celler Dickstiel“ sucht man vergebens auf dem Celler Wochenmarkt. Diese alte Apfelsorte wurde noch 2002 Streuobstsorte des Jahres in Norddeutschland. Seinen Beinamen „Farbenschachtel“ bekam der Apfel aufgrund der Vielzahl an Farbschattierungen, die seine Schale annehmen kann. „Den kauft hier keiner“, war auf Nachfrage auf dem Markt zu hören. Schade, denn geschmeckt hat er. Tröstlich dagegen: Huth im Zentrum Celles gibt es immer noch, und ist ein echter Geheimtipp. Denn seit 1851 ist am Großen Plan Nr. 7 die Firma Friedrich Huth Nachfolger ansässig. Sie bietet selbst gebrannten Kaffee, Heidehonig sowie im weitesten Sinn hochwertige Feinkost und Getränke an. In einem Ambiente, das ansonsten nur noch im Museum zu bewundern ist. Und spätestens dann, wenn man nach dem Bezahlen das Wechselgeld aus der Mulde des schwarzen Kunststoff-Wechselgeldtellers klaubt, ist man sicher: Celle lohnt sich.
F. J. Krause © SeMa
Lissabon und Porto: gleich und doch so unterschiedlich
Porto: viele Brücken und enge Gassen
Porto ist eine Küstenstadt im Nordwesten Portugals, die bekannt ist für ihre prächtigen Brücken und den hier hergestellten Portwein. Die Stadt zählt rund 240 000 Einwohner. Im mittelalterlichen Viertel Ribeira (Flussufer) liegen schmale, kopfsteingepflasterte Straßen mit Geschäften und Cafés. Am auffallendstende und als Wahrzeichen bekannt ist die Brücke Ponte Dom Luís I, über die auch die Metro fährt. Die Igreja São Francisco zeichnet sich durch ihr kunstvoll verziertes, barockes Inneres und üppige vergoldete Schnitzereien aus. Der prächtige Palácio de Bolsa wurde im 19. Jh. als Börse erbaut, um potenzielle europäische Anleger zu beeindrucken.
Klaus Karkmann © SeMa
Straßenbahnen gehören in Lissabon wie in Porto ins Stadtbild. Viele von ihnen sind sehr alt, aber eben originell.
Es muss nicht immer der Duft der großen weiten Welt sein – aber er kann es natürlich sein. Wer in die portugiesische Me-tropole Lissabon reist, spürt sofort die kosmopolitische Ausstrahlung, darf sich in einer europäischen Großstadt der Superlative fühlen. Das ist 320 Kilometer weiter nördlich in Porto ganz anders. Die Stadt am Douro ist menschlicher und greifbarer geblieben – auch wenn sie in Sachen Touristenzahlen ihrer „großen Schwester“ schon mächtig Dampf macht. So oder so: Eine Reise in die Perlen Portugals lohnt sich – aber eben aus unterschiedlichen Gründen.
Mit ihm ins Gespräch zu kommen ist nicht schwer. Höflich hält uns der Taxifahrer vor einem Restaurant am Douro die Tür seiner Benzin-Droschke auf, ist dankbar, dass wir nicht eines der vielen Tuk-Tuks (offene primitive Taxen nach asiatischem Vorbild) zur Hinauffahrt in Portos Hügel nehmen. Die originellen Kultfahrzeuge passen ins Bild der engen Gassen – und zu den Menschen drum herum. Portos Attraktivität umfasst die Menschen, die Stimmung mit allabendlicher Musik in den engen Gassen der Altstadt, eine Perfektion, die gerade nicht da ist und auch nicht ins Bild passen würde. Die Stadt – geprägt wie keine andere vom Portwein – ist nicht im Wandel oder auf Lissabons Spuren. „Wir sind nahe am Menschen dran, und das wollen wir auch bleiben“, sagt der höfliche Taxifahrer, der stolz seine kleine Zahnlücke präsentiert.
Die abendliche Taxifahrt in die Oberstadt kann man sich leisten, denn das Preisniveau ist in Porto weit unter dem der Hauptstadt. Klar: In Lissabon gibt es mehr historische Höhepunkte, die Plätze sind größer, die Metro ist voller, die ganze Atmosphäre strahlt Großstadt und Glamour aus. Etwas, was Porto nicht bieten will und nicht bieten kann. Wer allerdings unter der Ponte de Dom Luis I. bei einem Portwein sitzt oder den Musikern in einer der engen Gassen zuhört, vermisst das auch nicht. „Lass, die in Lissabon größer, lauter oder weltmännischer sein“, kommt es aus der Zahnlücke unseres Taxifahrers. „Wir haben uns – und das reicht.“
Freilich gibt es auch Parallelen. Ob nun die leckeren Natas (kleine Kuchen), die atmosphärischen Markthallen, die frische Brise an den Flüssen (hier Tejo, da Douro), man spürt in beiden Städten eine gewisse maritime Leichtigkeit. Und am Atlantik liegen sie beide, Dabei ist Porto etwas am näher am Meer gelegen, von Lissabon braucht der Nahverkehrszug etwa 30 Minuten in die schmucken Küstenstädte Estoril oder Caiscais. Strände und Buchten mit den Randerscheinungen des Massentourismus gibt es gratis dazu.
Beide Städte lohnen sich, am besten jeweils mindestens vier Tage. Nur: Für Senioren, die nicht ewig nur Treppen und Hänge laufen wollen/können, ist die Hauptstadt Lissabon mit ihrer Weite besser geeignet – zumal es kulturell auch mehr zu entdecken gibt. Man ist in einer Metropole von Weltruf und spätestens mit Blick auf die Preise spürt man das auch. Porto ist mehr für die Senioren-Seele, wenn der knackige Tourist über 70 die engen Gassen mit Treppen und Anstiegen noch bewältigen will/kann. Dann man los, Portugals Perlen warten – zur Not gibt es ja noch die netten Taxifahrer.
Sowohl in Lissabon als auch in Porto werden viele Tapas angeboten.
Direktflüge von Hamburg
Von Hamburg gibt es Direktflüge sowohl nach Lissabon (Flugdauer rund 4 Std., 20 Minuten) und Porto (Flugdauer rund 3 Stunden). Die Flüge werden unter anderem von Air Portugal angeboten. Infos zu Portugal-Reisen im Internet unter https://www.fremdenverkehrsamt.com/reisefuehrer/reiseziel/portugal/index.html. Deutsch wird in Portugal nicht oder selten gesprochen, mit der englischen Sprache kommt man aber gut durch. Auch in Portugal wird in Euro gezahlt, allerdings wird immer öfter auf Bargeld verzichtet und über Karte abgerechnet.
Lissabon: Hügel und die Weite des Tejo
Lissabon ist die Hauptstadt Portugals und liegt auf hügeligem Gelände an der Atlantikküste. Sie hat rund 530 000 Einwohner (ungefähr so viele wie Hannover) Vom imposanten Castelo de São Jorge aus bietet sich ein weiter Blick über die gesamte Altstadt mit ihren pastellfarbenen Häusern, die Tejomündung und die Hängebrücke Ponte 25 de Abril. Das Museu Nacional do Azulejo zeigt dekorative Keramikfliesen aus fünf Jahrhunderten. Außerhalb Lissabons erstrecken sich zwischen Cascais und Estoril (beide Orte gut mit dem Nahverkehrszug erreichbar) eine Reihe von Stränden am Atlantik.
Das Dorf in der großen Stadt! In München findet auch die ältere Generation Gemütlichkeit
Nach dem Arbeitsleben haben viele Senioren genügend Zeit zum Reisen. Dabei stehen Städtereisen hoch im Kurs. Kurz, interessant, recht günstig und auch für die ältere Generation geeignet soll es sein. Das Senioren-Magazin testet in einer Serie, welche europäischen Städte diese Anforderungen erfüllen – oder auch nicht. Heute geht es um die bayerische Metropole München:
Es müssen nicht immer Lederhosen sein. Die Hamburger Seniorengruppe, die an diesem Nachmittag auf dem Münchner Hauptbahnhof aus ihrem Intercity steigt, sieht sich zunächst mit den Problemen eines typischen Großstadtbahnhofes konfrontiert. Warum sollte es hier anders sein als an der Spree, am Main oder an der heimatlichen Elbe? Nun ja, München ist etwas anders, das merken die hanseatischen „Oldies“ dann schon in ihrem Taxi. Im bayerischen Dialekt – freilich gefärbt mit etwas osteuropäischem Akzent – plaudert die Fahrerin mit einer Art dörflichen Charme, der auch an Oberammergau erinnern könnte. Und so ist es wirklich: Die älteren Touristen aus Hamburg wissen zunächst nicht, ob sie in einem Dorf oder der Großstadt München gelandet sind.
Und dieser Zwiespalt bleibt. Der 62-jährige hanseatische Radler, der sich einer Sightseeing-Tour per Bike angeschlossen hat, wird zwar typisch bayerisch begrüßt, merkt dann aber, dass er der einzige Germane unter den zwölf Radlern ist. Die englische Sprache ist angesagt, die vier Amerikaner, drei Briten, zwei Australier und eine Chinesin, die sich galant auf ihr Zweirad schwingt, danken es – der Deutsche ist sozusagen fremd im eigenen Land. Was dann folgt, ist einfach schön – gleichgültig ob Amerikaner, Chinese oder Deutscher –, die Stadt München fasziniert jeden Touristen.
Dabei sind es nicht nur die historischen Bauten wie das Deutche Museum, die Frauenkirche oder gar etwas außerhalb das Schloss Nymphenburg, aus denen auch den Hanseaten die Geschichte geradezu entgegenspringt, die München prägt. Es ist die Gemütlichkeit zwischen diesen eigentlich großstädtischen Attraktionen, die den Charme und damit wohl auch die Beliebtheit der Metropole an der Isar ausmachen. Stichwort Isar: Wer es denn trotzdem noch zu hektisch findet, kann in die Isarauen oder den Englischen Garten „flüchten“. Platz ist auf jeden Fall genügend da.
Aber: Wer München richtig kennenlernen will, braucht Kraft – viel Kraft. „Wir haben uns die Füße fast wundgelaufen“, schildern an einem Abend ehrlich einige Senioren aus der sechsköpfigen Gruppe um Christel Beyer (70) aus Hamburg. „Es ist wirklich alles wie im Traum“, sagt die Seniorin, die mit ihrer kleinen Gruppe in vier München-Tagen so ziemlich alles abgeklappert hat: „Aber man kommt an seine Grenzen.“
Das gilt nicht nur – aber auch – für Senioren bei dem Blick in den Geldbeutel. München ist teuer – äußerst teuer. Beispiele: Vier Euro für eine kleine Cola bei der Besichtigung der imposanten Allianz-Arena, ein E-Bike kostet am Hauptbahnhof für einen Tag glatte 30,– Euro (Hamburg um die 20,– Euro), und auf dem Viktualienmarkt mag es schmecken – wenn einem wegen der hohen Preise der Bissen nicht im Halse stecken bleibt.
Und das Hofbräuhaus? Auch da fühlten sich die Hamburger Senioren wohl, allerdings nur oben im großen Saal. Was sich im Erdgeschoss unter den trinkfreudigen Touristen (auffallend viele Asiaten und Amerikaner) abspielt, braucht kein Senior mehr. Auch oben ist Blasmusik, und die vor allen Dingen weiblichen Hamburger Touristen sind auch hier zwischen Haxen und einer Maß Bier schnell mit den Herren aus Osaka oder Peking im Gespräch – wenn man das so nennen kann. Die Heimfelderin Anke Becker (71) und ihre fünf Freundinnen von der Elbe zum Beispiel werden diesen Abend auch nicht mehr so schnell vergessen. „Es war wirklich eine tolle Atmosphäre und schön, so etwas zu erleben“, sagt die Dame aus dem Süden Hamburgs.
So oder so: München lohnt sich für rüstig gebliebene Senio-ren allemal. Man muss halt seine Grenzen kennen und gut organisiert sein, zudem etwas Geld in der Tasche haben, und dann gibt es – zumindest im Hofbräuhaus – auch die ein oder andere Lederhose zu sehen.
Mehr Informationen bei der Touristenzentrale München unter der Nummer 089/23396500 oder im Internet unter www.muenchen.travel.
Klaus Karkmann © Sema
Es müssen nicht immer Luftmatratze oder Liegestuhl sein. Wer sich als Urlaub ein paar Tage in den thüringischen Städten Erfurt und Weimar gönnt, ist am Puls der deutschen Geschichte angekommen. Und das nicht nur, weil sich literarische Genies wie Goethe und Schiller in Weimar im wahrsten Sinne des Wortes die Türklinke in die Hand gaben und Martin Luther in Erfurt zum Priester wurde. In beiden Städten (etwa 30 Kilometer voneinander entfernt) wandelt der Tourist von einem Zeugnis deutscher Historie zum nächsten. Das SeMa ist mit auf Tour gegangen, hat sich die doppelte Packung germanischen Zeitgeists abgeholt.
Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller (hier die Statuen vor dem Nationaltheater) stehen für das Weimar der Vergangenheit.
So oder so ist der Ort aber haupstsächlich ein bedeutender Teil deutscher Geschichte – und das spürt nicht nur der Tourist an jeder Ecke der Stadt.
Mögen Bratwürste lecker riechen, Straßenbahnen auffällig klingeln oder niedliche Geschäfte zum Bummeln reizen, es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen, was in Erfurt alles passiert ist, wer dort so alles lebte und wo sich die interessantesten Sehenswürdigkeiten befinden (siehe Textkästen). Sicherlich der berühmteste Erfurter war Martin Luther, der hier auch zum Priester wurde und lange lebte.
In Sachen Promis aus uralten Zeiten braucht das beschaulichere Weimar ein paar Kilometer weiter nicht zurückzustecken. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller sind die bedeutensten Zeitzeugen dieser Stadt, nicht umsonst stehen regelmäßig vor ihren eigentlich recht biederen Wohnhäusern Touristengruppen mit den entsprechenden Führern.
Ob nun auf Englisch, Französisch oder auch Spanisch, die Namen der beiden machen die Runde – und damit eben auch das große touristische Geschäft aus. Nichts, aber auch gar nichts läuft in Weimar ohne die beiden „Stars“ des Ortes (siehe Kasten), mal abgesehen von dem wirklich tollen Zwiebelmarkt, der im Stadtkern regelmäßig stattfindet. „Das ist noch ein richtiger Markt mit ländlicher Atmosphäre“, urteilt Marlies Zabel, 67, aus Hamburg-Lokstedt, die bis vor knapp drei Jahren noch in Sachsen-Anhalt lebte.
Vor den Geburtshäusern von Goethe und Schiller sind Besuchergruppen aus der ganzen Welt zu sehen.
Weimar: Schiller und Goethe über alles
Weimar ist für die Epoche der Weimarer Klassik bekannt, einer humanistisch-kulturellen Bewegung. Mit dem Goethe- und Schillerdenkmal vor dem Deutschen Nationaltheater wird an die beiden Dichter erinnert, die in der Stadt lebten. In Goethes Wohnhaus, einem Gebäude im Barockstil, befindet sich heute das Goethe-Nationalmuseum. Das Schiller-Museum befindet sich neben Schillers Wohnhaus. Das Bauhaus-Museum zeigt Werke des Architekten Walter Gropius.
Weimar-Infos im Internet unter www.weimar.de
Die Sehenswürdigkeiten in Erfurt • Krämerbrücke • Erfurter Dom • Domplatz • Historische Altstadt
Historische Stätten und Wahrzeichen in Erfurt • Egapark Erfurt • Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße • Fischmarkt, Floh- & Straßenmärkte • Alte Synagoge
Erfurt-Infos im Internet unter www.erfurt-tourismus.de
Klaus Karkmann © SeMa
Die Krämerbrücke mit ihren niedlichen Geschäften ist ein Anziehungspunkt in Erfurt.
Wer sich für die Reise in die beiden Städte entscheidet (optimal verbunden durch den Bahn-Nahverkehr), sollte sich schon ein bisschen für deutsche Historie, Luther, Goethe oder Schiller interessieren. Darüberhinaus warten auf ihn aber jede Menge Beigaben, die den Aufenthalt fernab deutscher Historie versüßen. Imponierende Gebäude, schöne Gassen, zugängliche Menschen und eben auch die Thüringer Bratwurst im Schatten des Doms. Dabei muss der Tourist viel laufen, mit der Gewissheit: Im kommenden Urlaub wartet ja wieder der Liegestuhl.
Erfurt: Zentrum des Thüringer Raums
Die Geschichte Erfurts wurde von seiner Bedeutung als mittelalterlichem Handelsplatz geprägt. Bereits als frühgermanische Siedlung entstanden, hatte es sich durch die günstige Lage am Schnittpunkt der Handelswege (vor allem der Via Regia) eine herausragende Position im Warenhandel schaffen können. Schon kurz nach seiner Gründung entwickelte sich Erfurt zum Zentrum des thüringer Raumes.
Der Dom und sein Vorplatz bindet in Erfurt Straßenbahnen und Touristen gleichzeitig.
Gaumenschmaus und Geschichte liegen dabei nicht weit auseinander. Auf dem Erfurter Domplatz mischt sich beides, hier der imposante Dom, der den Platz beherrscht, dort die leckere einheimische Bratwurst, deren Duft auch an der Nase hungriger Hanseaten nicht spurlos vorüberzieht. Eine Gruppe Hamburger Senioren steigt aus einer der auffällig klingelnden Straßenbahnen, die in der Metropole das beherrschende öffentliche Transportmittel sind. Die vielen Treppen hoch zum imposanten Gotteshaus sind anstrengend zu überwinden, Seniorin Monika Hartwig, 75, aus Hamburg-Lokstedt hat es aber geschafft. Die fitte norddeutsche Frau, die eigentlich aus Gotha stammt, genießt die Tour wie ein Stück Heimat. „Es hat sich wirklich gelohnt, das Stadtbild hat sich einmalig entwickelt“, gibt die Rentnerin ihr Urteil ab – während sich unten am Fuße des Platzes ihre männlichen Mitfahrer mehr an die Bratwurst made in Thüringen halten. Renate Hachmann, 70, zieht es noch einmal zu der nahe gelegenen Krämerbrücke und den niedlichen Läden darauf. „Da kann man nicht vorbeigehen, da muss man immer wieder hin“, sagt die Touristin aus Pinneberg und ist auch schon auf dem Weg. Schnell über den Fischmarkt (ja, den hat auch Erfurt), und schon hat sie es geschafft. Erfurt ist eben auch die Stadt der kurzen Wege.
Nach dem Arbeitsleben haben viele Senioren genügend Zeit zum Reisen. Dabei stehen Städtereisen hoch im Kurs. Kurz, interessant, recht günstig und auch für die ältere Generation geeignet soll es sein. Das Senioren-Magazin testet in einer Serie, welche europäischen Städte diese Anforderungen erfüllen – oder auch nicht. In dieser Folge geht es um die nordniederländische Metropole Groningen.
leichtem Preisaufschlag zu erreichen. Das nutzen immer mehr auch hanseatische Seniorengruppen, die sich für zwei oder drei Tage unter das Studentenvolk mischen. Vorsichtig tasten sich die Rentner zunächst an den breiten Radwegen am Rande der großen Fußgängerzone entlang.
