{"id":31894094,"date":"2026-03-01T09:00:00","date_gmt":"2026-03-01T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/relaunch.sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/?p=31894094"},"modified":"2026-10-16T09:20:28","modified_gmt":"2026-10-16T07:20:28","slug":"im-maerzen-der-bauer-ueberall-und-auch-in-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/artikel\/im-maerzen-der-bauer-ueberall-und-auch-in-hamburg\/","title":{"rendered":"Im M\u00e4rzen der Bauer \u2026 \u00fcberall und auch in Hamburg"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group container prose sema-artikel is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\" style=\"padding-top:2.5rem\">\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"757\" src=\"https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-22-0-1024x757.jpg\" alt=\"Das Bild zum Lied \u2013 der Maler August Broberg (1887\u20131973) hat hier genau die Stimmung eingefangen, die das Lied besingt.\" class=\"wp-image-31894095\" srcset=\"https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-22-0-1024x757.jpg 1024w, https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-22-0-300x222.jpg 300w, https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-22-0-768x568.jpg 768w, https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-22-0.jpg 1213w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Bild zum Lied \u2013 der Maler August Broberg (1887\u20131973) hat hier genau die Stimmung eingefangen, die das Lied besingt.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph sema-bildnachweis\">Foto: J\u00f6rg Eggers Stockholms Auktionswerk Hamburg, Arne Eggers https:\/\/www.frisches-aus-hamburg.de\/, Krause<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist gar nicht so alt, das Lied vom Bauern, den R\u00f6sslein, der B\u00e4uerin und den M\u00e4gden: Gedruckt erschien es erstmals 1905 in Josef Pommers Liederbuch f\u00fcr die Deutschen in \u00d6sterreich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die \u201eR\u00f6sslein\u201c von der Technik bis auf wenige Ausnahmen abgel\u00f6st wurden und aus der \u201eMagd\u201c inzwischen eine \u201elandwirtschaftliche Mitarbeiterin\u201c geworden ist, h\u00e4lt es sich wacker \u2013 das Lied vom unerm\u00fcdlichen Landvolk, das von fr\u00fch bis sp\u00e4t die H\u00e4nde regt und im Winter fr\u00f6hlich schmaust.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Lied wird Landwirtschaft arg vereinfacht und idealisiert dargestellt \u2013 doch selbst Mozart h\u00e4tte sicher ein Problem gehabt, auf \u201elandwirtschaftliche Mitarbeiterin\u201c eine Melodie zu erfinden. Also werden auch in diesem Jahr wieder die R\u00f6sslein angespannt \u2013 musikalisch und ganz real. Auch in der Freien und Hansestadt Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:0.75rem\">Es gr\u00fcnt so gr\u00fcn<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eliza Doolittle bringt es im Musical \u201eMy Fair Lady\u201c auf den Punkt. Auch Hamburg \u201egr\u00fcnt so gr\u00fcn\u201c. Nur wenige St\u00e4dte haben ein so \u00fcppiges Gr\u00fcn aufzuweisen. Schon seit dem Mittelalter geh\u00f6rten landwirtschaftliche Fl\u00e4chen zur Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem \u201eGro\u00df-Hamburg-Gesetz\u201c von 1937 wurden nicht nur die St\u00e4dte Altona, Wandsbek und Harburg Hamburg zugeschlagen, sondern etliche Gemeinden mit \u00fcberwiegend landwirtschaftlichem Charakter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hamburg vergr\u00f6\u00dferte sich um 415 Quadratkilometer und weist heute eine Gesamtfl\u00e4che von 755,09 Quadratkilometer auf. Mit anderen Worten: Paris mit seinen mickrigen 105,40 km\u00b2 passt locker siebenmal auf die Fl\u00e4che der Hansestadt!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:0.75rem\">Nicht nur H\u00e4nde regen sich<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gackert, muht, grunzt, bl\u00fcht und w\u00e4chst auch in der Hansestadt. Stand 2023 bewirtschaften 510 (2016: 625) landwirtschaftliche Betriebe 14 000 Hektar und damit fast 2 Prozent des Stadtgebiets. 