{"id":31894678,"date":"2025-07-01T09:00:00","date_gmt":"2025-07-01T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/relaunch.sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/?p=31894678"},"modified":"2026-10-16T09:20:33","modified_gmt":"2026-10-16T07:20:33","slug":"freddy-quinn-seine-lebensluegen-und-wie-er-wirklich-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/artikel\/freddy-quinn-seine-lebensluegen-und-wie-er-wirklich-war\/","title":{"rendered":"Freddy Quinn: Seine Lebensl\u00fcgen und wie er wirklich war"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group container prose sema-artikel is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\" style=\"padding-top:2.5rem\">\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem sich der S\u00e4nger, Schauspieler, Artist und erfolgreichste K\u00fcnstler der 50er und 60er Jahre vor fast 15 Jahren aus der \u00d6ffentlichkeit verabschiedete, sind seine Fans sehr erfreut, dass er jetzt die Autobiografie mit dem Titel \u201eWie es wirklich war\u201c ver\u00f6ffentlichte. Ich habe die 264 Seiten gelesen, um in erster Linie zu erfahren, was ich bisher nicht wusste. Es sind auch Einblicke in seine Seele, die er fr\u00fcher nie zulie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er schreibt auf der R\u00fcckseite: ,,Nach all den Jahren f\u00fchlt es sich fast wie eine Befreiung an, dies endlich auszusprechen.\u201c Auf den 264 Seiten erz\u00e4hlt er sein ganzes Leben und macht auch Schluss mit den Mythen vom einsamen Seemann und dem traurigen Einzelg\u00e4nger. Er berichtet \u00fcber sein Leben voller Musik, sch\u00f6nen und dramatischen Augenblicken, \u00fcber die Liebe, dass es ihm gut geht, er mit seiner Frau Rosi und ihrer Familie gl\u00fccklich ist und keinesfalls einsam. Er bedankt sich, sagt tsch\u00fcs und betont, dass es kein \u201eJunge, komm bald wieder\u201c geben wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:0.75rem\">Freddy Quinn stellte immer seine Arbeit in den Vordergrund \u2013 nie sich selbst<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Freddy Quinn, wenn es um das Beschreiben seines Lebens ging, ab und zu flunkerte, war mir bewusst. Ich dachte immer, dass er wohl seine Gr\u00fcnde daf\u00fcr hatte und fragte in meinen Interviews immer nur nach seinen derzeitigen beruflichen Aufgaben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Sie von dem inzwischen 93-J\u00e4hrigen, der sieben Sprachen spricht und in elf Sprachen sang, die authentische Lebensgeschichte erfahren m\u00f6chten, schlage ich Ihnen vor, dieses Buch zu lesen. Der Journalist Daniel B\u00f6cking setzte alles in Worte um, was Freddy Quinn ihm in langen Gespr\u00e4chen verriet und diktierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass er sich selbst nie in den Vordergrund stellte, sondern immer seine Arbeit, wusste ich schon, bevor ich jetzt seine Autobiografie gelesen habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehrmals durfte ich ihn mit meiner Kamera begleiten, obwohl ich wusste, dass er keine Journalisten und noch weniger Fotografen mochte. Vielleicht lag es daran, dass er mir das Du anbot, weil ich Heidi Kabel Jahrzehnte als Fotografin begleitete und Freddy sie sehr mochte und verehrte. In der Serie \u201eHeidi und Erni\u201c, die Anfang der 90er Jahre in Bayern gedreht wurde, spielte Freddy Quinn einen Artisten. Bei dem sogenannten Bergfest, welches in der Mitte der Arbeiten nach Drehschluss gefeiert wurde, war er nicht dabei. Ich entdeckte ihn gegen Mitternacht auf dem Gel\u00e4nde allein in dem Zirkuszelt bei der Probe zu seinem Hochseilauftritt am n\u00e4chsten Tag. Ich h\u00f6rte: \u201eWas machst Du denn hier? Ich hoffe, nicht fotografieren?