Es ist schon ungewohnt, wie ungehemmt und ohne Skrupel die meist jungen Radler ihre Bahnen ziehen. Für die Niederlande (siehe im Extremfall Amsterdam) eben normal, für unsere etwas betagten Nordlichter aber mit hohem Gefährdungspotenzial. Und die Oldies sind gnadenlos in der Unterzahl, auf den Straßen oder in den Fußgängerzonen Groningens ist die Generation 60plus die ganz große Ausnahme – es lebe die Studentenschaft.
Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. „Es ist wirklich auffallend, wie nett und höflich die jungen Leute hier auftreten“, staunt zum Beispiel Christel Nägele (86), die sich mit ihrer Freundin Maria Schuck (84) die beiden Tage nach Groningen gewagt hat. Zumindest Christel Nägele, die zum ersten Mal in den Niederlanden ist, lernt viele Neuheiten kennen und ist begeistert.
Zusammen mit ihrer Freundin steht sie in einer typisch niederländischen Backstube, trinkt genussvoll ihre Schokolade – natürlich serviert von einer netten jungen Holländerin. Die Gemütlichkeit der kleinen warmen Stube überträgt sich auf die Mimik der beiden Hamburger Rentnerinnen. Und so geht es gleich weiter in das nächste Studentencafe.
Aber alles hat seinen Preis. In Holland allgemein und natürlich auch in Groningen ist das Preisniveau schon recht hoch. Bier, Pommes und ein Sandwich für zusammen 15 Euro zum Beispiel wäre in Hamburg nicht der große Knüller. Lecker – und gleichzeitig gehaltvoll – allerdings ist auf den Märkten, an den Buden und in den einladenden Pubs dieser Stadt alles. Ob nun Kroketten, Kibbeling (gebackene Fischstücke), Bitterballen (rund frittierte Bälle mit verschiedenem Inhalt) oder natürlich Fritten in allen Variationen: In den Niederlanden geht alles schnell und auf Fast-Food-Basis, die Waage lässt grüßen.
Wenn man dann noch den vielen Kuchen, Keksen und der Schokolade verfällt, sollte der Gewichtsmesser dann lieber ungenutzt in der Ecke stehen bleiben. Das alle interessiert unsere Hamburger Seniorengruppe freilich nicht. „Groningen ist wirklich eine lebendige Stadt, sie lebt an jeder Ecke“, sagt Heidi Müller (66) aus Norderstedt. Derweil hat sich Marianne Pilz (79) schon wieder in eines ihrer geliebten Museen zurückgezogen. „Wer in Groningen die Museen auslässt, hat etwas verpasst“, sagt die hanseatische Dame, die so ihre Meter an diesem Tag abläuft.
Wer es gemütlicher und ruhiger haben will, macht eine Grachtenfahrt – nicht ganz so lang wie in Amsterdam, aber allemal lohnend. Der Start ist direkt am imposanten Hauptbahnhof – auch wieder so ein Gebäude, das man in Groningen gesehen haben sollte. Aber bloß nicht träumen, da schießen schon die nächsten Radler um die Ecke. Wer allein die Rad-Tiefgarage am Hauptbahnhof mit den Hunderten in mehreren Schichten gestapelten Bikes sieht, der weiß, was verkehrstechnisch in Groningen die Stunde geschlagen hat. Von den gut 200 000 Einwohnern – davon ein Großteil inländische und ausländische Studenten – sitzen die meisten täglich auf dem Sattel. Letztlich aber ist auch das ein Umstand, der die Stadt sympathisch macht. Nun aber zurück nach Hamburg.
Bei aller Euphorie für die Stadt Groningen: Sie ist im Prinzip in zwei Tagen zu entdecken. Eine gute Erinnerung ist sie für unsere 20-köpfige Senioren-Gruppe aus Hamburg allemal, aber man ist doch auch mal gern wieder unter mehr Altersgenossen. Oder?
K. Karkmann © SeMa
Wo junge Menschen den Takt bestimmen
Die niederländische Studentenstadt Groningen ist gut erreichbar
Es muss nicht immer gleich Amsterdam sein, denn das Gute liegt oft viel näher. Die niederländische Studentenstadt Groningen nahe der deutschen Grenze ist von Hamburg aus sogar per DB-Niedersachsen-Ticket mit
Nach dem Arbeitsleben haben viele Senioren genügend Zeit zum Reisen. Dabei stehen Städtereisen hoch im Kurs. Kurz, interessant, recht günstig und auch für die ältere Generation geeignet soll es sein. Das Senioren-Magazin testet in einer Serie, welche europäischen Städte diese Anforderungen erfüllen – oder auch nicht. In der zweiten Folge geht es um Amsterdam.
Einwohner – und das sind immerhin gut 850.000 (Wert aus dem Jahr 2017).
Da passt es dann, dass die hochmoderne Metropole zwischen Nordsee und Ijsselmeer im Vergleich zu Prag (erste Folge der Reiseserie) eher als Jungbrunnen wirkt. „Manchmal glaubt man, dass die Senioren hier in den Hochhäusern am Stadtrand geparkt sind“, sagt zum Beispiel Klaus Schildt (80), der sich mit seiner Seniorengruppe fünf Tage Amsterdam gegönnt hat. „Toll, wie frei und ungezwungen die Menschen sind, das ist schon ein Merkmal von Amsterdam“, jubelt der fitte Mann aus Hamburg-Meiendorf – um sogleich dem nächsten Fahrradschwall am Grachtenring auszuweichen. Erst einmal ist wieder das große Warten angesagt, die Biker haben in Amsterdam auf eigens angelegten breiten Radwegen, an Ampeln und oft auch auf Straßen das Zepter in der Hand.
Sicher vor ihnen ist man dann auf den Grachten, den Wasserwegen quer durch die Stadt. Wer in Amsterdam ist, muss eine solche Tour gemacht haben, sie ersetzt quasi die Stadtrundfahrt und ist besonders am Abend zu empfehlen, wenn die oft schmalen Häuser an Herengracht oder Kaizergracht mit ihren freien Einblick gewährenden Fenstern locken. Manchmal sieht man eben auch gern, was man sich niemals wird leisten können.
Mit dieser Einstellung sollte man dann auch in die vielen Museen gehen, die für Amsterdams guten Ruf in Künstlerkreisen gesorgt haben, gehen. Allerdings: Wenn man dann die Fahrradschlacht überstanden hat, ist viel Geduld angesagt. Ob Rembrandhuis, Rijksmuseum, Van-Gogh-Museum oder das Anne-Frank-Huis: Voll ist es überall. Lange Warteschlangen – in ihnen viele Asiaten mit der obligatorischen Kamera um den Hals – sind an der Tagesordnung, oft muss/sollte man Eintrittskarten vorher online buchen, um nicht einen Großteil der Amsterdam-Zeit zwischen ungeduldigen Kunstfans beim Warten zu verbringen.
Unser flotter Senior aus Hamburg ist derweil im Rotlichtviertel am Bahnhof gelandet. Wie selbstverständlich besucht Klaus Schildt mit zwei Altersgenossen eine kleine Bar, in der auch mit in den Niederlanden frei verfügbaren leichten Drogen gehandelt wird. Ob Haschkekse, Haschlollis oder auch die ein oder andere „gehaltvollere“ Droge: Es ist alles frei verfügbar. „Man kennt sich halt nicht aus, will aber doch so etwas auch noch einmal probieren“, sagt der 80-Jährige auf dem Jugendtrip. Das ist in Amsterdam-City nichts Besonderes, die Menschen sind frei, die Drogen bzw. das Verhältnis zu ihnen gehört zum Stadtbild wie die Fahrräder.
Derweil gönnt sich eine 70-jährige Touristin aus dem hanseatischen Seniorentross eine große Ladung Pommes, die es an jeder Ecke und in jeder Größe oder Kombination zu kaufen gibt. Ob nun rot-weiß, nur weiß oder mit Röstzwiebeln: In Amsterdam dominiert eher das Fast Food, so wie es junge Leute eben mögen. Wer nicht auf Pommes Frites steht, steht auf Kroketten in allen Variationen oder auf Kibbeling (frittierter Fisch in der Tüte). „Ein Gourmet braucht man hier nicht zu sein, Hauptsache, es geht schnell“, sagt die Hanseatin – in Gedanken wohl noch bei der kulinarischen Gemütlichkeit á la Prag.
Man – besser der Senior/die Seniorin – sollte wissen, was man auf einer Amsterdam-Fahrt erleben kann. Gut zu Fuß, offen für neue Ideen, Wege oder Lebenseinstellungen sollte man schon sein: Dann hat man auch als Senior eine schöne und interessante Zeit. Und es muss ja nicht gleich die Droge sein – ein bisschen holländischer Käse tut es doch auch.
Amsterdam-Führungen von Senioren
Von wegen Stadt nur für junge Menschen. In den Niederlanden – auch in Amsterdam – werden gemütliche Stadtführungen unter der Leitung von Senioren immer beliebter. Veranstaltet werden die Rundgänge von den sogenannten Gilde – Organisationen, die sich darum kümmern, dass Menschen über 50 Jahre – in den Niederlanden kurz 50-Plussers genannt – auch noch nach der Pensionierung ihre besonderen Fähigkeiten einsetzen können – sei es als Sprachlehrer oder als Reiseführer.
Allein in Amsterdam, wo diese ungewöhnlichen Besichtigungen vor zehn Jahren zum ersten Mal angeboten wurden, wollen sich jährlich fast 20.000 Touristen von den 50-Plussern durch die Stadt führen lassen. Mittlerweile ist die Idee von vielen anderen holländischen Städten wie Arnheim, Leiden oder Maastricht übernommen worden, wobei meistens gleich mehrere Routen ausgearbeitet wurden. „Menschen über 50 Jahre haben oft nicht nur mehr Zeit und mehr Geduld, sie kennen die Stadt, in der sie aufgewachsen sind, auch wie ihre Westentasche“, begründet einer dieser Stadtführer die originelle Idee, die typisch für die Denkweise der Niederländer ist.
Die Teilnehmer kommen aus allen Altersgruppen, da aber gerade viele Senioren einen älteren Führer bevorzugen, gilt die Regel: Der Langsamste macht das Tempo. Für ihn wird beim Überqueren der Straße gegebenenfalls auch der Verkehr angehalten.
• Umfangreiche Informationen zu Amsterdam-Besuchen sind im Netz unter www.iamsterdam.com/en. Dort gibt es auch Beratungen zu Kanalfahrten und Stadtrundfahrten.
K. Karkmann © SeMa
Wo das Fahrrad Gesetz ist
Auch Autofahrer können mal kuschen. Wer sich in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam auf die Straße wagt, braucht am wenigsten auf die Autos zu achten. Natürlich fallen die oft offenen Sightseeing-Busse auf, auch geht es ohne Lieferwagen nicht, das größte Problem sind allerdings die Massen von Radfahrern. Sie sind nicht nur in den Verkehr integriert, sie haben eindeutig die Hauptrolle übernommen. An der Amstel gibt es dann auch mehr Zweiräder als
Ob ein mehrtägiger Urlaub oder ein Tagesausflug – Gotha ist „die immer heller leuchtende Perle der Thüringer Städtekette“, so Ulf Annel, Autor des neuen Gotha-Reiseführers „111 Orte in und um Gotha, die man gesehen haben muss“. Aber auch Ziele in der näheren Umgebung laden zu zahlreichen Erkundungen ein.
Schloss Friedenstein.
© Foto: cc
Das beherrschende Bauwerk der Stadt ist der imposante Bau des Schlosses Friedenstein. Die Schlossanlage aus dem 17. Jahrhundert gilt als frühester barocker Schlossneubau Deutschlands. Das 1774 unter dem Schauspieler Conrad Ekhof gegründete Gothaer Hoftheater war das deutschlandweit erste mit fest angestellten Schauspielern. Es zählt zu den ältesten Barocktheatern mit funktionierender Bühnenmaschinerie und stammt aus dem Jahr 1681. Beeindruckend ist das rote historische Rathaus am Hauptmarkt. Der 35 Meter hohe Turm ist begehbar und verfügt seit 1997 über eine Aussichtsplattform. Genutzt wird es aktuell noch als Dienstsitz des Oberbürgermeisters und für einige Ämter der Stadtverwaltung. Orangerie, Wasserkunst und Versicherungsmuseum, Buttermarkt, Innungshalle oder Margarethenkirche ... einen guten ersten Eindruck von der Stadt und ihrer über 111 Sehenswürdigkeiten erhalten BesucherInnen, wenn sie dem kostenlosen Plan der Touristen-Information – untergebracht im Haus „Zur goldenen Schelle“ (Hauptmarkt 40) – folgen.
Das Haus „Zur goldenen Schelle“ wurde 1599 im Renaissancestil errichtet. Nach einer bewegten
Geschichte wird es seit der Sanierung durch die Baugesellschaft Gotha kulturell und touristisch genutzt. © Foto: cc
Lektüre zur Vorbereitung
Mit dem neuen Reiseführer „Gotha. Welt*Erbe*Stadt – Ein Spaziergang“ von Oberbürgermeister Knut Kreuch ist ein kurzweiliger Bummel durch Historie und Zeitgeschichte Gothas entstanden. Er führt vom Hauptbahnhof bis in die Innenstadt und vom Schlossberg durch Schloss Friedenstein sowie die Parkanlagen wieder zum Ausgangspunkt der Wanderung. Als Reiseleiter konnte Knut Kreuch die wohl bekannteste Persönlichkeit der Stadtgeschichte gewinnen – den Kaufmann und Versicherungsgründer Ernst Wilhelm Arnoldi. Mit Charme, detailliertem Wissen und humorvollen Anekdoten führt er über Straßen, schmale Gassen und Plätze, vorbei an den vielen Sehenswürdigkeiten, hinein in die Cafés mit Kuchen und Pralinen. Erschienen im September 2022, kostet das Büchlein im handlichen Format 7,75 Euro.
Informationen für Touristen
Der Laden Gotha adelt (Hauptmarkt 40) stellt eine innovative Verbindung einer modernen Tourist-Information mit Themen wie Kulinarik und Regionalität dar. Hier gibt es auch Thüringer Likörkreationen, handgefertigte Schokoladen, herzhafte Wurstspezialitäten sowie Marmeladen und Senfe. Das ist ein Ausschnitt des vielfältigen Angebots und schafft einen kulinarischen Bezug zur Region. Aktuell ist der Laden dienstags bis freitags in der Zeit von 10 bis 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 16 Uhr, geöffnet. (Sonntags und an Feiertagen geschlossen.)
Bis zum 30. Dezember findet auf dem Hauptmarkt der „Historische Weihnachtsmarkt Gotha“ statt
Am Mittwoch, 14. Dezember, kommt Comedian und Kabarettist Olaf Schubert mit seinem „KRIPPENSPIEL“ ins Kulturhaus (Ekhofplatz 3). Beim Kinderkonzert Weihnachtsoratorium am Mittwoch, 21. Dezember, wird es in der Margarethenkirche (Neumarkt) feierlich. Achtung: Öffnungszeiten im Winter: Schloss Friedenstein und die Museen sind im Dezember und Januar von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Montag und Dienstag sind Schließtage, davon ausgenommen sind Feiertage. Weitere Veranstaltungen: gotha-adelt.de/veranstaltungen-in-gotha/
Corinna Chateaubourg © SeMa
Statue von Ernst Wilhelm Arnoldi (1778–1841) am Arnoldiplatz. © Foto: cc
Große Persönlichkeiten
Gotha spielt in der Reformationszeit eine wichtige Rolle. Martin Luther verbrachte mehrmals einige Zeit in der Stadt und predigte im Augustinerkloster. In Schloss Friedenstein zeugen zahllose Schätze aus der Lutherzeit, darunter eine riesige Sammlung von Gemälden und Grafiken der Malerfamilie Cranach, von der Anwesenheit des Reformators. Bis in die 30er Jahre wurde Gotha auf Poststempeln „Stadt der Versicherungen“ genannt. Der Grund: Ernst Wilhelm Arnoldi gründete hier 1820 und 1827 die beiden Muttergesellschaften der Gothaer Versicherungen als erste überregionale Feuerversicherung und Lebensversicherung. In der Fachliteratur wird Arnoldi auch als Vater des deutschen Versicherungswesens bezeichnet. Der Pädagoge und Schulreformer Andreas Reyher ist weiterer berühmter Gothaer: Unter den schwierigen Verhältnissen im Dreißigjährigen Krieg und der Nachkriegszeit reformierte er das Schulwesen auf der Grundlage seines „Schulmethodus“ von 1640, einem Handbuch für den Unterricht.
Wandern im Thüringer Wald
Seit Oktober 2022 gibt es für Wanderfans ein besonderes Highlight: Ein Touren- und ein Stempelheft locken in den nahen Thüringer Wald. Wer die Natur entdecken, Regionalität fördern und statt Pilzen auch Stempel sammeln möchte, verbindet mit „Touringen“ den Spaß am Wandern mit Abenteuer und Entdecker-geist. Das Tourenheft kostet acht, das Stempelheft (für insgesamt 221 Stempel) fünf Euro. In Gotha ist es bei der Tourist Information Gotha (Hauptmarkt 40) erhältlich.
... das erzgebirgische Spielzeugdorf und die Geburtsstätte des ersten Nussknackers im HAUS FÜCHTNER
Markus Füchtner in seiner Werkstatt beim Drechseln.
Wie sieht es mit der neunten Generation aus?
Ich habe zwei Söhne. Der zwölfjährige Tristan findet es cool. Er hat auch schon in seiner Schule Vorträge über unsere Familiengeschichte gehalten. Als Profilbild hat er auf seinem Handy den „Roten König“. Dieser Nussknacker wurde von meinen Ur-ur-Großvater Albert entworfen und gefertigt. Damals war die Zeit des deutschen Königs, der meist eine rote Jacke und seine Krone trug. Der zehnjährige Bennet fragt mich auch schon mal, ob er drechseln darf. Ich versuche den beiden Jungs den Weg zu eben, damit sie es später leicher haben den Betrieb weiterzuführen, wenn sie möchten.
Haben Sie noch Nussknacker, die Ihre Vorfahren gestalteten?
Ja, und sogar auch den ersten, den mein Ur-ur-ur-Großvater Wilhelm erschuf. Es sind welche dabei, die auch Kriege überlebten. Wir haben vor drei Jahren eine besondere Edition von den Originalen aufgelegt, haben dabei die Maße abgenommen, sie nachgebaut und in der Stückzahl limitiert. Die meisten unserer Nussknacker sind über 100 Jahre nicht mehr hergestellt worden. Es gibt jedes Jahr ein neues Model in der „Edition M 8“.
Die Kirche ist sehr bekannt und das Wahrzeichen von Seiffen.
Foto: Touristeninformation Seiffen E. Schalling
Sie haben jetzt Ihre Produktionsidee in die Realität umgesetzt, erzgebirgische Handwerkskunst mit Weltraumtechnik verschmolzen und eine Räucherrakete erfunden. Wie kam es dazu?