3297 Personen in 1747 Arbeitskr\u00e4fteeinheiten (AK-E) in der Landwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur Airbus, Hafen und Kupfer pr\u00e4gen das Gesicht Hamburgs. Der zweifelhafte Ruhm, Namensgeber f\u00fcr eine platt gedr\u00fcckte Frikadelle im Pappbr\u00f6tchen zu sein, klebt auch an der Stadt. Rot, saftig und gesund sind hingegen die Tomaten, die als \u201eVierl\u00e4nder Platte\u201c und \u201eVierl\u00e4nder Runde\u201c sozusagen als Undercover-Hamburgerinnen ein Alleinstellungsmerkmal haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large sema-klein\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"271\" height=\"248\" src=\"https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-22-2.jpg\" alt=\"Regionaler geht es nicht: Die \u201eVierl\u00e4nder Platte\u201c ist nicht nur eine echte Hamburgerin, sondern sie hat ganz real ihre \u2026\" class=\"wp-image-31894096\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Regionaler geht es nicht: Die \u201eVierl\u00e4nder Platte\u201c ist nicht nur eine echte Hamburgerin, sondern sie hat ganz real ihre Wurzeln in der Stadt \u2013 auf dem Gem\u00fcsehof von Arne Eggers.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft handelt es sich bei Lebensmitteln mit St\u00e4dtenamen um verarbeitete Produkte. Die Vierl\u00e4nderinnen sind dagegen solo ein Genuss. Von April bis November werden sie auf M\u00e4rkten und in vielen REWE-M\u00e4rkten angeboten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen den \u201eEwig haltbar\u201c-Strom schwimmt die \u201ePlatte\u201c. Sie ist \u201edick\u201c (bis zu 600 Gramm), d\u00fcnnh\u00e4utig und will rasch verzehrt werden. Daf\u00fcr belohnt sie mit einem Geschmackserlebnis, das sich deutlich von der Masse abhebt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:0.75rem\">Zum Beispiel Zitrone<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vereinfacht gesagt kommt Obst f\u00fcr Hamburg aus dem Alten Land, und Blumen und Gem\u00fcse kommen aus den Vier- und Marschlanden. Die vier Lande sind Altengamme, Curslack, Kirchwerder und Neuengamme. Die Stadtteile Allerm\u00f6he, Billwerder, Moorfleet, Neuallerm\u00f6he, Ochsenwerder, Reitbrook, Spadenland und Tatenberg sind die Marschlande. Gemeinsam nehmen die Vier- und Marschlande gut 17 Prozent des Hamburger Stadtgebiets ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und Zitrone? Die f\u00fchlt sich in Hamburg \u2013 genauer gesagt auf dem Milchhof Reitbrook \u2013 wohl. Zitrone ist eine von 185 K\u00fchen des Milchhofs, die, wenn die Natur es wieder zul\u00e4sst, auf den weiten Wiesen rund um den Hof weiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die K\u00fche werden t\u00e4glich zweimal gemolken \u2013 ihre Milch ist nicht nur ein wertvoller Kalziumspender, sondern steht im Sprachgebrauch f\u00fcr F\u00fclle und Wohlstand. An Letzterem hapert es nicht selten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu viel Milch am Markt f\u00fchrt dazu, dass der monatlich amtlich ver\u00f6ffentlichte Grundpreis unter die Selbstkosten der Landwirte f\u00e4llt. Das kann sich auf die Preise milchbasierter Produkte auswirken \u2013 so wie zuletzt Ende 2025 auf den Butterpreis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbrigens: Kuh Zitrone wurde \u201etrockengelegt\u201c. Weil sie tr\u00e4chtig ist, wird sie nicht gemolken. Erst f\u00fcr ihr K\u00e4lbchen wird sie wieder Milch haben!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:0.75rem\">K\u00fche atmen nicht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Preisschwankungen bei Milch haben auch damit zu tun, dass K\u00fche nicht \u201eatmen\u201c. Zumindest nicht so, wie Peter Hartz \u2013 VW-Vorstand und Vater von Hartz IV \u2013 es in den 1990er Jahren f\u00fcr die VW-Fabriken einf\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit \u201eatmen\u201c bezeichnete er eine flexible Anpassung der Arbeitszeiten und Produktionsmengen an die aktuelle Auftragslage. Bei schwacher Nachfrage sinkt die Arbeitszeit, bei hoher Nachfrage steigt sie.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"595\" height=\"386\" src=\"https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-23-0.jpg\" alt=\"Fr\u00fcher in vielen Stadtteilen Hamburgs ein normales Bild \u2013 heute nur noch selten anzutreffen.\" class=\"wp-image-31894097\" srcset=\"https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-23-0.jpg 595w, https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-23-0-300x195.