\u201c Nach kurzem Grummeln lie\u00df er es zu. Er bewies auch hier bei dem Training seine Disziplin und Professionalit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter erlebte ich von ihm auch sehr pers\u00f6nliche Momente der Freude und der Traurigkeit. Als seine Lebenspartnerin, Vertraute und Managerin Lilli Blessmann, im Januar 2008 starb, brach f\u00fcr ihn eine Welt zusammen. Monatelang besuchte er Orte, an denen er mit ihr gl\u00fccklich war, wie mir ein Freund berichtete. Als Freddy eine einseitige Traueranzeige in der \u201eBILD\u201c-Zeitung ver\u00f6ffentlichte, lie\u00df er es zu, dass ich ihn mit dieser fotografierte. Dies war ein sehr privater Moment, in dem ich den Entertainer allein in seiner Garderobe besuchen konnte und sah, dass er Tr\u00e4nen in den Augen hatte. Aber auch seine Tr\u00e4nen der Freude und R\u00fchrung m\u00f6chte ich erw\u00e4hnen, die auch jetzt noch bei YouTube zu sehen sind. Jonny Hill trug 2001 die von ihm extra f\u00fcr den Anlass komponierte und getextete Hommage w\u00e4hrend einer Gala zum 70. Geburtstag von Freddy Quinn in Hamburg vor. In seiner Autobiografie schreibt der 93-J\u00e4hrige auf den Seiten 257 \u2013 259 dazu:,,Wenn mich jemand sp\u00e4ter nach meiner Lebensgeschichte fragte, habe ich geantwortet: H\u00f6r dir dieses Lied an. Das ist die sch\u00f6nste Lebensgeschichte, die man sich vorstellen kann. Mit ihr ist alles gesagt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gl\u00fccklich erlebte ich den geb\u00fcrtigen \u00d6sterreicher, wenn er auf B\u00fchnen stand, um in Theaterst\u00fccken oder bei Musikveranstaltungen sein Publikum zu erfreuen, und auch, w\u00e4hrend er als Sam Hawkins 1993 und 1994 in der Arena der Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg bei Wind und Wetter seine komische Seite zeigen konnte. Ich war auch bei einem seiner letzten musikalischen Abende in Hamburg in der Musikhalle dabei. Es gab noch keine Handys, aber Kameras, mit denen das Publikum ihre Idole fotografierten. Freddy trat am Anfang seines Konzertes an den Rand der B\u00fchne und bat darum, ihn jetzt nicht abzulichten und, dass er Gelegenheit dazu geben w\u00fcrde. \u201eSo, jetzt k\u00f6nnen Sie ihre Kameras z\u00fccken.\u201c Er nahm sich die Zeit, von einer Seite der B\u00fchne zur anderen zu gehen und den Besuchern dabei die M\u00f6glichkeit zu geben, ihn w\u00e4hrend dieser Momente zu fotografieren. Alle waren zufrieden, und er setzte sein Konzert ohne St\u00f6rungen fort. Eine sch\u00f6ne Geste, dachte ich damals.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bewegende Minuten waren auch, als ich nur zwei Meter von ihm entfernt an Deck des Schiffes stehen und fotografieren durfte, von dem aus er 2004 \u00fcber 88 000 Besucher zum Hafengeburtstag begr\u00fc\u00dfte und mit ihnen sein Lied \u201eLa Paloma\u201c sang. Dieser Moment verschaffte ihm, zusammen mit dem gr\u00f6\u00dften Chor der Welt, einen Eintrag ins \u201eGuinness-Buch der Rekorde\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einem Exklusiv-Fototermin im Circus Charles in Hannover kam er p\u00fcnktlich an und erkl\u00e4rte gleich deutlich, dass er eigentlich gar keine Zeit habe. Als die f\u00fcr ihn unangenehme Fotografiererei im Zelt vorbei war, \u00fcberredete ihn die Familie Maatz, gemeinsam