In unser Spielzeugdorf Seiffen kamen Wissenschaftler und Forscher vom Frauenhofer Institut aus Dresden. Sie stellten intelligente Materialien vor, die schon in der Medizin, Automobilbranche und im Weltall eingesetzt werden. Es ist eine Weltraumtechnik, die auf Wärmereize reagiert und die auf der ISS die Sonnensegel bewegt. In dieser gedrechselten Holz-Rakete steckt ein kleiner Wilhelm-Nussknacker. Wenn die Räucherkerze im Inneren angezündet wird, steigt Wilhelm auf, öffnet seine Raketen-Luke und schaut neugierig heraus. Wenn es wieder kalt wird, zieht er sich zurück, und die Luke schließt sich. Das ist ein Spagat zwischen 150-jähriger Tradition und moderner Weltraumtechnik, eine echte Weltneuheit. Damit der Mechanismus funktioniert, kommt Hightech zum Einsatz, und alles ist 100 Prozent „made in Sachsen“. Das war und ist uns ganz wichtig. Wir haben inzwischen ca. 500 Vorbestellungen für diese Räucherrakete.
Weitere Information zu Markus Füchtner: www.fuechtnerwerkstatt.de.
Informationen und alle Termine zum Kurort Seiffen: www.seiffen.de
Bild ganz oben: Sechs Generationen der Familie Füchtner mit ihren jeweils entwickelten Nussknackern.
Text Marion Schröder/Fotos: Marion Schröder (5)/Touristinformattion Seifen (2)
Mitarbeiterinnen Corinne Uhlemann und Carola Seifert.
In welche Länder versenden Sie Ihre Nussknacker?
In sehr viele – u. a. nach Amerika. Aber auch die Japaner lieben das traditionelle deutsche Handwerk. Vor Kurzem bestellte ein Brasilianer einen Nussknacker, den er im Internet entdeckte. Er schrieb die Bestellung in portugiesischer Sprache, die wir erst entschlüsseln mussten. Es ist machbar, dass wir in die ganze Welt liefern können.
Produzieren Sie alles in Ihrem Haus?
Ja, wir arbeiten und wohnen noch in dem Haus, in dem mein Ur-ur-ur-Großvater den Nussknacker erfand. Es ist das Schöne, dass wir mit unseren Nussknackern, die hier in der kleinen Werkstatt, wo alles noch wie früher mit der Hand und an den historischen Maschinen hergestellt wird, Menschen in der ganzen Welt erfreuen können. Wir sind ein Familienbetrieb. Meine Mutter betreut das Büro, mein Vater und mein Onkel springen immer dort ein, wo sie gebraucht werden, meine Lebensgefährtin Carola beherrscht perfekt die Bemalung der Nussknacker. Ich erarbeite aus einem Stück Holz einen Nussknacker, immer ein Unikat mit Seele.
Plakat zur Seiffener
Weihnacht 2023.
Wir möchten unseren Lesern einen Besuch ins Erzgebirge ans Herz legen. Ob im Sommer oder Winter, die Ortschaft Seiffen und die Umgebung sind immer eine Reise wert. 1324 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Der Bergbau war lange die Haupteinnahmequelle der Bewohner. Nachdem der Zinnabbau 1849 erlosch, musste beruflich umgedacht werden, und es entwickelte sich das Holzhandwerk. In dem Ort, in dem sich handwerkliches Geschick in der meisterhaften Fertigung der Schwibbögen, Spieluhren, Pyramiden, Figuren in allen Größen und den in aller Welt beliebten Nussknacker widerspiegeln, werden schöne Augenblicke der eigenen Kindheit wach. In den prächtig beleuchteten Geschäften werden die Erzeugnisse in großer Vielfalt für die Käufer präsentiert. Jedes Jahr vom 1. bis 4. Advent lädt die Stadt zur „Seiffener Weihnacht“. Unvergessliche Eindrücke erwarten die Gäste. Auch die achteckige Bergkirche, die der Dresdner Frauenkirche nachempfunden und 1779 fertiggestellt wurde, ist dann weihnachtlich geschmückt. Das Wahrzeichen von Seiffen ist inzwischen auf vielen Kontinenten bekannt, da die Spielzeugmacher die Kirche millionenfach im Kleinformat fertigten. In vielen Wohnzimmern leuchtet sie zum Advent. Den ersten aus Holz gedrechselten Nussknacker der Welt entwarf Wilhelm Füchtner 1870 in seinem Haus in Seiffen. Nach über 150 Jahren wird die Tradition in der Familie fortgeführt. Wir besuchten seinen Ur-ur-ur-Enkel Markus Füchtner zum Interview in dem Haus, in dem auch der erste Nussknacker geboren wurde.
Markus Füchtner vor dem Foto seines Ur-ur-ur- Großvaters Wilhelm mit dem von ihm erfundenen ersten Nussknacker.
Herr Füchtner, Sie haben sich für den Beruf des Holzspielzeugmachers entschieden, war das schon als Kind Ihr Wunsch?
Nein. Nach dem Schulabschluss musste ich mir über den Berufsweg Gedanken machen. Mein Wunsch war immer, als Schornsteinfeger zu arbeiten. Ich entschied dann doch das Familienerbe anzutreten und die weltweit einzige Berufsschule für Holzspielzeugmacher in unserem Ort zu besuchen. Diese handwerkliche Tätigkeit wird seit vielen Generationen in unserer Familie ausgeführt, ich bin jetzt die achte. Mein Ur-ur-ur-Großvater Wilhelm Friedrich Füchtner erfand den erzgebirgischen Nussknacker und stellte ihn ab 1870 in Serie her.
Wie kam es dann dazu, dass Sie doch das Erbe antraten und nicht Schornsteinfeger wurden?
Ich wusste, dass mein Vater und mein Onkel es gern gesehen hätten, dass ich in ihre Fußstapfen trete. Es gab aber auch ein Schlüsselmoment. Ich verbrachte schon als Kind viel Zeit mit meinem Großvater in der Werkstatt hier im Haus. Er verstarb 2010. Bei seiner Beerdigung bekam er unsere berühmteste Nussknackerfigur, den „Roten König“, mit auf seine letzte Reise in den Sarg. Ab da wusste ich, dass sein Lebenswerk nicht aufhören durfte.
Welche Holzsorten wurden damals verarbeitet und welche heutzutage?
Früher wurde hauptsächlich Fichte verarbeitet. Unser Nussknacker bestehen heute aus Buche, Linde, Erle und Birke. Das Lindenholz eignet sich hervorragend zum Drechseln. Der Hebel ist aus Buchenholz, da er hart sein muss. Wir verwenden nur einheimische Hölzer, die wir aus dem Sägewerk aus dem Nachbarort bekommen.
Italien: Viele Deutsche zieht es aufgrund des Klimas nach Bozen und Meran
Es muss nicht immer Hochsommer und es muss nicht immer Küste sein. Gerade deutsche Touristen haben im Frühjahr und Herbst die Städte Südtirols als ihre zweite Heimat entdeckt. Mild im Frühjahr und Herbst, gut zu erreichen, hervorragende Lebensqualität und unbeschreiblich schöne Bergwelt. Das SeMa beschreibt, was die Gegend so eindrucksvoll und erholsam für die ältere Generation macht. Irgenwie fühlt man sich in den Laubengassen Bozens wie im falschen Film. Gerade noch witzelt der braun gebrannte Mitfünfziger in tiefstem Tirolerdeutsch mit einem Kumpel, steigt dann aber doch auf fließendes italienisch um, als seine Tochter mit ihrem Bambini das mehr italienisch wirkende Cafe betritt. Aus der Ferne sind noch ein paar Urtöne Touristen-Kölsch zu hören – und auch Ladinisch wäre noch zu bieten (siehe Info-Kasten). Ob nun Bozen oder Meran, Südtirol oder nur der Vinschgau, einheitlich ist nur das tolle Klima, was letztlich Erholungssuchenede genau wie diejenigen, die etwas länger oder für immer hierbleiben wollen, herzieht. Jenseits des Brenners – also im höchsten Norden Italiens – fängt für so manchen der Sommer an. Und das auch im März, April, September, Oktober oder November. Es geht aber um mehr als Sommer oder Dauertouristen. Die Landeshauptstadt Bozen zum Beispiel (siehe Info-Kasten), hat sich neben den ganzen Nebengeräuschen des Tourismus zu einem Wirtschafts- und Messezentrum erster Güte entwickelt. Während das etwa 30 Kilometer entfernte Meran mehr auf Kuren in seiner berühmten Therme, Erholung, schicke Mode, leichte Muse und den Dauer-Senior-Touristen setzt, hat Bozen mehr Power.
Verkehrstechnisch gut direkt an der Brennerautobahn und der Bahnstrecke München Mailand gelegen (bald kommt der Brennerbasis-Tunnel), von Verona ähnlich weit entfernt wie von Innsbruck (Österreich) liegt Bozen quasi an der Wetterscheide Nord/Süd – und bietet seit jeher ein einmalig knackiges Klima. Und das hat seine Folgen – auch im Dauertourismus. „Leben, wo andere Urlaub machen“ ist zwar ein fast abgedroschenes Motto in vielen Urlaubsregionen, in Südtirol liegt der Gedanke gar nicht so fern. Gerade für einen Süddeutschen wäre das Ganze nur ein Sprung über den Brenner, natürlich sind auch Hanseaten oder andere Nordlichter willkommen. Klar, der Alters-Geldbeutel muss stimmen, ein bisschen Mut muss her und gut durchdacht sein muss das Ganze auch. Dafür ist das neue Lebensumfeld aber nicht so gänzlich anders als Germania; das gesunde Klima, die italienische Lockerheit, die Bergwelt, die Seen und viele Gleichgesinnte in den sehenswerten Gassen von Brixen, Bozen oder Meran kommen gratis dazu.
Der braun gebrannte Bursche inmitten von Bozen mag darüber genauso lächeln wie seine italienisch ausgerichtete Enkelin: Während das Wetter in der Gegend sechs bis acht Monate eigentlich optimal ist (man denke auch im Winter an den Schnee auf den umliegenden Gipfeln), so heiß wird es von Juni bis September. Was wir in diesem Jahr 2022 an Hitze so außergewöhnlich fanden, ist zwischen Bozen und Meran schon länger Standard – 35 Grad sind dort in dieser Jahreszeit keine Ausnahme. Da locken die Bergseen (Kalterer See, Reschenesse oder auch Gardasee), wenn sie denn genügend Wasser haben.
Wer es sich also überlegt, auf der finalen Strecke nach dem Arbeitsleben auszusteigen und das finanziell auch kann, für den sind Bozen, Meran oder andere hübsche Städte Südtirols schon eine Idee wert. Nicht so weit weg, deutschsprachig, nicht ganz so endgültig und in einer Gegend, die Herz und Seele gleichermaßen bedienen. Und über den Brenner zurück darf man ja auch ab und zu mal.
Bozen: Der Eingang zu den Dolomiten
Bozen hat rund 110 000 Einwohner und liegt rund 260 Meter über dem Meerespiegel. Die in einem Tal inmitten hügeliger Weinberge gelegene Stadt gilt als Tor zur Gebirgskette der Dolomiten in den italienischen Alpen. Im mittelalterlichen Stadtzentrum befindet sich das Südtiroler Archäologiemuseum mit der „Ötzi“ genannten jungsteinzeitlichen Gletschermumie. In der Nähe liegen das eindrucksvolle Schloss Maretsch aus dem 13. Jahrhundert sowie der im romanischen und gotischen Stil erbaute Dom Maria Himmelfahrt.
Deutsche Sprache in italienischem Ambiente
Südtirol, Italiens nördlichste Provinz, ist sicherlich die nahe liegende Auswander-Option für Rentner aus Deutschland, was zum einen an der kurzen Entfernung nach Deutschland liegt. In Südtirol wird zudem Deutsch gesprochen, was die Eingewöhnung für Auswanderer aus Deutschland besonders einfach macht. Die wunderschöne Natur der Alpen und Dolomiten ist ideal für ausgedehnte Wander- und Fahrradtouren. Die Kurstadt Meran zieht jährlich Tausende Urlauber an, und in den Skigebieten tummeln sich im Winter Gäste aus aller Welt. Das Leben in Südtirol ist naturnah, entspannt und ohne viele Hektik.
Meran: Sissi-Weg und viele Heilbäder
Die Stadt Meran (rund 45 000Einwohner, 325 Meter über dem Meeresspiegel) ist für ihre Heilbäder und ihre Gebäude im Jugendstil bekannt. Der Sissi-Weg führt zum Schloss Trauttmansdroff mit seinen Terrassengärten. Zum Schloss gehört auch das Touriseum, ein interaktives Museum mit Ausstellungen über den Alpentourismus. Am Fuße des Ifinger im Nordosten befindet sich das Skigebiet Meran 2000 mit Skipisten, einem Snowpark sowie Wanderwegen für den Sommer.
•••• Infos im Netz zum Auswandern nach Italien unter https://auswandern-info.com/italien ••••
Klaus Karkmann © SeMa
Österreich: Salzburg und Innsbruck – gleich und doch so verschieden
Alles unter dem Dachl
Innsbruck ist die Hauptstadt des Bundeslandes Tirol im Westen Österreichs. Ihr Name verweist auf die Brücke über den Inn. Wahrzeichen der Stadt ist das Goldene Dachl. Mit 131 059 Einwohnern (Stand 1. Januar 2021) ist Innsbruck die bevölkerungsreichste Stadt Tirols und zugleich fünftgrößte Stadt Österreichs (nach Wien, Graz, Linz und Salzburg). In ihrem Ballungsraum leben rund 300 000 Menschen.
Innsbruck-Infos im Internet unter www.innsbruck.info
Wer es durch die Staus um München bis zum Inntal-Dreick geschafft hat oder auf dem Münchener Hauptbahnhof mit Ziel gen Süden steht, hat die Wahl: über Innsbruck und den Brenner nach Italien oder über Salzburg Richtung Kärnten und Steiermark. Vorher aber sollte er auf jeden Fall einen Städte-Stopp einlegen. Das SeMa hat sich gefragt: Was ist lohnender: Salzburg oder Innsbruck?
Küss die Hand gnä’ Frau. Charmant sind sie da wie dort, etwa die gleiche Einwohnerzahl haben sie auch, aber doch gibt es zentrale Unterschiede zwischen Tirols Landeshauptstadt (Innsbruck) und der Geburtsstadt Mozarts. Salzburg wirkt (Entschuldigung) arroganter, an jeder Ecke und an der Salzach ist zu spüren, was die Menschen von sich halten und von ihrer Stadt fordern. Gerade durch die (nach Corona jetzt wieder stattfindenden) Festspiele, Mozarts Geburtshaus und die Nobelmeile Getreidegasse ist die Richtung vorgegeben. Salzburg will mit seinen gerade mal 155 000 Einwohnern am Ruf einer Weltmetropole kratzen. Die Stadt ist wunderschön, die Preise nicht so, aber Salzburg erfasst die vielen Touristen. Wer in Österreich Kaiserstimmung, gemischt mit gewichtiger Historie, spüren will, muss nicht unbedingt in die Bundeshauptstadt Wien, die in Österreich fraglos die Nummer eins ist. Dann aber will Salzburg dran sein, und das ist eigentlich auch so. Salzburg hat mehr zu bieten als Graz oder Innsbruck – und das nicht nur dank Mozart und den berühmten leckeren Kugeln, die auf der Zunge zergehen.
Das schert Innsbruck wenig. Die zweimalige Olympia-Stadt nimmt’s sportlich und hat auch gerade da ihre Stärken. Über den nahen Brenner geht es in die traumhaften Skigebiete, das nahe Italien ist in der Stadt klar zu spüren. So lächelt auch der Ober aus Brixen in einem Restaurant unter dem berühmten goldenen Dachl: „Hier finden wir gut Arbeit, in Innsbruck läuft viel.“ Klar bei mehr als 3000 vermeldeten Touristen täglich (gemessen im Jahr 2019 ohne Corona-Abzüge). Zudem ist die Tiroler Landeshauptstadt (rund 135 000 Einwohner) jung, der Universität und der Medizinischen Universität mit zusammen fast 35 000 Studenten sei Dank. Über der Stadt, die von Bergen geradezu eingekesselt ist, wartet die Berg-Isel-Sprungschanze, und dann kommen auch gleich die tollen Ski-Täler – bevor es über den Brenner in die südlichen Paradiese geht. So mancher ambitionierte Tourist neigt daher eher zu Innsbruck.
Was beide Städte haben ist ein tolles Radnetz und eben die gut ausgebauten Radwege an Salzach und Inn. Mag sein, dass Salzburg, was den Massen-Städtetourismus angeht, vorn liegt. Es gibt aber auch genügend Gründe in Innsbruck halt-zumachen – Mozart wird es verzeihen.
Eine Grenzstadt der besonderen Art
Mit 155 416 Einwohnern (Stand 1. Januar 2021) ist Salzburg nach, Graz und Linz die viertgrößte Stadt Österreichs. Sie liegt im Salzburger Becken. Prägend für die Stadt sind die Stadtberge, die durch das Stadtgebiet fließende Salzach und die von Weitem sichtbare Festung Hohensalzburg. Der Nordwesten von Salzburg grenzt an Freilassing (Landkreise Berchtesgardener Land/Deutschland) das übrige Stadtgebiet an den, landläufig „Flachgau“ genannt. Insofern ist Salzburg eine Grenzstadt.
Salzburg im Internet: www.salzburg.info
Klaus Karkmann © SeMa
Immer mehr Rentner überwintern in wärmeren Gefilden – Teneriffa voll im Trend!
Kleine Tapas-Stuben mit Einheimischen gibt
es in Santa Cruz an
jeder Ecke.
Aber was heißt hier Pool. Teneriffa – beliebteste Kanaren-Insel der Deutschen – zum Beispiel hat durchaus mehr als dieses Klischee zu bieten. Die Hamburgerin Monika Gribner hat mehr als 35 Jahre Erfahrung auf dem Eiland nahe der afrikanischen Küste. Schon seit 1986 residiert die reiselustige Hanseatin mal kürzer, mal länger in ihrem Domizil in der Nähe von Santa Cruz, der Hauptstadt Teneriffas. „Ich kann älteren Menschen nur dazu raten, einmal einige Monate auf der Insel zu verbringen“, sagt die Hanseatin. Dabei meint sie nicht nur Sonnenschein, Sandstrand oder Touristen-Small-Talk. Nein, gerade der Raum Santa Cruz habe kulturell einiges zu bieten, die 230.000-Einwohner-Stadt hat durchaus City-Charakter. „Hier ist schon genug los, sodass man sich nicht langweilt, und auch mit Deutsch und Englisch kommt man hier gut durch“, wirbt sie für „ihre zweite Heimat“. Auch das Preisniveau sei niedriger als in Deutschland.
Sommer oder Winter? Spanien, Kanaren, Festland oder Insel? Traum, Illusion oder nur Flucht? Rentner, Pensionäre oder andere Best Ager diskutieren immer mehr darüber, ob es sinnvoll ist, im Süden zu überwintern. Das Senioren-Magazin (SeMa) versucht, sich ein Urteil zu bilden. Welcher Geldbeutel ist ausreichend, welche Sprachkenntnisse sind nötig und was erwartet den Oldie-Vagabunden sonst auf seinem Weg vom Winter in den Sommer?