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 595px) 100vw, 595px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fr\u00fcher in vielen Stadtteilen Hamburgs ein normales Bild \u2013 heute nur noch selten anzutreffen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">K\u00fche produzieren t\u00e4glich Milch \u2013 sie nicht zu melken ist keine Option. Wird ihr Bestand bei sinkender Nachfrage reduziert, l\u00e4sst sich die Milchproduktion nicht sofort wieder hochfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Landwirte leiten keine Fabriken. Ver\u00e4nderungen wirken sich oft erst mit erheblicher Verz\u00f6gerung aus. Bauern m\u00fcssen erfinderisch sein, um dem Preisautomatismus von Angebot und Nachfrage sowie dem Druck der Handelsketten zu entkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstvermarktung hei\u00dft in Reitbrook das Zauberwort. Nicht nur mit Hofladen und Caf\u00e9 \u2013 im Einzugsgebiet versorgt der Milchhof seine Kunden sogar bis an die Haust\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large sema-klein\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"375\" height=\"375\" src=\"https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-23-1.jpg\" alt=\"Jan-Hendrik Langeloh mit Kuh Zitrone. Sein Milchhof bietet nicht nur einen Lieferservice, sondern ist auch einer der \u2026\" class=\"wp-image-31894098\" srcset=\"https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-23-1.jpg 375w, https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-23-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/sema-seniorenmagazin.de\/onlinemagazin\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2026-03-23-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jan-Hendrik Langeloh mit Kuh Zitrone. Sein Milchhof bietet nicht nur einen Lieferservice, sondern ist auch einer der seltenen Anbieter von \u201eVorzugsmilch\u201c.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:0.75rem\">\u201eWie viel Erde braucht der Mensch?\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So hei\u00dft eine Erz\u00e4hlung von Lew Tolstoi. Zeitlos g\u00fcltig, berichtet sie von der Gier nach immer mehr \u2013 mehr von dem, was sich nicht vermehren l\u00e4sst: Grund und Boden. Reichlich vorhanden ist dagegen Geld \u2013 Geld, das untergebracht werden will. Landwirte ben\u00f6tigen Land, sonst k\u00f6nnen sie nicht arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwar sch\u00fctzen Gesetze landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4chen unter bestimmten Voraussetzungen vor Spekulationen, doch ist externer Landerwerb nicht grunds\u00e4tzlich unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da viele Landwirte nicht nur eigenes, sondern auch Pachtland bewirtschaften, hat vagabundierendes Geld Einfluss auf die Pacht \u2013 und damit auf die Kosten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" style=\"margin-top:2rem;margin-bottom:0.75rem\">Wie viel Stempel braucht das Land?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedenfalls nicht so viele, wie die B\u00fcrokratie bereith\u00e4lt. Obwohl Politiker st\u00e4ndig versichern, B\u00fcrokratie abbauen zu wollen, fehlt offensichtlich die Kraft dazu \u2013 auch f\u00fcr die den Landwirten zugemutete B\u00fcrokratie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reinhard Meys Chanson vom \u201eAntrag auf Erteilung eines Antragsformulars\u201c ist auch in der digitalen Welt Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bef\u00fcrchtungen der Bauern, dass landwirtschaftliche Produkte aus den Mercosur-L\u00e4ndern mit geringeren Futter-, Lohn- und B\u00fcrokratiekosten belastet sind, d\u00fcrften berechtigt sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph sema-autor\">Text: Franz-Josef Krause<\/p>\n\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: J\u00f6rg Eggers Stockholms Auktionswerk Hamburg, Arne Eggers https:\/\/www.frisches-aus-hamburg.de\/, Krause Es ist gar nicht so alt, das Lied vom Bauern, den R\u00f6sslein, der B\u00e4uerin und den M\u00e4gden: Gedruckt erschien es erstmals 1905 in Josef Pommers Liederbuch f\u00fcr die Deutschen in \u00d6sterreich. 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