im Wohnwagen eine Tasse Kaffee zu trinken. Sp\u00e4ter war nicht mehr die Rede von \u201ekeine Zeit\u201c. Freddy war in seinem Element bei Artisten, die er immer bewunderte, da sie hart und ohne Netz und doppelten Boden arbeiten. Schnell holte er seinen legend\u00e4ren Pilotenkoffer aus dem Auto und zeigte u. a. seine Foto- und Dokumentensch\u00e4tze, die er immer bei sich trug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freddy Quinn liebte asiatische Menschen und deren Essen. Oft waren diese fernen L\u00e4nder Ziele seiner Urlaube. Aber auch in chinesischen Restaurants auf und neben der Reeperbahn, lie\u00df er sich kulinarisch verw\u00f6hnen. Auf einem seiner T-Shirts und auf der Krawatte entdeckte ich chinesische Zeichen. Mit einem Foto davon bat ich die Chefin eines Restaurants, mir diese zu \u00fcbersetzen. Ich erfuhr, dass es \u201eich mag chinesische Freunde\u201c hei\u00dft, was zu 100 Prozent auf ihn zutrifft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Privat hatte der K\u00fcnstler Spa\u00df daran, seine Fans zu verbl\u00fcffen. Er verteilte z. B. Visitenkarten nach der Frage: \u201eWollen Sie meine Karte haben?\u201c, die immer mit Ja, gern beantwortet wurde. Allerdings \u00fcberreichte er dann eine blanke wei\u00dfe Karte, auf der nur zu lesen war \u201eMeine Karte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:0.75rem\">\u201eIst sie auch so zickig wie ich?\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tausendsassa hasste es, wenn geraucht wurde. Selbst Helmut Schmidt bat er, aus der Garderobe zu gehen, als er sich eine Zigarette anz\u00fcnden wollte. Der Politiker rauchte dann im Foyer. Wenn Freddy Raucher in seiner N\u00e4he sah, gab er ihnen gern schmunzelnd ein kleines Streichholzbriefchen mit H\u00f6lzern, deren Brennk\u00f6pfe abgeschnitten waren. Auch einen 1000-Dollar-Schein mit seinem Konterfei und seiner Adresse auf der R\u00fcckseite verschenkte er gern als Werbemittel. Seine Schlagfertigkeit und seinen Humor lernte ich auch pers\u00f6nlich kennen, als ich ihm seine Frage beantwortete, wen ich denn nicht mehr gern fotografiere. Als ich antwortete \u201eMarika R\u00f6kk und Freddy Quinn\u201c, bekam ich schmunzelnd als Antwort: \u201eIst sie auch so zickig wie ich?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich k\u00f6nnte Ihnen noch viel mehr \u00fcber den Tausendsassa berichten, daf\u00fcr fehlt leider der Platz. Wenn Sie sich die Autobiografie kaufen oder bei einem Wien-Urlaub das Freddy-Quinn-Museum (www.freddy-quinn-archiv.at) der Familie Klinger besuchen, bleiben zu dieser K\u00fcnstler-Legende fast keine Fragen offen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das Team des SeMa bedankt sich bei Freddy Quinn f\u00fcr \u00fcber 60 Jahre Unterhaltung. Seine Lieder, Filme und artistischen H\u00f6chstleistungen ber\u00fchrten Generationen von Menschen. Wir w\u00fcnschen ihm alles Gute und, dass er am 27. September 2031 seinen 100. Geburtstag gl\u00fccklich feiern kann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph sema-autor\">Text: \u00a9 Marion Schr\u00f6der<\/p>\n\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem sich der S\u00e4nger, Schauspieler, Artist und erfolgreichste K\u00fcnstler der 50er und 60er Jahre vor fast 15 Jahren aus der \u00d6ffentlichkeit verabschiedete, sind seine Fans sehr erfreut, dass er jetzt die Autobiografie mit dem Titel \u201eWie es wirklich war\u201c ver\u00f6ffentlichte. 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