Zwei Grad plus, Schneeregen, trüber Himmel und ähnliche Laune. Nicht nur in Hamburg werden vom November bis zum März Reisekataloge und die gängigen TV-Reisemagazine zum Hoffnungsträger, die fröstelnden und gefrusteten Germanen sehnen sich nach Wärme, Strand oder Cuba Libre. Für diejenigen, die das Arbeitsleben hinter sich und die dementsprechende Rente im Rücken haben, muss es nicht bei Sehnsucht oder Traum bleiben. Etwas Mut und ein Wissen, was einen so in Spanien oder speziell auf den Kanaren erwartet, gehören schon zum Startgepäck. Dann aber lohnt es sich, zu den rund 200 000 deutschen Rentnern zu gehören, die allein im vergangenen Jahr lieber am Pool oder tobenden Meer auf den Kanaren saßen, als sich am deutschen Ofen warme Gedanken machen zu müssen.
Deutsche: Deutsche Residenten (etwa 50 000 deutsche Menschen leben auf Teneriffa) sind vor allem an der Nordküste von Bajamar über Santa Úrsula, La Orotava und Puerto de la Cruz bis nach Los Realejos und seit etwa 20 Jahren auch an der Süd-West-Küste von Costa del Silencio über Los Cristianos, Playa de las Américas bis nach Los Gigantes zu finden. Touristen-untypisch scheint das Leben in der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife (siehe Angaben im Haupttext). Dort wiederum hat der Auswanderer die besten Chancen, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.
Lebenshaltungskosten: Die Insel lockt mit geringen Lebenshaltungskosten. Derselbe Standard, der in Berlin für 2.100 Euro pro Monat erhältlich ist, kostet auf Teneriffa rund 1.500 Euro im Monat (durchschnittliche Angaben von 2021, Preissteigerung aufgrund der Energiekosten möglich).
Visum/Sicherheit: Gezahlt wird mit Euro, ein Visum ist nicht notwendig – das macht Teneriffa zu einer absoluten Einsteigerinsel für Auswanderer, Langzeiturlauber und digitale Nomaden. Die Insel ist zudem – vor allem im Vergleich zu Südamerika oder Afrika – sehr sicher.
Sonniger Süden der Insel: Im Süden der Insel (zum Beispiel Los Christianos, Playa de Américas) scheint die Sonne statistisch zwar am meisten, aber dort könnten bei einem längeren Aufenthalt die touristischen Betonburgen mit allen lästigen Randerscheinungen stören.
Krankenversicherung/Behandlung: Wenn man als Rentnerin oder Rentner in Deutschland gesetzlich krankenversichert ist und zusätzlich in Spanien eine spanische Rente bezieht, endet beim Umzug nach Spanien die deutsche Kranken- und Pflegeversicherung, und man wird in die Seguridad Social aufgenommen. In Deutschland gesetzlich Versicherte können sich in Spanien mit ihrer Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC, vermerkt auf der Rückseite Ihrer deutschen Versicherungskarte) medizinisch behandeln lassen.
Flug/Zeit: Der Direktflug von Hamburg nach Teneriffa (hat zwei Flughäfen) dauert gut fünf Stunden. Die Zeitverschiebung ist eine Stunde.
Klima: Auf den Kanaren liegt die Temperatur von November bis März zwischen 21 und 24 Grad Celsius. Das Meer (niemals kälter als 18 Grad) lädt ganzjährig zum Baden ein.
Infos im Internet: https://www.aufreisensein.com/ueberwintern-in-spanien-21-22 https://www.langzeiturlaub-ueberwintern.com
Klaus Karkmann © SeMa
Frische südländische Kost auf der Sonnenterrasse:
Das geht auf Teneriffa auch in unserem Winter.
Allerdings stimmt nicht jeder in diesen Jubelgesang über das winterliche Spanien ein, es muss relativiert werden. Die meisten Spanien-Überwinterer zieht es weg von den Touristen hin zu den Einheimischen. So macht es auch Gretel Hinzmann, die regelmäßig auf das spanische Festland nach Andalusien – „flüchtet.“ Sie ist drei bis fünf Monate im Jahr dort, spielt Golf und liebt die Kultur und den Kontakt zu den Andalusiern im Dorf. „Das ist mir sehr wichtig, allerdings kommt man hier mit der deutschen Sprache nicht sehr weit“, sind die Erfahrungen der 78-jährigen Dame aus Hamburg. Das Leben allgemein sei in Andalusien gerade im Alter einfach leichter. Dem stimmt Sieglinde de Medina zu, die fließend Spanisch spricht und auch mit einem Spanier verheiratet war. Bei einem langen Auslandsaufenthalt ist der Kontakt zu den Einheimischen – benötigt würden aber Sprachkenntnisse – das Salz in der Suppe, schildert die 80-jährige Dame mit ungebändigter Reiselust in ihrer Stimme. Sie liebt das Baskenland und speziell die Stadt San Sebastián, wo freilich die Temperaturen im Winter aber auch nicht hoch sind. „Im Sommer geht es dann auch eher ins Warme“, gibt sie zu.
Es gibt also verschiedene Ansichten und unterschiedliche Gründe, den Schritt in die „Winterwärme“ Spaniens – speziell der Kanaren – zu wagen, freilich gehören Fitness, Flexibilität in Sachen Sprache und natürlich auch etwas Geld dazu (siehe Infokasten auf Seite 19). Wer diese Anforderungen erfüllt und dazu noch etwas Mut hat, sollte es wagen. Und die anderen können sicher sein: Irgendwann scheint auch in Deutschland wieder die Sonne.
Das Museum der Rekorde – erstes Nussknacker-Museum Europas in Neuhausen im Erzgebirge
Das im Museum stehende selbst gebaute Eichhörnchen.
Aus welchen Zeiten sind die ausgestellten Exponate?
Aus vier Jahrhunderten. Aus dem Erzgebirge ist bekannt, dass der erste Nussknacker 1870 von Wilhelm Füchtner in Seiffen hergestellt wurde. Der älteste der hier ausgestellten ist von 1650. Historisch hinterlegt ist, dass es wohl schon 300 vor Christus diese Werkzeuge gab. Sie wurden in einem Grab bei Tarent gefunden.
Vor Ihrem Museum stehen ganz große Nussknacker. Haben Sie diese selbst gebaut?
Ja. Ich bin Maschinenbauer von Beruf und habe diese großen mit Unterstützung selbst bauen können. Der 5,87 m große wird mit Druckluft pneumatisch betrieben. Mit ihm kann man Kokosnüsse knacken. Der größte, der hier im Hof steht, ist über zehn Meter hoch. Die Teile dafür wurden verleimt wie bei einem Fass. Im Museum steht auch das selbst gebaute Eichhörnchen mit einer Größe von 2,65 m Höhe und 4 m Länge. Es wiegt 590 kg und knackt natürlich auch Nüsse.
Der größte Nussknacker
misst 10,1 m.
Ja. Nach dem 1816 geschriebenen Märchen vom Nussknacker und Mausekönig von E. T. A. Hoffmann drehen sich die von 1,55 m bis 2,10 m großen Figuren auf dem im Durchmesser 4,55 m großen Teller. Es sind diese fünf: Clara, Mäusekönig, Drosselmeier, der Spielzeugsoldat und der Nussknacker, der der Prinz ist. Jede Figur wiegt zwischen 75 und 100 kg. Es erklingt auch jede Stunde die Melodie der Nussknacker-Suite von Tschaikowski.
Infos zu Uwe Löschners Nussknackermuseum:
Bahnhofstraße 20–24 in 09544 Neuhausen,
Telefon 037361/41 61, www.nussknackermuseum.de
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 – 17 Uhr,
Samstag, Sonntag und Feiertage 10 – 16 Uhr
Text + Fotos Marion Schröder © SeMa
Nussknacker-Disneyfiguren.
In welchen Figuren und Formen stecken diese Werkzeuge zum Nüsseknacken?
In ganz vielen verschiedenen. Abgesehen von den alltäglichen und antiquarischen lassen sich Nüsse knacken mit z. B. Sportlern, Musikern, Märchen- und Comic-Figuren, Königen und Politikern, Fabelwesen, Tieren, auch in vielen dargestellten Berufsgruppen.
Gibt es eine Berufsgruppe, die Sie noch nicht haben und gern hätten?
Ja. Schade, dass es noch keinen Busfahrer und auch keinen Reiseleiter gibt. Wir bekommen auch Besuch von Gruppen, die mit Bussen anreisen. Ihnen würde ich gern den Reiseleiter und Busfahrer zeigen.
Neben den vielen Nussknackern steht auch noch eine ganz besondere Attraktion bei Ihnen im Hof, die weltgrößte Spieluhr. War diese und deren Bau dafür auch Ihre Idee?
Uwe Löschner mit dem ältesten Nussknacker von 1650.
Den Grundstein für das Museum legte 1966 Jürgen Löschner, der Vater des jetzigen Inhabers Uwe Löschner. Anfangs hatten es ihnen die grimmigen Typen angetan, die fast immer als Obrigkeit oder Söldner dargestellt wurden. Inzwischen gibt es in mehreren Ausstellungsräumen Nussknacker aus aller Welt in fast allen Farben, Formen und Materialien. In diesem Museum der Superlative sind viele Raritäten zu bestaunen, von denen man vorher gar nichts ahnte. Einige davon haben es in das „Guinnessbuch der Rekorde“ geschafft. Als weitere Attraktion ist auf dem Hof des Museums die größte Spieldose der Welt zu bestaunen. Diese erklingt in der Zeit zwischen 10 und 17 Uhr zu jeder vollen Stunde. Zu den sich drehenden Figuren wird die Nussknacker-Suite von Tschaikowski gespielt. 60 Kilometer süd- lich von Dresden und 60 Kilometer südöstlich von Chemnitz ist dieses außergewöhnliche Museum Herzensangelegenheit der ganzen Familie. Wir besuchten das Museum für unsere Redaktion und bedanken uns für das Gespräch bei Uwe Löschner.
Herr Löschner, haben Sie einen Lieblingsnussknacker in Ihrer Sammlung?
Nein, wir freuen uns über jeden, der in unser Haus kommt. Es gibt noch viele, die ich gern hätte. Wir kaufen von Händlern, auf Flohmärkten oder von Sammlern.
Immer mehr betuchte Rentner zieht es an Nord- und Ostsee
Die Promenade in Travemünde ist in den vergangenen Jahren extrem vorbereitet worden. Dort ist für alles Platz: Fahrräder, Rollatoren und natürlich auch Spaziergänger.
Dass sich immer mehr gut betuchte „Oldies“ aus dem Landesinneren den Ruhestand im Möwenland gönnen, zeigt ein Blick auf Spazierwege, in Cafés oder auf Bänke in den Parks von Büsum bis St. Peter genauso wie von Travemünde bis Flensburg – zumindest dann, wenn die Mengen von Touristen mal nicht da sind. So sieht man auf der neu errichteten, besonders breiten Promenade von Travemünde an manchen Wochentagen fast genauso viele Rollatoren wie Fahrräder – betagte Spaziergänger ohnehin. Platz ist für alle da.
Aber ist das wirklich so? Ob das Alter an der See nun wirklich ein Traum ist, scheint Ansichtssache. „Natürlich ist es hier zumindest Richtung Osten schön und die Luft ist auch gesund“, sagt eine redselige Dame aus Travemünde, die brav mit ihrem Mundschutz an der Fähre nach Priwall wartet – dort liegt das weithin bekannte Seniorenheim Rosenhof. Richtig glücklich wirkt die blonde Mitvierzigerin dabei aber nicht. Dann sprudelt es aus ihr raus: „Viele Senioren hier in Travemünde sind wirklich arrogant, wollen zeigen, dass sie etwas Besseres sind – oder zumindest waren.“ Aber sie hat auch einen Tipp parat: Mich würde es im Alter eher nach Sierksdorf oder Haffkrug ziehen, da ist es noch normaler“, sagt die ebenfalls von der Ostseesonne leicht gebräunte Dame. Na gut, auch das muss man sich leisten können.
Und nicht nur am Blick in den Senioren-Geldbeutel muss es scheitern. „Sie glauben gar nicht, wie wenig entspannend das hier ist, wenn am Wochenende die Touristen einfallen“, sagt ein jüngerer Mann, der sich in der Lübecker Bucht von einem Schlaganfall erholt. „Das ist schon fast kontraproduktiv, mich zieht es dann hier nicht mehr vor die Tür“, schildert der Rekonvaleszent ein allgemeines Problem der Kurorte an der See. Ihm fehlt dann auch die typische Ostseebräune im Gesicht. Der ungebremste Bauboom tue ein Übriges in Sachen ungebrauchten Stress, fügt er noch an. So verheerend die Corona-Pause an der See für die Tourismus-Wirtschaft auch war, Rentner und Kur-Patienten hatten lange ihre Ruhe. Mit der ist es jetzt aber wieder vorbei. Ist der Lebensabend zwischen Möwen und Matjes nun doch kein Traum?
Zumindest sprechen neben den mangelnden finanziellen Möglichkeiten auch andere Argumente für das weitere Leben im gewohnten Umfeld. „Ich möchte einfach bis zum Ende da bleiben, wo ich immer war, wo ich es kenne und wo mir die letzen Menschen geblieben sind“, ist aus Hamburger Senioren-Kreisen mehrfach zu hören. Dabei denkt dann niemand mehr an den Geldbeutel oder kreischende Möwen – eher schon an Alster, Elbe und die guten Freunde zu Hause. Da ist es ja auch ganz schön. Und die Luxus-Rentner an der Küste werden ja auch allein glücklich.
Am großen Seniorenzentrum Rosenhof auf dem Travemünder Priwall fahren jeden Tag die großen Pötte Richtung Skandinavien vorbei.
Nord- und Ostsee in Kürze
An Ost- und Nordsee gibt es viele schöne Orte. Hier eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit, jeder davon bringt seine individuellen Vorzüge mit sich.
Ostsee: Bornholm, Travemünde, Fehmarn, Fischland-Darß-Zingst, Heiligendamm, Hiddensee, Hohwachter Bucht, Poel, Rügen, Timmendorfer Strand, Grömitz, Scharbeutz, Usedom.
Nordsee: Büsum, St. Peter-Ording, Westerland/ Sylt, Insel Föhr
Neue Seebrücken: In mehreren Orten an der Ostsee werden zurzeit die Seebrücken aufwendig renoviert bzw. neu gebaut. So zum Beispiel in Kellenhusen, Grömitz und vor allem spektakulär in Timmendorfer Strand
Seniorenresidenzen: Allein im Raum Niendorf/Ostsee, Scharbeutz, Travemünde dürfte es an die 50 Senioren-residenzen geben. Besonders bekannt ist der Rosenhof in Travemünde auf dem Priwall, der schon fast ein eigenes Seniorendorf ist.
Preisniveau in Schleswig-Holstein: Eine Prognos-Studie aus dem Jahr 2016 legt dar, dass das Preisniveau in Schleswig-Holstein in verschiedenen Regionen unterschiedlich ist. Nicht überall erhält der Rentner dasselbe für sein Geld. Auch das sollte berücksichtigt werden.
Kurzkur in der Brandungszone
Es muss nicht immer der Ruhestand an Ost- oder Nordsee sein, auch ein Tages-Spaziergang an der See kann schon Wunder wirken. „Halten Sie sich in der Brandungszone auf, dann atmen Sie das maritime Aerosol ein. Es enthält Salzwassertröpfchen, die sich je nach Größe im Nasen-Rachenraum anreichern oder bis in die Lungenbläschen vordringt“, erläutert Oberarzt i. R., Dr. Reinhard Patzke, der unter anderem Allergologe, Umweltmediziner und Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin in St. Peter. Ording an der Nordsee war. Der Salzgehalt in der Luft sei am höchsten, wenn man direkt in der Brandungszone stehe.
K. Karkmann © SeMa
Viele Ostseebrücken werden zurzeit komplett renoviert. Dort ist auch der Senior dem Meer besonders nahe.
Für die Mehrheit ist es ein Traum, der mit dem Blick auf das Konto zum schnellen Aufwachen führt. Nicht nur – aber besonders – im Großraum Hamburg steigt trotzdem die Anzahl der Ruheständler, die im Alter das Kreischen der Möwen, das Rauschen der Brandung und vor allen Dingen das gesunde Reizklima an den Küsten genießen wollen. Ob das wirklich ein Traum bleiben muss, womöglich gar kein Traum ist oder aber zum Albtraum werden kann, klärt ein Blick auf die Atmosphäre vor Ort.
Sein Leben war recht rau, das Klima auf der Promenade von Travemünde ist es jetzt auch. Mit der gelben Pudelmütze tief ins Gesicht und den Trainingsanzug gleichermaßen bis obenhin zugezogen, strahlt der Senior mit leicht ostdeutschem Akzent nur eines aus: pure Freude am Alter. „Ich habe es niemals bereut, hierhergezogen zu sein, fühle mich jeden Morgen wie neu geboren.“ Wer den geborenen Leipziger an diesem März-Tag etwas beobachtet, glaubt ihm diese ein wenig theatralische Aussage. Er wirkt mit 82 Jahren dort angekommen, wo er immer hin wollte. Nach der Grenzöffnung ab und zu, später voll. „Ich habe mein Ding gemacht, das Leben ist noch lange nicht zu Ende“, sagt der Mann mit verschmitzter Miene in seinem durch Ostsee-Sonne gegerbten Gesicht. Und dann geht es weiter Richtung Brodtener Steilufer – wie jeden Morgen.
Der Senior aus Sachsen gestaltet sich das Leben genauso, wie es Ärzte für das Alter empfehlen. Die kühle, teils intensive Brise an der Küste fördert den Organismus: Er muss sich dem Kältereiz anpassen und mehr Wärme bilden, damit er nicht auskühlt. Empfehlenswert sind ausgedehnte Spaziergänge am Meer, Ost- und Nordsee sind da der perfekte Ort. Natürlich will dabei das Thema Corona niemand mehr hören. Aber die Zeit der größten Krise hat die Menschen genau das vermissen lassen, frische salzige Luft, das Kreischen der Möwen, Wind im letzten zerzausten grauen Haar, wer hätte das anno 2020 und die ersten Monate 2021 nicht haben wollen. Diese und andere Faktoren wirkten auf komplexe Weise zusammen und reizten den Körper einerseits, andererseits schonten sie ihn auch, erklärt zum Beispiel Reinhard Patzke, Oberarzt i. R. – ehemals an der DRK-Nordsee-Reha-Klinik Goldene Schlüssel in St. Peter-Ording.
Straßenbahnen als Urlaubsvergnügen älterer Touristen
• Erfurt: Eine Stadtrundfahrt mit der historischen Stadtbahn führt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der jüngeren und älteren Erfurter Stadtgeschichte. Besonders sehenswert sind dabei die sehr gut erhaltenen Jugendstilviertel der Stadt. Infos unter:
https://www.evag-erfurt.de/evag/home
• Frankfurt: Auch in der Mainmetropole begann alles mit einer Pferdebahn. Heute verkehren, teilweise auch unter der Erde, elf hochmoderne Linien – und an Wochenenden und Feiertagen der Ebbelwei-Express für Touristen, der an fast allen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Info unter: www.vgf-ffm.de
• Helsinki: Sobald die Linie 7 A den Dom passiert, klicken die Kameras: Kaum ein Tourist lässt sich das Motiv – weiß das Gotteshaus, gelb und grün die Straßenbahn – entgehen. Zu bestimmten Zeiten verkehrt eine sogenannte Kulturtram mit einer kleinen Bühne im Mittelteil, wo Musik und Kleinkunst geboten werden. Infos unter: www.raitio.org
• Zürich: In der größten Schweizer Stadt gibt es nicht nur 17 Linien, sondern auch eine Apéro-Tram, eine Fondue-Tram, eine Sushi-Tram und in der Adventszeit eine Märli-Tram, in der Engel Geschichten erzählen. Nicht zu vergessen die 13 Kilometer lange Forchbahn, die durch reizvolle Landschaften führt. Infos unter: www.stadt-zuerich.ch
• Budapest: Mehr als 400 Millionen Fahrgäste sind pro Jahr auf den 33 Linien unterwegs. Auf den Linien 4 und 6 kommen die längs- ten Straßenbahnwagen der Welt (jeweils 54 Meter) zum Einsatz. Die Linie 60 ist eine Zahnradbahn, die den 420 Meter hohen Schwabenberg hinauffährt. Infos unter: www.bkv.hu
• Amsterdam: Die Straßenbahnlinie 2 in Amsterdam fährt an fast allen Sehenswürdigkeiten vorbei. Diese Linie wurde vom „National Geo- graphic“ als eine der besten Linien weltweit ausgezeichnet. Infos unter: www.travelguide.amsterdam/de/nahverkehr-gvb/strassenbahn-tram/
Text/Fotos: Klaus Karkmann © SeMa
Allein das Klingeln an jeder Station ist es wert. Eine Hamburger Seniorengruppe sitzt in der Wiener Ringstraßenbahn, es geht vorbei an Oper, Parlament, Hofburg und Rathaus, und das – wenn es der alternde Tourist will – immer wieder. Viele Gäste von nah und fern, aber natürlich auch urige Wiener Urgesteine sind dabei, und schnell ist ein Gespräch in Gang – denn die Hanseaten fallen in ihrer Masse und Ungezwungenheit auf. Ja, es kann lustig werden – sehr lustig. „Ich finde das hier urgemütlich“, sagt zum Beispiel Monika Klinder (72) aus Hamburg, die sogar einige Stunden ihres Geburtstages mit Freundinnen an Bord der Bahn zwischen Stephansdom, Hofburg und Parlament verbringt. „Es ist wie Entschleunigung, einfach für uns Ältere eine tolle Sache“, sagt die Hamburgerin, die auch schon mit der Straßenbahn auf dieselbe Art durch Amsterdam getingelt ist. Die vielen Facetten, der Kontakt zu anderen Menschen und ein anderes, ruhigeres Zeitgefühl würden sie immer dazu veranlassen, auch andere Städte so günstig und so nah am Bürger zu erkunden.
Die reiselustige Dame aus Deutschlands Norden ist nur ein Beispiel von vielen. In Prag etwa kommt für Tram-Fans an Bord der Line 22 der Spaß mit etlichen Einheimischen dazu, oft auf ihrem Weg in die billigeren Privat-Brauereien mit Bierstuben im Außenbereich. Da gibt es dann (teilweise mit Händen und Füßen wegen der Sprachprobleme) gleich wertvolle Tipps dazu. Überhaupt scheinen Menschen, die Straßenbahn fahren, oft zugänglich, da hebt man einer Prager Jungmutter als älterer deutscher Tourist auch mal gern den Kinderwagen aus dem urigen Vehikel.
Übersicht über lohnende Tram-Kurse in Städten
Die Aufzählung/Darstellung der verschiedenen für Stadtrundfahrten lohnenden Straßenbahn-Linien kann nur beispielhaft sein. Es gibt wesentlich mehr Metropolen, wo so etwas möglich ist. Die Liste unten verzeichnet lediglich europäische Linien:
• Wien: In Österreichs Hauptstadt heißt die Straßenbahn Bim. Sie fährt auf 29 Linien. Bereits 1840 verkehrte die erste Bahn, von Pferden gezogen, alle Viertelstunde vom Donaukanal in die Brigittenau. Die Vienna-Ring-Tram fährt in 25 Minuten an Sehenswürdigkeiten wie Staatsoper, Hofburg, Burgtheater und Parlament vorbei. Dazu gibt es in der Bahn Nachrichten auf Flachbildschirmen. Infos unter: www.wienerlinien.at
• Prag: Die Tram 22 wird in vielen Reiseführern empfohlen, weil sie mitten durch das historische Prag fährt und dem Besucher eindrucksvolle Blicke auf die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt an der Moldau bietet. Es ist auch eine preisgünstige Alternative zum Hop-on-Hop-off-Bus. Allerdings ist diese Tramlinie auch beliebt bei Taschendieben, weil viele Touristen die Verbindung aus den oben genannten Gründen nehmen. Infos unter:
https://hierdadort.de/klingelring-mit-der-strassenbahn-durch-prag/
• Lissabon: Besonders spektakulär ist die Linie 28, die im historischen Stadtteil Alfama die ganze Breite der engen Gassen ausfüllt. Auch die drei Standseilbahnen (Ascensores de Lisboa) und der Aufzug Elevador de Santa Justa sind alltägliche Verkehrsmittel. Info unter: www.carris.pt
Wer ein bisschen Mut und einen „Hauch“ Abenteuerlust hat und dazu teure und sich oft hektische Hop-on-Hop-off-Touren in Metropolen ersparen will, dem sei diese Art, eine Stadt zu erkunden, empfohlen. Das SeMa gibt nebenstehend einen Überblick. Er kann bei den vielen Städten im In- und Ausland nur beispielhaft sein. Lohnend sind die Touren in diesen Bahnen alle- mal. Ob in Wien, Prag, Lissabon, Dresden, Erfurt – oder wo auch immer.
Hamburg: Straßenbahn auf dem Abstellgleis
In Hamburg rollt schon seit dem Ende der 70er Jahre keine Straßenbahn mehr. Am 30. September 1978 fuhr die Linie 2 in Hamburgs Norden über Niendorf und Schnelsen zum letzten Mal. Seitdem gibt es zwar viele Diskussionen über Stadt- und Straßenbahnen, auf Dauer hat es niemals wieder einen ernsthaften Versuch gegeben, in Hamburg Straßenbahnen einzuführen. Zu diesem Thema ausführliche Infos im Internet: www.ndr.de/geschichte/chronologie.
In der Hansestadt gibt es eine gute Möglichkeit, sich günstig den Hafen anzuschauen. Die HADAG-Linie 62 der Hamburger Hafenfähren ist nicht nur ein Bestandteil des Netzes des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV), für Kenner ist sie eine günstige Alternative zur klassischen Hafenrundfahrt. Sie startet an den Landungsbrücken Richtung Finkenwerder und passiert Richtung elbaufwärts viele Sehenswürdigkeiten am Hafen.
Eine Städtereise ist schon anstrengend genug, da lässt man sich doch gerne fahren. In deutschen und europäischen Metropolen fallen die doppelstöckigen Sightseeing-Busse jedem Touristen ins Auge, ob in Berlin, Prag, Wien, Amsterdam oder etlichen anderen reizvollen Städten, sie bringen interessierte Reisende zu den touristischen Schätzen der Stadt. Das ist aber meist relativ teuer, und in die obere Etage des Busses, wo die beste Aussicht ist, muss der Senior 70plus erst einmal die enge Wendeltreppe hochgehen – da liegt Stress in der Luft. Findige Städtevagabunden im besten Alter haben daher seit Langem eine Alternative gefunden, günstiger und ganz nahe am Volk durch die Straßen ihrer Lieblingsstädte zu fahren: die gute (alte) Straßenbahn.
Auf einer Tram-Rundlinie kommt man gut und sicher zum Ausgangspunkt zurück, oder man wechselt die Richtung und erreicht so den Start der City-Tour. „Oldies“ ohne Orientierungssinn brauchen also keine Angst zu haben. Typische Alltags-Abläufe und eben der Kontakt zu Einheimischen sind weitere lohnende Aspekte Aspekt, während die Highlights der Städte durch die großen Fenster vorbeirauschen. Mit einem Tagesticket kann man dazu einen Stopp einlegen, wo man will, und der Einheimische gibt gern mal Auskunft – wenn es denn sprachlich möglich ist.
Hamburg entdecken auf dem Grünen Ring
Mit der Ernennung Hamburgs zur Umwelthauptstadt Europas wurde vor zehn Jahren offiziell, was Hamburger schon immer wussten: Hamburg ist nicht nur eine der schönsten, sondern auch eine der grünsten Metropolen Europas.
Wer die vielfältige Natur der Hansestadt erleben und neue Lieblingsorte im Grünen für sich entdecken möchte, sollte Hamburg unbedingt auf dem Grünen Ring erkunden. In einem Radius von acht bis zehn Kilometern um das Hamburger Rathaus umschließt der Grüne Ring die innere Stadt. Als grünes Band verbindet er Naturschutzgebiete und offene Kulturlandschaften, naturnahe Räume und Landwirtschaftsflächen. Über 100 Kilometer führt der Grüne Ring durch Parkanlagen und Wälder, Kleingärten und Friedhöfe, entlang von Wasserläufen und Seen, durch Dünen, Geest und Marsch.
„Manchmal konnte ich kaum glauben, dass ich mitten in Hamburg bin“, schwärmt Gaby Krohn (56). Als ihre Urlaubspläne 2020 im ersten Lockdown platzten, erwanderte sie eine Woche lang zusammen mit einem Freund in Tagesetappen die gesamte Freizeitroute. „Mir war gar nicht bewusst, wie viele grüne Oasen überall in der Stadt verborgen sind.“
Der Grüne Ring ist genau genommen der zweite Grüne Ring. Der erste Grüne Ring umschließt auf dem ehemaligen Wallring in einem Abstand von einem Kilometer das Rathaus und führt durch Planten un Blomen, Elbpark und Wallanlagen. Zusammen mit den zwölf Landschaftsachsen, die von der Peripherie sternförmig auf das Zentrum zulaufen, bilden die beiden Grünen Ringe das Grundgerüst für Hamburgs Grünes Netz. Zum Schutz von Mensch, Natur und zukünftigen Generationen hat die Hamburger Bürgerschaft die grüne Vernetzung der Stadt schon vor mehr als 20 Jahren im Hamburger Landschafsprogramm festgeschrieben.
Für den zweiten Grünen Ring hat die Umweltbehörde acht Touren erarbeitet, die zwischen neun und 15 Kilometer lang sind. Start- und Zielpunkte sind an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Der Streckenverlauf ist löblich gut ausgeschildert – ein Verlaufen auch für ungeübte Tourengänger fast unmöglich. Jede der Touren birgt landschaftliche Highlights, die sich zu entdecken lohnen, wie den Tideauenwald im Naturschutzgebiet Heuckenlock (Tour 6), das Naturschutzgebiet Boberger Niederung (Tour 4) oder die Wasserkunst auf der Elbinsel Kaltehofe (Tour 5). Jede Tour verweist auf attraktive Abstecher in der Nähe, die man unbedingt mitnehmen sollte, wie den Loki-Schmidt-Garten (Tour 1), den Wasserturm auf dem Friedhof Ohlsdorf (Tour 3) oder den Schlickhügel Francop (Tour 8).
Das „Aufeinandertreffen von Urbanität und Grün“ bewirbt die Umweltbehörde als ganz besonderen Reiz der Tour. Vor allem bei Wanderungen unter der Woche taucht man immer wieder ein in tiefste Ruhe und fast unberührte Natur, die die pulsierende Großstadt unendlich fern erscheinen lässt. Doch auch der grünste Ring kreuzt gelegentlich befahrene Straßen oder ist über kurze Streckenabschnitte auf recht schmalen Grünzügen unterwegs. Der Wanderung tut dies indes keinen Abbruch, denn am Horizont geht es immer grün weiter.
Infomaterial:
Die Tourenkarten „Den Grünen Ring erleben“ und die Übersichtskarte „Rad Wandern auf dem 2. Grünen Ring“ (Maßstab 1:22.000) liegen in vielen Bücherhallen und Bezirksämtern, in der Tourist Information am Hauptbahnhof sowie in der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (Neuenfelder Straße 19, S-Bahn-Station Wilhelmsburg) aus oder können über publikationen@bukea.hamburg.de kostenfrei bestellt werden. Mehr Informationen auch im Downloadbereich unter: https://www.hamburg.de/wandern-im-gruenen oder in der Mediathek: https://www.hamburg.de/wandern-im-gruenen/mediathek/
TOUREN AUF DEM GRÜNEN RING
Tour 1: Teufelsbrück bis Stellingen (u. a. Fähranleger Teufelsbrück • Wesselhöftpark • Lise-Meitner-Park • Altonaer Volkspark)
Tour 2: Stellingen bis Ohlsdorf (u. a. Kollauwanderweg • Niendorfer Gehege • Flughafen • Alsterwanderweg)
Tour 3: Ohlsdorf bis Jenfeld (u. a. Friedhof Ohlsdorf • Bramfelder See • Osterbekgrün-zug • Trabrennbahn Farmsen)
Tour 4: Jenfeld bis Mittlerer Landweg (u. a. Öjendorfer Park • Boberger Niederung • Billwerder Kulturlandschaft)
Tour 5: Mittlerer Landweg bis Veddel (u. a. Wasserpark Dove Elbe. Naturschutzgebiet Holzhafen. Elbinsel Kaltehofe)
Tour 6: Veddel bis Stillhorner Hauptdeich (u. a. Wilhelmsburger Dove Elbe • Kreetsand • Naturschutz-gebiet Heuckenlock)
Tour 7: Stillhorner Hauptdeich bis Heimfeld (u. a. Neuländer See • Harburger Stadtpark • Göhlbachtal • Meyers Park)
Tour 8: Heimfeld bis Rüschpark Finkenwerder (u. a. Altes Land • Süderelbmarsch • Rüschpark)
Text: Walitzek/Fotos: Krohn
Offiziell ist der Grüne Ring nicht barrierefrei, doch die Wege sind größtenteils gut begehbar. Nur gelegentlich gibt es schmalere Trampelpfade, kleine Brücken oder Stege. „In kleineren, naturnahen Bereichen können die Wege nach stärkeren Regenfällen auch mal sehr aufgeweicht sein“, gibt Björn Marzahn von der Umweltbehörde zu bedenken.
Durch die Pandemie ist die Nachfrage nach dem Tourenmaterial deutlich gestiegen. 2020 wurden fast doppelt so viele Karten ausgegeben wie im Jahr zuvor. Um dem großen Interesse der Hamburger am naturnahen Erleben gerecht zu werden, plant die Umweltbehörde zusätzliche Tourenvorschläge für die zwölf Landschaftsachsen und den 1. Grünen Ring. Als schönste Wanderung schwört Gaby Krohn auf Tour 5 – mit dem Deich nördlich der Norderelbe, der Dove Elbe und dem Eichbaumsee. „Die Gegend kannte ich kaum und war begeistert. Wenn man mir an einigen Stellen gesagt hätte, ich sei am Starnberger See, hätte ich das auch geglaubt.“
Für Einsteiger empfiehlt Björn Marzahn Tour 1 in umgekehrter Richtung ab dem S-Bahnhof Stellingen. Der Grüne Ring startet dort direkt hinter dem Fußgängertunnel und geht eher bergab, ist landschaftlich attraktiv und findet dann in Teufelsbrück mit den Fährverbindungen einen schönen Abschluss. „Außerdem bietet die Strecke viele Möglichkeiten für kleine Abstecher, die der Fitness angepasst werden können“, so Marzahn.
Göteborg: schwedische Großstadt mit den Schären als lohnende Attraktion
Eine Fahrt auf die
vorgelagerten Schären ist ein Muss bei einem Göteborg-Besuch. Die südlichen Schären
sind mit Straßenbahn und
Schiff leicht zu erreichen.
Göteborg/Schweden
Die Anreise nach Göteborg/Schweden erfolgt am besten mit dem Schiff über die Verbindung Kiel/Göteborg. Die (Auto-) Fähren starten generell um 18.45 Uhr und sind am kommenden Tag gegen 9.15 Uhr in Göteborg, umgekehrt sind die Zeiten identisch. Eine Fahrt kostet in der Doppelkabine pro Person ab 200 Euro (ohne Auto). Infos im Netz unter www.stenaline.de/kundenservice
Günstiger geht es mit dem Flugzeug, z. B. mit Eurowings, der Flughafen Göteborg liegt allerdings recht weit außerhalb der Stadt.Die Strecke Hamburg – Göteborg bietet Eurowings im kommenden Jahr als Direktflug an (Preise ab rund 50 Euro). Eine Bahnfahrt von Hamburg nach Göteborg dauert mindestens neun Stunden und ist meist mit Umstiegen (oft in Kopenhagen) verbunden. Infos im Netz unter www.raileurope.com/de/destinations/hamburg-gothenburg-train
Weitere Infos im Netz zu Göteborg beim Fremdenverkehrsamt unter www.fremdenverkehrsamt.com/touristeninformation/index.html
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Ein Hauch von Pippi Langstrumpf
Unmittelbar vor der Küste Göteborgs liegt eine der schönsten Schärenlandschaften Schwedens, der Göteborger Schärengarten. Es gibt die nördlichen Schären, etwas weiter weg und eher touristisch, oder aber den gut zu erreichenden südlichen Teil, dessen Besuch hier beschrieben wird.
Vom Hauptbahnhof Göteborg nimmt man hierfür die Straßen-bahnlinie 11. Diese fährt in etwas mehr als einer halben Stunde zur Endstation in Saltholmen. So lernt man gleich auch noch die niedlichen Vororte ein wenig kennen. Keine 100 Meter entfernt liegt das Fährterminal, wo die Schiffe zu den Schären ablegen. Hier steigt man um auf ein Schiff der Fährlinien 281 oder 282. Alternativ kann man zweimal täglich, morgens und abends, mit den gleichen Linien direkt vom Fähranleger Stenpiren in der Stadt nach Saltholmen und gleich weiter auf die Inseln schippern.
Zur Schärenidylle gehören eine frische Meeresbrise, das spiegelglatte Wasser zwischen den Inseln, das sich ständig ändernde Licht, runde oder schroffe Felsen mit zaghafter Vegetation und Kiefernwälder. Und dann sind da noch die für Schweden typischen bunten Holzhäuschen. Man hat das Gefühl, Pippi Langstrumpf persönlich würde gleich vor die Türe treten. Die meisten Touristen wandern die Schären ab, was zeitlich auch durchaus hinkommt. Alternativ können aber auch Fahrräder auf die autofreien Inseln mitgenommen werden. Mit ihnen lässt sich das Ganze schneller, aber genauso erholsam genießen.
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Mit der EC-Karte auf die Toilette
Eine Sorge weniger. Um den Umtausch des Euro in schwedische Kronen braucht sich der Tourist aus Germania eher nicht zu kümmern: warum? Weil Schweden unübersehbar ein Vorreiter in Sachen Online-/Kartenzahlung ist.
In Göteborg jedenfalls ist das Bar-Zahlen die Ausnahme und auch nicht gern gesehen. Selbst kleinstes Beträge werden per Karte beglichen, gefragt wird der Kunde da nicht lange. In Supermärkten ist höchstens noch am Rande irgendwo eine Kasse zu sehen, wo ein mehr oder weniger netter Verkäufer abrechnet, die Scanner-Kassen dominieren. Und auch nicht nur die junge die Bevölkerung scheint sich darauf eingestellt zu haben.
Als Beispiel gelte der nun mal regelmäßige Besuch einer Toilette zum Beispiel auf dem Hauptbahnhof oder in anderen öffentlichen Gebäuden. Keine Münzen, keine Teller zum Drauflegen, dafür hängen an den Schlössern kleine Automaten, durch die die EC- oder Kreditkarte gezogen werden muss. Im Restaurant räumt ab und zu dann ein Roboter ab.
Es mag ungewohnt sein, aber bald merkt auch der Tourist, dass die ganze Sache gut läuft und auch schneller geht. So oder so: Fragen tut in Göteborg/Schweden niemand mehr, es ist eben so. Und mit Sicherheit wird es auch bei uns bald so sein.
Klaus Karkmann © SeMa
Festungsanlage Skansen Kronan.
Diesen steinigen Untergrund kann man allerdings auch attraktiv meiden. Die ansonsten in großen Städten angebotenen Hop-on-Hop-off-Sightseeing-Touren (es gibt sie auch hier) werden in Göteborg durch die typischen Paddan-Bootstouren ersetzt. Diese offenen Cabrio-Boote schippern die Kanäle zwischen den Sehenswürdigkeiten entlang, nur sollte der gesundheitsbewusste Tourist an den niedrigen Brücken den Kopf einziehen, um kein unschönes Souvenir in Form einer Beule aus Schweden mit in die Heimat zu bringen. Kommentiert werden diese Touren in allen Sprachen.
Es lohnt sich, nach all diesen Aktivitäten in Göteborg hungrig zu sein, denn in der Kulinarik hat die Stadt ihre ganz großen Vorteile. „Guck mal, typisch schwedisches Essen“, äußert ein etwa 16-jähriges deutsches Mädchen ziemlich banal gegenüber seinen Eltern in den Saluhallen, der Gourmet-Meile Götesborgs schlechthin. Na klar, viele schwedische Leckereien à la Köttbullar, Lachs und alle Arten frischen Fisch warten dort schon, aber auch Pizza, Gyros, Paella oder Sushi und alle Delikatessen dieser Welt sind dort vertreten. Noch besser wird es dann in puncto Bier, denn in Göteborg reiht sich eine kleine Brauerei an die nächste. Also satt werden alle. Skal (prost) drinnen – und draußen an den an die Niederlande erinnernden Kanälen.
Ist das Preisniveau in Schweden für den deutschen Urlauber bekannterweise recht hoch, muss das in den Saluhallen nicht unbedingt so sein. Die vielen Angebote zur Mittagszeit sind nicht erheblich teurer als in Hamburg, Köln oder München. Ansonsten aber Vorsicht: Wer in einem der etlichen Sterne-Restaurants Göteborgs dinieren will, muss ordentlich löhnen, hier kann der hungrige Germane schon einmal 150 Euro aufwärts für zwei Personen loswerden. Das gilt genauso für Göteborgs Nobel-Einkaufsmeile Kungsportsavenyn, die sogar die Preise am Neuen Wall in Hamburg oder auf der Kö in Düsseldorf toppt. Aber das muss ja nicht sein.
Ohnehin gibt es die größten Vorzüge der Stadt am Kattegat luftig, frei und ohne Bezahlung. Der frische Wind, die Seeluft und das gesunde Klima wirken entspannend, insoweit lockt eine Fahrt auf die Göteborg vorgelagerten Schären, die mit Straßenbahn und Booten als Nahverkehrsmittel zu erreichen sind, eigentlich unausweichlich. Göteborg ist eine tolle Stadt, aber eher dem Understatement verhaftet. Nur: Wer dort hinfährt, sollte auf jeden Fall die Schärenwelt gesehen haben. Dort spürt man Göteborg – und der Gedanke, ob Metropole oder nicht, wird komplett überflüssig.
Jeden Tag kommt ein Schiff
der Stena Line aus Kiel in
Göteborg an.
Schweden ist für manchen Deutschen recht schwer zu greifen. Keine tropischen Temperaturen, keine südländische Begeisterung mit Beach-Partys oder Sangria-Eimern. Und auch die bekannten Begriffe wie Ikea, Köttbullar oder Knäckebrot führen nicht so recht weiter. Derjenige aber, der sich (meist per Fähre) von Kiel nach Göteborg aufmacht, merkt recht schnell: Heia, das lohnt sich. Ob die blauen Straßenbahnen, die Bauten zwischen Antike und Hightech oder aber der lockere Lebensstil der Schweden: Hier gibt es neue Trends, neue Ideen und vor allen Dingen mit den Schären eine traumhafte Inselwelt vor der Haustür.
Dabei braucht die zweitgrößte schwedische Stadt (rund 600 000 Einwohner) gar nicht den Ruf einer Metropole. Skandinavisch zurückhaltend, liegen die Höhepunkte Göteborgs eher unauffällig im Zentrum, gut erreichbar mit den typischen blauen Straßenbahnen (größtes Netz Nordeuropas) oder sogar mit dem Fahrrad (gute, breit ausgebaute Radwege). Ob das Stadtmuseum, das Röhsska-Designmuseum, der Vergnügungspark Liseberg oder der Slottsskogen-Park, die attraktivste grüne Lunge der Stadt: Es ist (gut für Senioren) alles sehr nah beieinander. Aufpassen sollte der Fußgänger allerdings auf das verbreitete – aber natürlich sehr schöne – Kopfsteinpflaster.
Nach dem Arbeitsleben haben viele Senioren genügend Zeit zum Reisen. Dabei stehen Städtereisen hoch im Kurs. Kurz, interessant, recht günstig und auch für die ältere Generation geeignet soll es sein. Das Senioren Magazin testet in einer Serie, welche europäischen Städte diese Anforderungen erfüllen – oder auch nicht. Heute geht es um die sächsische Metropole Dresden.
Nicht jeder Mensch interessiert sich für Geschichte, und promovierte Historiker gibt es nicht viele. Wer eine Städtereise nach Dresden antritt, braucht nicht studiert zu haben, an der deutschen Vergangenheit kommt er aber nicht vorbei. In den Gassen, auf den Plätzen zwischen und in den Gebäuden wie Frauenkirche, Zwinger oder Semperoper trieft sie aus den Wänden, die deutsche Historie, die auch oder gerade Senioren in ihren Bann zieht. „Das Stadtbild, die gut erhaltenen Gebäude und die dadurch entstandene Atmosphäre hauen mich geradezu um“, sagt zum Beispiel Brigitte Hildebrandt (71) aus Hamburg-Niendorf, die für einige Tage mit einer Hamburger Seniorengruppe die Stadt an der Elbe besucht. In der Tat: Dresden ist deutsche Geschichte zum Atmen, spürbar bis ins Hotelbett.
Und von dort ist der Weg zu all den historischen Gebäuden nicht weit. Ob Museen, Kirchen oder im Advent auch der berühmte Striezelmarkt: Sie alle liegen im Zentrum der sächsischen Metropole geradezu aufgereiht – nicht weit vom berühmten Elbanleger entfernt. „Die ganze
Stadtstruktur, die gute Bausubstanz und auch die Zuvorkommenheit der Menschen begeistern mich“, sagt auch die Hamburgerin Christel Nägele (88), ebenfalls mit dem Zug bis zum zentral gelegenen Dresdener Hauptbahnhof angereist. Sie und ihre hanseatischen Freunde kommen dann richtig ins Schwärmen, als sie inmitten der Frauenkirche stehen und später sogar die Semperoper besichtigen. „Das wir das noch einmal erleben“, ist die einhellige Meinung.
Wer allerdings glaubt, Dresden sei nur Geschichte, irrt. Moderne Straßenbahnen, Einkaufspassagen, die durchaus auch in München oder Hamburg stehen könnten (der Höhepunkt ist die Altmark-Galerie), sowie ein Restaurant- und Barangebot, das nach dem historischen Rundgang lukullische Freuden bringt. Ob Sauerbraten, Eierschecke oder Apfelrotkraut: Bald sind die optischen Genüsse der Altstadt vergessen, genießen durch den Gaumen ist angesagt. Auch unsere Hamburger Seniorengruppe hat das schnell entdeckt, beendet einen Dresden-Tag direkt neben der Frauenkirche im Augustiner-Keller.
Und auch in der Gastronomie überzeugen die Sachsen. Nicht nur der Geschmack der Speisen, auch die Art, mit der junge sächsische Bedienungen die Aufgaben mit den „Oldies“ aus Hamburg angehen, gefällt. Etwas frech, aber freundlich, der Abend ließ ältere Hamburger Seelen für einige Stunden noch einmal jung werden. Da schmecken dann auch noch ein paar Quarkbällchen und ein Glas Radeberger Pils mehr.
Was in Erinnerung bleibt, ist nicht nur das imponierende Stadtbild Dresdens. Die Stadt lebt mit ihrer Geschichte und entwickelt sich mit ihr wie keine andere Metropole der Ex-DDR. „Wir kommen wieder“, sind sich auch Christel Beyer (70) und die hanseatischen Senioren um sie sicher. Man muss hier in der Tat kein Historiker sein. Die Fähigkeit, das Schöne zu sehen und zu genießen, reicht allemal.
K. Karkmann © SeMa
Bei Kreuzfahrten haben Kunden die Qual der teuren Wahl
Die Städte rauschen auf einem Flusskreuzfahrtschiff quasi im Liegen vorbei
– hier Koblenz.
© Klaus Karkmann
Nur: Kostspielig ist der Spaß so oder so – als Alleinreisender rückt dieses Problem in den Mittelpunkt der sehnsüchtigen Pläne. „Natürlich würde auch ich gern mal eine Kreuzfahrt machen, am liebsten auf einem Fluss. Bloß es ist mir einfach zu teuer – auch in der Doppelkabine“, sagt die Hamburgerin Helene Bahr (76) ganz offen. Wie ihr geht es vielen Senioren und anderen Freunden der Seefahrt.
Und trotzdem: Das Konzept von Kreuzfahrten zieht immer mehr. Das Hotel immer dabei, frische Luft und Kulinarik bis zum Abwinken – von den anderen Annehmlichkeiten an Bord ganz zu schweigen. Diese Art zu reisen ist etwas für Genießer, die sich gern bedienen lassen und sich gern Programme sowie Führungen gestalten lassen – quasi das Gegenteil zu Aktiv-Urlaubern. Eben für die Generation 60plus passt das umso besser, wenn man denn fähig und bereit ist, den Geldbeutel weit zu öffnen ... „Kreuzfahrten sind der Hit. Ich würde auf jeden Fall auch in eine Doppelkabine gehen, um so etwas zu erleben“, schwärmt Bärbel Dethloff (70) aus Hamburg-Farmsen exemplarisch für viele Bestager.
Mögen Kreuzfahrten für Jung und Alt mit passendem Portemonnaie infrage kommen, ist das Ganze oft doch eher auf gesetzte Menschen zugeschnitten. Gerade auf einem Flusskreuzfahrtschiff ist eben während der Fahrt die Abwechslung begrenzt, man muss ich mit sich selbst beschäftigen können (siehe Nebentext Vor- und Nachteile). Der Blick auf das weite Meer oder die vorbeiziehende Landschaft entschädigt – nur muss man das über Stunden oder sogar über Tage mögen. Da hat man dann freilich genug Zeit zu träumen – in der Gewissheit, dass man in der Realität dabei ist.
Riesige Kreuzfahrtschiffe mit Kabinen für mehr als 3000 Personen sind oft im Hamburger Hafen zu sehen.
© Klaus Karkmann
(Diese Gegenüberstellung mag nicht jedermann teilen, sie ist eine subjektive Meinung des Verfassers.)
Gemeinsame Vorteile von Kreuzfahrten
• Einmaliges Erlebnis an Bord
• Tolles Essen in jeglicher Beziehung
• Man wird von Ort zu Ort mit Hotelzimmer gefahren
• Viel frische Luft an Deck
• Gerade bei Einsamkeit viele Ansprechpartner
• Unterhaltungsangebot
• Ausflüge individuell möglich, dadurch billiger
• Geselligkeit
• Guter Service
• Viele Ausflüge im Angebot
Gemeinsame Nachteile von Kreuzfahrten
• Sehr hoher Grundpreis
• Eigentlich lohnend nur mit Außenkabine, französischem Balkon oder Balkon. Dann aber eben sehr teuer, aber immer zuerst ausgebucht. Das wissen die Anbieter.
• Sehr großes Problem EZ zu erhalten, bzw. sehr teuer
• Partner für Doppelkabine sollte gesucht werden
• Ausflüge und Zusatzleistungen teuer
• Man muss die Zielgruppe mit relativ wenig eigenem Antrieb/Aktivität mögen
• Bei Hochsee: Seekrankheit
Vorteile einer Hochseekreuzfahrt
• Mehr große, weite Welt
• Internationale Häfen
• Gefühl von Meer und Freiheit
• Mehr Möglichkeiten an Bord, da größeres Schiff (Sport, Shows, Disco und andere Aktivitäten)
• Größere Pools/Saunen/Wellness
• Größere Kabinenauswahl
• Große Hafenstädte in Europa oder Übersee
• Von oben (oft 12 Decks oder mehr) besserer Überblick
Nachteile einer Hochseekreuzfahrt
• Seekrankheit
• Ausflüge teurer, wie komme ich in die Städte?
• Große Masse an Menschen (an Bord bis zu 5000), Chaos, Unwohlfühlen in der Masse
• Essen in der Masse
• Anonymität in der Masse
• Zurechtfinden auf dem Schiff
Vorteile einer Flusskreuzfahrt
• Kleinerer Personenkreis
• Ein-/Ausschiffen einfacher
• Keine Hochseekrankheit
• Schiffe halten an Flüssen mitten in der Städten
• Jeden Tag an Deck rauschen schöne Landschaften vorbei
• Tolle Fotomotive
• Mehr Sicherheitsgefühl, da „in Nähe des Festlandes an den Ufern“
• Besser für Rollstühle und Rollatoren (da nur zwei oder drei Stockwerke und Schiff in die Länge gezogen). Aufgepasst: Aufzüge nicht auf jedem Flusskreuzfahrtschiff vorhanden.
• Radfahren in Städten und an Flussufern, Flussradwege
Nachteile einer Flusskreuzfahrt
• Vermehrt alte und unflexible Teilnehmer
• Kosten für das, was geboten wird, noch höher
• Nicht so viel Abwechslung an Bord wie auf Hochseekreuzfahrtschiffen
• Außenkabine (mit Balkon, französischem Balkon) lohnend, aber eben sehr teuer.
• Nicht so spektakuläre Häfen/Städte.
• Mehr ländliche Gebiete
Klaus Karkmann © SeMa
Flusskreuzfahrtschiffe legen direkt in der Mitte der Städte an (z. B. in Köln am Rhein und an der Mosel).
© Klaus Karkmann
Man wird ja wohl träumen dürfen. Für viele Menschen im Senioren-Alter ist eine schöne Schiffkreuzfahrt aus verschiedensten Gründen im Leben eine Utopie geblieben. Nun aber, wo das Ersparte auf den Kopf gehauen werden soll/kann, keine zeitlichen Zwänge mehr bestehen und die Alternativen immer größer werden, soll es so weit sein. Aber was nun konkret? Die typische Hochseekreuzfahrt, vor einigen Jahrzehnten noch ein Privileg der oberen Zehntausend, oder aber die immer mehr Liebhaber findende Flusskreuzfahrt: Der maritime Oldie hat die Qual der (immer noch recht teuren) Wahl. Was lohnt sich, was passt? Das Senioren-Magazin (SeMa) versucht, bei der Entscheidung zu helfen.
Reisekatalog in der Hand und ein Hauch von Fernweh in den Augen. „Ich könnte mir beides gut vorstellen, das wäre so oder so toll“, sagt Monika Hartwig (77) und blickt sehnsüchtig auf die Prospektfotos. Die Hamburgerin ist rüstig und abenteuerlustig genug, an Bord noch einmal in die Ferne zu schweifen. Aber genau wie sie standen im Jahr 2022 insgesamt 3,2 Millionen deutsche Kreuzfahrtfans vor der Frage: hohe See oder breiter Fluss? Die Tatsache, dass sich die große Mehrheit für die weite Welt auf den Meeren entschied, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die Flusskreuzfahrt immer beliebter wird (siehe Vor- und Nachteile im nebenstehenden Text).
Der Kreuzfahrtboom in Zahlen
Im Jahr 2022 haben insgesamt 3,2 Millionen deutsche Kreuzfahrtpassagiere eine Schiffsreise unternommen, davon rund 2,5 Millionen eine Hochseekreuzfahrt und etwa 644 800 eine Flusskreuzfahrt.
Im Jahr 2022 unternahmen rund 20 Millionen Passagiere weltweit eine Kreuzfahrt. Damit näherte sich der globale Kreuzfahrtmarkt weiter dem Niveau vor Ausbruch der Corona-Pandemie an. In den Jahren 2020 und 2021 kam es infolge der Pandemie zu einem historischen Einbruch der Passagierzahlen in der Kreuzfahrtbranche weltweit.
Rund 40 Prozent der weltweiten Kreuzfahrtschiffe wurden in naher Vergangenheit in der Karibik, den Bahamas oder im Überseegebiet Bermuda eingesetzt, damit ist das Gebiet das beliebteste Fahrtgebiet weltweit,
• Siehe immer aktuelle Informationen zu Kreuzfahrten ONLINE
Straßburg ist ein Genuss für Augen und Gaumen gleichermaßen
La Petite France.
La Petite France: Zuerst kam die Syphillis
Im, wörtlich übersetzt, „kleinen Frankreich von Straßburg“ drängen sich dicht an dicht Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sie hatten und haben weiträumige Innenhöfe und hohe Spitzdächer, welche sich über die offenen Dachböden spannen, in denen früher die gegerbten Häute zum Trocknen aufgehängt wurden. Durch das Viertel ziehen sich der Fluss Ill und drei kleine Kanäle. Mit Ausflugsbooten durchfährt man das Viertel und einige Schleusen. Früher soll das Viertel La Petite France ein eher unbeliebter und finsterer Stadtteil gewesen sein, denn die Häute und Felle der Gerber verbreiteten einen strengen Geruch. Im Mittelalter fanden hier auch Gauner und Banditen Unterschlupf, und angeblich wurden hier viele dunkle Ge-schäfte gemacht – auch ein reges Rotlichtmilieu soll hier gewesen sein. In dem Viertel befand sich zudem ein Militärkrankenhaus, in dem Soldaten von Syphillis – damals als Franzosenkrankheit bezeichnet – geheilt wurden. Daher rührt auch der Name Petite France.
In den engen Gassen des Viertels La Petite France drängen sich die Touristen.
Und es ist auch nicht schwer, das faszinierende Gerberviertel zu erkunden und lieben zu lernen. Die Wege sind kurz, die gemütlichen Weinlokale, in denen es natürlich auch Flammkuchen und Sauerkraut in allen Variationen gibt, lieb zu gewinnen. Die enge Bauweise sorgt für viel Schatten, den man in Straßburg auch braucht. Wer es noch einfacher haben will, nimmt ein Ausflugsboot mit Panorama-Dach oder als Cabrio auf der Ill, deren Arme Le Petit France umfassen. Aber: Die Plätze in den Booten sind begehrt, die Schlangen lang.
Vom Andrang her gibt es freilich noch eine Steigerung: Wer das Wahrzeichen der Stadt, das Straßburger Münster (Kastentext linku), besuchen will, braucht Geduld. Schon morgens bei der Öffnung um 8.30 Uhr hat sich eine Schlange gebildet, auch hier sind die Asiaten in der Poleposition. Aber es lohnt sich. Eine Hamburger Kleingruppe kommt in dem großen Kirchenschiff aus dem Staunen nicht heraus. „Mein Gott, sind das Dimen-sionen“, sagt eine Seniorin aus der Hansestadt. In der Tat: Platz herrscht wie in einer Großsporthalle. Nach allen diesen Eindrücken fällt es nicht schwer, sich in einem der Weingärten, Cafés, Patisserien, Bistros, oder Restaurants niederzulassen. Eine der 20 Sorten Flammkuchen, die überall angeboten werden, wird schon schmecken, daneben gibt es genügend andere Kulinarik, die auch noch passen könnte (siehe Kastentext unten). Niemand wird Straßburg hungrig verlassen, das ist mal sicher.
Flammkuchen.
Straßburg in Kürze
• Kulinarische Spezialitäten: Flammkuchen in allen Variationen. Hähnchen in Rieslingsauce, Sauerkraut mit Fisch, Guglhupf mit Walnüssen und Speckwürfeln, Winzersalat.
• Europaparlament: Führungen durch das Europaparlament sind für Gruppen von 10 bis 50 Personen ausgerichtet. Für Einzelbesucher gibt es eine begrenzte Zahl an Plätzen während der Plenartagungen. Besucher müssen mindestens 14 Jahre alt sein.
• Bahn-Anfahrt nach Straßburg: Die Anreise mit der Bahn aus Hamburg nach Straßburg dauert rund 7,5 Stunden. Es ist ein Umstieg kurz vor dem Ziel in Offenburg notwendig.
• Internet: Informationen für Touristen im Internet unter ONLINE
Klaus Karkmann © SeMa
Straßburger Münster.
Natürlich hat diese Stadt (knapp 300 000 Einwohner), immerhin das Zentrum Europas, noch mehr zu bieten (siehe Übersicht unten). Die äußeren Stadtteile imponieren durch eine hochmoderne Bauweise in teilweise futuristischem Stil, dort kommen auch die Radler auf ihre Kosten, Straßburg ist in Sachen Radwege ein Vorreiter in Frankreich – zudem lockt der Rheinradweg auf der Grenze zu Deutschland.
Insgesamt ist die elsässische Großstadt eine gute Mischung aus Kultur, französischer Lebensfreude und Lockerheit. Die Menschen sind zugänglich, das Wetter ist meist sehr freundlich und zu sehen gibt es wirklich genug. Nur: Auf die Waage sollte man nach der Rückkehr zu Hause vielleicht nicht gleich schauen. Das „Le Savoir vivre“ könnte deutliche Spuren hinterlassen haben.
200 Jahre das höchste Bauwerk der Menschheit
Das Liebfrauenmünster zu Straßburg, wie die korrekte Bezeichnung für die bekannteste der Straßburger Sehenswürdigkeiten lautet, ist mit seinen 112 Metern Länge und einer Breite von über 51 Metern eines der größten existierenden Sandsteingebäude der Welt. Mehr als 200 Jahre lang galt das Straßburger Münster mit seinem 142 Meter hohen Nordturm sogar als das höchste Bauwerk der Menschheit. Der Südturm der Kathedrale wurde nie gebaut, was dem römisch-katholischen Gotteshaus seine heutige markante und asymmetrische Form verleiht.
Fachwerkhäuser und die Kanäle der Ill, auf denen die Ausflugsboote verkehren, prägen das Bild der Altstadt Straßburgs.
Man ist noch an der deutschen Grenze, aber eigentlich schon mitten in Frankreich. Wer die Altstadt der elsässischen Metropole Strassburg besucht, spürt sofort das „Savoir vivre“, die Kunst, das Leben zu genießen. Das fällt in den Gassen unter dem alles überragenden Münster nicht schwer, spektakuläre Sehenswürdigkeiten und die Düfte der einheimischen Küche bedienen den Touristen von allen Seiten.
Es ist kein großes Wunder, dass eben die Scharen in die Straßburger Altstadt, besonders in das Gerberviertel La Petite France (siehe Text unten rechts) strömen. Und so sind die Auswirkungen des Massentourismus in den engen Gassen des Fachwerkviertels zu spüren. Gerade sind zwei 25er-Gruppen Amerikaner von einem Flusskreuzfahrtschiff – Audio-Stöpsel brav in den Ohren – vorbei, kommt eine Anhäufung Asiaten um die Ecke. Auch die Touristen aus dem Fernen Osten haben Probleme: Flammkuchen in der Hand und die Kamera vor den Augen sind nicht leicht in Einklang zu bringen. Aber irgendwie klappt das schon.
Es platzt aus allen Nähten und bleibt doch einmalig!
Der Eiffelturm, Wahrzeichen von Paris und ganz Frankreich.
Ob nun der Louvre, Notre Dame, der Champs-Élysées oder natürlich der Eiffelturm: Paris hat so viele berühmte Bauwerke wie Kunst oder Geschichte zu bieten, ganz zu schweigen von den kulinarischen Genüssen in der französischen Metropole. Es ist dabei genauso überlaufen wie überteuert, genauso arrogant wie liebenswert. Gerade Senioren müssen gut zu Fuß sein und ein bisschen Rente gesammelt haben, um in der Stadt der Städte das Savoirvivre (die Kunst, leben zu können) zu genießen. Stimmen diese Voraussetzungen, ist die Stadt an der Seine aber immer noch das Nonplusultra, Stimmung und Lichter suchen ihresgleichen.
C’est la vie. Ihre norddeutschen Schultern zucken, als sich die Hamburger Rentnerin dem unfassbaren Gedränge in der Pariser Metro stellt. Oui, es ist ja Silvester, die französische Metropole ist von Touristen geradezu besetzt, aber „das sei dann doch ziemlich normal“, lässt die Reiseführerin, selbst seit 15 Jahren in Paris lebend, wissen. Na ja, das, was die deutsche Touristengruppe, in der Mehrzahl 50 plus, in ihren Tagen zwischen Triumphbogen, Eiffelturm, Notre Dame erlebt, entschädigt allemal. Paris bietet wirklich das, was sein Ruf verspricht – und das in mehrfacher Hinsicht.
Trotzdem: Ein Blick in den obligatorischen Reiseführer reicht, um zu sehen, dass man das alles gar nicht schaffen kann. Ob der Louvre, die rund 2,5 Kilometer lange Champs-Élysées, vom Place de la Concorde bis zum Triumphbogen, ob das Künstler-Viertel Monmartre oder der Invalidendom, allenfalls eine längere Hop-on-hop- off-Tour mit dem Sightseeing-Bus kann etwas Überblick verschaffen. Trost gibt da der Umstand, dass das wahre Pariser Lebensgefühl (Le Savoir-vivre) nicht unbedingt in den Auslagen bei Louis Vuitton (der Stern unter den Nobelgeschäften), Guerlain, Cartier oder Hugo Boss zu finden ist.
Mehr Paris geht nicht: Montmartre
Das Künstlerviertel Montmartre ist ein Beispiel dafür, was Pariser Stimmung bedeutet. Aber aufgepasst: Montmartre ist eigentlich nicht Paris, es ist historisch (darauf legen dort alle wert) ein eigenständiges Dorf außerhalb der Metropole.
Man kann es mit der Metro leicht erreichen (über die Stationen Anvers/Linie 2, oder Abbesses/Linie 12). Aber bitte früh starten, sonst steckt man fest, und auch gut zu Fuß sollte man sein (vergleichbar mit Blankenese). Dann aber taucht man ein in das typisch französische (Dorf-)Leben mit den Künstlerateliers, den kleinen Läden, den Gassen, Cafés und den Menschen, die dort schon etwas Besonderes sind.
Oben angkommen, wird es dann wieder voller, der Touristen-Mob vor der auf dem Gipfel hell leuchtenden weißen Sacre Coeur ist unübersehbar. Wer dort rein will, muss sich schon am Vormittag schön hinten anstellen.
Wieder unten, ist dann das Sexgewerbe und die bekannte Moulin Rouge nicht weit – der Besuch einer Tanzaufführung würde allerdings wieder ein tiefes Loch in die Geldbörse reißen (bis zu 200 Euro pro Ticket).
Die Deckendekoration des berühmten Kaufhaueses La Fayette lässt erahnen, wie viel Prunk in Paris zu sehen ist. Foto © Klaus Karkmann
Anreise (Bus, Bahn, Flugzeug)
Die Anreise mit dem Bus von Hamburg nach Paris dauert immerhin bis zu 15 Stunden. In Paris selbst ist ein eigener Bus nur bedingt nützlich, denn das Vorankommen im Stadtverkehr ist für alle schwierig, Parkplätze gibt es kaum. Hin und zurück dürfte ein Preis von 140 Euro insgesamt realistisch sein.
Der Flughafen Charles de Gaulle, in dem die Paris-Touristen landen, liegt etwas 25 Kilometer außerhalb der Stadt. In die City geht es dann mit der Metro. Der Flug von Hamburg nach Paris dauert rund 1 Stunde und 45 Minuten. Es sind günstige Flüge für insgesamt unter 150 Euro zu finden.
Mit der Bahn dauert es von Hamburg nach Paris rund 7,5 Stunden, der Preis aber ist höher. Bis zu 300 Euro hin und zurück sollte der Tourist veranschlagen, ist dann in Paris aber gleich in der City.
Karten für Sehenswürdigkeiten
Wer in Paris den Louvre oder den Eiffelturm (mit Fahrstuhl) besichtigen will, sollte sich vorher Tickets im Internet besorgen. Vor Ort gibt es äußerst lange Wartezeiten
Essen/Gourmet
Paris ist kulinarisch der Hit, von Baguette bis zur Zwiebelsuppe lohnt sich alles. Nur sollte man nicht unbedingt im Zentrum oder gar unter dem Eiffelturm oder am Champs-Èlysées essen. Dort können für zwei Personen dann auch mal bis zu 300 Euro anliegen. Vor allen Brasserien sind wesentlich günstiger.
Radfahren in Paris
Paris ist wegen des Verkehrs und auch fehlender Radwege nicht unbedingt eine Radlerstadt. Anders ist das an der Seine, wo herrliche Radwege warten und es auch jede Menge Verleihstationen (sogar E-Bikes) gibt. Das lohnt sich für den Radler schon, zumal auf den Routen viele Sehenswürdigkeiten liegen.
Paris-Tipps im Internet
• https://www.frankreich-trip.com/paris/ • https://de.parisinfo.com/ (Fremdenverkehrsamt Paris)
Klaus Karkmann © SeMa
Teuer aber begehrt. Auf der Champs-Élysées bilden sich regelmäßig Schlangen vor den Luxusgeschäften, hier bei Dior. Foto © Klaus Karkmann
Ob Rue, Boulevard oder gar Avenue, die wahre Pariser Stimmung liegt zwischen den gut erhaltenen Altbauten mit ihren typischen Cafés. Also lieber mal ein Baguette in der Nebenstraße essen, als für 200 Euro pro Person (ja, das ist durchaus möglich) Meeresfrüchte am Nobelboulevard zu speisen.
Mag Paris sehr teuer sein, die Schlangen vor den Nobelläden und den Feinschmeckerlokalen zeigen, welches Klientel die Stadt an der Seine aufsucht: sehr viel Gäste aus dem asiatischen Raum oder dem Nahen Osten lassen Euro hier – und davon nicht zu wenige. Schnell ist dann auch die deutsche Touristin Gabi Rakebrand (56), angereist aus Braunschweig, wieder in einer Seitengasse. „Mir gefällt vor allen Dingen die Baukultur, hier ist im Krieg eben viel stehen geblieben“, schwärmt sie. Und dazu gehören auch die vielen Sehenswürdigkeiten – aber eben nicht nur die.
Um diese genau und ruhig beobachten zu können, ist auf jeden Fall eine Fahrt auf der Seine empfehlenswert. Wie an der Schnur aufgereiht liegen Notre Dame (soll nach dem Brand wohl Ende 2024 endgültig renoviert sein), der Louvre, der Invalidendom, der Grand Palais und natürlich der Eiffelturm an der Strecke. Auch wenn es Boote genug gibt, in Paris ist langes Anstehen (leider) inklusive. Und das Gedränge in der Metro auf dem Rückweg ist auch kein Balsam für die Touristenfüße.
So oder so: Paris mag teuer sein, die Anreise doch ziemlich lang, und die Fitness des Senioren ist Pflicht, aber lohnen tut sich die französische Hauptstadt in der Nach-Corona-Zeit nach wie vor. Eine Erholungsurlaub sind die Tage dort nicht, aber wer will sich in Paris schon erholen. C’est la vie.
– Tagesfahrten mit Rollator
Das frühsommerliche Wetter lockt derzeit alle aus der Wohnung – wer aber nicht mehr so gut zu Fuß ist, hat oft das Nachsehen. Gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Bus75, der sich auf barrierefreies Reisen spezialisiert hat, weitet der bekannte Busveranstalter Reisering Hamburg sein Portfolio aus und bietet ausgewählte Tagestouren für alle Gäste an, die nicht mehr ganz so schnell unterwegs sein wollen oder können, frei nach dem Motto „Schritt für Schritt entspannt – komm mit“.
Gemeinsam mit max. 25 Gästen und zusätzlicher Reisebegleitung geht es z. B. am 12. Juni nach Travemünde: Der Bus startet von Hamburg-ZOB, Bergedorf und Ahrensburg zum Schiffsanleger in Lübeck, wo ein modernes, barrierefreies Ausflugschiff die Gruppe aufnimmt und nach Travemünde bringt. Dort angekommen, wird das einstige Fischerdorf per Bimmelbahn erkundet. Anschließend hat man ausreichend Zeit zur freien Verfügung, um auf der breiten Promenade am Meer dem bunten Treiben zu Wasser und zu Lande zuzuschauen. Wer mag, kann sich natürlich auch ein Fischbrötchen gönnen oder Kaffee und Kuchen genießen.
Weitere Tagesausflüge auf „die langsame Tour“ gehen z. B. am 20. Juli auf den Alpaka-Hof Pura Vida oder am 30. August zur NordArt nach Büdelsdorf.
Weitere Infos und kostenloser Minikatalog unter: Reisering Hamburg RRH GmbH Adenauerallee 78 (ZOB) • 20097 Hamburg • Tel: 040/280 39 11 • www.reisering-hamburg.de
Wunderbares Prag! Nach dem Arbeitsleben haben viele Senioren genügend Zeit zum Reisen. Dabei stehen Städtereisen hoch im Kurs. Kurz, interessant, recht günstig und auch für die ältere Generation geeignet sollen sie sein. Das Senioren-Magazin testet in einer Serie, welche europäischen Städte diese Anforderungen erfüllen – oder auch nicht. In der ersten Folge geht es um Prag in der Weihnachtszeit.
Zwischen Kunst und Knödel
Hauptsache gutes Schuhwerk. Wer Prag wirklich kennenlernen will, der sollte sich auch in fortgeschrittenem Alter zu Fuß auf den Weg machen. Aber ob Karlsbrücke, Altstädter Ring, Wenzelsplatz oder Petrin: Das Kopfsteinpflaster ist so anstrengend zum Laufen, wie die historischen Bauten und Kunstwerke beeindruckend sind. Es mag sein, dass es modernere Städte gibt oder dass die großen Superla-tive in der Stadt an der Moldau fehlen.
Die Atmosphäre, die Behaglichkeit und die Historie auf der Linie zwischen Ost und West, die an jeder Ecke zu spüren ist, entschädigen dafür.
Mit großen aufgerissenen Augen steht zum Beispiel die Hamburgerin Monika Philippsen (76) an ihrem ersten Prag-Abend zwischen den Weihnachtsbuden auf dem Altstädter Ring. „Diese Stadt fasziniert sofort mit einer unvergleichbaren Atmosphäre“, sagt die Seniorin aus Hamburg-Niendorf. Sie hatte sich mit einigen gleichaltrigen Senioren aus der Hansestadt die Prag-Reise zur Weihnachtszeit gegönnt und weiß schon nach einigen Stunden – sie hat nichts falsch gemacht. Langsam wandern sie durch die engen Gassen – natürlich voll von Weihnachtstouristen – Richtung Moldau. Gleich am ersten Abend soll es dann auch noch zur Karlsbrücke gehen, der Senioren-Tross zieht staunend weiter.
Wer in Prag – insbesondere zur Weihnachtszeit – Atmosphäre schnuppert, der ist schnell beim Thema Essen und Genuss. „Das Angebot an Essen ist hier mal etwas ganz anderes, sehr vielfältig“, urteilt zum Beispiel die Hamburgerin Marianne Grieger (72) beim Gang Richtung Moldauufer. Natürlich: Wer das Überangebot an verschiedenen Würsten oder anderen böhmischen Spezialitäten (zum Beispiel Knödel, Rouladen oder Kartoffelsuppe) in Angriff nimmt, merkt sofort: Die Waage sollte in den kommenden Tagen eher gemieden werden. Unsere Hamburger Seniorengruppe jedenfalls weiß schon am ersten Abend nicht, ob sie nun die alten Gebäude bestaunen, sich den Gaumenfreuden hingeben oder den ebenfalls für Prag typischen Straßenmusikanten lauschen soll. Für die „Oldies“ aus dem Norden bleibt am Ende nur ein Gemisch aus Ohnmacht und Augen reiben.
Und das mit den faszinierenden Gebäuden ist kein Zufall: Prag ist ein urbanes Lehrbuch für Architektur. Romanische Kirchen und Souterrains, gotische Dome, barocke Paläste und Gärten, mondäne Jugendstilbauten und einzigartige kubistische Architektur machen aus ihr einen Ort, der seinesgleichen auf der Welt sucht. Niemand muss ein Kenner der einzelnen Baustile sein, um die architektonische Vielfalt der tschechischen Hauptstadt genießen zu können. Unsere Hamburger Senioren jedenfalls kriegen den Mund vor Staunen gar nicht mehr zu – es sei denn, es gibt wieder eine leckere Spezialität zu essen.
Die tschechische Metropole ist – obwohl längst zu einer der großen Attraktionen in Europa aufgestiegen – in finanzieller Hinsicht durchaus noch in einem bestimmten Rahmen zu genießen. Dazu passt es, dass Menschen im Alter über 70 Jahren die sehr gut ausgebaute Metro (U-Bahn) und Busse kostenlos nutzen können (siehe Beitrag nebenstehend). Und die Metro – besonders deren Bahnhöfe tief unter Prag – sind schon wieder eine Attraktion für sich. Säulen, Kacheln und eben ab und zu ein Geiger oder Trompeter lassen bei den hanseatischen Touristen schon wieder den Atem stocken. So typisch Großstadt ist das eigentlich nicht.
Wer Prag richtig erleben will, sollte also gut zu Fuß sein und auch ein bisschen abenteuerlustig. So manche Gaststätte, in der es dann besonders gemütlich wird, ist versteckt und erschließt sich erst im Inneren. Wenn die böhmischen Spezialitäten dann jedoch auf dem Tisch sind – dazu vielleicht ein leckeres, in Prag besonders günstiges Bier –, ist der Bann gebrochen. Und die Waage hat dann eben auch mal Urlaub.
Freie Fahrt in der U-Bahn
Alle Senioren im Alter über 70 Jahre können in Prag kostenlos fahren. Und dies gilt nicht nur für die U-Bahn, sondern auch für Busse, Straßenbahnen, die Moldau-Fähren und für die Seilbahn auf den Petřín-Hügel. Sie brauchen dazu allerdings einen Ausweis der Prager Verkehrsbetriebe – den Průkazka PID (gegebenfalls die Opencard mit der entsprechenden Applikation PID). Dieser wird in jedem Informationszentrum der Prager Verkehrsbetriebe umgehend ausgestellt. Der Fahrgast muss dazu ein Passfoto vorlegen und 20 Kronen (80 Eurocent) zahlen.
• Prag ist mit der Bahn von Hamburg-Hauptbahnhof aus direkt (über Berlin) zu erreichen. Die Fahrtzeit beträgt gut sechs Stunden.
• Auskünfte vor der Prag-Reise erteilt die Tschechische Zentrale für Tourismus, Große Friedberger Straße 6, 60313 Frankfurt, Telefon 069/21 99 85 87 oder Wilhelmstraße 44, 10117 Berlin, Telefon 030/ 2 04 47 70
• Informationen im Internet unter www.czechtourism.com
K. Karkmann © SeMa
Ein Fischmarkt mitten in Thüringen. Ob bedeutende Historie oder Technikzentrum: Erfurt lohnt sich!
Nach dem Arbeitsleben haben viele Senioren genügend Zeit zum Reisen. Dabei stehen Städtereisen hoch im Kurs. Kurz, interessant, recht günstig und auch für die ältere Generation geeignet soll es sein. Das Senioren-Magazin testet in einer Serie, welche europäischen Städte diese Anforderungen erfüllen – oder auch nicht. In dieser Folge geht es um die thüringische Landeshauptstadt Erfurt und die Nachbarstadt Weimar.
Im Auge den riesigen Domplatz, in der Nase den Duft der Thüringer Bratwurst von der Bude nebenan und gleich um die Ecke der Fischmarkt. Der neugierige Städtetourist kommt in Erfurt in jeder Beziehung auf seine Kosten. Gerade auf dem Fischmarkt, historisch ein Mittelpunkt der heute 210.000 Einwohner zählenden Stadt, hat die örtliche Stadtführerin dem Tross von Senioren jede Menge zu erklären.
Dabei geht es weniger um Aal, Makrele oder Heilbutt als um die Fronten der angrenzenden Häuser. „Sie sehen hier fünf verschiedene Baustile an sechs Gebäuden“, illustriert sie das
imponierende historische Ensemble. Ihre Zuhörer hatten sich unter Fischmarkt eigentlich etwas anderes vorgestellt. Aber aufgepasst, es naht ein quietschendes Ungetüm in zwei Schienen: Die Senioren-Gruppe muss einer der alten Straßenbahnen, die die autofreie Altstadt durchqueren, weichen. Das Klingeln der Tram passt gut zum Glockenspiel, das regelmäßig von einer der insgesamt 25 Pfarrkirchen Erfurts zu hören ist.
Überhaupt Straßenbahn: Eine Stadtrundfahrt durch die thüringische Metropole, bedeutsam anno 2019 auch als Messestandort und Technologie-Zentrum, wird hier auf Schienen an Bord eines alten Vehikels durchgeführt. In aller Ruhe passiert man den Dom, die Krämerbrücke, die Zitadelle Petersberg und natürlich die restaurierten Bürgerhäuser, die Erfurt zu etwas ganz Besonderem machen. “Eine wirklich interessante und sehenswerte Stadt“, staunt eine 69-jährige Hamburgerin, die für drei Tage auf Besuch in Erfurt und Weimar (rund 25 Kilometer entfernt) ist.
Während die Landeshauptstadt zwar auch durch das historische Gesamtbild fasziniert, ist sie aber wesentlich mehr. Ob innovative Technik, Einkaufsmeilen, große Hallen (die Messehalle hat zum Beispiel bis zu 6000 Sitzplätze): Erfurt boomt und von einem „östlichen Grauton“ der Vergangenheit ist absolut nichts mehr zu sehen. Es ist verständlich, dass der von seiner eigenen Stadt sichtlich angetane Stadtführer in der alten Straßenbahn immer wieder sagt: „Eine tolle Stadt in diesem wunderbaren Lande.“
Aber „das wunderbare Land“ hat noch mehr zu bieten. 25 Kilometer entfernt spricht der Eindruck in Weimar allerdings eine ganz andere Sprache. Auch hier ein durch die Bürgerhäuser imponierendes Stadtbild, das aber zwei historischen menschlichen Größen an Bedeutung zu weichen hat: Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Sie wohnten beide lange in Weimar – und das nicht weit voneinander entfernt. Besonders Goethes Wohnhaus – inklusive dem Garten und Gartenhaus – ist lohnend, bei schlechtem Wetter allerdings auch sehr gut mit Touristen gefüllt. In Weimar lauern Goethe und Schiller an jeder Ecke – und werden dementsprechend vermarktet.
Die Kombination Erfurt/Weimar lohnt sich gerade für Senioren mit Interesse für die deutsche Vergangenheit auf jeden Fall. Beide Städte haben jeweils übersichtliche Innenstadtbereiche, aus denen die Autos verbannt sind – in Erfurt ist dazu das Straßenbahn-Netz gut überschaubar. Kulinarisch gibt es ohnehin kein Problem – und wenn es nur eine (oder mehrere) Thüringer Bratwürste auf dem Domplatz sind.
In vier Stunden mit der Bahn von Hamburg nach Erfurt:
Erfurt ist Bahn-Knotenpunkt und daher auch von Hamburg mit der Bahn gut zu erreichen. Die Fahrtzeit beträgt mit dem ICE unter vier Stunden (bei einem Umstieg).
Informationen im Netz:
www.erfurt-tourismus.de und
www.weimar.de/tourismus/tourist-information-weimar/
Text und Fotos: Klaus Karkmann © SeMa
Zwei Länder, zwei lohnenswerte Ziele: Kopenhagen und Malmö
Immer mit der Ruhe. Wer sich auf Städtereise nach Skandinavien begibt, ist nicht unbedingt der Pistengänger oder Partyschreck. Okay: Kopenhagen hat mit Nyhavn ein Kneipenviertel der ersten Klasse zu bieten, und auch die Schweden lassen in Malmö nicht unbedingt einen Drink warm werden. Aber beide Städte, die durch die gewaltige Brücke am Öresund verbunden sind, haben ihre eigene Philosophie – und sind allemal eine Reise wert.
Hektik mögen die Dänen gar nicht, und selbst ihre Hauptstadt ist cool und entspannt. So breit die Radwege in der Metropole der Biker sind, so diszipliniert sind ihre Benutzer. Ähnlich sieht es aus im Alten Hafen vor den Fassaden der alten Giebelhäuser, am Runden Turm oder sogar in der Ströget, der nach wie vor längsten Einkaufsmeile Europas. Es mag zwischen den lockenden Läden schon mal viele Menschen geben, es werden unterschiedliche Sprachen gesprochen, aber die typische Touristen-Hektik bleibt außen vor – wie auch immer die Dänen das schaffen. „Die Ruhe und Entspannung hier tut mir sehr gut“, sagt zum Beispiel die Hamburgerin Elsbeth Fischer, 71, die mit einer Gruppe für fünf Tage den Öresund und die beiden Städte besucht. An Bord des offenen Cabrioschiffes, das sich durch den Hafen und die Kanäle schiebt, registriert der aufmerksame Beobachter: Eigentlich geht es hier allen so. Man versteht schon, dass die Dänen das glücklichste Volk Europas sein sollen – wie auch immer man das messen kann.
Dabei bietet die Stadt selbst jede Menge Historie, die aber erst gesucht werden muss. „Die historischen Schätze sind hier alle etwas verborgen, aber auf jeden Fall hat man jede Menge Wasser“, schildert Hans-Jürgen Graf (83, Hamburg-Rissen) seine positiven Eindrücke. Er und seine Gattin Jutta, 76, genießen Kopenhagen in aller Ruhe, hanseatisch – und damit eben auch ein bisschen dänisch. Selbst das alte Vergüngungsviertel Tivoli nimmt die Hamburger Gruppe mit, gröhlende Pistenrowdys oder eine feiernde Partymeute sind aber auch hier nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die jungen Dänen (wo sind in der Stadt eigentlich die Älteren?) sind zuvorkommend und höflich. Und: Englisch sprechen eigentlich alle – nur die von Hobby-Fotografen umzingelte kleine Meerjungfrau, die bleibt stumm.
Die Mentalität ist eine lange Brücke und ein Land weiter in Malmö nicht viel anders. Nur: Malmö ist im totalen Umbruch. Und das nervt so manchen Touristen. „Eigentlich ist das hier wie die Hafencity in Hamburg, jede Menge Baustellen“, schildert zum Beispiel Carin Gebhardt (70, ebenfalls aus Hamburg) ihre ersten Eindrücke. Eher langweilig sei die Stadt. Das mag wegen des vielen Platzes so sein, aber wer sich von den unzähligen Baukränen entfernt und den Weg in die Altstadt Malmös wagt, sieht auch viele schöne historische Gebäude. Zugegeben: An Kopenhagen kommt es aus Touristensicht nicht heran, aber einen Abstecher ist es schon wert. Im Zug zurück über den Öresund bleibt allerdings die Erkenntnis, dass die Kombination Kopenhagen/Malmö eine lohnende ist. Eben Skandinavien pur, Understatement und Fortschritt in einem. Und selbst die Hektik, die für den deutsche Touristen oft dazugehört, kommt dann in den vollen Zügen Richtung Hamburg schnell wieder. Nichts ist es mehr mit der Ruhe.
Ohne Fahrer quer durch die Stadt
Gerade für Senioren ist das schon beeindruckend. Die Metro ist der neueste Teil des Kopenhagener Verkehrsnetzes. Die fahrerlosen Züge verkehren regelmäßig den ganzen Tag, oft sogar alle drei Minuten. Sonntag bis Donnerstag zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens gibt es weniger Verbindungen, rund alle 20 Minuten. Die Metro ist eine schnelle Möglichkeit, vom Flughafen zur zentral gelegenen Nørreport Station zu kommen, in etwa 15 Minuten.
Drittgrößte Stadt Schwedens
Malmö liegt in der historischen schwedischen Provinz Schonen, ist Hauptstadt der Gemeinde Malmö und hat etwa 330.000 Einwohner. Malmö ist nach Stockholm und Göteborg die drittgrößte Stadt des Landes.
Infos im Internet zu Malmö www.tourist.de/Malmoe
Die Stadt auf zwei Inseln
Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen liegt auf den küstennahen Inseln Seeland und Amager. Über die Öresund-Brücke ist die Stadt mit Malmö in Südschweden verbunden. In Indre By, der historischen Altstadt, befindet sich Frederiksstaden, ein Rokokoviertel mit dem Schloss Amalienborg, Residenz der königlichen Familie. In der Nähe liegen das Schloss Christiansborg und inmitten von Gärten das Renaissanceschloss Rosenborg, das die Kronjuwelen beherbergt. Kopenhagen hat rund 650.000 Einwohner, im Metropolgebiet sind es rund 1,2 Millionen.
Infos im Internet unter www.visitcopenhagen.de
Klaus Karkmann © SeMa
Bald locken wieder Tagesausflüge an die See – es gibt lohnende Alternativen!
Am Plöner See (hier in Bosau) herrscht eventuell etwas mehr Ruhe. Und schön ist es allemal.
Ort: Der Große Plöner See ist mit gut 28 Qua-dratkilometern der größte See in Schleswig- Holstein und der zehntgrößte See in Deutschland. Er erstreckt sich südwestlich der Stadt Plön, die an seinem Ufer liegt.
Freizeit: Schwimmen, Paddeln, Segeln, Tauchen und jede Menge Wassersport sind in vielen Orten am Großen Plöner See und den angrenzenden Gewässern möglich. Außerdem ist der Plöner See für seine vielen Camping-Möglichkeiten bekannt.
Anfahrt/Strecke von Hamburg aus: Über die A1 oder A7 von Hamburg aus 80 bis 90 Kilometer. Regionalbahnen von HH-Hbf. mit Umstieg in Lübeck oder Kiel.
Infos im Internet: www.holsteinischeschweiz.de
Die Radwege an der Müritz sind sehr weitläufig und haben wunderschöne Natur zu bieten.
Ort: Waren (Müritz) ist mit mehr als 21.000 Einwohnern eine Mittelstadt und ein Kurort im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist Sitz des Amtes Seenlandschaft Waren.
Möglichkeiten: Natur pur, viel Raum, Seenplatte ohne Ende und traumhafte Radwege. Eine wunderbare Gegend zum Abschalten.
Anfahrt/Strecke von Hamburg aus: Über die Autobahn 24 Richtung Berlin bis Dreieck Wittstock/Dosse, dann Richtung Rostock bis zur Abfahrt Waren. Rund 230 Kilometer.
Bahnverbindung: Zwei Umstiege in Bützow und Güstrow sind notwendig.
Infos im Internet: www.waren-mueritz.de
Das Steinhuder Meer.
Ort: Das Steinhuder Meer in Niedersachsen ist mit einer Fläche von 29,1 Quadratkilometern der größte See Nordwestdeutschlands. Der Hauptort am See ist Steinhude, wo auch die Schiffe ablegen.
Möglichkeiten: Radfahren in unbegrenzter Natur, lange Zeit durch Naturschutzgebiete. Auf der einen Seite des Sees ist eine Infrastruktur mit Stränden, Restaurants und Herbergen errichtet worden. Also Strandfeeling mitten in Niedersachsen. Viele Fischrestaurants.
Anfahrt/Strecke von Hamburg aus: Rund 170 Kilometer zunächst A 7, dann ab Kreuz Hannover Richtung A 2, Richtung Dortmund, bis zur Abfahrt Wuns- torf/Steinhuder Meer. Eine Bahnverbindung gibt es nicht, aber vom Hauptbahnhof Hannover fahren in der Saison Shuttle-Busse zum Steinhuder Meer.
Infos im Internet: www.steinhuder-meer.de
So sieht es im Hochsommer an der Nord- und Ostesseküste aus. Und so weit muss man an Wochenenden erst einmal kommen.
Ort: Das Zwischenahner Meer ist ein See in der Gemeinde Bad Zwischenahn im Landkreis Ammerland in Niedersachsen. Seine Fläche beträgt nur 5,5 Quadratkilometer. Die Gegend ist für ihre traumhafte Natur mit sehr viel Raum berühmt. Bad Zwischenahn ist für heilsame Kuren bekannt.
Möglichkeiten: Segeln, Surfen, Stand-up-Paddling oder Schwimmen? Das Zwischenahner Meer bietet für Wassersportbegeisterte die idealen Voraussetzungen, auch eine Radrunde um das kleine Meer ist gut zu schaffen (rund elf Kilometer).
Anfahrt/Strecke von Hamburg aus: Rund 220 Kilometer. A1 Hamburg, Bremen, Dortmund bis Anschlussstelle Ahlhorner Heide, dort auf die A29 Richtung Wilhelmshaven/Emden/Leer. In Oldenburg auf die Autobahn A28 in Richtung Emden/Leer. Dann Ausfahrt Nummer 9 Neuenkruge oder Nummer 8 Zwischenahner Meer.
Bahnverbindung: Bad Zwischenahn ist Haltepunkt der Bahnstrecke Bremen-Norddeich Mole, sowohl für Intercity als auch für die Regionalbahn (Regionalexpress). HH-Hbf., dann Umstieg in Bremen.
Infos im Internet: www.bad-zwischenahn-touristik.de
Klaus Karkmann © SeMa
Auf der Müritz fahren jede Menge alte Schiffe. Zentralpunkt ist Waren/Müritz.
Selten war die Sehnsucht so groß. Nicht nur die endlose Corona-Schleife, auch das trübe Wetter der vergangenen vier Monate lassen viele Norddeutsche vom unbeschwerten (Kurz)-Urlaub träumen. Der ist hierzulande im Frühling/Sommer fast zwangsweise mit Nord- und Ostsee sowie deren Stränden verbunden. Aber halt: Bei allem Verlangen nach dem kühlenden Nass sollten wir uns auch an die übervollen Autobahnen, die Blechlawinen auf den Parkplätzen von Scharbeutz, Haffkrug (Ostsee) sowie Büsum oder St. Peter-Ording (Nordsee) im Jahr 2021 erinnern, von dem Sylter Massenauflauf ganz zu schweigen. Stundenlange Langeweile im Stau, wegen Überfüllung gesperrte Parkplätze bis zu Polizei-Weisungen, bitte wieder umzudrehen, waren auch Teile der Never-Ending-Summer-Story. Das SeMa hat einige Vorschläge, wo es an den kommenden Wochenenden nicht ganz so voll, aber genauso erholsam sein könnte.
Klar, so ein richtiger Seebär ist man nur, wenn man mit Schippermütze über das Meer bis an den Horizont schauen kann. Aber so weit muss man erst einmal kommen. „Bei uns war im vergangenen Juli an einem Freitag in Bargteheide am Ende eines 40-Kilometer-Staus Schluss“, sagt die 64-jährige Heidi M. aus Hamburg-Jenfeld. Statt Strand und Sonnenöl hieß es für sie und ihren hoch genervten Ehemann auf der A 1 Umkehr und „Traumschiff“ oder „Bergdoktor“ im Wohnzimmer – also TV wie immer. Muss das sein? Nicht unbedingt. Wer auf das Maritime in Hochhkultur verzichten kann, hat Alternativen. Das SeMa hat da als Vorschläge den Großen Plöner See, Waren an der Müritz, das Steinhuder Meer oder auch das Zwischenahner Meer im Blick. Alles von Hamburg aus in maximal rund zwei Stunden erreichbar, sehr attraktiv und vielleicht am Wochenende nicht ganz so voll. Man wird doch wohl hoffen dürfen.